Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651407--02201-2659094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Söiie 1.11 Die äussere Agitation so!! hierunter nicht leiden; sie bedarf allerdings vielfach grundlegender Änderung. IV. 0 r g a n i s a t i o n.. 1. Eine andersartige Zusammenstellung des engeren Aktionskomitees, eine Neuordnung soncr Befugnisse, wahrscheinlich auch eine Verlegung seines Sitzes ist notwendig. 2. Die Besoldung des engeren Aktionskomitees ist eine moralische und praktische Notwendigkeit. D1־s Prinzip der Besoldung soll möglichst aut ständig bureauniässig beschäftigte Beamte, auch in den Laiiicsorgani־ sat'tonen, sowie auf die Kongressdclegicrtcn ausgedehnt werden. 3. Die Ausschüsse des Kongresses bedürfen eines Budgets. 4. Die Umgestaltung der Parteipresse ist ein unabweisbares Bedürfnis. V. 1 n s t i 1111 i o 11 c 11. 1. Die finanziellen Institutionen des Zionismus sind mögliehst zu aktivieren, d. h. ihre Kapitalien sind aus ruhenden in arbeitende zu verwandeln. Es muss danach gestrebt werden, die Beiträge zu tmseren Fonds aas regellosen Spenden zu einer freiwilligen, aber festen Selhstheiteucruiig der Zionisten zu mache, 1. VI. F r a k t i o 11 i c r u!1 g. 1. Der organisatorische Zusammenschluss licstiiiimter Richtungen iniierhaih der Gesamtpartci ist eil! Uehel. 2. Politische und religiöse Stellung ist Privatsaclie jedes einzelnen. 3. Die Möglichkeit einer freien Meinung, solange diese aut dem Boden des Programms stellt, muss allenthalben in der Orga־isation gewährleistet sein. Alle Einzelheiten sind geflissentlich tortgelassen. Es ist nur ausgesprochen, was als Meinung der Mehrheit schon jetzt gelten kann. Das aber genügt, um zu zeigen, dass wir einig sind, wenn wir cs nur recht erkennen, und wc:1n wir cs nur recht wollen. Elias Auerbach. —I Aus der Bewegung ן— Berliner Zionistische Vereinigung. Donnerstag, den 23. März sprieiit in der Berliner Ressource, abends 9 Uhr, Prof. Dr. K u r r e i 11 aus Tcplitz über ..Dr. Hcrzls Pläne". Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Donnerstag, den 6. April, wird anlässlich des 30jährigen Todestages von Moses Hess eine grössere Vcransaltung stattiinde ׳. hei der Dr. Z I o c 1 s t i die Gedächtnisrede übernommen |1at. Der Vorstand. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar-Kochba veranstaltet am Sonntag, dem 26. März, nachmittags 3 Uhr, in der Turnhalle des Fricdrich-Werderschen Gymnasiums sein diesjähriges Schauturnen. Eingang Prinz Louis Ferdinandstrasse. Gäste sind herzlich willkommen: doch wird gebeten, des beschränkteil Raumes wegen. Kinder nicht mitzubringen. An demselben Abend findet in Neumann’s Festsälen.. Roscnthalcrstr. 36. ein Kommers mit anschliessendem Tanz atatt. Königsberg (Prcussen). Die Kö!1ig.*crger Zionistische Vcreinigung versandte folgenden Aufruf an ihre Mitglieder: Gesinnungsfreunde! Es ist in unserer Vereinigung zur schönen Sitte geworden, zu unscrin Feste ein Buffet zu spendq». dessen Ertrag dem Natioiialfond ziifliesst. Die Feier des Purimfestes fällt in diesem Jahre mit Rücksicht auf unsere Trauer um uiisern Theodor Hcrzl laut Vorstaudsbeschluss aus. . Wir richten deshalb an die Mitglieder unserer Vereinigung die Bitte, das. was sonst in Gestalt von Gaben für das Purimbuffet gespendet würde, diesmal in barer Münze dem Nationalfond zuziifülircn: ebenso btten wir. die Purimgaben durch eine Spende nir den Nationalfond abzulösen. Die Bedeutung des Nutionalfohds ist bekamt; er soll zum Ankauf von Grund uik! Boden in Palästina verwendet werden und ein unantastbarer Gemeinbesitz des jüdischen Volkes bleiben. Aber wir haben mit diesem un.semu Aufruf zugleich einen weiteren Zweck im Auge: eine Ehrung für den liocliveidienten ( und hochverehrten Vorsitzenden unserer Vereinigung. Heni Dr. ן med. Hugo Hoppe. Wir wollen ihm diejenige Ehrung erweisen, mit der das jüdische Volk bisher allein nur seine Dankesschuld ausdnicken kann, wir wollen ihn ins ..Goldene Buch des .1 ii d isehen N a t i o n a 1 f o n d s" eintragc, 1 lassen. Purim. 5665. Das Komitee. Hamburg. Am 16. März hatte sich in unserem Vereinslokal ein zahlreiches, aus Mitgliedern und Gästen bestellendes Publikum zu einem von unserer Ortsgruppe veranstalteten .biblischliterarischen Abend" eingefundca. Die Veranstaltung dieses Abends mit seinem kurzen, aber gewählteil Programm war ein grosser ideeller Erfolg. In dem Empfinden der Hörer bebte eine' halb vergessene Welt mit ihren Leiden und Freuden, ihrer Liebe und ihrem Hass in prangender Schönheit wieder auf. Hatte doch unser Gcsinnuagsgenossc Dr. Richard Huldschi 11 er sein starkes Kötineu in den Dienst der Sache gestellt. M>t dem Vortrag seiner Dichtungeil ״Delilas Ta >z" und . Pauls Vision",, beide me:sterhaft in der Nachbildung des biblischen Stils'und von einer genial-schöpferischen Phantasie geschaffen, wusste er alle in den Bairi seiner eigenartigen Kunst zu ziehen. In hervorrageuder Weise war an dem Gelingen des Abends auch Fräulein Rose Ben cd ix beteiligt, die ausser zwei juiigoidi'-chen Gedichten die Psalmen 137. 10S und 126 mit feinem Verständnis vortrug. Bei der Rezitation des 137. Psalms klang aus ihren Jahre Isracl's, keine Pflugschar durchfurcht, keine Hacke zerschneidet euren Boden, und die *spärliche Pflanze, die ihr hervorruft, spriesst nicht einmal* für das Gewild des Feldes, das sic verschmäht. Wo hast du hingetan deine Bewohner? Wo hast du gelassen das Volk des Herrn? Du habt es verraten an Ischinael und Esau, an Arain und lavan — darum wandeln keine Propheten mehr auf dir, keine Feste werden dir gefeiert, keine Pilgergesänge angestiimnt, und das Wort des göttlichen Gesetzes hörst du nicht mehr. Meinest du, dass darum der Kampf zu Ende ist? meinst du. dass du genug Blut getrunken, weil du das Blut deiner eigenen Kinder lechzend aufgefangen? Da du keinem gehörst, wirst du allen gehören, alle werden um dich werben mit dem Schwerte, und dein Staub wird ilire zerfleischten Leiber empfangen. Um die heiligem Spuren, die dir eingedrückt sind, wird der Kampf beginnen, um die Trümmer, die du trägst, wird Schlaclitenhader entstehen, und die Schatten derer, die du begraben, werden den Schall der Kriegsdrommete immer von neuem heranbringen! Lebet wohl, rufe ich hinaus, ihr Gräber, lebt wohl. Begrabene und Unbegrabcuc. Glieder meines zerschmetterten Säuglings, du toter Le!b meiner Mariaitme, Jojada mit deinem Weibe und dei. en Kindern, ruhet wie Wächter um den grossen Leichnam Jerusalems, um dessen zerschelltes Haupt, den Asehenhaufen des Teinpels. Euer Volk ist ausgew andert als Sklave, und kommt nicht wieder; eure Fürsten schreiten in Ketten vor dem Triumphwagen eures Zerstörers. Wollt ihr fragen nach den Euren, erhebet eure Stimme laut, dass sie sie vernehmen, rufet bi s an die vier Ecken der Erde, bis an das Ende des Himmels, dann werden sic sie vernehmen. Warum habt ihr uns gehen lassen? warum nicht bei euch behalten? Nun kommen wir nicht wieder, wir wären dem: um den Rand der Erde gewandelt. Aber ihr habt uns mitgegeben euer Andenken und euren Namen, und das ist eine schwere Last. Denn man wird uns sagen, wir röchen nach Leichen, und sähen nach Trümmcm aus .... Lebt auch ihr wohl, Maescja und Schulamith. letzte Strahlen meiner Lcbensscnnc. Habt ihr euren Toten gebettet in den Schoss der Erde, den iluu kein Syrer streitig macht? Habt ihr den Wanderstab ergriffen, der euch frei mache vom Boden der Unzufriedenheit? Auch euch werde ich nicht Wiedersehen .... Das Schiff machte eine Wendung, und mir das uueimessiiche tVieer lieg» noch vor mir. Ich werfe mich nieder auf die harten Planken des Schiffes. Ich will den doppelten Himmel nicht sehen, droben und itn Meere, da ich keinen habe in mir und um mich! ....