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Jüdische Rundschau · 1915-07-23 · Heft 30 (23.7.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 244 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30 sprach von seinen persönlichen Erinnerungen an Herzl. 1 Die Schlußworte F c i w e I s , in denen er auf die heutige Lagt■ der Juden hinwies und die harte Not- Wendigkeit der Bereitschaft aller Juden betonte, bildeten einen würdigen Abschluß der Feier. Die H e r z I - (1 e d e n k f e i e r der Z it r i c h e r z i o n i s t i s c b e n V e r e i n e gestaltete sich gleichfalls zu einer weihevollen Erinnerung. Eingeleitet wurde der Abend durch einen künstlerischen Violinvertrag des Herrn F. tielhart, den Frau Professor Herbst auf dein Klavier begleitete. Darauf hielt Herr Dr. Mossinsohn die Festrede. Er sprach im Jargon und bedauerte nur, daß er auf den Gebrauch des Hebräischen verzichten müsse, da dies vermutlieh nicht von allen seinen Zuhörern verstanden wurde. Die Rede, die sieh eingehend in die Mission Herzls als des Befreiers vorn Oolus vertiefte, machte einen außerordentlichen Eindruck. Es folgte noch das ,,El mole rachaniim“ und eine Rezitaiton von Frau Dr. P i 11 c u s. Der gemeinsame Gesang der ״Hatikw a h“ beendete den Abend. AUS ALLER WELT Aus Amerika. Bevorstehender Kampf im D a m e n - s c h n e i d e r f a c h in N e \v Y o r k. (JAK.) In der F r a u e n s c 11 n e i d e r i n - a u s t r ie New Yorks, die zum größten Teil jiidische Arbeitskräfte beschäftigt, stehen ernste K ä in p f e bevor. Der maßgebende Arbeitgeberverband der Fraiienschneiderbranche hat der Ciewerkschaft der Frauenmantelschneider, die Tarifgemeinschaft, die fünf Jahre bestanden hatte, mit dem Ziele gekündigt, einen Ausstand zu provozieren, den man wahrend der gegenwärtigen schlechten Konjunktur mit Erfolg nicdcrzusch 1 a - gen hofft. Ein Versuch, die Differenzen auf gutlichem Wege beizulegen, scheiterte am Widerstand des Arbeitgeberverbandes, der die Arbeiterorganisation nicht mehr anerkennen will. Die Unternehmer setzen alles in Bewegung, um für den Kampf, den sie herauf zu beschwören beabsichtigen, gerüstet dazustehen. Zu diesem Zwecke sollte auch der erwähnte Unternehmerverband sich mit einer zweiten gleichartigen Organisation fusionieren, aber die letztere zog sich im letzten Augenblick angesichts der entschlössenen Haltung der Arbeiterschaft zurück. Die Arbeiter- Organisation ist nämlich rührig am Werke und läßt nichts unversucht, um die bevorstehende Kraftprobe zu bestehen. Eine energische Organisation- und Propagandaarbeit wird zu diesem Behüte entfaltet. Ein Monstermeeting ini Square G a r d e n , das \on 50 000 Arbeitern des Faches besucht war und einen imposanten Verlauf nahm, bekundete den festen Willen der Arbeiterschaft, wie ein Mann hinter ihrer Organisation zu stehen und sich durch nichts einschikntern zu lassen.* Die Versammlung befaßte sich auch mit den verhafteten Beamten der in Rede stellenden Gewerkschaft, denen terroristische Akte zur Unschädlichmachung von Streikbrechern zur Last gelegt und von denen einige sogar unter Mordanklage gestellt werden. Die Versammlung erklärte, daß die Anklage eine V e r s c h w ö r u 11 g der Unternehmer sei, tun die Gewerkschaft zu diskreditieren. Samuel G o m p e r s ,--״der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, der als Redner auf trat, versprach den New Yorker Schneidern den Beistand der gesamten Arbeiterbewegung Amerikas sowohl für die erwartete Aussperrung, als auch zur Befreiung der angeklagteii Beamten. Der in Rede stellende Arbeiterverband zählt 50 000 Mitglieder und ist die größte lind leistungsfähigste jüdische Gewerkschaft Amerikas. Aus Frankreich. Aus den Artikeln Gustav Hcrves in der ״G u e r r e s o c i a 1 e“ erfährt man, daß die französische Regierung die sich in Paris aufhaltenden russischen Juden aufgefordert hat, entweder schiennigst nach Rußland zum Eintritt ins Heer zurückzukehren oder sich in die Fremdenlegion einreihen zu lassen, widrigenfalls sie als Verdächtige in ein Konzentrationslager übergeführt werden würden. Hierzu bemerkt H e r v e in der ״G u e r r e S 0 c i a 1 c“ vom 26. Juni: ״Es handelt sich hier um Flüchtlinge und Geächtete, die namentlich nach den Pogromen von 1906 zu uns gekommen sind. Wer ist bei 1ms der verantwortlichc Minister, der die Polizei zu einem derartigen Vorgehen veranlaßt hat? Mir kommt nicht zu, in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbündele Rußland schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren im Mittelalter sie behandelt haben. Wir suchen überall Sympathien zu erlauben; die elende Drohung, die unsefii jüdischen Flüchtlingen geworden ist, wird uns möglicherweise die Sympathie von 2!/a Millionen amerikanischer Juden kosten, die in New York so einflußreich sind. Ich verlange zu wissen, welche Maßnahmen die Regierung gegen die Polizeibeamten ergreifen wird, die das geheiligte Recht der Gastfreundschaft in der Person dieser Flüchtlinge verletzt und damit Frankreich und die Republik beschmutzt haben.“ Dagegen begrüßt die Action Fran?ai*e“ den erwachenden Judenhaß. Die Juden mußten alle aus Paris verbannt werden. Die »Oucrre Social e“ ist das einzige Blatt, das ,für die Juden eintritt. So schrieb Her v c nach der Wiedereroberung Lembergs: ״Das österreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden bewohnt. Was hat man getan, um zum Beispiel die Juden für die Sache der Verbündeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was amerikanische Blätter über die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil gewordene schmachvolle Behandlung mitteilen, wahr ist, wie kann Rußland dann für sie etwas anderes sein als ein Land des Schreckens und der Schande, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige geleert hat?“ Aus England. Der Fortschritt der jüdischen Gewerkschäften in E n g 1 a n d. (JAK.) Die jüdische Gewerkschaftsbewegung in E n g 1 a 11 d macht in der letzten Zeit erfreuliche Fortschritte. Allerdings ist dies teilweise einem Um- Stande zu verdanken, der weder erfreulich, noch für uie Zukunft verheißend ist. Infolge des großen 1 ieeresbedarfs an Bekleidungsgcgenständen arbeitet die englische Schneiderindustrie mit Volldampf. Die große, chronische Arbeitslosigkeit 1m Osten Londons und in den Judenvierteln der Provinzstädte ist wie mit einem Schlage verschwunden. Dies kommt auch den Gewerkschaften zugute. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings nach wie vor lange nicht zufriedenstellend, aber die Arbeiter zahlen regelmäßig ihre Beiträge an die Gewerkschaftskassen, die zum erstenmal in der Lage sind, größere Reserven allzusammeln, um für zukünftige Kämpfe gerüstet zu sein. Die jüdische Gewcrkschaftsbeweg u ng Oro ßbritann i e n s litt bisher an einer derartigen heillosen Zersplitterung der Kräfte, wie sie auch in England, diesem Lande des ge werkschaftliehen Partikularismus, ungewöhnlich war. Neben dem englischen Schneiderverband, der auch einige jüdische Gruppen zählt und der infolge seiner rückständigen Methoden seinen Aufgaben keineswegs gewachsen ist, bestand eine ganze Reihe von jüdischen und nichtjüdischen, sogenannten unabhängigen Organisationen des Faches, daneben auch ein Verband von jüdischen Lokalorganisationen der Provinzstädte mit dem Sitz in Leeds, die ״Amalgamated jewish tai- 1 o r s', m a s h i n i s t’ and pressors' Union“. Unlängst schloß sich der letztgenannte Verband, der 5000 Mitglieder aufweist, mit einer Reihe von anderen Organisationen zu einer Körperschaft zusammen, die eine Gesamtmitgliedschaft von 20 000 umfast. Die neue Organisation heißt ״Unitedgarmentworkers trade union“. Das Werk der Zusammenfassung der jüdischen Schneiderorganisationen Englands ist damit noch lange nicht vollendet, allein es ist zu hoffen, daß die Zentralisationsbestrebungen, die von der englischen Gewerkschaftszentrale nach Kräften gefördert werden,‘nunmehr auch weitere Erfolge aufweisen werden. * Die englische Presse verbreitete schon viele Wochen vor Tiseh’a’ b’avv die Nachricht, Djemal Pasc h a , der Oberstkommandierende der IV. tiirloschen Armee, habe eine Verfügung erlassen, die den Juden das Beten an der Klagemauer in Jerusalem verbietet. Dieses Verbot habe natürlicherweise in der jüdischen Bevölkerung die größte Bestürzung hervorgerufen. Die Nachricht wurde natürlich in die neutrale Presse ianzlert. Wie wir authentisch erfahren haben, ist die Nachricht gänzlich erfunden. Aus Rußland. Der ״Jewish C h r o n i c I e“ läßt sich aus Rußland berichten: Dreitausend jüdischen Fam i 1 i c n , die in Ekaterinoslaw ankamen, wurde befohlen, sich in die Provinz zu begeben, und einer zum Gouverneur entsandten Deputation gelang es nicht, die Erlaubnis für diese Leute zu erhalten, in der Stadt zu bleiben. Die jüdischen Zentren Kowno, Orodno, Warschau, B r e s t - L i - t 0 w s k, S i c d 1 e c e, Lu b 1 i n und C h c 1 m wurden für neue Ankömmlinge verschlossen, und selbst Personen, welche sich dort nur vorübergehend aufhalten, müssen die Erlaubnis nachsuchen, dort bleiben zu dürfen. Aus M o g i 1 n i t z a wurden a 11 e J u d e n verwiesen, dagegen wurden die Ausweisungen in M a k o f f, ü o n i o 11 d z und K n i s h i n zurückgezogen. Die Juden in Witebsk erhielten eine offizielle Erklärung, daß man sie nicht ausvveisen würde. 111 Warschau wurde den Juden verboten, in der Richtung nach Radom und Ivvangorod zu reisen. 5000 Juden.״aus Przemysl, die in Kiew waren, sind nach dem Gouvernement Tomsk in Sibirien transportiert worden. Nachrichten Berlin. Unser Gesinnungsgenosse, HerrDr,Löwenheim-Berlin, wurde zum Stabsarzt befördert. Unsere Gesinnungsgenossen Paul Krön heim- Cöthen (K. J. V.), Arthur Fink (Bar Kochba-Hamburg), Robert Blankenfeld (Bar Kochba-Hamburg) und Erich Heilbrun n - Berlin (Jüdischer Ruderklub Ivria) sind gefallen. Prag. Unser Gesinnungsgenosse J. U. C. Leo Outtmaiin- Dux (Mitglied des ״Vereins jüdischer Hochschüler Bar Kochba“, des ,Theodor Herzl“ und des ״Jüdischen Turnvereins Makkabi* in Prag) ist gefallen. Unsere Gesinnungsgenossen Ing. Oskar Steiner und cancl. med. Alfred I< 0 h n (jüd. akad.-techn. Verbindung ״Barissia" in Prag) erhielten dieüroßeSilbrrne Tapferkeitsmedaille. Unser Gesinnungsgenosse Heinrich W i 11 m a n n (Barissia, Prag) wurde zum Leutnant befördert. Unser Gesinnungsgenosse Robert Hel ler-Komotau (Bar Kochba, Hamburg) geriet in russische Kriegsge f an ge n s §11 af t. Troppau. Unser Gesinnungsgenosse Willy K nöp feimacher (jüd.-akad. Ferialverbindung ״Massada", Weiskirchen-Prerau) ist gefallen. Wien. Unser Gesinnungsgenosse Einj.-Freiw. Bruno H or wi tz (A. H. der Z. G. V. J 0 r d a!1 i a) ist g efallen. Unser Gesinnungsgenosse Leutnant Arthur Kolisch (Hakoah, Wien) wurde infolge hervorragend tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Schluß des redaktionellen Teils. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 23. Juli abends: in allen Synagogen 7‘/, Uhr. Sonnabend, 24. Juli vormittags: in der Alten Synagoge 8'/2 Uhr, in der Kaiserstr.- u. Rykestr.- Synagoge 9 Uhr, in den anderen Synogogen: Frühgottesdienst 7*/3 Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. — Predigten: Synagoge Rykestr.: Rabbiner Dr. Stier; Neue Synagoge: Dr. Julius Cohn; Synagoge Lindenstr.: Rabbiner Dr. Rosenzweig; Synagoge Lützowstr.: Dr Finkei — Abendgottesdienst: (Sabbatausgang) 9 Uhr 10 Min. - Mine ha: in der Alten Synagoge 5 Uhr, in den anderen Synagogen */, Stunde vor Sabbatausgang. Gottesdienst an den Wochentagen: Morgens: in der Alten, Kaiserstr.- und Rykestr.- Synagoge 67s Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Synagoge Levetzowstraße wegen Reparaturen Gottesdienst in der Wochentagssynagoge. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland Geldsendungen sind ausschliesslich zu richten an Herrn Max Wolliteiner, Charlottenburgr Roscher-Straße 8. M. F. 0, z. Zt. im Felde.10,- Dr. W e i ß, im Felde, dankt d. Z. V. f, D. f. Rundschau u. Liebesgaben.10,— Dora Stern, Straßburg, Erlös für Silberpapier .1,20 Krgsfrw. Jacobson, im Felde .... 2,— Unteroff. S. I) u r 1 a c h feit s. Freunden u. Bekannten s. neue Adresse mit: 3. Batterie, Fuß-Art.-Rgt. 10, 33. Inf.-Div., 16. Armee-Korps 2,— Kanonier Arnold Cohn, im Felde, darlkt f. frdl. Zusendung d. Rundschau.3,— Ders. kond. a. zion. Diskutierklub Glogau anl. d. Heldentodes v. Arthur Schweitzer u. teilt s. Adresse mit: Stab d. 1. Bataillons, Res.-Fuß- Art.-Rgt. 17, 1. Res.-Korps, Njemen-Arrnee . % ~ Landsturmmann Paul Stiel (V. J. St.), Bonn, dankt s. 1. Bbr. H u r\v i t z, Berlin, f. frdl. Aufnähme ..2,— Unteroff. David Schüttenberg u. Frau, Ecuthen, statt Blumen.1,— Aaron aus Posen, z. Zt. Kurhaus Schlachtensee, für ein ״Schir hanialoth“ am Freitagabend 1,— S. für einen Gang ins Blumental.—,50 Heinrich.—,50 Fam. Wolff Po w i t z e r, Gnesen, grat. Fam. F e u c h t w a n g e r, München, z. Verlobung ihrer Tochter Hcnni.1,— Anna Lewin, Königsberg, z. Zt. Miesbach, grat. Rosa K a!11 e r u. Dr. Eschtvege herzl. z. Verlobung.L— Unteroff. Siegfr. Moses, Pillau, dankt d. Jüd. Rundschau u. der Z. V. f. D.5,— Clara Simon, Stolp, grat. bestens ihrer I. Else Samuel z. Verlobung.1 — Vizefeldwebel Heinr. Perl, Gr.-Strehlitz, z. Zt. auf Urlaub.1,— Gefreiter N o 111 m a 11 n, Gr.-Strehlitz, z. Zt. auf Urlaub.1,—- Bertha Dawidow, Breslau, grat. Frau Else Glaser .—,50 Anna Roinm, Berlin, dankt Erna Wolff . 1,50 Friedei Bach rach, Frankfurt a. M., z. Erinnerung an d. unvergeßl. 27. Juni (durch Jacob Bing, Frankfurt a. M.).2,— Dr. Stahl (K. J. V.), Tarnowitz, z. Zt. im Felde, kond. Frau Dr. G o i t e i n u. Angehörigen 1,—, ders. kond. Frau Dr. Rosenkranz 1,—,

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