Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 277. No. 27. Jüdische Hnndschaü. tlonalsozialcn Redner Herrn Dr. Cohnstacdt und Regen die Person Friedrich Naumanns richtete. Der Vorsitzende wies auf den Namen des Herrn Dr. Cohnstacdt hin und spielte auf dessen ..Konfession" an und äusserte zugleich an Naumaims Ucberzeugungstreue Zweifel. Dr. Cohnstaedt gab eine kurze vornehm gehaltene Erklärung ab. dass es ihm unmöglich sei, auf solche Angriffe eines solchen Herr»! zu antworten, und verlies? unter lautloser Stille der Versammlung den Saal. Ein Teil der Versammlung verlicss nach ihm das Lokal, ohne das Schlusswort mit anzuhören. •י beitem veranstalteten Demonstrationen nicht teilnehmen wollen! Ja, wenn jetzt schon solcher Antagonismus zwischen den Arbeitem verschiedener Konfession und Nationalität in Russland vorhanden ist, so kann man sicher sein, dass in dem Momente, wo die Arbeiter wirklich die Konstitution in Russland erlange!), ihre erste Tat die Begründung einer christlich-nationalen-antisemitischen Arbeiterpartei sein wird. Hat sich denn die Lage der (}?liziancr Juden dadurch verbessert, dass sie auf dem Papiere gleiche Rechte mit der christlichen Bevölkerung besitzen? - - . * Der Abgeordnete Barth, der mit dem verstorbenen Rickert oft fijr die Juden eingetreten ist, ist nicht wieder gewählt worden. Die ntchtdeutschcn Nationen der Preussischcn Monarchie haben nicht die gleichen Erfolge bei den deutschen Reichstagswählen zu vermelden: Die Zahl der für die Polen abgegebenen Stimmen .ist noch erheblich höher als in der Presse bisher angcgcbd.1 wurde. Sie beträgt nicht 285 00(!, sondern fast 31000־1־. d. h. die Polen haben weit ii b e r IW oou Stimme ׳.! gegenüber 1898. wo sie deren 238 000 erhielten, gewönne :1. Dagegen sind Masuren, L i 11 a u e r u!nl Dänen zur ii c k g e g a n g e n. Erstcre von ca. 6000 aut •1000, die Littauer von gegen 8000 auf 600(1. die Dänen von 15 439 auf 14 743. Nicht anders als Im Deutschen Reich ist cs mit der proztiUur'lcn Vermehrung der Juden in Oesterreich bestellt. Die .,Stab Korresp." teilt aus Ocvcrreich mit, dass nach den Ergebnisse-n der jüngsten Volkszählung vom Jahr 1900 in den im österreichischen Rcichsrat vertretenen Ländern sich unter allen Konfessionen die Protestanten des Augsburgischen Bekennttiisses am stärksten vermehrt haben. Während nämlich die Bevölkerung überhaupt um 9,!2 v. H. zugenommen hat. stellt sich die Vermehrung jener auf 15,71 v. H. im Durchschnitt (in Böhmen auf?יי. in Steiermark 26, kr Niederösterreich sogar auf 37 v. H.). Im ganzen wurden im Jahre 1930 365 454 Protestan ten des Augsburger Bekenntnisses gezahlt, d. 1. etwa 1.4 v. 11. der Gesamtbevölkerung; dazu kommt noch V2 v. H. an Protestanten der Helvetischen Konfession. Am schwächsten haben sich in dem angegebenen Zeitraum die Juden vermehrt, nämlich nur um 7,14 v. H. 1900 zählte man 1,224 899 Juden gleich 4,68 v. 11. der Oesamtbevölkerung. In Galizien bilden diese gegenwärtig, nachdem im letzten Jahrzehnt von dort reichlich hunderttausend ausgewandert sind. 11,1 v. 11. der Bevölkerung, in der Bukowina, die noch ein Zuzugsland für die Juden darstellt. 13,2 v. H. Auf verschiedenen Wegen geht die Rückkehr zum Judentum. Viele haben erst durch die Schläge erfahren, dass sie Juden sind. In einem Artikel, den der ehemalige italienische Finanzminister LuigiLuzzatti jüngst in der ״N. F. Pr." über die augenblickliche Lage im internationalen Handelsverkehr veröffentlichte, schreibt er unter anderem: ״Ein Strassburger Agrarierblatt mutete dem in Rom versammelten landwirtschaft* liehen Kongresse zu, mich von seinen Beratungen auszuseiiiiessen. Der Kongress hat durch• die einhellige Zustimmung, die er mir zuteil werden licss, der wissenschaftlichen Bedeutung diese? Blattes ein gebührendes Zeugnis ausgestellt. Das Urteil über dessen religiöse Billigkeit, da es mich als Juden der Vcrachtutig der Welt preisgeben will, überlasse ich den anständigen Menschen. Meine Ueberzeugung und meine Studien haben mich in die reinen Höhen philosophischen Denkens emporgehoben; gegenüber den tollen Wüterichen, die mit ihren hasserfüllten Worten der wilden Hetzjagd in Bcssarabien die Wege ebnen, bekenne ich mich mit Wollust zu den Juden. Ich bin wieder Jude, wenn man mir vorwirft, ein. Jude zu sein. Der (leist Gottes Ist bei den Veriolgten, nie und nimmer bei den Vcrfolgern." Unter der Aufschrift ״Solidarität des christlichen und jüdischen Proletariats,“ schreibt die neue von Pasmanik in Genf und Pinkus in Bern herausgegebene ״Zionistische Korrespondenz“: Aus Wilna wird uns berichtet: ״In der Gerberei des Herrn Surawitseh haben die christlichen Arbeiter ihren Jüdischen Patron aufgefordert, seine jüdischen Arbeiter zu entlassen, um sic durch die von der Fabrik Menekc (Vater) entlassenen Christliehen Arbeiter zu ersetzen. Da sieh Herr Surawitseh weigerte, dieses unverschämte Verlangen zu erfüllen, drohten sie ihm mit einem ״Pogrom" (Kawall). Am bestimmten Tage waren sic sämtlich am Platze vor der Fabrik; da aber die jüdischen Arbeiter vorbereitet waren und ausserdem von dem ״Selbstvertcidi״ungskomitec“ Hilfe herbcigceilt war, sahen sich die Christen genötigt, von ihrem Plane abzulassen!“ Untf der ״Bund“ der jüdischen Sozialisten wagt Lieder von der Solidarität des jüdischen und christlichen Proletariats zu singen! Ja, der ״Bund" sieht sich genötigt, in der letzten Numtncr seiner Zeitung darüber Klage zu führen, dass die Christliehen Arbeiter an den von den jüdischen sozialistischen Ar- ,״Die Waisen von Klschlnew“ war unser Leitartikel in Nr. 23, in dem wir anregten, Ussischkins Vorschlag und Belk i n d s Plan einer hebräischen Natioualschulc zu verbinden, um aus dem Kischincwcr Unglück etwas Dauerndes für das Jüdische Volk zu schaffen. Ans Kischinew׳ erhält nun ״Hazofeh" folgende Zuschritt: Die heute hier Versammelten haben beschlossen, den Belkindschen Gedanken zur Gründung einer Natioualschulc 11: Palästina, mit dem des Ingenieur Ussischkin zu verbinden. Der Plan und das Ziel dieser Schule sind allen bekannt. Wir brauchen tiur zu erinnern, dass die Kosten der Gründung tu!״ .Einrichtung dieser Schule für fünfzig Knaben auf etwa 30 י׳י.<י Rubel veranschlagt sind. AusserJem wird eine Stimme ymi StHMJ Rubel, für den .lahrcsbedari der Schule, erforderlich werden. In dieser Schule werden die Zöglinge atisscr der Elementarbildung auch die nötigen praktischen und laudwirrschaftlichcn Vorkenntnisse sich erwerben. Augenblicklich wird die Schule von den Geldern 15סייס Rubeln, weiche für durch Herrn Beikind und Herrn Ussischkin für die Waisen aus Kischinew gesammelt worden sind, in Angriif genommen. UsVschkin iäbrt morgen nach Palästina, um dort das Land für den Schulplatz anzukaukn. Er wird ausser dem zur Schule notw endige:! Lande auch Land zur späteren Verteilung unter d־‘e Zöglinge erwerben. Beikind fährt sofort nach Kischinew um von dort aus tnit der ersten (liuppc von 25 Kindern nach Palästina ab/!!- reisen. Obwohl wir bis heute erst einen Teil der nötigen Mitte] besitzen, so geben wir doch mutig und hoffnungsvoll an die Arbeit. W rp«, ״?'-! «ףיי־ד^ויימ״״יי^״חן•:!fjfi״* h ,\* I til (,lilöUl U Ils*. ■J iid»d wiUwi »1 •׳«י* גי t* י ft* * b fl 1» 5 וי.י־ נ, י: ׳■?!ין־. V} 121 hiayi.׳..״..! Mk. Ic x, Köln . L. B.» Dresden . . . Nachtrag Cafe M u 11 i p! Toni Nathan Zduny M. T. Mayen . . Moritz M c y e r, Berlin 10,- 3.— 5,- 6,80 3,— Gesamtsumme 27,80 Mk Nationaifond. Stammtisch Multiplex, Köln ...... Zionistische Verbindung M a k k a h ä a v. d. Universität Breslau anlässlich der Geburt eines Sohnes ihres a. H. Schachtel . . . . L. B. Dresden .. Cafd Multiplex, Köln.. (vom Mal Nachtrag) Anstatt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Dr. Samuel Rappaport 111 Breslau, zw ei Freunde S. und L., Berlin. (L.) Von der Akademischen Schulgruppe durch ״Doktors Anna" . . ״ ~.l ״ 1.60 ' Gesamtsumme 30,60 Mk. Druckfeblerberlchtigung. In dem Aufsatz Dr. Bodenh ein! er s ״Die Aufgaben des VI. Kongresses" in voriger Nummer ist folgendes zu berichtigen: Zeije. 14 vou unten •1. Spalte muss es heissen ״Spitze“ statt Stütze. V Zeile 7 von unten 1. Spalte ״bilden“ statt filden. r •Zeile. 5 von unten 2. Spalte ״ verlassen" statt vcrfahren. ' A. M. Ussischkin. Israel B e l k i n d. Dr. J.' C o h n. J.Dubinskl.