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Jüdische Rundschau · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 133 No. 12 c Rundschau ■= Aus Russland .• Borlssow, 20. März.• Von hier sind drei Eskadrons Dragoncr nach den Hecken Bercsino. im Kreise Jgumen. und Kaidanowo. im Kreise Minsk. abgegangen. Wie es heisst, sind in Beresino von der jüdische 1 Bevölkerung (?) Unruhen hervorgerufea. bei , denen der Polizeikommissar und ein Land- Polizist erschlagen worden sind. Nieshln, 20. März. Eine israelitische Familie ist hier in brutaler \\eise cfiuordei worden; cs «iegen schwere Indizien gegen vier Soldaten der hier garnisouicrenden Batterie vor. Sechstausend Juden an die russische Regierung Folgenden offenen Brief an die russische Regierung haben' 6050 Juden aus zweiundzwanzig russivhen Städten unterzeichnet und den Wortlaut als Petition dem Reichsrat zugestelit. sowie ihn in der Zeitung RUSSJ veroif ent licht: ..In gegenwärtiger Zeit, die von allen das russische Staatsleben betreffenden Fragen widerhallt. so!! auch die Judenfrage in ihrer Ganzheit zum ersten Mal nach langen Jahren aut das Arbeitsprogramm der Gesetzgeber gestellt werden. Fs ist richtig, die Judenfrage ist auch n der vergangenen Zelt durchaus n ein vergessen worden. Man hat sic sogar beharrhcli auf dem ersten Plan erhalten, indem mau die Juden im Leben der grausamsten Verfolgung, in der administrativen Gepflogcnhcit der ununterbrochenen Erniedrigung und ii der Ge setzgebung abseitiger Beschränkung aussetzte. Man hat sich der Juden als Blitzableiters für alle Leiden des Volks bedient, und man bemühte sich, die durch allgemeine Misswirtschaft hervorgcru.cnc Unzufriedenheit auf sie abzuwalzen. Den Juden wurde der Weg zur Bildung verlegt, man hat sic v<׳t allen gesellschaftlichen und staatlichen Beamten- Stellungen ausgeschlossen und man beschränkt sie in der Wahl ihrer Beschäftigung und des Wohnorts. Die gewaltige Mehrzahl der jüdischen Masse hat man in die übervölkerten Städte und Städtchen des Ansiedlungs-Rayons eingepfercht, wo sie die Aussicht haben, durch Hunger oder Krankheit umzukommen. Dasjenige, was hei anderen Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit und des Besitztums genannt wird, hat sich für die Juden zur normalen Daseinsbedingung entfaltet. Und wie in wirtschaftlicher Beziehung die Masse zur Verarmung geführt wurde, während die privilegierten Gruppen sich alle um ihr Fortkommen sorgten, so wurden die Juden moralisch entehrt und gebrandmarkt, so bemühte man sich, ihre Seele durch Rechtlosigkeit und durch den Schimpf der Ohnmacht herabzuziehen. Fs gibt keinen freien Schritt, den der Jude ohne Gefahr tun könnte, es gibt kein Winkclchen seines .Daseins, auf dem nicht der Alb der Willkür lastet, mit Not und Verbitterung auch dasjenige vergiftend, was noch ein Leben genannt wird. Jetzt schickt man sich an. die uns betreffenden Willkür- Bestimmungen durchzusehen und äusscrüch in einzelnen Teilest zu verändern. Wir wollen die Ergebnisse dieser Durchsicht nicht voraussagen; ausser durch eine grundsätzliche Änderung der Staatsform Russlands können wir auf Befriedigung unserer Forderungcn nicht rechnen. Nichtsdestoweniger halten wir es für unsere Pflicht, in dieser Zeit der offenen Aussprache aller Wünsche seitens der Gesellschaft laut und unzweideutig unsere Ansicht über unsere Lage׳ als Juden zu bringen und unsere Wünsche auszusprechen und zu begründen. Wir tun daher kund, dass wir alle Versuche, die jüdische Bevölkerung durch irgo 1d welche teilweise Zufcstündnissc zu befriedigen und zu beruhigen, für unfruchtbar halten. Wir erwarten Glcichbcrech« Ugung vor dem Gesetz. Aber wir erwarten diese Gleichberechtigung nicht deshalb, weil die Juden danach den andern Teilen der Bevölkerung Nutzen bringen könnten oder wed die Bewilligt! 1g der Gleichberechtigung zur Hebung des Wohlstandes irgend jemandes beitragen würde; wir wünschen sie auch nicht als Entgelt etwa dafür, dass unsere Brüder auf den Gefilden der Mandschure• •hr Blut vergiessen.. wie tic cs auch h früheren Kriegen vergossen haben; unsere Wünsche 1usjen auch nicht auf der historischen Tatsache, dass wir seit Jahrhunderten in dem Gebiete leben, das jetzt zum Bestände des Russischen Reiches gehört. Wir fordern Gleichheit vor dem Gesetz als Menschen, in denen ungeachtet aller Nebenanstände das Gciühl des Stolzes lebendig ist. als bewusste Bürger des heutigen Staates. Wir verlangen die Vernichtung aller »ns bedrückenden .Beschränkungen im Namen der entfachen Menschenwürde, im Namen der Grundlage jeder kulturellen Gesetzmässigkeit. Wir lassen ferner wissen, dass wir auch eine all• mähliche Aufhebung der Beschränkungen als nicht genügend erachten. \V־as wir verlangen, stellt keine Summe von Vergünstigungen dar und kann daher nicht In Portionen verteilt werden Nicht von Erleichterung unseres Daseats Ist die Rede, es handelt steh um Glelchberechtlgung um ungeschmälerte Gleichberechtigung Wir erwarten die Gleichstellung unserer Rechte mit denen des russischen Volkes; dann werden wir gemeinsam mit allen .Völkerschaften in Russland unser Geschick bestimmen, in freier Entwicklung unserer Kräfte zum Heile des Vaterlandes und der Menschheit. Wir betrachten die Gleichstellung nicht als einen Beweis der Gnade und Grossherzigkeit und selbst nicht als eine polit׳'sche Abrechnung, sondern einzig als einen Akt der Ehre und Wahrhaftigkeit.” Wir wiederholen, was wir bereits in voriger Nummer ausgerührt haben anlässlich der 11׳ J e k a t e r in osla w gcfassten Resolution - dass wir cs mit Freuden begrüssen, wenn auch eile Juden, geweckt von dem anscheinend im Anzüge bcgrmenen russischen Völkcrfriihling. ihre Forderungen —- denn es ziemt sich nicht zu erbitten, was man zu fordern hat! - aufstelien und mit aller Offenheit diese s c 1 b st vertrete. 1. Wir müssen das beUKien. weil natürlich die alte ghetto-jüdische Lebetreterei auch hier bereits wieder am Werke ist. die Arbeit mutiger Volksgenossen zu diskreditieren, und weil diese sogar unbegreiibcher Webe auch in der zionistischen Pr esse zum Wort gekommen ist. Der Zionismus, wie wir ihn verstehen, hat nur zu gewinnen. wenn auch in Rosiand die Juden endlich einmal in voller Bewegungsfreiheit sich werden zu modernen Kulturmensehen entwickeln kön :eri. Denn das müssen sie sein oder werde:!, um tatsächlich an der Verwirklichung unserer Ziele mitzuarociter:. W'ir aber., de Monistische Bewegung, — ״wir verlieren nur die. an denen i.'.an nichts verliert.“ Polen, Juden und Russen Wie die VOSSISCHE ZEITUNG aus Petersburg meidet, ist die Vere; ligung der polnischen, jüdischen und russischen Mittelparteien zur Tatsache geworden. Die Polen versprachen dabei, grosspolnische Wünsche fernzuhalteu. Das alleinige gemeinsame Ziel soll die Ver fass u n g sein. Die Regierung scheint die Bedeutung dieses Ereignisses zu unterschätzen, doch kann mit Bestimmtheit behauptet werden, dass einzig die Beendigung des Krieges de!» für April und Mai bevorstehenden Aufstand hintanzukdten geeignet väre. — Es ist ja klar, dass nur eine solche Verc-inuung in Russland sowohl auf friedlichem wie auf anderem Wege etwas erreichen kann. Aber die Juden werden gut tun. sehr auf der Hut zu sein, dass sie nicht wieder etwa die Kastanien für die anderen aus dem Feuer holen und dann zuletzt zum Dank dafür noch Schlage obendrein bekommen. So ohne Beispiel wäre ein solches Verfahren, besonders von Seiten der edlen Polen, nicht eben. Man wird auf die nächsten Schritte dieser Vereinigung gespannt sein dürfen. ״An die Ja-Sager!“ Mit dieser Apostrophe erscheint soeben das ..Flugblatt No. 2" der ,Zmnist sch-territoriaiistischen Vereinigung zu B e r 11.“ Der Raum unseres Blattes gestattet uns leider nicht, das ganze Flugblatt abzudrucken, was wir umsomehr bedauern, als wir dieses Manifest nach Form und Inhalt auf das schärfste zurückweisen müssen. ' Nach einer belanglosen Einleitung sagt das Flugblatt wörtlieh: ״Der Kongress kam. In dem grossen Führer, den seine Verhandlungen mit der Türkei von der Unerreichbarkeit Palüstinas als autonome Heimstätte überzeugt hatten, war wieder sein alter richtiger Gedanke aufgetaucht: Die Schaffung einer Heimstätte mit autonomen Rechten für das grausam In der Welt utnhergepeftschte jüdische Volk, wo nur Irgend möglich Seine nimmer rastende Arbeit hatte dis Angebot der englischen Regien» 1g. dis Angebot eines Territoriums aa das jüdische Volk gezeitigt. Mit der Hinopferung se'Uer ganze« Kraft trat unser Führer lür das Projekt ein; die .Majorität des Kongresses stimmte Ihm za*4 Dann wird ausgeiührt. wie die ״Nein>Sager“ an dem Fall des Ostafrika-Projektes gearbeitet hätten, während die ״Ja-Sager“ nichts getan hätten, und weiter heisst es: .,Unser Führer ist uns gestorben, und die Leitung ist in die Hände von Leuten übergegangen, die das Uganda-Projekt bedingungslos begraben wollen. Die Aussendung der Expedition wurde lange hingezögert, sie erfolgte schliesslich fast wider den Willen derer, die zur Ausführung der Kongressbeschlüsse verpflichtet sind, auf Betreiben ehies energischeren Aktions־ komitee-Mitgliedes, dem es daher nur gelang, die Expedition

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