Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1923)
- Date
- 1923-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 27a JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4b Offener Brief an Herrn Dr. C. in O, Erinnern Sie sich, vcrelirtcr Har Doktor, unserer Unterh.ritung über Judenhaß und Abwehr auf ihrer Garten• tcrrassc? Ich lernte. Sie damals als einen Mann kennen, dem die Formel ״Deutschland und Judentum“ nicht nur bequeme Feststellung ist, sondern Ausdruck und Ziel ernst• haften Ringens und einer menschlichen Aufgabe. Ich mußte also begreifen, daß die nationaljiidische Idee und ihre Be• grüwlung von ihnen «wohl verstanden, nie aber gefühlt und anerkannt werden kann und daß Sie stets alles vom Zionismtts trennen wird als einer Anschauung Ihrem Empfinden zuwider, die Ihnen den Sinn Ihres jüdischen Lebens zu ge• fährden scheint. Dennoch, glaube Ich, werden wir gern dieser Aussprache gedenken, die zwischen uns Gegnern manche Ucbereinslimimmg ergab; denn sic bedeutete einen ehrlichen Versuch, 0l1nc Nachgiebigkeit im Prinzipiellen zu befriedigenden Losungen zu gelangen. Darf ich ans dem Gedächtnis den Verlauf der Unterhaltung wiedergeben? Sic verteidigten — etwas spektisch — die fleißige Tätigkeit des Centralvercins, sein Vorgehen gegen ,antisemitische Ausschreitungen, seine Prozeß-, seine Versammlungspraxis, Bemühungen hei Regierung und Parlament, bei Parteien und Presse, sein ausdauerndes Bestreben, Verleumdungen zu wider• legen, Unwissende aufztiklären, jüdische Fehler zu bekämpfen. Mich selbst erstaunte diese Heerschau der Fälle, das Aufgelrot von Intellekt und Fleiß, mehr freilich noch Ihr offenes Urteil: ״Leider entspricht das Ergebnis nicht der Anstrengung“. Vom Verteidiger wurden Sie zum besorgten Kritiker der bisheiigcn Leistung: ״Soll man alle Hoffnung auf Rcgicrungs- Zusagen setzen, wenn jeder Tag einen völligen Umsturz bringen kann? Welch dauernden Wert haben unsere Bemühttngen um Rechtsschutz, der licut schon widerwillig 'genug gewährt ward, wenn wir vielleicht demnächst in einen* Zustand völliger Reehtsunsiclicrheit leben werden? Was wird, solange es noch geht, getan, um dem deutschen Judentum die innere Stärke, die äußeren Möglichkeiten zu geben, auch über Zeiten der Not und Verfolgung hinwegzukoimncn? Unsere Abwehrmethoden von heut können nie Inhalt, können stets nur Ergänzung großzügiger jüdischer Politik sein. —- Worauf stützen wir uns? An die Mehrheit des Bürgertums kommen wir nicht heran. Das liest die von rechts korrtanpierte Presse. Unsere Versammlungen? Wir füllen sic selbst. Unsere Broschüren? Wieviel Nichtjuden mögen sie lesen?“ ״״Vielleicht wäre man erfolgreicher, wenn man in Ihren Kreisen offenkundige Tatsachen offen zugeben würde. Der Deutsche will offenbar nichts mehr von der Gleichartigkeit von Deutschen und Juden oder von dem deutschen Stamm, der Juden hören. Es sind nicht nur Antisemiten, die darüber lächeln.“ “ ן ״Ich bin Dculscher von Gefühl und Willen. Daß man mein Deutschtum bestreitet, daß viele Christen den Juden nicht lieben, ist ihre, nicht meine Sache. Meine Gesinnung hängt nicht an der Billigung von Antisemiten oder Philosemiten. — Dasselbe gilt für mein Judentum. Die jüdische Provinz In meinem Herzen kann nicht aufgegeben werden und darf kein Gegenstand der Diskussion oder der Wertung sein. Genug. Die bisherige Abwehrarbeit ist prinzipiell nützlich und notwendig, aber sie reicht nicht aus. Seit dein Rathcnau-Mord ist der Weg zu allen Katastrophen frei. Da sollte hinter dem Kampf um unsere Existenz doch mehr stehen als eine Organisation,“ ,,״Wollen Sie bitte erklären?““ ״Ich denke an die Mobilisierung der ganzen Judcnhcit für diesen Kampf. Ali die Uebcrwindung der Widerstände, die jede des Namens würdige Abwehrpolitik hemmen. Es gilt, die Gründe für die Brüchigkeit unserer Arbeit zu bescitigcn.“ ״״Meinen Sie die viel geforderte Einheitsfront? Sollte nicht die ״Brüchigkeit Ihrer Arbeit“ Methoden zuzuschreiben sein, deren gefährliche Wertlosigkeit wir Zionisten stets rügten? Sic sind Demokrat alten Schlages, aus den Reihen derer um Theodor Barth. Mit welcher Verachtung eiferte Ihr großer Führer stets gegen Lippcnpatriotisinus, Deutschtümelei, überbetonte Loyalität, vor allem aber gegen die scrvilhoclunütigcn Pronunziamicntos der allein guten und sl.i.itsrrli.ritendcn Gesinnung! — Da sehen Sic dies Schreiben des ,Vaterländischen Bundes Jüdischer Frontsoldaten‘. Es klingt wie ,Vaterländische Kampfverbändc‘. Der Titel hat gewollt oder ungewollt den fatalen Beigeschmack von Beschuldigurig und Mißachtung weniger vaterländisch Gesinnter, weniger liontbewährter Juden. Das Vaterland sollte nicht zum Aushänge- oder gar zumt Sdiutzschild werden. Man sollte nicht einen Teil der Judcnhcit preisgeben und damit den anderen kompromittieren dürfen. Die Dummheit der jüdischen Angriffe gegen die Ostjuden hat sich ja bitter genug gerächt. — Nein, Herr Doktor, ich kann mich mit der gcwöluilidien Methode innerlich Schwacher nicht abfinden, die mit ihren Feinden gut stehen wollen und es so mit ihren Freunden oder doch mit ihren natürlichen Bundesgenossen verderben.““ ״Unsere Schwäche, glauben Sie mir, liegt nicht so sehr au unseren Methoden, wie an einem Teil unserer Menschen. Nehmen Sie viele unserer einflußreichen! Leute, unserer Notabcln. Sie sind Vorstandsmitglieder im Ccntralvcrein, opfern für ,Leben und Ehre‘, ärgern sich über Antisemitismus. Aber sic sind vor allen! Angehörige ihrer sozialen und wirtschaflliclicii Schicht, — das ist stärker als ihr Judentum. — Ihr Herz ist im Grunde bei den Männern des Zelinstundentages, die gleiche wirtschaftliche Interessen wie sie vertreten* und mit denen sic ganz einig wären, wenn es, ach, nicht gar so arge Antisemiten wären. — ln* Grunde fürchtet man eben den Sozialismus mehr als den Pogrom, dem man sich schon zu entziehen gedenkt.“ ״ ״Ich glaube, Ihr Urteil über Ihre Gesinnungsgenossen..“ “ ״OcsinnungsgemsR-eit. Gesinnung bewährt sich im Leben! Es gibt im deutschen Judentum zwei verschiedene Arten von Menschen, die wenig miteinander zu tun haben. Die Gründung des Verbandes nationaldeutscher Juden hätte die Klärung bringen "können. Die Gelegenheit wurde versäumt. — Mir scheint alles darauf anzukominen, welche Rolle die jüdische Anschauung im Dasein des Einzelnen spielt. Eine Sdiwerpuuk'svevkgung von der materiellen auf die jüdische Seite täte Not,“ ״ ״Sie nähern sich unserer Forderung nach dem Primat des Judentums.“ “ ״Lassen Sie dies Schlagwort. — Mir genügt als Voraussetzung einer starken Abwehr die erfolgreiche Durchführung einer ,inneren Mission‘ im Sinne von Eugen ' Fuchs. Abwehr des Antisemitismus müßte mehr sein ah Schutz persönlicher Interessent Wenn jüdische Vergangenheit, jüdisches Schrifttum, die Sprache unserer Gebete nicht nur iia Staub der Lehrbücher und Bibliotheken vertrocknen, sondern in Herzen und Hirnen leben, wenn die jüdische Religion nicht mehr nur Feiertagsrequisit und Rabbinersache sein würde,.,, ich könnte mir ein Judentum denken, für das die deutschen Juden mit letztem Ernst und ungeheurer Entschlossenheit dntreten würden.“ ״״Ich begreife jetzt, weshalb Sie 80 ernsthaft für das Arbeiterfürsorgeamt cintrcten, so eifrig für den Kcxen llajesnod arbeiten.“ “ ״Meiner ckut sehen Gesinnung wird dadurch nichts genommen. Ich würde mich in dieser Zeit des internationalen Antisemitismus schämen, die Solidarität mit meinen Glaubensgenossen nicht zu bekunden. Ich arbeite mit an den Aufgaben der jüdischen Gegenwart und glaube an eine Zukunft auch des deutschen Judentums, die von einen* jüdischen Palästina erhellt werden könnte. — Mir und meinen wirklichen Gesinnungsgenossen kommt eben alles darauf an, daß das Judentum, 'für das wir kämpfen, des Kampfes wert sei oder besser: Im Mittelpunkt unserer jüdischen. Anschauung und Betätigung steht nicht die Abwehr, nicht eine bedauerliche Notwendigkeit, nicht die Sicherheit und das Behagen einzelner, sondern das Judentum und die jüdische Gemeinschaft, die wir lieben und um die allem c» sich lohnt zu kämpfen,“ ״ ״Audi für uns Zionisten ist eine solche Tendenz des Abwehrkampfes entscheidend. Wir sind willens, nach Kräften für Ehre und Bestand der jüdischen Gemeinschaft einzutreten. Es müßte freilich wieder ejne jüdische Gemeinschaft in Deutschland geben, nicht nur ein Konglomerat einzelner Juden; einen jüdischen Körper, der Träger einer jüdischen öffentlcihcn Meinung sein könnte.“ “ . .! , ״Innerhalb dieses jüdischen Körpers hielten Sic gemginsante Arbeit der jüdischen Parteien für möglich?“ ״״Wenigstens eine Koalition zur gemeinsamen Durchführung gemeinsamer Aufgaben, wie beim Keren Hajcssod, Der geistige Kampf würde weiter gehen.“ “! . ״Ich fürchte ihn nicht, Ich begrüße ihn, Er könnte bei gegenseitiger Achtung eine Klärung der Meinungen und eine Vertiefung des Ocmeinschaftscmpfindens bringen, — Aber wie denken Sie sich die praktische Zusammenarbeit?“ ״״Die Gemeinden oder Gemeinde verbände sollten Aktions- Ausschüsse cinsctzcn, in denen die Parteien vertreten sind. Oder cs würde eine demokratische Organisation der deutschen Juden mit örtlichen Vertrctungskörpcrn und einer Exekutive neben anderen auch die Aufgabe der Abwehr übernehmen. Schließlich könnten die einzelnen Gruppen im Judentum selbst paritätisch zusammengesetzte zwischenparteilich« Instanzen schaffen.“ “ 1 , , ״Und wenn nun eine solche Einigung erfolgt wäre?“ 1 ״״So müßten wir in ernster und würdiger Form vor die deutsche Ocffentiiclikeit treten und Recht und Gehör vorlangen. Es dürfte nichts verschleiert werde!». Man müßte den Tatsachen entsprechend bekennen, daß es innerhalb der Judcnhcit zwei anschauungsvcrschicdcnc Gruppen und einen Streit um das Wesen des Judentums und damit um die Stellung zum Deutschtum gibt. Man könnte hinzufügen, daß alle jüdischen Richtungen einig seien in der loyalen Haltung dem Staat und der Staatsnation gegenüber und in der Fordcrting, daß der Staat die Gleichberechtigung und den Schutz seiner Bürger nicht von ihren Gesinnungen abhängig machen dürfe. Freilich hätten wir dafür zu sorgen, daß wir gehört werden. Sic wiesen schon darauf hin, daß die Mehrzahl der deutschen Blätter, fast alle Nachrichtenbüros und damit die ganze deulsehc Presse unter dem Einfluß des Stinncs- Hugenbcrgschcn Zci'.ungstrusts stehen, dessen Redakteure, die Wünsche ihrer Herren übertreffend, täglich weniger Objcküvität in jüdischen Fragen zeigen. Nicht einmal die Juden kämpfen dagegen an. Sic schimpfen wohl, aber sie lesen das gewohnte Blatt weiter und unterstützen es durch Geschäfts- und selbst Familieniuserate. Wehren wir uns dagegen, suchen wir die noch unabhängige Presse zu stärken! Vielleicht ist es doch nicht zu spät, und sei cs unter Opfern, ein gewisses Gegengewicht zu schaffen. — Seiien wir uns auch nach Freunden um! E« ist dankenswert, daß man Beziehungen zu nictit jüdischen Kreisen unterhält, aber unsere Wirkungsmögliclikclten sind •größer. Nicht jeder ist Antisemit, der die Gleichartigkeit von Juden und Deutschen leugnet. Uebcrlasscn Sie uns Zionisten die Aufgal», ihn von der Gleichwertigkeit der Juden zu überzeugen. Wir Zionisten sind nicht belastet durch nationaldcutsehc Erklärungen und Annäherungsversuche an den gemeinsamen Ftend. Wir haben unsere Jugend in einem neuen Verhältnis zur körperlichen Arbeit erzogen. Es ist leicht, unsere Tätigkeit In Palästina, unsere Chaluzim uml ihr Werk dem Verständnis und dem Herzen des anständigen Deutschen nahe zu bringen, — Sie müßten einmal Gewerkschaftler nach einer Aufführung unseres Paliisiinafilim, hören.,,.““ ״Ich weiß, daß sogar ln Bayern jüdische Gemeinden die Aufführung des Films atis solchen Gründen wünschten. — Aber wie stellen Sic sich unsere Beziehungen zu den deutschen Parteien vor?“ ״״Als ein Zusammengehen für den Fall gemeinsamer Not, wie sie z. B. in Bayern jeden Tag cintrcten kann, Wir liülten bei Verhandlungen zu erklären, daß cs unter uns Republikaner und Monarchisten, Sozialisten und Bürgerliche gibt, daß wir Nationnljuden und deutsch betonte Juden, sind — und daß wir cs daher ablchncn müßten, als Juden zu innerdeutschen Streitfragen Stellung zu nehmen. Wir treten für nichts ein als für unsere bedrohte Existenz. Wir suchen als Juden und nur als Juden Verbündete in einem Kampf, in dein wir selbst unseren Mann zu stehen bereit seien, seine eigenen Staatsbürger nach Willkür verurteilt w»* wenn sic als Juden und Sozialisten zufällig in Bayern wohs\«n« ״״Und wie wird Deutschland auf die Diuer GltiUv berechtigen״ für die deutschen Minoritäten in anderen Staat«, verlangen können, wenn es die der dcut selten Juden 0*. falirden läßt? Ich glaube, wir haben für Argumentation und Politik unserer Abwehr noch viel zu lernen. — Daß Zionisten übrigens unbedingt bereit sind in der körperlichen Zurückweisung antisemitischer Angriffe mit den andere!, Juden unter allen Umständen zusammen zu gehen, brauet* ich wohl nicht besonders zu betonen. —• Gedenken Sie, Herr Doktor, im Sinne un*rcr Unt*,. haltung In Ihren Kreisen zu wirken?““ ״Es müßte doch manche*? geklärt, über vieles ein E®, Verständnis erst herbeigeführt werden.“ ״״Dennoch bleibt vieles übrig, was des Kampfes wenf wäre.“ “ ״Ich würde ein Prediger in der ,Wüste «dh. AS Menschen der ,anderen Art‘ werden über mich herfalkt^ Aber ich werde tun, was ich kann,“ ״ ״Sic sind nicht allein. Unter der Jugend, unter den jüngeren Anwälten, Aerzten, Krmfkutcn sind Viele, die daikea wie Sie. Es sind die Menschen der Keren Hajessod-ParteL die es überall gibt, und der Mittelpartcien, die sich hier tiad da bei Gemeindew,rillen bildeten.““ ״tch werde tun, was ich kann.“ Damit endete unsere Aiuwpraclte. —! ' :! Inzwischen ist die Frage gemeinsamer Abwehr de* Jude«, hasses aktueller geworden als in der Zeit dieser Unterhaltung vor einem Vierteljahr. Die Diskussion darüber beschäftigt die zionistische Presse. — Sie werden, sehr geehrter H«, Doktor, begreifen, weshalb ich Ihnen und mit Ihnen Ihren vielen Gesinnungsgenossen in* Lande unsere Unterredung mit ihren Ergebnissen und Nichtergebnissen wiederum vor Auge* führe. ,! , i . Id» bin mit ergebenem( Oruß Ihr Karl Ofaser. Deutschland Von hdir.lscher KuHurarbelt In der augenblicklichen Situation der zionistischen Be■ wegung, in der die Konzentration aller Kräfte auf die Aul• gaben des Palästinaautlraus erforderlich ist, und wo Kern Hajcssod und Chaluzitith die entscheidenden Aufgaben unsere! Bewegung sind, bedarf es vielleicht einer Begründung dafür, daß auch jetzt zionistische Arbeit und zionistisches OeW Aufgaben dienen dürfen, die sici» nicht m sofortige reale Palasiinaarbcit umsetzen können. Freilich beruht die ganze Fragestellung, die zwischen Palästinaarbeit und Galutliarbeit unterscheiden will, im Grunde auf einer Fiktion. Würde es sich um eine Kolonisation in dem Stil und dem Tempo handeln, wie sic Theodor Hcrzl vorschwebte, und wie er sie in ״Alt• nculand“ gcsdüldcrt hat, 90 wäre diese Unterscheidung be• rcchtigt oder, richtiger gesagt, jede Galutliarbeit wäre überflüssig. Wir wissen, daß dein nicht so *st, und daß der keine Judcnschulztruppe. ״Der Vorschlag ist mir zu neu, um/ dazu sofort Stellung zu nehmen. Aber ich glaube fast, daß man auf diese Weise weiterkommen köiinje. — Eine gute Gelegenheit, Vertrauen bei den für uns so wesentlichen demokratischen Par־ teien zu wecken und zugleich der eigenen Sache zu nützen haben wir übrigens versäumt. Ich meine den Fall Fcchcnbach, Ich habe nie begriffen, daß die deutschen Juden aus Indolenz oder aus Angst, ihre Ocgncr zu reizen, dies Justizverbrechen, das die Judcnhcit kom• promitticrcn, den Eindruck des Rathenau-Mordes abschwächen »Ute und einen schuldlosen Menschen vernichtet, hat ruhig hingehen lassen. Wie beim Dreyfuß-Prozcß tragen wieder Nichtjuden für die Gerechtigkeit ihre Haut zu Markte. An uns wäre es gewesen zu protestieren t -- Wie kann Deutschland Recht von französischen Tribunalen verlangen, wenn Aufbau Palästinas ein Werk vieler Generationen sein wird. Auch vom Standpunkte strengster Palästinakonzentration, auch vom Standpunkt eines Klatzkin, der dem Galuilijudentum den sicheren Tod weissagt, muß cs als eine Lebensfrage da jüdischen Volkes bezeichnet werden, das Galuth so lange und 90 lebenskräftig wie möglich zu erhalten, um seine Mitarbeit am Palästinaaufbau zu gewährleisten. Von den Generationen, die jetzt in der Vollkraft ihrer Jahre stehen, haben wir nur einen Teil zu gewinnen ver• moclit. Unsere Methoden der Gewinnung neuer Menschen für das nationale Judentum haben sich verbessert und ver■ feinert. An Stelle der auf Augenblickswirkung eingestellten PropfigandavcrsammlUiig, deren Erfolge allzu häufig 90 schnell verflogen, wie sie gekommen waren, trat der Gedanke der Gemeinschaften Jaigcnelliclicr Menschen, wo Erziehung und gemeinsames Leben die unlösliche Verkettung mit dem Volks■ tum zu schaffen vermag. Alle Kritik, die in den letzten Monaten an unserer Jugendbewegung geübt worden ist, hat ja mtr deshalb Sinn uml Berechtigung, weil wir von ikt Richtigkeit des Weges überzeugt sind, auf dem die Jugend• Organisationen zu arbeiten versuchen. Aber wir können auch an diesem Punkte nicht stehen bleiben. Die jungen Menschen, die mit unseren Jugendorganisationen in Berührung kommen, haben bereits die starke Einwirkung des Elternhauses und der Schule auf sich erfahren müssen. Das Elternhaus ist in der Mehrzahl der Fälle jüdisch indifferent, jedenfalls aber lilchtzloniitisch und pal ■slinafrcmd eingestellt. Die Zahl zionistischer Familien ist noch gering, wobei die Frage nicht erörtert werden soll, wie weit heute zionistische Familien eine nationale jüdische Erziehung zu geben vermögen. Di« Schule aber, nach dem Elternhaus der wichtigste Erziehung*• faktor ist deutsch und wirkt assimilierend, wenn sie nicht durch starken Antisemitismus Trolzgcfühlc erregt, aus denen durch Einwirkung anderer Elemente vielleicht jüdische Werte erzeugt werden können. So sind denn unsere Jugcudorgani• saiiiincn im Gegensatz zu Elternhaus und Schule entstanden, ein Gegensatz, der so lange bestehen wird, als Elternhaus und Schule assimilierend wirken. f In dem Kampf, der sich um die Seele des jüdischen Menschen cnlspinnt, und wo Elternhaus und Schule, Milieu und Bildung auf der einen Seite, der nationale jüdische Oe׳ wanke, in der Jugendgemeinschaft verkörpert, auf der andern Seite steht, ist cs zweifelhaft genug, wem der Sieg zufällt So liegt cs in der Linie der Entwicklung, die von der Versammliingspropaganda zur Jugendorganisation geführt hat, diese״ Weg w׳ci!crzu;cl1rcilcn. Zwei Gesichtspunkte kommen dabei in Frage: Die Verstärkung unserer geistigen Position, indem wir Judentum nicht nur als eine politische in Palästina zu verwirklichende Forderung hiuslellen, sondern dieses Judentum, zu dem wir die Rückkehr verlangen, mit blutvollem Leben erfüllen und die Rückkehr zun* Judentum als einen kulturellen Schritt erscheinen hassen, wie sic es in Wahrheit ist; und die Verbreiterung unserer Wirkungsmöglichkcitcn, indem wir versuchen, das was Elternhaus und Schule gesündigt naben, an Generationen gtilzumnchen, die noch leichter empfänglich sind, als jene Jugend, die von unseren Jugend• Organisationen erfaßt zu werden pflegt. Der Weg zum jü* discheu Volkstum und zur jüdischen Kultur führt im Westen )nur über die^ hebräische Sprache. Nicht als ob in ihrer Erlernung allein schon der entscheidende Schritt geschehe# 1eJ, aber ohne sie gibt «s keinen Weg, der eu den ,Werte# Kr, *״ unseres yi.jiior Lndl'tS;, j-ciinU« )unrein.׳ hebreis \F0che1 alle k»! ofy Lc aulhört; neuen,: en^hc, dm R die A*t! schul crniögl Verstic' Sprach! 1 land w IX werde* Jugend zu K '\ petrieb,; lieber!,' sein n andere! auch < seine < über i,j über A führen mittel*! Mittel' und a rreklif die h Berlini1 So nun Klasse von t Schrill darsti, unser* auch )1 wird j; AI1! land 1 könn sacb auch wird bis ist heut# jemals sich 1 Elterf brach " ' '1. trot»׳ sienn־ ist Arb! deruJ Zu | di s