Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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Meschulem Bondy aus Prag am 2. Januar 1776 die Genehmigung zur Promotion erhielt.225 Ohne Zweifel wird man ihn als Sohn des „erfahrenen Arztes" Meschulam Bondi ansprechen können, der in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Prag als Arzt tätig war, und dessen Name unter den Führern der Judengemeinde zu finden ist, welche R. Ezechiel Landau als Oberrabbiner berufen haben.226 Unbedingte Klarheit dürfte sich schwerlich schaffen lassen, solange die gewiß sehr interessante Geschichte der wohl aus Italien stammenden Familie Bondi nicht gründlich erforscht und aufgehellt ist.227 Näheres ist auch über Pineas Ely aus „Kolin in Böhmen" nicht bekannt, der 1770 als Frankfurter Medizinstudent erscheint228 und 1774 an seiner Studienuniversität promoviert wurde ,229 Eine glänzende Karriere hat der 1755 ins medizinische Fakultätsalbum eingetragene Abraham Wolff gemacht, wenn er mit Dr. Abraham Emanuel Wolff identisch ist, der später zum Christentum übertrat.230 Seinen Heimatsort kennt man nicht, weil in der Matrikel nur „Jude aus Böhmen" vermerkt ist. Er praktizierte in Lissa und Posen, wurde fürstlich Sulkowskischer Leibarzt, polnischer Hof rat und Generalstabsarzt des polnischen Heeres, preußischer Geheimrat und erster Medizinalassessor des südpreußischen Medizinalkollegiums. Wie die meisten anderen ist ferner der aus Böhmen stammende Moses Böhm, am 5. Juni 1738 in Frankfurt an der Oder immatrikuliert und am 15. Oktober 1745 promoviert, nach Vollendung seines Studiums nicht wieder in seine Heimat zurückgekehrt.231 Wir begegnen ihm 1740 in der Eigenschaft als jüdischer Gemeindearzt in Halberstadt, seit den sechziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts als „approbiertem Medicus jüdischer Nation" in Berlin, wo er 1792 gestorben ist. Vermutlich ist er identisch mit jenem „Herrn Doktor aus Halberstadt", der im Mendelssohnschen Hause verkehrte.282 In der Zeit von 1721 bis 1776 haben im Ganzen neun Juden aus Prag und anderen Städten Böhmens ihre medizinische Ausbildung an der Universität Frankfurt an der Oder erhalten. Wenn man dieser Zahl die ungefähr gleich große von Prager Juden gegenüberstellt, die von 1749 bis 1772 in Halle doktorierten, und dazu die starke Frequenz der Frankfurter Universität durch auswärtige Juden in Betracht zieht,233 so darf man wohl schließen, daß die persönlichen und wissenschaftlichen Beziehungen der Prager Juden zu Halle, wenn auch konzentriert auf die Mitte und das dritte Viertel des achtzehnten Jahrhunderts, intensiver gewesen sein dürften als die Verbindungen mit der Oderstadt. Leider sind wir über die innere Geschichte und die sozialen Verhältnisse der dortigen jüdischen Gemeinde im achtzehnten Jahrhundert noch nicht genügend unterrichtet .234 Daher fehlt gegenüber Halle235 ein geeigneter sicherer Vergleichungsmaßstab. 33