Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 27. Pf* ■ ■#**!ggtg ר % •־•׳<■%£*, *: « Seite 276. Jüdische Rundschau. Gnadengesuche Ist, wie der ,Niederschi. Anzeiger״ meldet, die gegen den Grafen Pückler erkannte Strafe in 6000 Mk. Geldstrafe, die gegen Kirchner in 300 Mk. Geldstrafe umgewandelt worden. Der wefsse Schemjaka Ist nicht tott Er lebt noch immer in Kischinew und auch seine Gerechtigkeit ist noch nicht hellsichtiger geworden, seit sic in Chatnisso ihren beredten Herold gefunden hat. Er hat nur einen anderen Familiennamen. Dei Richter K i r i a k o w, welcher über die Teilnehmer an den Schandtaten von Kischinew zu Gericht sitzt, fällt permanent lauter frcisprcchcnde Urteile. Von 20 Angeklagten, welche m der abgclaufcnen Woche vor Gericht standen, wurden, wie ״Nowoje Wremia“ meldet, 17 freigesprochcn. Dagegen wurden im Aufträge des Gouverneurs die Juden Saul Bcdolskl, Obnallaw, Gorcnbuch, Hersch Schapozkiu und Schmu 1 Köret zu je einer Woche Arrest verurteilt, weil sic Waffen bei sich hatten. .... ־־־CT -—- Kleine Chronik. Bei der am 25. Juni er. stattgeliabten zweiten General- Versammlung des Verbandes der Synagogcn-Vcrcine von Berli!• und den Vororten, betonte der Vorsitzende. Herr L c w i n s k i, dass der Verband auch im letztverflossenen Jahre in sich erstärkt sei durch den Beitritt von 3 Vereinen, und ein weiterer Verein sei bisher lediglich aus formalen Gründen nicht beigetreten, während er prinzipiell zum Verbände halt?. Auch sei das Ansehen des Verbandes nach aussen erstarkt, und er sei in der Lage gewesen, durch ihn, den Vorsitzenden, den Standpunkt der Synagogcn-VercLie in der Subventionskommission vertreten zu lassen. Durch öffentliche Versammlungen sei der Verband auch mit den Gemeindemitgliedern in Fühlung geblittben; in der einen sprach Redakteur Dr. Moses ״lieber soziale Fragen im Judi^ntum“, und in der zweiten Herr Ludwig Behr über ״Aus unserem Getnemdclcben". Die in der letzten Vcr- Sammlung auf Grund der seitens des Referenten vorgcbrachten Tatsachen gefassten Resolutionen, die in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits veröffentlicht sind, hätten ihren Eindruck nicht verfehlt und es würde in den von dem Referenten vorgcbrachten berechtigten Beschwerdepunkten wohl Rcmcdur geschaffen werden. Es sei nötig, schon zeitig an eine entsprechende Agitation und Organisation für die nächsten Repräsentantenwählen zu denken; wenn der Verband jedoch nach aussen h׳n weiter etwas gelten wolle, so sei cs vor, allen Dingen nötig, dass der Verband seine innere Einigkeit sich bewalirc. An der Diskussion beteiligten sich die Hcrien Hirschberg (Ahawath-Schalom). Dr. Mendelsohn (Schöneberg). Chaiin \ (Talrmjod-Tora-Vercin) und Ludwig Bchr (Ahawath Zion), d. h. Dr. Mcndetsolm und Behr machten darauf aufmerksam, dass der Verband bei den zukünftigen Wahlen weit mehr als bisher dem Zentralverein selbständig gegeniiberstände und hinsichtlich Auswahl der Kandidaten In entschiedener Weise mitzusprechen hätte. Nach Erstattung des Kassenberichtes durch Herrn Wolpe und Erteilulig der Dechargc fanden die Neuwahlen des Vor- Standes statt. Gewählt wurden per Akklamation die Herren A. Le wi nsk i als 1. Vorsitzender. Zomber 2. Vorsitzender; Rend. Wolpe, Schriftf. L. Herr mann und Ludwig Behr. sowie per Zettclwahl zu Beisitzern die Herren L. Lew in so hn und Dr. med. Mendel soll״, während die Herren Chäim, Wedel ur.ü Hirschberg in der Miniorität blieben. Es folgte noch eine lebhafte Diskussion über diverse Anreguitgcn hinsichtlich der nächsten Rcpräscndantcnwahlöi, denen der Vorstand seine volle Aufmerksamkeit zu widmen versprach. Stöcker Ist unter die Judengenossen gegangen. In Königsberg, wo er zur Wiederherstellung seiner Ehre weilte, hat Hofprediger Stöcker am letzten Dienstag eine Wahlrede zu gunsten des Freisinnigen G y s s 1 i n g gehalten. Er gestand dabei selbst: Bis vor kurzem habe er es sich nie träumen lassen, dass er jemals für einen Freisinnigen eine Waldrede halten würde. Heute tue er es mit Freuden. Denn Richter und seine Freunde hätten ״uns“ während der Zolltarif-Beratung ungeheure Dienste geleistet. -- [las ist hezeichnend für die Stöckerci, aber auch für einen Teil der Freisinnigen Volkspartei. Nur nicht mit Herrn Stöcker auf «hier Stufe! So rief im Wittenjozess der freisinnige Lcitzutann aus. Dem christlichsozialen Vorsitzenden in Hagen gegenüber hat er bei den 1 Wahlen alles zuriiekgenommen. was er gegen Stöcker gesagt; hat. Lenzniatm ist mit Hilfe der Christlich-sozialen in Iserlohn-Alteiia gewählt worden. (Gen.-Anz.) i Jüdische Stimmen für den Antisemiten eiitrulangen, bcmühte man sielt, wie der ,.Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums“ berichtet, in S c h I o c h a u - F 1 at o w. .Ob Juden auf diesen antisemitischen Leim gekrochen sind, bezweifelt der ״Generalanzeiger“, obwohl ihm ähnliche Mitteilungen aus dem Wahlkreise zugegangen sind. Er scheint doch das ״deutschnationale“ Gefühl unserer Stanmicsgenosse» in den polnischen Provinzen nicht genügend zu kennen. Am Sonnabend verabschiedete sich Rabb. Dr. Max Grünwald in der Neuen Danuntor-Synagoge in Hamburg von seiner Gemeinde, da er seine neue Stellung in Wien antritt. Während seiner achtjährigen Tätigkeit bat er es verstanden, pich die Sympathien weiter Kreise zu erwerben. Dr. Grunwald ist der Begründer der ״Gcselischaft für jüdische Volkskunde“, auf seine Veranlassung fandet 1 die Sammlungen dieser Gesellschaft im ״Museum Hamburgisclicr Altertümer" Aufstellung. Jever, 8. Juni. Gestern fand hier eine freisinnige Wähler- Versammlung statt, in der Herr Justizrat T r ä gc r sich als Kandidat vorstellte• Dabei kam es zu einem erregten Auftritt 1 durch die persönlichen Angriffe, die der Vorsitzende, der Redakteur des ״Gemeinnützigen“ Herr Losch, gegen den naytvrrrcr.r; ass die in der Bibel erwähnten ״Tliarsliishschiffc" die Fahreuge wären, die für weite Seereisen bestimmt waren. Oppert ekennt sich zu der heute herrschenden Ansicht dass Tharshish!der Tartessus im heutigen Andalusien lag. und dass ein urprünglichcs Tharshish in Afrika nicht existiert habe. Die .andschaft Tartessis, in der Tartessus lag, war berühmt ob hier Fruchtbarkeit, ob ihres Silberreichtunis, ihres Handels md ihier Schiffe. Tharsliisli gewann anscheinend aus einer Jedankcnossoziation die Bedeutung von Meer, und die letzten libelübersctzungen trugen dem eine nach der anderen Rech• itng. Im weiteren kommt Oppert zu dem Ergebnis, dass •.׳:c . Kön. X, 22, erwähnten Tharshishschiffe Salomos, die diesei on Ezeor.-geber aussandte, nicht nach jenem Tharshish selbst :efahren sind, wie die Parallelste!!? 2. Chron. IX, 21 glauben nachcu will, sondern nach einem anderen Ziele. Ob dieses, vie bisher angenommen wurde, Opliir ist. untersucht Oppert m zweiten Teil seiner Arbeit• Auch Ophir ist dort, wo die Bezeichnung zum ersten Mal vorkommt (Qen. X, 29). nicht 1ur Name eines Individuums, sondern eines Stammes, als dessen Sitz Südarabien ermittelt worden ist. Dort aber lag das Saomonische Ophir nicht; denn uni dorthin zu gelangen,׳ brauchte nan keine kostspieligen Flotten auszurüsten. Oppert zeigt nun. ף?הי die Stelle 1. Kön. X. 22. ״Denn der König hatte eine rharshishflotte auf deni Meere mit der I oltte Hirams, ciiuna n drei Jahren kann die TliarsiiishfioUe, bringend Gold und Silber, Elfenbein und Affen und Pfauen“ sich nicht auf das i. Kön. IX, 28 und X. II gemeinte Ophir bezieht, sondern auf 5in anderes Goldland, auf Indien, weil die hebräischen Be- Zeichnungen für jen? Produkte indischen Ursprungs sind. Dagegen richteten sich die eigentlichen Ophirfahrteü, d.'s. die Fahrten, bei denen als Ziel Ophir genannt wird, nach Ostafrika, auf das der Name allmählich von Südarabien übertragen war. Es gab also für die Flotten Salomos und Hirams zwei vcrschiedcne Reiseziele: Indien und Ostafrika; Indien aber war nicht Opliir und das ״salomonische Ophir" nicht Indien, sondern Afrika. Dadurch werden die Schwierigkeiten einer befriedigen• dun Lösung beseitigt, die darin zu suchen waren, dass es die unter den Produkten I. Kön. X. 22 genannten Pfauen nicht in Afrika gibt. Auch die Puntirage wird gestreift, und Oppert hält die Erweiterung des Begriiies Punt durch Glaser und Peters, die das Land Puut der ägyptischen Inschriften, von wo die Schiffe der Pharaonen Gold ilid andere Schätze holten, bis nach Siidostafrika ausgedehnt wissen wollen, für annehmbar. Im allgemeinen kann man den Oppertschen Ausführungen beistimmen, an einzelnen aber bleibt noch vieles dunkel, und der Schleier wir auch vermutlich nie gelüftet werden. I ר 1 I '1 1׳