Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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§ Q ' Q cöoha I I י I 1 \ ׳ J\y!!»3 \ כ! י־ t=1 '־ .,j L-j Lj \jU CJ \ji~j Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT *iertetjihrlieh: 1. tfurch die Expedition: a) in Berlin —,90 Mark, bl nach austrlrts l,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. 2. Im Poitabonnemenl: 1,25 Mark. Insertionspreis iie vicrßcspaltcnc Petit •Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. 'nf V✓ ־A r. Öl) ÜU Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdische Rundwhiu, E. 0. m. b. H. Berlin N. 54, Atigusisir. 49t. OeschäfUstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 37־ Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDiSCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 33 Berlin, 26. Abh 5656 — 17. August 1906 XI. Jahrgang Stille Zeit In jedem Jahre kommt die Zeit, wo es in allen Grimkrainlüdcn neue saure Gurken, und die bekannten Unten von der Seesehlangc חי den Zeitungen in Hülle und Hille gibt. Das ist die Zeit der politischen Ferien, in denen inan in Ländern, wo das Volk die Kälte besser als die Hitze verträgt, sogar in der Revolution eine gewisse Erholimg.spause macht. Es ist das die Zeit, wo unsere Politiker auf Druckpapier davon sprechen, dass man die Organisation der Zeitungswelt ins Werk setzen soll, und wo überhaupt in den Tagesblättern die Fragen erwöge!! werden, zu denen man sich im ganzen Jahre deshalb die Zeit nicht nimmt, weil man wichtige oder wenigstens wichtig scheinende Dinge zu behandeln hat. In dieser stillen Zeit werden aber auch Kongresse abgehalten von Hausbesitzern und Apothekern und werden evangelische und anderskonfessionelle Arbeiterbfmde ins Leben gerufen. Wir Zionisten sind gewohnt, diese stille Zeit zur fleissigen Agitation in Bädern und Sommerfrischen ausjftmutzen und sic endlich nii» unscrin Kongress abzu-! schliessen. In den Jahren, in denen kein Kongress stattfindet, tagt statt dessen die Jahreskonfeicnz, ׳die ebenso wie alle Sitzungen des grossen Aktionskomitees, die . nicht während der Zeit des Kongresses abgehakeii wurden, ausschliesslich am Wohnsitz des Präsidenten stattfanden. So tagt denn zum ersten Male die Jahreskonferenz in der schönen Stadt am Rhein, von der aus unser Präsident die Bewegung leitet. Gewiss in stiller Zeit tagt die Jahreskonferenz. Nicht deshalb freilich ist die Zeit still, weil keine Ereignisse sich abspielen, die für das Jüdische Volk von Bedeutung wären. Denn selbst in der stillen Zeit finden jene elementaren Ausbrüche der Gewalt statt, diq. cs der ruhigen Arbeit zum Aufbau des Volkes schwer machen, etwas Greifbares zu schauen. Viel leichter haben es Jene, die sich damit begnügen, dem Volke anzudciuen. dass riesige Erfolge in Aussicht stehen. Denn Erfolge sehen bekanntlich um so grösser aus, je weniger Reales man sieht und je mehr man das Gefühl haben kann, dass wer weiss etwas Grosses da vor sich geht. Es ist natürlich viel schwerer, die verantwortungsvolle Arbeit zuin Wiederaufbau des Judentums zu leisten, an dessen Abbruch man mit Judentaufen und Mischehen, mit Assiniilation und Unkenntnis vom Judentum arbeitet. Diese schwere, verantwortungsvolle Arbeit des Wiederauf־ richtens zu einem Teile rnitzuleistcn, ist die Absicht der zionistischen Jahreskonferenz, die in den letzten Tagen des August in Köln am Rhein zusanimentreten wird. In dieser schweren Zeit der Bedrängnis und des Freiheitskampies unserer Brüder im Osten, wo in dem für unsere äussere Politik auf dem allerw »einigsten Punkte die schwerste Beunruhigung herrscht, treten unsere Vertreter, die vom Kongresse gewählt sind, zur Beratung zusammen. Für sie gibt es keine stille Zeit. Im Gegenteil, jetzt inehr denn je müssen sie die Einheit und Einheitlichkeit der Organisation wahren, wo bereits die Oeffentlichkeit sieht, dass es nur wenige Outsider sind, die durch den Glanz des Goldes geblendet, glaubten anstelle des Volkswillens und der nationalen Ideale die Kapitalsmaclit als das Movens und Agens für die Konsolidierung des Volkes setzen zu können. Für sie ist deshalb bereits die stille Zeit cingetreten, die durch keine Zeit der Volksarbeit mehr abgelöst werden kann. Auf die stille Zeit der wirkungslosen Versuche wird die stille Einkehr folgen, dass es besser gewesen wäre, nicht der zionistischen Bewegung ein Stillstehen kommandieren zu wollen, um die eigene Tätigkeit ausserhalb der zionistischen Partei zu verlegen. Die zionistische Partei ist bereits seit dem siebenten Kongiess aus der Krisis herausgewachsen, in der sie sich vor ihm infolge des Todes unseres Führers befand. Sie rüstet sich zur Jahreskonferenz, die ein weiterer Schritt sein wird, um der nichtzionistischen Welt zu zeigen, dass es für die jüdische Nationalpartei keine stille Zeit gibt * Iro. Die Alliance-Schulen in Tunis Die Knabenschule der - Alliance Isradlltc Universelle in Tunis ist im Jahre 1S78 eröffnet worden. Die ersten Schüler, die diese Anstalt besuchten, sind heute fertige Mäuiier und Familienväter. Man kann somit heute an einer ganzen Generatiou, die alle Altersstufen von 7—10 Jahren umfasst — die ersten Zöglinge waren schon bis 12 Jahre alt — den erziehliehen Einfluss erkennen, den das Werk der Alliance geübt hat. Dieser Einfluss greift uni so tiefer, als er nicht bloss über ein Vierteljnhrhundcrt andauert, sondern acch auf eine sehr grosse Zahl von Personen sich erstreckt. Jede der Allianceschulen in Tunis hat bei Beginn -100—500 Zöglinge gehabt; einige Jahre später erreichte die Knabenschule eine Besuchs- Ziffer von!000 bis ]200, und auf dieser'ist sie seit langen Jahren geblieben, manchmal hat sie sie noch überstiegen. Die