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Jüdische Rundschau · 1915-07-23 · Heft 30 (23.7.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 J U E DI S C H E RUNDSCHAU Seite 243 ist sowohl der ״W i e k n o \v v“*) wie auch Her ״I) z i e n n i k p o I s k i“ eingestellt worden, während aas ״Slowo polski“ es nicht einmal gewagt hat, zu erscheinen. Das antisemitische Blut kommt aber in den Adern des ״Kurv er lwowski“*') nicht zur Ruhe. Dies Blatt brachte eine neue Verkumdüng gegen die Juden: Die Juden weigern sich, in den Militärdienst zu treten und trachten sich davon zu drücken. Uns, die wir den größten Prozents a t z an Soldaten in Galizien liefern, will man als fahnenflüchtige Bürger hinstellen! Und das tut der ״Kuryer Iwowski“, welcher doch am besten weiß, wieviel Tausende von Polen zusammen mit dem russischen Militär nach Rußland geflüchtet sind, um dem österreichischen Militärdienste auszuweichen . . . Wir machen die Herren vom ״Kuryer Iwowski‘‘ darauf aufmerksam, daß die Zeiten der russischen Herrschaft vorbei sind, da der Jude das Ziel offener und versteckter Angriffe war; heute werden wir derartiges nicht mehr dulden und wir werden schon Wege finden, um auch dem ״Kuryer Iwowski“ sein antisemitisches Maul zu stopfen.“ So schreibt das unter der Militärzensur in Lemberg - erscheinende ״Jüdische Tagb I a 11“. Wenn man diese Tatsachen liest, erkennt man erst recht, was man von dem Manifest der israelitischen Polen zu halten hat. Kulturarbeit in Palästina Unter diesem Titel veröffentlichte die ״Frankf u r t e r Zeitung“ ein interessantes Interview ihres Jaffaer Korrespondenten J. Th. mit dem Oberbefelilshaber der türkischen Sudarmee, dem wir folgendes entnehmen: ,,lieber das Kulturprogramm der höheren Militärbehörden hat mir der Führer der vierten türkischen Armee, D j e m a I Pascha, seine Gedanken eingehend auseinandergesetzt. Der General ist neben T a 1 a a t Be y , Envcr Pascha und wenigen anderen Männern eine der Stützen der jungtürkischen Regierung. Nach dem Eintritt der Türkei in den Weltkrieg hat er den!Oberbefehl über die vierte (syrisch-ägyptische) Armee übernomnien und ist in dieser Eigenschaft nicht nur militärisch, sondern auch für die bürgerliche Verwaltung mit fast unbeschränkter Machtvollkommenheit ausgestattet. ״Die junge Türkei“, erklärte mir Djcnial Pascha, ״war zu Beginn des Krieges davon überzeugt, daß sie den Weg des Fortschrittes auch nicht für einen Moment verlassen dürfe. Gleich nach meiner Ankunft in Syrien hatte ich ia erster Linie für den Ausbau, die Erweiterung und Verbesserung der Wege gesorgt. Eine große Anzahl von Arbeiterbataillonen sind gebildet worden, die neue wichtige Verkehrsstraßen errichtet oder verfallene wiederhergestellt haben. Früher konnte man mit Wagen nur bis Hebron fahren, jetzt aber komme ich mit meinem Automobil über Hebron und B e r s e b a hinaus bis in die Mitte der Wüste.“ Ich erinnere mich an einen Ritt, auf dem ich mich im letzten Jahre einen ganzen Tag von Berseba nach Hebron mit Mühe durchgequält habe, und wußte den Wert der Leistung zu schätzen, wenn ich überlegte, daß man diesen Weg jetzt im bequemen Kraftwagen in einer Stunde zurücklegen kann. Ebenso mußte ich mit Dank bestätigen, daß die Landstraße von Jaffa nach Jerusalem, die in den letzten Jahren auf ganzen Strecken so verkommen war, daß einem die Wagenfahrt durch diese reizvolle Land- •Schaft zur Qual gemacht wurde, nun fast überall bequem fahrbar ist. ״Wir haben“, sagte weiter Djemal Pascha, ״in kurzer Zeit über hundert Kilometer neue Bahn- I i n i c errichtet und J e r 11 s a 1 e in an die Hed• scliasbahn angesrhlossen. Sie werden wohl wissen, wie sehr die Engländer diesen Bahnbau verhindern wollten. Ihren eigenen Bundesgenossen, den Franzosen, haben sie ihre Zustimmung zur Führung der Bahn d u i ch R a m 1 e h verweigert, weil sie jede Annäherung Syriens und Anatoliens an Aegypten auf dem Landwege unter allen Umständen verhindern wollten. Nun aber wollen wir diese Bahn weiterführen, und ich hoffe, daß wir unsere Truppen bald mit der Bahn bis an den Suezkanal befördern können. Nach dem Einmarsch unserer Truppen in Aegypten aber, den ich bestimmt erhoffe, sollen diese ■ Bahnen an das ägyptische Balinnetz abgeschlossen werden.“ Diese Bahn wird in der Tat f ü r d i c E 111 w i c k - I u n g Palästinas von tpoclu-m a c 11 e n d e r Bedeut u n g sein. Auf dem *Landwege konnte man bis jetzt von Jaffa das nicht viel mehr als 100 Kilometer entfernte Haifa in langwieriger und kostspieliger Reise in 20 bis 30 Stunden erreichen. Von Jerusalem nach H a i f a waren es zwei gute Tagreisen. Nun sind die wichtigsten Küstenstädte: Jaffa, H a i f a und A k k o und die Hauptstädte des palästinensischen Hochplateaus: Jerusalem, Nablus und Dschenin mit dem fruchtbaren H a 11 r a n , niit D a 111 a s k u s und C ö 1 e s y r i e n *) ״Wiek n o w y“ ist das Organ der jüdischen Assimilanten Dr. v. L ö w e n s t e i 11 und Dr. A schk c 11 a s y, welches, von der Kontrolle seiner Brotherreit freigeworden, sofort antisemitische Angriffe gebracht hat. **) ״K u r y e r iwowski“ Ist das Organ des ״fortschrittlichen“ Flügels der polnischen Volkspariei. und Aleppo durch Bahnlinien v e rbund e n. Reicher Handel wird zwischen diesen (legenden erblühen, wenn diese Bahnlinie dem Verkehr übergeben sein wird. ״Wir haben unsere Grenze,“ sagte Djemal Pascha sodann, ״die früher in einer geraden Lime von Tele 1 - R a f f a nach A k a b a verlief, um 300 Kilometer bis an den Suezkanal vorgeschoben und dieses eroberte Gebiet suchen wir nun nach jeder Richtung zu erschließen. Wir haben dort zahlreiche Brunnen gegraben, die unsere Truppen mit Wasser versorgen, und haben auch alle Maßnahmen getroffen, die unserer Armee den Aufenthalt und den Vormarsch ermögliehen. So haben wir aber auch zugleich das Wüstengebiet für immer einer seßhaften menschlichen An- Siedlung erschlossen. Da die Engländer sich über alle bestehenden Verträge hinwegsetzten, die die Neutralität des Suezkanals garantieren sollen, am östlichen Ufer des Kanals Befestigungen aiifgefiihrt und auf diese Weise den Kanal in das Kampfgebiet hineingezogen haben, durften auch wir den Kanal •nicht als neutrales Gebiet betrachten und haben deshalb an verschiedenen Steilen im Kanal Minen gelegt, die schon ein Schiff zum Sinken gebracht haben.“ Ueber die h y g i c n i s c h e 11 Verhältnisse meinte Djemal Pascha: ״Man hat Palästina bisher für eine von ansteckenden Krankheiten verseuchte Gegend gehalten und deshalb nach der Mobilmachung den Ausbruch von Seuchen befürchtet. Ich kann mit Genugtuung feststellen, daß die sanitären Verhältnissc trotz der großen Truppenartsammlungen durchaus befriedigend sind. Der Krankheitszustand der 4. türkischen Armee überschreitet nicht 3 Prozent, der der ansteckenden Krankheiten nicht 1 Prozent und der Sterblichkeitskoeffizent beträgt kaum 0,25 Prozent des Mannschaftsbestandes. Wir bedienen uns zur Bekämpfung der epidemischen Krankheiten des von Philantropen ins Leben gerufenen b a k t e r i o - logischen Instituts in Jerusalem. Um die Ausbreitung von Epidemien zu verhindern, wird für weitgehende Reinlichkeit nicht nur beim Militär, sondern auch bei der Zivilbevölkerung mit aller Strenge gesorgt. Sie werden wohl zugebe״, daß weder Jaffa noch Jerusalem jemals so sauber nusgesehen hat wie jetzt.“ Das mußte ich uneingeschränkt bestätigen. In diesen und in anderen Städten Palästinas ist eine den orientalischen Charakter der Städte geradezu verwischende Reinlichkeit der Straßen zu bemerken. Viele enge und verbaute Straßen werden verbreitert, durchgebrochen und umgebaut.“ Gottfried Sender Seminarlehrer an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Berlin Wir beide waren die einzigen Juden und Akademiker in der Kompagnie, als wir zu Beginn des Krieges ins Feld zogen; so schlossen wir uns einander an. Er wurde mein bester Kamerad. Schneller, als es unter anderen Verhältnissen möglich gewesen wäre, lernte ich ihn draußen kennen und aufrichtig schätzen. Oft genug hatte ich Gelegenheit, seinen über alles Lob erliabetten persönlichen Mut zu bewundern, dem er im Frieden bereits die Rettungsmedaille, im Kriege das Eiserne Kreuz 1. und II. Klasse und seine Beförderung vom Gefreiten zum Leutnant verdankte. Aber dieser persönliche Mut war um ein Teil seines ganzen etilen, ernsten, männlichen und geraden Wesens, passend zu seinen sonstigen Eigenschaften, zu seinem von einem an Arbeit und auch an bitteren Erfahrungen reichen Leben gemeißelten Charakter. Eine große Freude war es für mich, als ich entdeckte, daß sein Standpunkt zum Judentum dem meinen nahestaad; er, der sieh umtniwunden zum Atheismus bekannte, dem das Judentum als Religion nichts bedeutet, cinpfand stark die Baude des Blutes, die ilm au sein Volk ketteten. Von unserer Organisation wußte er merkwürdiger Weise wenig mehr, als daß sie existiert. Ich bemühte mich, ihn, den vom Leben Unbefriedigten, ja das Leben Mißachtenden, zu überzeugen, daß er nach dem Kriege in der Arbeit für das jüdische Volk Befriedigung finden könne. Ich weiß, daß ich damit Erfolg hatte, daß meine Gedankengänge auf ihn Eindruck machten, und ich hatte begründete Hoffnung, ihn ganz für uns zu gewinnen. Nun ist er gefallen —• ein Mann,‘der dem Judentum Ehre macht. H a ns Li ין s c 11 i t z, Lt, d. R. im Res.-Inf.-Reg. Nr. 21. Herzlfeiern Marienbad. Am 11. Juli <1. J. fand im Hotel ״N a t i o 11 a 1“ in M a r i e 11 h a 11 zugunsten des P a - 1 ä s t i n a 11 i 1 f s w e rk es und des Roten K r e 11 - z e s eine Fi e r / 1 - F e i e r statt, zu der durch Aushang in der Synagoge und der Kurpromenade eingeladen worden war. Den zahlreieh erschienenen Besucher״ wurde eine freudige Ueberrasehung zuteil, als der Vorsitzende!nitteilte, daß Fräulein Trude Her/1, die Tochter unseres verewigten Führers, in der Versammlung anwesend sei. Fräulein Herzl wurde mit begeisterten Zurufen begrüßt. Die Feier nahm einen sehr würdigen Verlauf. Nach einem Vorspiel hebräischer Weisen auf dem Harmonium begrüßte Herr Berl die Erschienenen in hebräischer Sprache, dann folgten, ebenfalls hebräisch, Chorgesang und Deklamation. Hervor/uheheri ist hier die von Herrn N r 11 111 a n 11 , einem der hier interliierten Russen, meisterhaft vorgetragene ״H a t i k - wall“. Die Festrede hielt Herr caud. jur. Ins! er, und nach weiteren musikalischen Vorträgen und Rezitatioiien sprach, mit stürmischem Beiiall begrüßt, Herr Siegfried Buxbaum, der Präsident des gali/ischci! Hilfskomitees, der sich in aufopiermister Weise der russischen und galizischen Statninesgenossen angenommen hatte. Er schloß die Feier mit einem begeisterten Hinweis auf die Tapferkeit und Pflichterfüllung unserer Gesinnungsgenossen im Leide, die im engsten Zusammenhang mit ihrer treuen Liebe zürn jüdischen Volk stelle. Die wohlgelungene Veranstaltung hatte auch einen recht hefriedigende» finanziellen' Erfolg, und der Nationalf o n cl s erhielt beträchtliche Spenden. H. J. Wien. Die Her/l-Feiern in Wien gestalteten sich diesmal, trotz des furchtbaren Kriegsjahres, zu einer überaus imposanten Kundgebung für den zionistischcn Gedanken. Am 1. Juli, am Vorabend des Jahrzeittages, fand im Leopoldstädter Tempel der T r a u e r g o 11 e s d i e n s t statt, der von mehr als 3000 Personen besucht war. Die Predigt hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, der den Einfluß Llerzls auf das jüdische Leben in Westeuropa, vornehmlich jedoch auf die Gesinnung der jüdischen Jugend schilderte. Zum Schlüsse trug Herr Oberkantor M 0 r g e n Stern das ״El mole rachamim“ vor. Der 3. Juli brachte im Hotel Continental eine große H e r z I - (1 e d e n k vers a m in 1 u n g. Auch hier war der Saal lange vor Beginn gedrängt voll. Es sprachen die (ig. Adolf Stand (deutsch), Löbel Taubes (jiddisch) und Rabbiner Dr. Osias Thor! (hebräisch und deutsch). Alle Redner feierten in Herzl den großen Volksniann, der der Befreiung seines Volkes lebte. Am 4. Juli fand uer imposante uaiig zum Grabe H e r/, 1 s statt. Trotzdem die Ankündigung in den Zeitungen zur Vermeidung allzu großer An- Sammlungen polizeilich verboten war, randun sich etwa 5000 Personen vor der Hochschule für Bodenktiltur ein, von wo sich cler Zug um 1(1 Uhr vormittags in Bewegung setzte. Voran schritten der Watidei-bund ״B I a 11 - W e i ß“, die jüdischen Schornrim aus Galizien, die ״Z c i r e i Zion“ und der ״H e r z I - K I 11 b". An der Spitze des Zuges gingen die Mitglieder des wcstösterreicliischen und galizischen Zionistischen Zentralkomitees und Oberkanten• Morge ns fern, der i 111 Lriedliof mul am Grabe in ergreifender Weise unsere alt jüdischen Gesänge vortrug ihr! das Kaddischgebet verrichtete. Nachdem der ganze Zug aut Grabe vorbeidefiliert war, hielt Dr. Karl Pollak. Präsident des Zionistischen Zentralkomitees, eine [lackende Ansprache an die versammelte Jugend, der er unseren Herzl als Beispiel hinstellte. Line Stunde vor Beginn des Zuges spielte sich am Grabe lierzls eine ergreifende Szene ah. Es erschienen die jüdischen Pfadfinder (Schomriin) aus Galizien, ptlan/ten am Grabe ihre neue ]•׳ahne auf und Rabbiner I )r. Thon nahm in tiefbewegten Warton die Weihe der Fahne vor. Prag. 1111 1 lotel Zentral fand Sonntag, den 3. Juli, eie Lt e r z 1 -!־' c i e r stall, die von dem Leiter der Präget FT.ielitlingsscliiile, Herrn Prof. 1)1. Alfred Engel, wranstallet wurde und an der die Mädchen und Knaben dir Schule te ilnahnien, Herr I >r. Max Brod hielt die < tedeukrede, in der er am' die sich jetzt initiier imhr veru irkliebende Einheit des jüdischui Volkes hinvvics, die- Herzl zeitlebens erstrebt hatte. Nach hebräischen Deklamationen '»'<>!; Zoglingeu der Schule Wurde die Feier 1:11; dein Absingen der 1״ i :11 i k w a h" beschlossen. Husi (Rumänien), Am 20. Tarn׳!-• veranstaltete die Bür.,erschau von lln-,i am Initiative ׳unseres (ig.! lern! Abraham 1' 11 r s ז c j 1! 1!1 dt r ״R a b h : 11 e r- T!1 11 m i in - S }׳ n a g o ״ c“ eine Tiaurnrisammluiig, zu der sich ungefähr 10!) Personen eiiifaiuleii. Herr Gin rrahbiner li. T 11!1 111 i 11! beleuchtete in einem /.we'sniw.tigvii \ orirag da- Wirken llerzls und die Bedeutung seines Tedestag-Cs. Den Schi;iß der erhebenden Eeier badete das vom Kantor eindrucksvoll vurgctrageüe ,J: | nt 1 ״ e r a e I; a 111 i 111“. Nach Beeiuligung (R:s Vortrags \v malen auch eine ,\11e1111 Baume dir den Herzl \v a Id gesammelt. Zürich. Die j ii d i - c h ־ a k a d e 111 1 s c 11 c S t 11 - d 0 11 t c 11 v e r h i n d 11 11 g 1״ v r i a h“ in / ü r 1 c 11 veranstaltete an I lerzR Todestag in ihrem V! rbinüimgsi.nkal eine Gedenkfeier für den verewigt( u Fährer. *Unter den vielen anwesenden (iasicit -:ml die Herren Dr. M a r m o 1־ e k , der bekannte auierik anisel! e Zioni-t (Ion heim und einige Vertreter des Vorstandes der Knitu sgemeimie. darunter der Präsident Abraham, liervorzuheb( n. Die Trauerrede hielt Bcrfhohf Feivcei. Dr. Marnn.rek

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