Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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5 fast nie hebräisch. Von hebräischen Namen finden sich nur Alftus Juda (in Capua) und Jonathan. Sonst nannten sich diese Juden, von denen manche Synagogenvorsteher waren, Quintianos, Ursakios, Pancharis, Taifilos, Julianus, Nikodemos, Eutychianus, Rufus, Onoratus, Alexander, Zotikos, Sabuttas, Amelis, Valerius, Maron, Zosimos, Synesius, Asterias, Philopater, Philadelphus, Titus, Claudius Philippus, Tettius Rufinus Melitius, Marcus Quintus Alexus u. dergl. Von Frauennamen kommen vor: Aelia Patricia TuUia, Gadia, Coelia Paterna, Irene Parthenike, Aurelia Flavia, Lucretia Faustina. Besonders interessant ist die Grabschrift der im Alter von 86 Jahren und 6 Monaten verstorbenen Veturia Paulina, bei der bemerkt wird, sie habe als Proselvtin Sara geheissen und sei Vorsteherin von zwei Synagogen gewesen.1) Es mag diese auch bei andern Frauen vorkommende Be- Zeichnung nur ein Ehrentitel sein, aber wenn die Proselyten jüdisehe Namen bekamen, warum hatten die geborenen Juden keine? Noch im zwölften Jahrhundert erwähnt Benjamin von Tudela einen jüdischen Vorsteher in Arta (in Griechenland), welcher Herakles hiess2) und Zunz (Die Namen der Juden, Leipzig 1837, S. 74, 75, 88) führt die Namen Veleda, Myrrha und Ricea Minerva an. Auf einer Erfurter Grabschrift findet sich sogar der Name Phryne in hebräischer Schrift3). Nicht minder auffallend ist der von Güdemann4) aus einem alten Wormser Memorbuche angeführte Name Athalia, worüber sich schon ein Rabbiner des siebzehnten Jahrhunderts verwundert hat. Und den Tadel Zunzens5 6) würde der Brodyer Rabbiner gewiss verdient haben, wenn er sich wirklich Christian genannt hätte. Der fromme Rabbiner, den ich noch persönlich gekannt habe, hiess aber nicht Christian Poller, sondern Michael Kristianpoler. Den Familiennamen hatte er von einem galizischen Städtchen Kristianpol, aus dem die Familie wahrscheinlich nach Brody gekommen war. Wie bereits erwähnt wurde, hatte schon der Midrasch Rabbath den Gebrauch fremder Namen getadelt, und ungefähr in der Zeit seiner Abfassung ward der Gebrauch biblischer Namen *) Die Gemeindeverfassung der Juden in Rom in der Kaiserzeit. Nach den Inschriften dargestellt von Emil Schürer, Leipzig 1879. 2) Bei Graetz, Geschichte der Juden VI 263. 3) Dr. Kroner in Monatsschrift für Wissenschaft des Judentums ßd. 33 (1884) S. 355. Sollte dies nicht ein Druck- oder Schreibfehler für Frumme sein? (פרינא statt פריסא) [wohl für ו£לוןץא oder סרילא s- Tib Gittin. D. Red.] 4) Dr. M. Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der abendländischen Juden während des Mittelalters und der neuen Zeit. Wien 1888, III 105. 6) A. a. 0. Seite 125.