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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 73

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 73 (sequence 78)
Language
German
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73 leider nicht genannten, in Spanien lebenden jüdischen Maler und Bildhauer Kunde, der zum Andenken an den Aufenthalt des heiligen Franz von Assisi in Guete, daselbst 1214 ein Portrait angefertigt hat, das freilich nicht ähnlich gewesen sein soll. Dies berichtet Fra Salvatore Vitale: Del Monte Serafico Deila Verna (Venedig 1628) S. 441). Bedeutender als der Genannte muss, wenn wir dem Berichte der Ramschack’schen Chronik (132) Glauben schenken dürfen, der im 15. Jahrhundert in Prag lebende Bildhauer Samuel Jontof Vigales gewesen sein, von dem diese Chronik sagt, dass er bei dem kunstliebenden Adel in solchem Ansehen stand, dass selten bei hohen Personen seine Erzeugnisse fehlten, und die Arbeit seines Meiseis bald mit Silber aufgewogen wurde2). Von einem weiteren jüdischen Bildhauer der zwischen 1630 und 1710 lebte, giebt uns Naglers Künstlerlexikon (IX S. 209) Kenntnis. Dort heisst es: ״Bourig Meyer, ein portugiesischer Jude und Bildhauer, arbeitete lange zu Frankfurt am Main, besonders in harten Stein. Man nennt 12 porphyme Büsten von römischen Kaisern. Starb in der erwähnten Stadt 1710 im 80. Jahre.״ Erst an der Wende des 18. Jahrhunderts, hören wir wieder einen jüdischen Bildhauer: Friedemann nennen. Er wurde von der Berliner Akademie der Künste zum akademischen Künstler ernannt, und fertigte verschiedene Gruppen und Büsten3). Von einem nur wenig später in Mecklenburg lebenden Bildhauer: Löser Cohen hören wir nur gelegentlich, dass er als freiwilliger Jäger an den Befreiungskriegen 1813 und 14 teilnahm4). Von sonstigen, noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blühenden jüdischen Bildhauern kennen wir noch die Folgenden: Jakob Guttmann, geboren 1811 zu Arad. Ursprünglich Büchsenmacher, interessierten ihn die bei diesem Handwerk vorkommenden Gravierungen an den Büchsen in solchem Grade, dass er sich ganz der Gravierkunst widmete, in der er bald Gutes leistete. Eine von ihm gravierte Büchse erregte die Aufmerksamkeit des Fürsten Metternich, der ihm mit einer Subvention von 200 Gulden in der Bildhauerschule der Akademie Aufnahme verschaffte. Mit einem Stipendium Salomon Rothschilds ging er nach Vollendung seiner Studien nach Rom, wo er eine Büste des Papst Pius IX., der ihm einige Sitzungen gewährte, fertigte. Weiter schuf er das Grabmal Aaron Chorin’s, den ״Blumenspender״, die Büste Saphir’s und Bäuerle’s etc. Mitten in seinen künstlerischen Erfolgen verfiel er in Melancholie und starb in Geistesumnachtung am 28. April x) H. Thode, Franz von Assisi. S. 91 u. 3 (nach Allg. Zeit. d. Jdnt. 1892. S. 465). *) Podiebrad a. a. 0. S. 127. 8) Davidson a. a. 0. 4) Donath a. a. 0. S. 155.

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