Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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6 wieder häufiger. Diese nationale Reaktion dürfte wohl durch den Einfluss der babylonischen Judenschaft auf die europäische hervorgerufen worden sein1). Die antiken heidnischen Namen verschwanden nach und nach — freilich gehört ein Caesar August Levy noch zu unsern Zeitgenossen — und neben den rein jüdischen kommen auch solche der modernen europäischen Nationen in Gebrauch. In dem Geschäftsbuche eines christlichen Kaufmanns in Forcalquier (Dep. Niederalpen) aus dem ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts wurden als seine jüdischen Kunden Ahron, Nehemia, Jechiel, Jacob, Salomon, Samson, daneben aber auch Creyson, Astruc, Bongodas, Bendit u. s. w. genannt2). Auch Cabestaing (nach einer Stadt im Dep. Herault) kommt als jüdischer Name vor. Weiteres über Namen französischer Juden findet sich in M. Steinschneiders Hebr. Bibliographie Bd. 18 und 20, die mir nicht zur Hand ist. Bei den biblischen Namen findet eine gewisse Auswahl statt. Manche Namen wie Noa, Abraham, Tsaac, Jacob, Eleasar, Juda, Simon, Joseph, Benjamin, Moses, David, Salomon, Samuel, Josua, die der grossen Propheten, einige der kleinen, dann von Frauennamen die der Erzmütter, ferner Mirjam, Ziporah, Esther, Chane u. a. werden sehr häufig, andere seltener gebraucht, manche, wie Arnos [1757 in Endingen: Ulrich, Juden in der Schweiz 300. D. Red.], Habakuk, Haggai, Malachai, Lot, Ruth, Hiob kommen meines Wissens gegenwärtig gar nicht vor. Die seltenen Namen Zebulun [s. Tib. Gittin u. Tschorni. D. Red.], Issacar [Tib. Gittin, Tschorni, Hock-Kaufmann 31. D. Red.] und Gad [auch Tschorni, Reisen i. Kaukasus 326, Hock-Kaufmann 244, Godlein: Rahmers Litteraturbl. 36 u. s. D. Red.] finden sich merkwürdiger Weise alle in der Familie Conegliano 3). Dagegen kommen noch jetzt manche hebräische aber nicht biblische Namen, wie Melach (vielleicht doch von Malachai), Malke, Chajim, Chaje (neben Chave) ziemlich häufig vor. Von deutschen Namen kommen jetzt bei den Juden die meisten der von den Christen gebrauchten, ja manche von diesen bereits aufgegebene, wie Hirsch, Löw, Jutta, Süssl, Thräne u. s. w. vor. Ganz kurios sind aber die Namen der deutschen Juden im Mittelalter, besonders wie sie in von Christen verfassten Schriften genannt werden. So finden wir z B. auf dem Plan der Juden- Stadt in Wien zur Zeit der Aufhebung derselben im Jahre 1422 als jüdische Hauseigentümer neben Jakob, Jona, Schaule, Sara 1j Güdemann II 15, 42; Wien 1884. 2) Le livre-journal de maitre Ugo Teralh, par Paul Meyer, Paris 1896. :ן) Dr. David Kaufmann, Dr. Israel Conegliano S. CXXII im Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1894—5. Budapest 1895.