Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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7 noch: Mailein, Muschlein, Swerlein, Knedlein, Rechlinn die Jüdin, Smerl Wenklein, Smoyel, Hendlin, Maisterlein, Mörckel (Nachmans Sohn) Müschen, Mordlin, Rotlein, Schedl, Hystirg, Ichel der Knoflocb, Euerlein, Hozen, Peltlin, Yssterlein, Jeklein, Reblein ״der reiche Steussen“, ״Hanko der Underehewfl“ (?) u. dergl.2). Sehr richtig bemerkt Güdemann1) inbezug auf derartige Namen, dass die Christen die ihnen nicht verständlichen hebräisehen sich mundgerecht machten. ״So entstanden neue Namen, ■welche nur durch einen mehr oder minder deutlichen Anklang an ihren hebräischen Ursprung erinnerten, in der Form aber deutsch waren. Diese christlichen Umbildungen oder Verstümmelungen hebräischer Namen bürgerten sich dann auch bei den Juden ein“. Es steckt aber, wie ich glaube, in diesen Verstümmelungen, ausser dem Mangel an Verständnis, auch ein gut Stück Judenhass, und diese Diminutive auf in und lein sind eigentlich auch Verächtlichkeitsformen, wie uolo, uccio im Italienischen. Auch der polnisch(! Edelmann nennt den jüdischen Kaufmann oder Handwerker, der in seiner Gemeinde Reb Moses oder Reb Abraham genannt wird, verächtlich Moschko oder Abramku und —duzt ihn dabei. Eine andere Judenfeindlichkeit auf diesem Gebiete zeigte sich darin, dass eine christliche Regierung den Juden verbot, gewisse als besonders christlich erachtete Namen zu führen. Dieses Verbot hat, wenn ich mich recht erinnere, den Anlass zu Zunzs bahnbrechender Schrift gegeben. In der That waren aber die meisten Christliehen Nemen aus der Bibel genommen, also eigentlich jüdisches Nationaleigentum. Die zum Christentum übergetretenen Heiden behielten ihre früheren Namen und nannten sich auch nach der Taufe Jovinianus, Martianus, Saturninus, Origenes (von Horus), Apollonius, Veneria, Martiana, Victoria u. s. w. Erst das Konzil von Nicäa verbot im 30. Kanon die Führung heidnischer Namen3). Seitdem wurden die biblischen Namen bei den Christen häufiger und bei den Engländern und Schotten waren die aus dem Alten Testament besonders beliebt. Es kommen bei ihnen auch solche biblische Namen vor, die von den Juden garnicht gebraucht werden, wie denn auch Shakespeare seine Jessica aus Genesis XI 29 genommen hat. Aber auch ein Bulgarenfürst des zehnten Jahrhunderts nannte seine vier Söhne Samuel, David, Moses \md Ahron. Dazu bemerkt Gfrörer in seiner Byzantinischen Geschichte (II 620): Meines Erachtens berechtigen die alttestamentlichen Namen zu dem Schlüsse, dass die Bulgaren seit ihrer Bekehrung *) Wiens örtliche Entwicklung von der römischen Zeit bis zum Ausgange des 13. Jahrhunderts, von Albert Camesina, Wien 1877, Tafel II. 2) A. a. 0. III 106. 3) Ferdinand *Becker, Die Inschriften der römischen Coemeterien, Gera 1878, 8. 8.