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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 84

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70 Von den zahlreichen Prager Beispielen vgl. als berühmtestes den Fall des Rabbi Jomtob Lipmann ha-Levi Heller (1579 bis 1654); G. Kisch, Die Megillat Eba in Seligmann Kischs Übersetzung, JGj£. 1 (1929), S. 421 ff. 71 Im neunzehnten Jahrhundert schrieb das umfassendste Werk über die Geschichte der jüdischen Ärzte Eljakim Carmoly. Seine Histoire des m£decins juifs anciens et modernes, 1844 in Brüssel erschienen, bildete für die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine ungewöhnliche Leistung, die trotz mancher Mängel bis heute wissenschaftlichen Wert behalten hat. Es wäre ungerecht, dem Verfasser alles Verdienst abzusprechen, wie es teilweise in der Literatur geschehen ist (vgl. darüber Enc. Jud. 5, S.49; Krams, Ärzte, S. 9, läßt Carmoly Gerechtigkeit zuteil werden). Das von Carmoly gesammelte reiche Material hat eine systematische Verarbeitung in deutscher Sprache und wertvolle Ergänzung aus anderem Schrifttum gefunden bei Richard Landau, Geschichte der jüdischen Ärzte, Berlin 1895. Auf diesem Werke beruht zum Teil auch die Abhandlung von Aaron Friedenwald, Jewish Physicians and the Contributions of the Jews to the Science of Medicine, die im ersten Bande der Publications of the Gratz College 1897 gedruckt ist. Noch eine Gesamtdarstellung folgte, die auf das Mittelalter beschränkt, einen „Beitrag zur Kulturgeschichte des Mittelalters" bieten will, Isak Münz, Die jüdischen Ärzte im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1922. Einen weiteren Rahmen steckt sich dagegen das neueste Buch zur jüdischen Ärztegeschichte, Samuel Krauss, Geschichte der jüdischen Ärzte vom frühesten Mittelalter bis zur Gleichberechtigung, Wien 1930. Es ist verdienstlich, indem es unter systematischen Gesichtspunkten das umfangreiche Material zur jüdischen Ärztegeschichte gliedert und teilweise auswertet. Jedoch erliegt der Verfasser auf weiten Strecken der Verlockung, bloß aufzuzählen, Namen, Begebenheiten und Belege aneinanderzureihen, wobei häufig eine wenig ansprechende Form gewählt ist. Leider ist die Anordnung des Stoffes innerhalb der einzelnen Kapitel wenig übersichtlich, das „Namen- und Sachregister" sehr unvollständig. So wirkt das Ganze mehr als große - gewiß auch wertvolle - Sammlung von Materialien, Exzerpten und Lesefrüchten denn als Darstellung der sozialen Verhältnisse und wissenschaftlichen Verdienste des jüdischen Ärztestandes, die gegeben werden sollte. Das aber muß das Ziel künftiger Forschung sein, nicht etwa bloß die Namen der schon bekannten Judenärzte noch um einige zu vermehren, sondern zu dem bekannten neues Urkundenmaterial hinzuzufügen und ein kulturhistorisches und soziologisches Bild vom Leben und Wirken der jüdischen Ärzte zu gewinnen . Die Forschungsarbeit wird zunächst lokal und territorial vorgehen müssen, einzelne Orte und Länder zu behandeln haben. Erst wenn diese Arbeit mit Erfolg getan ist, wird man wiederum an eine Gesamtdarstellung herantreten können, für die sich dann allerdings andere Perspektiven eröffnen dürften als bisher. An verdienstvollen Anfängen in dieser Richtung mangelt es nicht. An erster Stelle verdient die vortreffliche Arbeit von Adolf Kober Erwähnung: „Rheinische Judendoktoren , vornehmlich des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts" in der Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Bestehen des jüd.-theol. Seminars in Breslau, 2. Bd., Breslau 1929, S. 173-236; in ihr sind die hier dargelegten Ziele bereits deutlich erkannt. Ferner sind hervorzuheben: M. Horovitz, Jüdische Ärzte in Frankfurt am Main, Frankfurt a. M. 1886; dazu jetzt J. Kracauer, Geschichte der Juden in Frankfurt a.M., 2. Bd., Frankfurt a. M. 1927, S. 255-274, 513 f; Johann Lachs, Die ältesten jüdischen Ärzte der Stadt Krakau, Festschrift für Hermann Baas: „Zwanzig Abhandlungen zur Geschichte der Medizin", Hamburg und Leipzig 1908, S. 51-63; Louis Lewin, Jüdische Ärzte in Großpolen, JJLG. 9 (1912), S. 367-420, sehr reich an Inhalt und Material; David Kaufmann, Gesammelte Schriften, 3. Bd., Nr. XIII-XVII, S. 262-302, wichtig besonders für die Geschichte des Studiums deutscher Juden im Auslande; Leopold Löwenstein, Zur Geschichte der Juden in Fürth, JJLG. 8 (1911), S. 65 ff.; Max Grunwäld, Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811, Hamburg 1904, S. 61 ff.; S. Felsenthal, Jüdische Ärzte in Alt-Mannheim, Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin 23 (1930), S. 184 ff., dazu Berthold Rosenthal, Zwei jüdische Ärzte, MGWJ. 77 (1933), S. 447 ff.; 79

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