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Jüdische Rundschau · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. I *längliches Blatt in der Ocschichtc unseres Vol• kes gewidmet bleiben. Stolz dürfen wir schon in dieser Stunde darauf sein, da» sich auch das Vertrauen bewährt hat, d a s Pa I ä s t i n a de r Z io 11 is t i ■ sehen Organisation ent gegen ge• bracht hat. 1111 Aufträge Palästinas hat das , Adions-Comite der Zionistischen Organisation die Zionisten aller Länder zur befreienden Tat aufgerufen und die Nationalstcuer für das hebräische Schulwerk von ihnen verlangt. Schon jetzt sind dem Zionistischen Zentralfonds, der ander den wichtigen politischen Arbeiten auch die grollen kulturellen Aufgaben in Palästina zu erfüllen hat, mehr als vierzigtausend Mark aus dem engsten Kreise zur Verfügung gestellt worden. Jetzt erst werden wir imstande sein, in die breite Ocffcutlichkcit zu gehen und an jeden Einzelnen, der für das Gedeihen des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina und für. den grollen Erneuenmgsprozell unseres Volkes wahres Interesse hegt, heranzutreten. Jetzt erst weiden wir mit der Aufklärung weiterer Kreise beginnen können, da uns die ersten vollständigen Nachrichten über den glücklich geführten Kampf um die neuen JSeJmlcn Palästinas erreicht haben. Jetzt erst dringt die Kunde von dem schweren Kampf, den wir führen müssen, in die fernen Gegenden Nordasiens, Amerikas, Afrikas und in die vielen kleinen Orte, in denen nationalgesinnte Juden wohnen, und immer weiter wird unser Ruf drin* gen, immer bestimmter und enthusiastischer die Antwort sein, die uns zurückkommt. Einen Anfang haben wir auf dem Weg zur Verwirklichung unseres Kulturprogramms gemacht, und die Hilfe unserer ITeunde ist nicht ausgeblieben. Vierzigtausend Mark! Es ist kein groller Betrag, aber in wenigen Tagen haben wir ihn erhalten, und wir sind fest überzeugt,' da» die Zionisten ihre Leitung nicht im Stich lassen werden. Wir sind weit davon entfernt, uns eines endgültigen Sieges freuen zu dürfen. Nicht mehr als einen Schritt auf dem Weg zum Ziel haben wir getan, und hundertmal grülier!null die Hilfe werden, die uns zuteil wird, wenn w׳r nicht doch das Vertrauen Palästinas enttäuschen sollen. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr gilt es, unverdrossen zu arbeiten! Der Zionismus ist ein unendliches Ideal. Er fordert von seinen Anhängern Treue und Ausdauer, Arbeit und Opfer, aber er gibt uns auch das beglückende Bewußtsein der Mithilfe an einem Werke, dem die Zukunft gehört. Die stolze und freudige Bewegung, die jetzt durch die Reihen unserer Freunde geht, zeigt uns klarer als je vorher, da» unser Volk für dieses Erlösungswerk reif ist. Wir gehen unverzagt vorwärts! Die Aktion für unter Schulwerk. Der Aufruf des Actions-Comites für das hebritische Sclmlwerk in Palästina hat auch in Deutschland begeisterte Aufnahme gefunden; das deutlichste ■Zeugnis gibt hierfür der eiste in der ״Welt" veröffentlichte Ausweis. Die Zeichnungen wachsen aber von Tag zu Tag. In erster Reihe nimmt sich die zionistische Jugend der Sicherung unseres Schul Werkes an. Wir geben einige Beispiele aus den Telegrammen und Briefen, die dem Actions- Uoiititc täglich zugelien, Berlin 1 Der Karlclltng des Kartells Zionistischer Verbindungen beschlolt eine energische Aktion für das hebräische Sclmlwerk in Palästina. Er hofft, dal! die Sammlungen mindestens 5001) M. ergeben. Auf dem k'urtclltage selbst wurden bereits 1175 M. Jahresbeiträge und 175 M. einmalige Beiträge gezeichnet, Kiinl>!sberß I. Pr.! (Telegramm.) Ikr Kartelltag des Bundes Jüdischer Uor|torntioncn fällte folgenden Beschluß: der Bund Jüdischer Corporationen stellt dem Aetioiis-Uomite der zionistischen Organisation 10 0l)(l M. für das hebräische Sclmlwerk in Lrc/ Israel zur Verfügung. Nürnberg: (Telegramm.) Nach einem Vortrage des Herrn Pr. Klee wurden für das Sclmlwerk sofort 500 AV gezeichnet. Weitere größere Zeichnungen folgen. Alll neben s (Telegramm.) Nach dem Vortrage des Herrn l!r. Klee wurden für das Actions-Comite 1000 M. gezeichnet. Es dürften gegen 2000 M. Jahres• beiträge zustande kommen. Brot und Spiele! 1111 ernsten Kulturkampf ist das Schulsystem des lülfsvcrcins der Deutschen Juden in Palästina unterlegen. Wenige Wochen entschlossenen Vorgehens von Seite der hebräischen Pädagogen Palästinas mul wenige Tage, während deren Paul Nathan durch Halsstarrigkeit, die schweren Fehler seines bisherigen Vorgehens gutmachcn wollte, haben genügt, tun zu zerstören, was zehnjährige Arbeit aufgehaiit hat. Alle Schuld rächt sich auf Erden. Wir wollen nicht untersuchen, ob es nicht doch noch gewisse Wege für den Hilfsvcrcin gäbe, den Rest seines Ansehens im Orient zu retten. Solche akademische Untersuchung ist unnütz, denn der Hilfsverein resp. sein Repräsentant auf dem Schauplatz des Kampfes, Herr Dr. Paul Nathan, tut alles, was möglich ist, Empörung zu erregen, Schaden zu stiften und sieh■ seihst für alle Zeit den. politischen nml moralischen Kredit in Palästina zu entziehen. Man sage nicht, Herr Dr, Nathan sei nicht verantwortlich für das, was sein Vertrauensmann Efraiui ('.«hu und dessen Exekutivorgane ins Werk setzen. Herr l)r. Nathan mul) wissen, welche Intrigen und I) e n u n z. i a t i o 11 e 1! während seiner Anwesenheit in Palästina ins Werk gesetzt worden sind, Und es wird sieh bitter an Herrn Dr, Nathan und seiner Organisation rächen, weint die Ocffentluffkeit erfährt, wie versucht worden ist, Männer'; wie Mossinsolm und Bogratsclioff, die Lehrer des (o 110 111 a n i s c h e 11) hebräischen Gymnasiums in Jaffa, ״unschädlich" zu machen. Die verantwortlichen Leiter des Hi'fsvcrcins versuchen aber nicht nur die Behandlung jüdischer Bürger, wie sie in dem östlichsten Reiche Europas üblieh ist, nach Palästina zu verpflanzen. Sie haben auch die alte römische Sitle ciiigeführt, dem Volk ״paticm et circcttscs“, Brot und Spiele, zu versprechen, wenn es den Willen der Oligarchen täte. Daß inan den Lehrern, die sich gegen die Durchführtmg der hebräischen Unterrichtssprache anwerben lassen, besondere Gehälter zahlt, aber andererseils nicht zu verstehen vermag, wenn unsere Lehrer um Ihres Volkstums willen, ihre ״Stellung mit Pensionsberechtigung ‘ opfern — das nimmt uns ja nicht Wunder. Aber die Methode, durch K a r u s - sclfrcikartcn», Schulen zu füllen, ist doch zu kindisch und zu frivol, als dnlr sieh auch nur die kleinen Kinder Palästinas dadurch verlocken ließen. Der neue Jischuw Palästinas ist nicht der Vaterlandslose Pöbel des allen Rom. In ihm lebt eine moralischt־ Kraft, die der Lockruf ״Brot und Spielet'‘ nicht untergräbt. Auch in Deutschland ist der Hilfsvercin in seinen Mitteln nicht wählerisch. In den letzten Tagen versendete er hier an seine Mitglieder als Flugblatt, im Verlag des Hilfsvereins herausgegehen, einen Artikel des ״Hamburger Eamilicnhlnttcs“ vom 18. Dezember, dessen Schluß folgender Hetzruf gegen die russischen Juden bildet: Es ist der nicht sehr glückliche Einfluß der jüngeren russischen Generation, deren Einfluß sich hier unheilvoll geltend macht. Tatsächlich streikfreudig sind die Russen und nicht sowohl die alten Palästinenser der zweiten und dritten Generation. Im Anschluß daran sei noch eines erwähnt: Diese jungen Russen sind als R 11 s s e 11 u n d a I s j ü d i s c 11 c R 1t s s e n E e i n d e von allem Deutschen, das sie schlecht und höchstens oberflächlich kennen, und das ihnen als das Prinzip des Unfreien, Rückständigen gilt. Ihr Kampf ist ebensowohl ein Kampf gegen das verhaßte ״Taatsche“ als fiir das Hebräische. Die russischen Juden werden dem Hilfsverein für diese Denunziation den Dank wissen. Die Familie Wissotzki, die das Hauptverdienst an der Gründung des Technikums hat, wird sich dagegen zu wehren wissen, dal) man mit solch unglaublicher Gewissenlosigkeit gegen die russischen Juden Stimmung macht, die tausendmal mehr Opfer bringen fiir das Aufblühen Palästinas, als die verantwurtlicitcn Führer des Hilfsvereins. Auch diese Schuld wird sich rächen. Im alten Rom hat man den politischen Denunzianten in die Verbannung geschickt. Auch pusere Volksheimat hat nicht Platz für die, die sich gegen ihre eigenen Volksbrüdcr solcher Mittel bedienen! L. H. Kampfmethoden des Hilfsvereins in Palästina \ (Aus einem Briete aus Jaffa vom 15. Dezember.) Zur Charakterisierung der Mittel, mit denen der Hilfs verein in Palästina seine Position zu halten sucht, sei einiges kurz ausgeführt. Der Enthusiasmus, mit dem Paul N a t h a u in Jerusalem empfangen wurde, ist so groß, daß er von Berittenen zu einem Bankett geleitet wird, das Efraim (John, in Gegenwart der 28 Streikbreclter für ihn veranstaltet. Der Vorsteher einer jüdischen Gesellschaft glaubt sieh so vor Juden schützen zu müssen! Polizisten bewachen das alte Seminar am Tage seiner Eröffnung. (John und seine Helfershelfer denunzieren beim Konsul und bei den türkischen Behörden; ein Sehii'er wird verhaftet, gleich aber wieder freigelassen. Die M o r i a h , plötzlieh mit Kapital versehen, verteilt Freiexemplare, in denen sie die Zionisten in der empörendsten Weise bellegelt. Nathan in höchsteigener Person schreibt Jüdische Geschichtschreibung Max Grunwald, der die Aufzeichnungen Isidore Lehmanns über seine russische Reise vom Jahre 1812 lieratisgcgclK'11,hat, schreibt darüber: ״Da kam die Nachricht: der Kaiser zieht gegen Rußland I Und mit dem Frieden in Lehmanns Hause war es vorbei. Alle Bitten und Tränen seines Weihes vermochten ilm nicht zu halten. ״Was schert mich Weib, was schert mich Kind!" Der 3. August 1812 sah ihn auf dem Wege nach Rußland." Wer das liest, wird sich freuen, die Bekanntschaft eines so mutigen, kampfesfrohen, begeisterimgsfähige» Juden zu machen. Mit einiger Ernüchterung liest er dann in den Aufzeichnungen selbst: ״Zu dieser Zeit brach der russische Krieg aus, und mit ihm war meine Ruhe verschwunden. Ich dachte: iclt muß nun jetzt, da sich meine‘ Familie ׳ vermehrt!tat, auch mellt Vermögen zu vergrößern suchen. Welch bessere Gelegenheit als die russische Kampagne? dachte ich mir." Und er ging hin und verkaufte dem französischen Heere Uniformen, Mehl und was es sonst gebrauchen konnte, Darf man davon in 80 hohen Tönen reden? Es handelt sich um eine Kleinigkeit, aber sic sei hier hervorgehoben, weil sic für eine ganze Richtung in unserer Publizistik bezeichnend Ist, die alles Jüdische ins Heroische erhebt. Wenn das selbst bei einem •0 unstreitig verdienstvollen Forscher wie Max Grunwald begegnet, so ermesse man, wie sonst bei uns — Geschichte geschrieben wird, M. C, Unsere große Sommerfahrt Die Enlirt des Jüdischen Wnttdcrbimdes ״Bi au-Weiß‘‘ dauerte über drei Wochen und ging von Werlheim am Main über Rothenburg o. T. und Dinkelsbühl durch die schwäbische Alb zum Bodensee und nach einem kleinen Abstecher nach Vorarlberg durch den Schwnrzwald nach Freiburg. Es nahmen 12 Wanderer teil*). Es ist ein Unterschied, ob man als Tourist reist ©der mit dem Kodttopf wandert, Oh matt auszielit, um die Gegend mit dem Bädekcr zu vergleichen, oder ob nt an singend über Land streicht, aus lauter Lust am Gehen und Sdtauen. Das erste ist bequemer, das andere froher und sorgenloser. Der Koditopf löst uns von jeder weiland Lebensgewöhnlich und gibt der Fahrt den Reiz des Mardtenhaften und Abenteuerlichen. Man Ist nicht mehr Sklave des Oasthauses. Freilich muß man sidt davor *) Wir entnehmen diese Schilderung den ״Blau- W c 1 ß B l Ü11 c r n“ Mitteilungen des jüdischen Wandcrbundcs ״Blau-WelD*‘. J hüten, Sklave des Koditopfes zu werden. In diesein Falle liegt man stundenlang an der Landstraße (an der ״Gosse" sagt Herr Dr. Weißenberg), kocht 10 Gerichte und steht schließlich hungrig auf. So war’s vielfach bei uns in der ersten Zeit. Freilich gab’s fixe und geschickte Köche — daneben vegetiertc jedoch die Hungergruppe und nährte sich von Wasser und Suppenwürfeln. Als der Führer dahinter kam, wurde gemeinsam auf Holz gekocht, in grollen Kesseln, in denen Riesenportionen Reis oder Gemüse brodelten und wunderbar schnell gar wttrdett. Freilich war das Abwaschen nachher tutbequem und langweilig. Besonders Schlaue vertrieben sieh angenehm die Zeit dabei, indem sie die Töpfe lustig hinausschwimmen ließen, bis sic ins Bodenlose versanken. I>ic Disziplin war im allgemeinen nicht schlecht, trotzdem der Führer auf Militärisches absichtlich verzichtete. Anstelle erzwungenen Gehorsams sollte freiwillige Unterordnung des Einzelnen unter das Wohl aller treten. Weil nur Notwendiges gefordert wurde, durfte man, tat’s not, mehr als das Notwendige erwarten. Fk-nn jeder mußte cs wissen, er war nicht nur sich selbst, er war auch den anderen für dos Gelingen der Fahrt verantwortlich. Daß trotzdem Fälle von Widersetzlichkeit vorkamen, ist doppelt zu bedauern. So ungezwungen sonst der Verkehr zwischen Führer und Wanderern war, hier mußte fest zugegriffen werden. Im allgemeinen kam’s ja aelfcn vor. Dennoch beweist es, das nicht immer der echte ״Hordengeist“, bei \

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