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Jüdische Rundschau · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ן. N0. 27. Jüdische Rundschau. Seite 275. schule und um ein Gedieht handele. Seit Jahren verfolge ihta diese 'Sceschlange.. Da ergreift Blaschkc noch einmal das Wort, um fcstzustcllcn, aus einem Buche seien Bücher geworden. Mit den! Gedieht sei hoffentlich nicht das schöne Rückcrtsche Ocdicht ״Vom Bäumchen, das andere Blätter gewollt,“ gemeint? Mit seinem Mangel an Verständnis werde er wie seit 25 Jahren praktisch in seinem Amte den Kampf gegen den Antisemitismus weiter fuhren. Die Debatte wird geschlossen und gegen die Stimmen von Geiger und Louis Sachs werden die 1000 Mark Subvention für den Verein Adass Jeschurun bewilligt. Als Mitglieder in die Veranlagungskomiülssion werden S. Bcrgel, Imberg, Lud. Nagel und Pinkus (?) gewählt, in die Kommission für die baulichen Angelegcnhcltch anstelle des Bau meister Horkcnstcin der Stadtbaumeister Poniatowski als technischcr Beirat, in die Kommission für FricdhofsangctegcnhcHcn Altred Rotli, zur Verwaltung der Mikwclt Aanli Hirsch, in die Siibventionskommisslon Max Weiss. Ungehöriger Weise wurde dann in׳ öffentlicher Sitzung die Angelegenheit eines jüdischen Fleischers erörtert und darüber beschlossen. Wir wollen tun, als wäre das ordnungsmässiger in geheimer Sitzung geschehen. Leber die Anstellung des Organisten Altred Mayer für die Nene Synagoge 11!d der Hilisurgauisteii Sehwennecke und Scharwenka wird beschlossen und in geheimer Sitzung der Berieht der gemischten Kommission über die Art der Vorbereitung von Ocmeindebeschltissen hinsichtlich der Wahl von Mitgliedern der Verwaltungskonmiissionen entgegengenommen, sowie Gehaltstragen von Beamten erörtert. - Wir haben kaum nötig, etwas hiuzuzunigen. Durch den Vorstoss des Prot. Geiger, dessen Ungeschick seine liberalen Gesinnungsgenossen nur bedauern können, wird dem Verband der Synago;;enwrcine nur vollauf bestätigt, wie sehr er zu seiner tatkräftigen Abwehr systematischer Entjudungsbestrcbungen berechtigt und verpflichtet ist. Prof. Geiger hält cs für geboten, den Hut abzunehmen, wo das Atifbehalten der Kopfbedeckung ein Zeichen des Respektes und der Achtung sein soll. Wird Herr Prof. Geiger umgekehrt, auch dem gläubigen Juden, der sich in die christianisierte Synagoge des Religionsvereins in der Johannisstrasse (Reform gemeinde genannt) verirrt, gestattet wissen, den Hut nach seiner Sitte aufzubehalten? Dem würden gewiss sechs Synagogendiener auf einmal zeigen, wo der Zimmermami das Loch gelassen hat! Das Unglaublichste ist aber, dass Prof. Geiger sich rühmen kann, er sei von der Jüdischen Gemeinde Berlins aus im Amte eines Schulinspektors ״einer der orthodoxesten Religio( 1sschulen Berlins bezw. Charlnttcnburg**. Wenn das wahr ist. -• und vom Vorstande wurde dem nicht widersprochen so bedeutet das eine schwere Beunruhigung der Gewissen für alle jüdischen Eltern, die schulpflichtige Kinder haben. Das ist ja derselbe Mann, der in öffentlicher Gemeindesitzung für Gotteslästcrung erklärte, was dem gesetzestreuen Judentum heilig, was die Grundlage jüdischer Anschauung Ist. Wir verstehen den kehservativen Vertreter Blumenthal nicht, wenn er seine Zufriedenheit darüber äusserte, dass Geiger dieses Amt, — ein Ehrenamt — ausübt. Das stellt doch die Gepflogenheit der Gemeindebehörden in den Schatten, Leute deshalb nicht zu Gemeinde- und Ehrenämtern zu berufen, weil sie Zionisten sind. Mit Prof. B i a s c h k e brauchen wir nicht zu rechten. Er versuchte* nur durch taktischen Gegenangriff den Vorstoss von konservativer Seite abzuschwächcii, was ihm ja meist gelingt, weil die Konservativen niemand ausser Blumenthal haben, der parlamentarisch geschult ist, und Blumenthal wiederum jede Redegabe abgellt. Um jedoch Blaschkcs Frage mit einer ersten Frage zu beantworten, ersuchen wir einstweilen um Antwort darauf, >b die folgenden Gedichte bezw. Lcsestiickc im ״Buch für Maldien” von Agnes Franz (Bibliotheksbuch No. 29 der Jüdischen Mädchenschule) geeignet für Heranbildung jüdischen Sinnes sind: ״Christröslcin“, — ״Friede sei mit Euch“ (Charfreit.,gs- Stimmung) — ״Der Christbaum“ ־ ein christliches Lchrgcdicht: ״Gehet hin und tuet desgleichen!?“ Wir können es verstehen, dass den Liberalen das frische jüdische Lebe,! u;1d das erstarkende Bewusstsein in den Rel gi insvercinen sehr!•־;!:״ genehm ist: um so mehr werden alle konservativen Krc^, > stehen lernen, dass hier viel mehr als im Zent ׳:;!verein die Wurzeln einer zukünftigen konservativen Gen.eir,de״rga:.l'.: liegen. | Ausschreitungen gegen die Juden waren die Folge der j Niederlage der klerikalen Partei im Landkreise Strassbürg. Zweihundert Männer durchzogen johköd die Stadt, Revo!verschlisse und Steiuwürfc wurden gewechselt um» jüdische Geschäftshäuser bombardiert. Von Strassburg aus wurde militärische Hilfe angeboten. Die Juden sind in den Boykott erklärt worden. Keines Kommentars bedarf folgendes Telegramm aus G log au. Von der Strafkammer waren GraJ Pücbler-Kl-in- Tschlrne und dessen Inspektor Kirchner wegen Zerstörung einer Feldbahn zu sechs resp. vier Wochen Gefängnis verurteilt worden. Auf die von beiden Verurteilten cingereichten Arbeitszimmer entgegen, somiengebrüunt, mit ernstem, entschlosenen Gesicht. ... Sie fühlte eine lebliafte Unruhe. . . . ״Ich freue mich, dich so wohl zu sehen, Leonhard, ich bin ganz überrascht, schon so bald" . . . ״Ich hielt es nicht mehr aus ohne die Heimat und . . . dich, Marianne! Hoffentlich nimmst du mir das nicht Übel! . . . Ihr ernstes Gesichtchcn wurde ganz fröhlich. ״Nein, ganz und gar nicht! Und du bleibst nun hier?“ . . ״Hier, und ich hoffe für immer!“ . i . ״Ja, gewiss,“ antwortete sie warm, ״wir wollen Freunde werden!“ . . . Hastig trat er auf sie zu und sah ihr fest in die Augen: ״Nein ,so meinte ich cs nicht! Kannst du mich denn garnicht lieb gewinnen?“ Da trat zum ersten Male seit der Mutter Tode ein schalkhaftes Lächeln in ihr Gesicht: ״Lieb hatte ich dich eigentlich immer, Leonhard! Aber ich hörte von deinem Hochmut, und ich fand dich selbst so unerhört selbstbewusst, dass ich mich schämte, es mir einzugestehen! Jetzt schäme ich mich nicht mehr! Und sie reichte ihm beide Hände. Wissenschaft und Kunst. In einer eben im Verlage von Julius Springer in Berlin ersclüenenen Schrift ״Tharshisp und Ophlr“ erörtert Professoi Gustay Oppcrt von neuem zwei berühmte Fragen der allen Geographie, die nach der Lage des Tharshish und des Ophir der Bibel. Beide Probleme sind bereits 2000 Jahre alt. unzählige Forscher haben sich an ihnen versucht, und cs gibt kaum einen Teil der Küste des Mittelmeeres oder Ostafrikas, wo man nicht Tharshish, kaum ein Goldland der ganzen Erde, wo mau nicht hätte Ophir lokalisieren wollen; sogar Peru ist als das Ziel der Fahrten unter Salomo und Hiram bezeichnet wurden! In der Bibel erscheint der Name Tharshish zum ersten Mal Genesis X, 4 als der eines Sohnes Jawans, der seinerseits ein Sohn Japhets ist. Die in den Geschlechtsregistern der Genesis verkommenden Namen bezeichnen aber nicht nur Personen, sondern auch Stämme und die von ihnen bewohnten Landschaften. Demnach wird in der Bibel weiterhin Tharshish als Bezelclmung für eine Landschaft oder für eine Stadt, dann auch für das Meer gebraucht. Zu den letzten die sich mit der Frage beschäftigt haben, gehören Professor Keane und Dr. Karl Peters. Keane sprach das goldreiche Sofala als Tharshish au. was schon deshalb abzuweisen *st, weil unter den Relchtüuieru von Tharshish niemals Geld genannt wird. Peters hatte eine neue Idee, die darauf hinauslicf, dass die Punicr ursprünglich jede Überseeische Niederlassung ein Tharshish genannt hätten, so 1

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