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Jüdische Rundschau · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 132 JÜDISCHE RUNDSCHAU T Nb. 12 Worten lebenswahr das urwüchsige Rachcgetuhl eines nieder- I Betretenen und doch kraftvollen Volkes gegen seine Peiniger heraus. Durch lebhaften Beifall bewies der Hörcrkrcis seine Dankbarkeit für den ihm gebotenen Genuss. Mülheim!Ruhr). Am H. Mürz sprach in der zionistischen Ortsgruppe Fräulein Martha B a e r über d i c ,L a g e der Juden i.n Osteuropa Sic wies darauf hin. dass trotz der verhältnismässig hohen Kulturstufe die Juden des Osttrs. wirtschaftlich und sozial ein änsserst trauriges Dasein fristen, dass eine Besserung der Zustände in den Ländern ihrer Geburt in absehbarer Zeit nicht za er\vartcn sei. und dass ihnen die einzige Möglichkeit, bessere DaseWsbedi'tguugcn zu erlangen, nämlich die Auswanderung durch die neuerlichen Eii'wanderungsbeschrankungen verschiedener Länder genommen sei. Der einzige gangbare Weg sei der Zionismus, die kraftvolle nationale Selbsthilfe. Die sachlichen und dabei zu Herzen gehenden Ausführungen wurden von der zahlreichen Zuhörerschaft mit begeistertem Beifall ausgenommen, ln der im übrigen recht anregenden Diskussion wusste der Gemeindegewaltige des Stadt- und Landkreises Mülheim. Herr Kaufmann, seiner Verwunderung über einen so überzeugten Zionismus nicht anders Ausdruck zu gelten, als durch die Acusscruug. die Entwicklung der Rednerin vom Spross einer ״dcutschintionalcu westjüdischen Familie“ zur bc* i geisterten Ziomstiu könne nur auf eigennützige Motive zurückzuftihren sein, gegen die man seiner Empörung Ausdruck j geben müsse. Dieser gehässigen Opposition war die Redncriu durch ihr •vornehmes Verlnltcn und ihre Saclskemitnts weitaus überlegen, so dass sie die Sympathien aller, selbst der anständigen Gegner, gewann. Duisburg. 1:1 der zionistischen Vereinigung sprach am 20. März F räulein Martha Baer über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa. Es war ein Abend tiefer Anregung und hohen Genusses, der uns aller, unvergesslich bleiben wird. Eine ausgiebige Erörterung in der sich die Rednerin als eine glänzende Meisterin des Wortes erwies, verstärkte noch die vorzügliche Wirkung ihres Vortrags. Wir sind unserem verehrten Fräulein Baer. die sich in den wenigen Stund•־!! die herzlichsten Sympathien ihrer Zuhörerschaft zu erwerben wusste, zu innigstem Danke verpflichtet. Kaiserslautern. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur hörten wir am vorigen Sonntag einen Vortrag von Frau Dr. Moses-Mannheim .,Rezitation jüdischer Volkslieder. Sowohl der herrliche Vortrag der Lieder wie die feine, eingehende, musikalische Interpretation war ein hoher künstlerischer Genuss. Am wertvollsten für uns war aber natürlich einerseits das Bekanntwerden mit'diesen eemötsreichen Liedern unserer östlichen Brüder an «ich andererseits der warme zionistische Audi. d״r sich wie von selbst an diese wehmütigen, gleichsam um Hilfe bittendem Äusserungen der jüdischen Volksseele anschloss. Der nachhalbge Eindruck, den der sehr gut besuchte Vortrag hiutcrlicss lässt un!«i\P£zu5a1if zio5!״?tisehc Werbung in Frau Dr. Moses eine gefährliche Konkurrentin ihres Mannes erblicken, und wir empfehlen den \ ortrag aufs angelegentlichste. London. The London Zionist Leaguc hat in ihrer Versammlung vom 13. März 1905 eine Resolution gefasst, die sie zur Kenntnis der zionistischen Öffentlichkeit bringen will. Die Resolution, die auch in den englischen Tageszeitungen ver^ öficntlicht war. lautet in der Ucbcrsetziyts: ״Da die London Zionist Lcaguc d׳e Erklärt!1 ׳g der Prinzipien des Zionismus als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet und cs wesentlich ist. in der Auffassung dieser Grundsätze einmiitig zu sein, s״ bringt die Versammlung ihre Meinung in folgenden Sätzen zum Ausdruck: a) Das Baseler Programm bezieht sich sii* tgemäss nur auf Palästina und Syrien und schüesst die Erwägung eines unucieu Teniloiiums aus. b) Im Hinblick auf die bei einigen Richtungen herrschende I Auffassung, dass die Verwirklichung des zionistischen End- I Zieles auch in einem Lande ausserhalb Palästinas möglich sei, ist diese Versammlung der At!s:cht. dass diese Auffassung sowohl dem historischen Ideal des Zionismus als auch dem Baseler Programm widerspricht. c) Es ist notwendig. dem Prinzipe des Territorialismiis üficiitlch in jedci W’c 5c eiitgegenz.11 treten und den tlnmJ14.־/. zu verfechten, dass im zionistischen Sinne de Regeneration des jüdischen Volkes in einem anderen Laude als Palästina nicht möglich ist. d) Da das Ostafrikn-Aiierbieten einen Schritt in der Riebtung des Tcrritorial/snius bedeutet, so kann dasselbe von den Zionisten nicht unterstützt werden, und es ist keinesfalls ein 1 Projekt, dem Zionisten als solche ihre Wirksamkeit widmen * können, oder für das de Fonds der Bewegung verwendet 1 werden dürfen; indessen würde es die Versammlung freudig | hcgifisseu. wenn eine nicht-zionistische Körperschaft die j Durchführung des Projektes als ein Mittel zur Linderung der! Judcmiot übernehmen winde. Palästina Handelsgesellschaft m. b. H. in Hamburg. Die! erste ordcnHche Versammlung dieser Gesellschaft ia::d am 1 28. Februar d. J. unter dem Vorsitz des Herrn Sally M. Mainz. | statt. Vertreten waren 19 Gesellschafter mit H ' Stimmen. Der 1 Vorsitzende erstattete Bericht über das abgelaufene Geschäfts- 1 •jalir. welches nur die 3 Monate der Organisation umfasst und! legte die Jahresbilanz vor. aus welcher sich erwies, dass! den Handluugs- und Organisations-Unkosten in Höhe von ca. i 11 0(Hi Mark. Gewinne auf Waren- und Zinscn-Konto in Höhe von 8000 Mark gegenüberstehen, erstere also zum grossen j Teil bereits hereingebraelit sind. Die Gesellschaft beschloss, j den pedenten Saldo von ca. 29J0 Mark auf neue Rechnung i vorzutragen und erteilt Vorstand und Beirat d׳e erbetene i Decharge. Die statutenmässig durch das Los ausgeschiedenen! Mitglieder des Beirats. Herren Saljy M. Mainz und Emil 1 Magnus ebenso wie die beiden Rechnungsprüfer, Herren J• | Kronheimer und A. Bleiclirödcr. werden durch Zuruf wiedergewählt. Literaturbericht Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden eingehende uesprccf.uni; ... Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Erscheint am ersten jedes Monats. Preis ganzjährig 6 Franken. Redaktion und Verwaltung: Wien 111/2 Untere Viaduktgasse 25. Das uns vorliegende Doppelheft No 1 2 des zweiten Jahrganges enthält als Leitartikel eine Skizze von J. Lin zum 20. Todestage von Perez Smolensk in. dem auch das folgende Gedicht Jehuda Leb Gordoaus in deutscher Ucbersetz.img gilt. Die Uebcrsetzung, die scheinbar eng dem Worutlaut siel» au- «chliesst gibt in Wirklichkeit diesen Worten einen ganz, andern j Sinn. Der Artikel \on Berkowicz über Smolinskin und seinen Haschachar ist recht instruktiv geschrieben. Die illustrative Beigabe ist ebenfalls sehr gelungen. Die Schrift ist in׳ dieser Nummer gut nur verfehlt sie auch in ihr den Zweck, der reiferen Jugend Lesestoff bieten zu wollen. Denn bei der Jugend wird sie kein Interesse heryorrufen. Dazu ist die Anlage der Zeitschrift »i-clit die richtige. Wir wollen uns aber der Hoffnung gern hingeben, dass dieser Mangel von Nummer zu Nummer geringer wird. Heinrich Sachse. Meyers Grosses Konversatlons-Lexiko.i. Ein Nachschlagewerk 'des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich ucubearbeitete ׳ und vermehrte Auflage. Mehr als Hs 000 Artikel und Ver- I Weisungen auf über 18 2•*» Seiten Text mit mehr als . 11 000 Abbildungen. Karten und Plänen im Text und auf ä über H00 Illustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln lind 291) selbständige Kartcnbcilagcn) sowie 130 Textbeilagen. ‘20 Bände in Halblcder gebunden 7.11 je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Von Meyers Grossem Konversations-Lexikon ist' soebe״ der neunte Band erschienen, der wiederum eine grosse Fülle des Interessanten birgt. Zwar enthält dieser Band, xvie dies die Natur einer alphabetischen Anordnung ergibt, keinen grösseren monographisch behandelte! Staatcnartike!. deren Ahfassung stets besonderes Interesse erweckt, doch werden wir durch den Reichtum au kleineren Darlegunge 1 reichlich ent- .'׳chäd:gt. zumal sie einige besonders aktuelle Fragen berühren. Sehr interessant fiir die Kenntnis der innen! Entwicklung Deutschlands sind d:e Artikel . Innere Kolonisator;" (speziell für d:e Ostmarkcniragc). . Itivaliditatsversichcning״ .־־Iirungcn“, ..Hilfskasseu" ,.Heimat", ״Hypothek“. Eine grosse Anzahl von Biographien aus Literatur, Kunst und Wissenschaft bietet auch dieser Band. Wir nennen nur Namen Hehrich Heine.‘Levi Herzfeld. Theodor Herzl (freilich mit bedauerlichen Ungenauigkeiten). Hitzig. Die ..Jexvish Colonisation Association“ ist kurz, gewürdigt. Sogar der Jliltsverciu der Deutschen Juden־’ hat d ien reichlich bemessenen Platz gefunden. Dagegen vermissen xvir den Philosophen und gedanklichen Begründer des Zionismus Moses Hess. Der iieuate Band mit seinen *IS Tafeln und 5 Karten ist eine ganz vortreffliche Fortsetzung der schönen Reihe, durch den das Werk initiier mehr zu einem Kapitalwerk der Wissenschaft und des Fleißes gestempelt wird. m* יו" •PWr "•ימיוי י

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