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Jüdische Rundschau · 1906-08-17 · Heft 33 (17.8.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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35 .י.:* Seite 48-t JÜDISCHE RUNDSCHAU Mädchenschule wird von 95U Schülerinnen bcsuclit. Seit etwa j J8 Jahren verlassen 300 bis 350 Knaben und Mädchen im .' Jahresdurchschnitt die Allianccschulc, und immer kommt ein gleich grosser jüngerer Ersatz״ Die hohe Zahl der Schüler und die lange Dauer des Unterrichts verleiht den Alliance* ־ schulen einen ungewöhnlichen Einfluss auf unsere tunesischen Glaubensgenossen. Der klägliche Zustand, in dem heute unsere Glaubensgenossen in Marokko hindömtuern. war vor etwa 50 Jahren auch der der Israeliten von Tunis. Mau kennt <Jai» Elend, die Bedrückung, die־ Demütigung, in der sic lebten. Wenige Jahre nach der Eröffnung der Allianceschulen kam — ein glückliches Zusammentreffen! — das Protektorat. Während dieses den Israeliten des Landes die für jede Entwicklung unentbehrliche Sicherheit gab. bereiteten jene sie für den Kampf vor, der sich nur auf dem der zivilisierten Welt neu erschlos* selten Markte entfalten sollte. Dass unsere Glaubensgenossen von dieser Gunst der Um* stände Nutzen gezogen haben, ist,jedem erkennbar, der sich hier im Lande Umsicht. . j Wenn hier ein Schiff Anker wirft, und die Reisenden sich ausbooten lassen, wird alles von dem Geschrei der Gepäckträger übertönt. Der kundige Reisende weiss, dass er sein Gepäck einzig den bekannten Agenturen Aglot, Rapide. Dana j anvertraucn darf. Die Agentur Aglot ist ein französisches! Haus, das in allen Häfen Bureaux unterhält. Ihr Angestellten! |!1 Tunis sind der Mehrzahl nach ehemalige Zöglinge der! .Allianccschule. Die beiden anderen Agenturen machen .de!; erstgenannten eine harte Konkurrenz. Ihre Begründer und gegenwärtigen Direktoren sind vormalige Zöglinge der Allianceschule. Hat der Reisende ein Zimmer im Hotel erlangt, und wih er in einer Bank Geld wechseln, so hat er die Wahl zwischen dem Comptoir National d'Escompte. der tunesischen Bank, der Compagnie Alge-ricnne und der tunesischen Koimnerzialbank. Wohin er sich wenden mag — an den Kassierer, an den Kontrolleur, au den Depotverwahrer, an den Vorsteher ן der Wechselkasse, liberal! begegnet er vormaligen Alliance- ,י Schülern. Auch von den sonstigen Angestellten gehört die! Mehrzahl zu den früheren Allianceschiücrn. So ist es i!1 allen! Banken, mit einer einzigen Ausnahme: in der Bank d’Algeric stellt die Verwaltung die Bedingung, dass ihre Beamten Eran-; zosen sein müssen und unseren tunesischen Glaubensgenossen! ist die Erlangung der Naturalisation versperrt. j Sehen wir uns nun in den grossen W'arenhäusern um.! Eines der bedeutendsten ist ..Der kleine Louvre". Ganz, wie die grossen Louvremagazine von Paris nimmt das tunesische Etablissement ein mächtiges Gebäude ein. Im Erdgeschoss und zwei Stockwerken darüber drängt sich die Menge der Käufer, die, wie in Paris, alle erdenklichen Gegenstände zu Ihrer Auswahl vorfinden. Nicht Millionäre und nicht vereinigte Kapitalisten betreiben dieses Geschäft. Drei Brüder sind die Besitzer, ehemalige Zöglinge der Allianceschule. Sie waren arme Jungen, und die Alliance hat Ihnen neben dem Unter- ( rieht Nahrung gegeben. Nachdem sic eine praktische Eri Ziehung genossen, cröffncten sie einen ganz kleinen, beschcidenen Laden, in dem sic billige Stoffe verkauften. Durch Ausdauer und Sparsamkeit gelang cs ihnen, ein kleines Betriebskapital zu sammeln. Ihre persönliche Geschicklichkeit verschaffte ihnen gute Kundschaft. Heute sind sie wohlhabend. Sie sind aber auch gut und vergessen nicht die Pt'licln:die. ihre neue Lage ihnen nuterlegt. Ganz besonders gedenk•:•׳, sie der Wphlfahrtsanstait. der sie den ersten Unterhalt, der Schule, d.cr sie die erste Bildung verdanken. Alle würdigen Armen finden bei ihnen gute Aufnahme und Hilfe. Wenn von den Direktoren der Allianceschule ein Aufruf ergeht, so sind es di׳a drei Brüder, die sich als die ersten hilfsbereit einstellen. Mehr als 100 ehemalige Ailiancesehüler sind hei ihnen beschäftigt, in ihren Werkstätten arbeiten frühere Allianccschiilcrimtcn als Schneiderinnen, Modistinnen. Stickerinnen. Korscttnähcrinncu. In dem grossen Warenhaus Orosdi-Bach ist der Subdirektor One:׳ ein früherer Ailiancesehüler. Der Kassierer desselben Hauses ist der vormalige Kassierer der Vereinigung der Aliiance-Elemcntarscliüler. Mehrere Rayonchets und die grosse Mehrheit der Angestellten in allen grossen Magazinen waren vordem Ailiancesehüler. 111 jedem grossen und niittleren Geschäft, in jedem Laden, der 5- 6 Personen beschäftigt. iindet man Ailiancesehüler. In Tunis gibt es eine ausserordentlich grosse Menge von Agenten und Handelsvertretern: die meisten von ihnen und gerade die bestsituierten. sind aus der Allianccschulc hervorgegangen. Unter ihnen sind einzelne, die jährlich 51:00-600) Eres, verdienen. Die Buchhalter der Anwälte und Gerichtsvollzieher, auch der nichtjiiclischcn. sind meist Ailiancesehüler. Der Advokat Eitoussi war. als er die Alliaucescluile vcrlicss. einfacher Buchhalter. In seinen Massestunden widmete er sielt den! .Rechtsstudinrn. Er bestand die Prüfungen und gehört jetzt zu den geaclitetsteu Anwälten von Tunis. Advokat Schalom. ein früherer Allianccschii'Icr, ist jetzt hhrensyndikus der AllianceansmUcii. Andere frühere Alliance- Schüler haben sieh dem Studium der Medv.in gewidmet ׳.:• •J in der Stadt bereits wohlverdienten Ruf als Aerzte erlangt. Iu Se;:1k-e!-Gran.1. dem berühmten Gcscliüftswinkcl. wo die grossen Getreideabschlüsse gemacht werden, findet man in beträchtlicher Zahl unsere bejahrten Notablen, mit etwas rückständigen Anschauungen, «aber tiiehrge Einanzmänner. Sie sitzen in ihren alten Bureanx unbeweglich. Aber rund um sic tummelt sich eine Jugend mit lebhaften Augen, mit entschlossener Miene. Das sind ■ihre Söhne oder Angestellten, lauter frühere Ailiancesehüler, die nach und ttaclt die Handelsnteiho• den ihrer Väter oder Chefs nmgcstaltct haben. Iu allen Handwcrksstätien trifft man frühere Allianceschiiler. Aus ihnen besteht die Mehrzahl aller Typographen, icppichwcbcr. Steinhauer. Schneider. Schuhmacher. Lackieret. Anstreicher. Schmiede. Drechsler. Holzbildhauer. Elektriker. Optiker usw. In allen diesen und anderen Handwerken haben sie nur einen ernsthaften Konkurrenten: den Italiener. Dieser wirtschaftliche Eim'iuss ist aber nicht der einzige und nicht der bedeutendste, den die Allianceschulen ausgeübt haben. Die Allianceschtilen haben ihre Zöglinge nicht bloss Haschkibhenu In Friedet», Herr, lass uns zur Ruhe gclt’n Und lass zu Glück und Heil uns auicrstehn. Wie eine Decke breite um das Haus Den stillen tiefen Gottesfriedet» aus. Und sei uns Schutz und Schirm, der von uns scheucht, Was durch die Nacht verderbenbringend schleicht Vor uns und hinter uns und uns bedroht Und nur in's Dunkel weicht auf dein Gebot, fm Schatten deiner Flügel gib uns Rast. Der Mitleid du mit unserer Schwäche hast. Beschütze uns, wenn wir zur Ruhe geh'n, Lass uns zum Leben wieder auferstehn Und breite deinen Gottesfriedeti aus Als Schirm und Schutz um unser ganzes Haus Und um dein Volk, das so nach Frieden bangt, . Und un» die Stadt, nach der es heiss verlangt, Un» Zion, das, eh' sich das Auge schhcsst. Noch einmal schweigend unsre Sehnsucht griisst. Aus dem demnächst erscheinenden Werke .,Bcruria". Ein Buch für jüdische Mädchen und Frauen: he rausgegeben von Dr, Max Grunwald, Wien, Verlag J. Schlesinger, Budapest und Wien. Des Windes Heulen übersetzt aus dem Hebräischen von P. Smolensk in. Das Hcuien des Windes, das wie eine Klage klingt, regt in »1ns nicht selten ein Gefühl der tiefen Wehmut, ohne dass uns dabei in den Sinn kommt, was der Wind oft in seinen Fittigen für erschreckliche Dinge führt• den Sterbesenfzer eines armen Vaters, das Wehklagen einer verzweifelten Mutter• der ein Despot den einzigen Sohn aus den Armen reisst, das Stöhnen unglücklicher, rechtberaubter Menschen, den Jammer umherirrender Walsen, und wie sonst alle die schrillen Töne heissen mögen, die sich zerrissenen Seelen und gebrochenen Herzen entringen. — Wer denkt wohl an derlei Dinge? Es ist ja m»r des Windes Heule»» Auch Fürst B. dachte nicht im entferntesten daran, als der Wind einen von Schmerz durchzitterten Ton durch die halbgeöffnete Tür hcrcintrug, bei dem seine Geliebte unter den glühendsten Küssen ängstlich zusammenzuckte. ״Närrchen,‘; scherzte er, ״es ist ja nur des Windes Heulen!“ und fuhr fort, sie an seine Brust zu schliessen und aus dem schwellenden Rosenkelch ihrer Lippen

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