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Jüdische Rundschau · 1915-07-23 · Heft 30 (23.7.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 242 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30 statt eines Kongresses geplanten Konferenz sieben Delegierte zu entsenden. Im Saale war während dieser Verlesung große Erregung entstanden’. Dr. S. Cohen aus Philadelphia warnte davor, den Vorschlag des ״American Jewish Committee“ einfach zu verwerfen. Er schlug vor, eine spezielle Kommission zu bestimmen, die sich mit dem ״American Jewish Committe e“ in Verbindung setzen und versuchen solle, eine Verständigung anzubahnen. Noch einige Redner sprachen in ähnlichem Sinne, aber die Mehrzahl der Delegierten war nicht dieser Anschauung. Schließlich machte Herr Frommsohn den Vorschlag, die Entscheidung dem ״Provisional Committee“ zu überlassen. Der Vorschlag wurde a n g e n o in ni e 11 und damit schloß diese Diskussion. Darauf wurde der Bericht des Herrn Rubin über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds angehört. Er schilderte das Anwachsen des Nationalfonds namentlich im Verlauf des letzten Jahres und drückte die Hoffnung aus, im kommenden Jahre eine noch größere Summe einnehmen zu können. Die Frage, wie weit die Sondersammlungen der Poale- Zion berechtigt sind, resp. ob sie nicht die Sainmlungen für den J. N. F. schädigen, wurde dem Resolutions-Komitee zur Erledigung übergeben. Der Berieht des Herrn Rubin wurde mit einem Dankes- Votum für das Komitee und dessen Vorsitzenden Herrn Rubin angenommen. Rev. M a s 1 i a n s k i sprach sodann warme Worte des Gedenkens für David Wolffsohn. Herr Dr. Cohen von der Universität Wisconsin, Vorsitzender des ״Committee of spezial resolutions“ schlug zur Annahme zwei Erklärungen vor, wonach die zionistische Organisation als solche in bezug auf die kriegführenden Staaten neutral sei und wonacii ferner die Juden alle Nationen darauf aufmerksam• machen, daß auch das jüdische Volk die Wahrung seiner nationalen Rechte verlange. Den 29. Juni, abends, fand ein großes Bankett statt, an dem 1400 Menschen teilnanmen, unter ihnen die bedeutendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit. Louis D. B r a 11 d e i s war der Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit. Reden hielten die Herren Nathan Straus, Dr. Stephen Wise, Louis B r a n d e i s , George Mac, Dr. Epstein, Keptin, Jacob de Haas, Dr. Schmarja Levin und einige andere. Zum Schluß verpflichteten sicli die Versammelten dazu, im Laufe des kommenden Jahres 100 000 Dollar für zionistische Zwecke zu spenden. Viele der Redner feierten besonders Louis Brand eis, der in seiner Rede die Ursachen, die ihn zum Zionismus geführt haben, darlegte. Der Gedanke, in Palästina ein demokratisches jüdisches Gemeinschaftsleben zu schaffen, habe ihn für den Zionismus gewonnen. Brandeis erklärte, das neue Zion würde ein Land sein, in dem die Prinzipien der Demokratie und sozialen Gerechtigkeit herrschen. Nathan Straus gratulierte den Zionisten zu ihrem neuen erfolgreichen Führer, auf den die Augen des gesamten Judentums gerichtet seien. Dr. Schmarja L e v i 11 führte aus, daß das Schicksal des jüdischen Volkes mit dem Palästinas aufs engste verknüpft sei. Herr Stephan Wise forderte die Anwesenden dazu auf, einen o 11 d s von 50000 Dollar für z i o 11 i s t i s e 11 e Zwecke zu schaffen; auf wie fruchtbaren Boden diese Anregung fiel, zeigt der Umstand, daß die doppelte Summe gezeichnet wurde. Wie bekannt wurde, haben sich Herr und Frau Julius Rose!1 «׳ a I d aus Chicago verpflichtet, zwei Jahre hindurch 13000 Do i 1 a r j ä 11 1T i c h zu zahlen; ein anonymer Spender steuerte (1000 Dollar bei. Die Herren Samuel Unter m e v e r und J. M e y e r, New׳ York, zeichneten je 3000 Dollar * * Um 2 Uhr nachmittags hatte die H a d a s s a 11 eine Konferenz und darauf begann ihre erste Sitzung. Die Präsidentin, Henriette Szoid, und die verschiedenen Komitees erstatteten ihre Berichte * Um 2 Uhr nachmittags war die offizielle Eröffn״ng tler ersten Sitzung der VII. Convention des Ortlens ״B 11 c i Z i o n*׳. Der Vorsitzende, Joseph Barondess, hielt eine!Jede, in der er die besondere Wichtigkeit eines solchen Ordens «achwies. im Namen des $ t a a t e s M a s s a c 11 u s e t t s begrüßte Herr i! a r d i s o 11 die C 0 11 v e 111 i o n des Ordens ״Bnei Zion“. Nach einer begeisterten Auf* nähme, die mehrere Minuten amlauerte, drückte er seine große Zufriedenheit darüber aus, daß ein Orden, der hauptsächlich wirtschaftliche Zwecke verfolgt, zugleieii ein so hohes ideal verkörpert, Wie der Zionismus es darstellt. Nach einem begeisterten Vortrag des Herrn Rev. Maslianski verlas der Vorsitzende seinen Bericht über die Tätigkeit und die Erfolge des Ordens. Der Bericht wurde einstimmig angenommen. Ebenso die Berichte der verschiedenen Komitees. Hiermit schließt die erste Sitzung. (Die Fortsetzung des Berichts folgt in der nachsten Nummer.) Die Sondersitzung des amerikanisch-jüdischen Komitees (Der Konferenzbeschluß) 'Das amerikanisch-jüdische Komitee hielt am Sonntag, den 20. Juni d. J., eine Sonder- Sitzung in New York City ab. Diese Sitzung wurde in Gemäßheit eines Beschlusses einberufen, den die Ke- 11 i 11 a 11 von New York in ihrer zweiten Versammlung gefaßt hatte. Die Exekutive des Amerikanisch-Jüd. Komitees hafte in einer früheren Sitzung beschlossen, eine Konferenz von Repräsentanten der nationalen Organisationen abzuhalten, vorausgesetzt, daß solche Repräsentanten aus dem Präsidenten und je einem Mitglied der genannten Organisationen bcstehen werden. Die Kehillah indes begünstigte den Gedanken der Abhaltung einer Konferenz von Deiegierten der jüdischen Gesellschaften des ganzen Landes, hervorgegangen aus Wahlen durch deren Mitglieder. In der Sondersitzung des Amerikanisch- Jüdischen Komitees wurden nun folgende Be- Schlüsse gefaßt: 1. Es wird beschlossen, eine Konferenz von Deiegierten jüdisch-nationaler Gesellschaften des ganzen Landes abzuhalten mit dem einzigen Zwecke der Erwägung der jüdischen Frage mit Bezug auf unsere Brüder in den kriegführenden Ländern. 2. Daß die Zahl der Delegierten dieser Konferenz 150 nicht übersteigen soll. 3. Daß jede Organisation ihre Delegierten auf die ihr ratsam erscheinende Art wählen kann, aber es ist empfehlenswert, daß bei der Delegiertenwahl die Mitglieder der Organisationen oder deren führende Körperschaften imstande sein sollen, den Delegierten ihren Wunsch dahin zu äußern: a) daß ein Komitee von 7 Personen bestimmt wird, das die Organisationen zu designieren hat, die zur Teilnahme an der Konferenz einzuladen sind und die Grundlage der Vertretungsweise der einzuladenden Organisationen auszuarbeiten hat; b) daß die Konferenz so schnell als möglich in Washington stattfinden soll, und zwar nicht später als am 1. November 1915, und daß die verschiedenen Organisationen, die daran teilnehmen werden, ersucht werden sollen, ihre Delegierten nicht später als am 10. Oktober 1915 zu wählen; c) daß das Exekutiv-Komitee ermächtigt sein soll, die Zusammenkunft der Konferenz aufzuschicben, falls Umstände entstellen sollten, die eine derartige Maßnahme ratsam machen sollten. Das folgende Komitee wurde bestimmt, die Organisationen festzuseizen, die zur Teilnahme an der Konferenz einzuladen sind und die Basis für derer! Vertretung auszuarbeiten: Dr. Cyrus Adler, Vorsitzender, Col. Harrv C u 11 e r, Samuel I) o r f, Richter Julian VC־. Mack,' Dr. J. L. M a g 11 e s, ßeriiard S c m e 1 und Col. Isaac M. U 11 m a n 11. Eine zur Annahme gelangte Resolution sieht voraus, daß ein Komitee eingesetzt wird zum Zwecke der Ausarbeitung einer gerechten Grundlage der Vertretuiig im Amerikanisch-Jüdischen Komitee unter Berücksiclitiguiig der Tatsaciie, daß das Amerikanisch- Jüdische Komitee eine Organisation von nationalem Charakter ist und daß das Exekutiv-Komitee der New Yorker Keliiilali zurzeit aus 36 anstatt 25 Mitgliedern bestellt. Das Hilfswerk für Palästina. Die letzten traurigen Nachrichten über die Not der jüdischen Bevölkerung Palästinas haben die Dringlichkeit der Hilfsaktion für Palästina in allen Ländern dargetan. So wird nun das Palästinahilfsveerk auch in Bulgarien energisch gefördert. Das Zentralh 11 r e a u der bulgarischen Zionisten hat sich, da es gelang, viele jüdische Kreise für diese Arbeit zu gewinnen, mit nichtzionistischen Organisationen vereinigt, und es wurde hierfür eine Zentralstelle zur Hilfe für d i e J 11 d e!1 in Palästina gebildet, deren Arbeit gute Erfolge verspricht. Das vom K011sistorium in Sofia geschaffene Hilfskomitee für die n o t! e i d c n den Juden in de n krieg - führenden Ländern Hat einen größeren Teil seiner Gesamleiugänge für Palästina bestimmt und schon 5 000 Eres, an den amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, Mr. i lenry M o r g e n 111 a u . überwieselt, die inzwischen Herrn Dr. Ruppin, als dem Vorsitzenden des Yerteilungskoniikas, eingehändigi worden sind. Das Z e 1! trat k 0 ni i t e e der b u i g a - r i s c h e n Z i o 11 i s! e 11 hat dem Z e!1 t r a I h i I f s - v e r e i n in S 0 f i a, w; ichen; es schon den Betrag von 24 Oü Lei für seine 1 ה I g c m einen Zwecke z׳.r Verfiigung gestellt hatte, nunmehr einen weiteten Beitrag für Palästina übermittelt. — Erfreulich sind die Ergebnisse der Hilfsaktion für Palästina in E11 gl and. Der von der E n g 1 i s dien Z i onisten - F ö cl t - rat i 0 11 für die Palästina-Flüchtlinge gesammelte Betrag beläuft sich auf 1356,9,11' ־, wovon der größte Teil nach Alexandrien übermittelt wurde. Audi die Jüdische Kolonial bank hat sicli mit einer beträchtlichen Summe an dem Hilfswerk beteiligt. Erwähnenswert ist ferner, daß auch Christen Sam 111lungen zugunsten dieses Fonds veranstaltet haben, die über ,£ 200. — betrugen. — In Holland wurde iür den P a i ä s t i n a n 0 t f o n d s der stattliche Betrag von 10 00t) Gulden (holländisch! aufgebracht. — Deutschland endlich hat bisher nachdem in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau‘ veröffentlichten Ausweis 50 500 M. beigesteuert; hinzu kommen außerdem noch im Gesamtbeträge von 1500 M. die Spenden unter 10,— M., die aus Raummangel noch nicht ausgewiesen weiden konnten, so daß sich das Endresultat auf über 52 000 M. erhöht. Alle diese Zahlen stellen zwar schon eine Hilfe für unsere palästinensischen Brüder dar, aber sie sind natürlich noch viel zu gering, zumal neuerdings die H e u s ch r eck e nplage unübersehbaren Schaden angerichtet hat. Wir dürfen hoffen, daß alle Freunde der Palästinaarbeit sich durch die bisherigen Ergibnisse zu weiteren Spenden für die Hilfsaktion für Palästina veranlaßt fühlen werden. Spenden sind an das Hilfswerk für Palästina, Postscheckkonto 4192 Berlin, zu richten. — Y־; / Juden und Polen Wir haben im letzten Leitartikel der ״Jüdischen Rundschau“ die ״Erklärung“ der galizischen Juden wiedergegeben, die einige israelitische ״Größen“ Galizieiis auf Veranlassung des Polenklubs veröffentlicht hatten und die in einem telegraphischen Auszug verbreitet worden war, der den wahren Charakter der Erklärung zum mindesten verschleierte. Wir haben schon das letzte Mai darauf hingewiesen, daß diese Erklärung durchaus nicht, wie glauben gemacht werden sollte, von den Vertretern aller jüdischen Parteien Galiziens unterzeichnet war. Nicht nur die Führer der zionistischen Organisation Galiziens ׳ hatten die Erklärung nicht gezejehnet. Die ״J ü - di sehe Zeitung“ in Wien erhält von einem hervorragenden njchtjüdischen Mitglied des Polenk 1 u b s die Mitteilung, daß die Erklärung 6 Wochen später erschienen ist, als geplant war. Solange währten die Verhandlungen mit den jüdischen Reichsratsabgeordneten Dr. Groß und Rauch, die ihre Unterschrift standhaft verweigert e n. Ebenso war die Unterschrift des Handelskammcrpräsidenter, von Lemberg, Samuel Edler von Horwitz, nicht zu erlangen. Daß der unabhängige Abgeordnete Reizes die Erklärung nicht gezeichnet hat, versteht sich von. selbst. Auch eine R a b b i 11 e r v e r s a m in I u n g ־ hatte es abgelehnt, die Erklärung zu zeichnen. Das Krakauer Tagblatt ״Glos N a r o d u“ knüpft an den Umstand, daß die Abgeordneten Dr. Groß und J Rauch ihre Unterschrift verweigerten, die Berner- | kling: ״Offenbar sind die Herren der Meinung, daß die polnische Bevölkerung von Russisch-Polen wirklieh Pogrome veranstaltet hat.“ Die jüdischen Zeitungen in Oesterreich haben den wahren Charakter dieses Liebesdienstes galizischer Juden für die Polen wohl erkannt. Einzelne Organe nehmen gegen die Erklärung energisch Stellung. Die ״Jüdische Zeitung“ weist darauf hin, daß die ״Erklcirung“ der antisemitischen Partei in Russisch- Pol e 11 ein Wohlverhaltungszeugnis ausstelle und sie vor dem Vorwurf der Pogrominachcrei schützen wolle. Die russischen Juden dagegen, die die Dreistigkeit hatten, sieh von der russ■sehen Regierung in den russisch-polnischen Ansiedlungsrayons sperren zu lassen, bekämen einen ״verdienten Seitenhieb“ ab. Bemerkenswert ist, daß die Erklärung der jüdisch-polnische« Assiinilaiiten die verhältnismäßig günstige Lage der Juden in Galizien auf die Auto- 11 o in i e Galiziens zurückführt. Die östcrr e i c 11 i s c h e Verfass u 11 g seheinen die Autoren der Erklärung ganz vergessen zu haben, ebenso die Tatsache, daß die österreichische Verfassung vom Jahre 1867 datiert ist, während der galiziseiie Landtag noch 1S6S langwierige Debatten über die Frage der Gleichberechtigung der Juden in den Gemeinde- Vertretungen geführt hat und die Gleichberechtigungsgrundsätze der österreichischen Verfassung in Gaiäzieii erst nach schweren Kämpfen zur Durchsetzung gelangten. V011 der wirtschaftlichen und politischen Praxis des Antisemitismus, die in ״O e s t e r r c i - c 11 i s c 11 - P o I e 11“, wie die israelitische Erklärung G a I i z i e!1 nennt, wohlbekannt ist, ist in der Erklärung der galizischen Assimiianten selbstverständlich nur in ganz verklausulierter Form die Rede. Dali die Polen ihren A!1 1 i s e in i t i s 111 11 s trotz aller Liebesdienste, zu ÜeiiMi sich die galizischen Assimiianten hergeben, 11 i c 11 * zurückstellen wollen, bcweist ein Artikel im ״J ii d i s c b e n T a g b 1;1 11“ in Lernberg. Das ״jüdische Tagblatt“ ist am Tage der Befreiung Lembergs, am 23. Juni, allerdings infolge des herrschenden Papiermangels nur auf farbigem Plakatpapier, sofort wieder erschienen und brachte am '2. Juli folgende Notiz: 111״ dem Artikel betreffend ״Unsere lieben Nachbarn“ haben wir schon gezeigt, mit welch niedrigen Waffen der antisemitische Teil der polnischen Presse den Kampf gegen uns airigenonimen hat, um uns vor den offiziellen Behörden zu verleumden. Die Verleumder wollen sich auf diese Weise von ihren eigenen Sünden reimvasclien. Wir hatten aber bald die Möglichkeit, uns 711 überzeugen, daß dies ihnen gar wenig genützt hat. Trotz der Lügen und Verleumdüngen, die sie gegen uns zu verbreiten versuchten,

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