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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 402

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 402 (sequence 421)
Language
German
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Mattersdorf1). Von Dr. Max Grunwald. Mattersdorf zählt zu den Judengemeinden, die lange Zeit unter fürstlich Esterhäzy'scher Herrschaft standen und unter dem Sammelnamen der „Sieben Gemeinden", hebr. ,,Schebha qehilloth", bekannt sind. Der Volksmund hat daraus „Schäbige K'hilles" gemacht. Keineswegs ein Ausdruck der Geringschätzung, wie sie etwa einst den sieben Völkern gegolten hat, die Israel aus Kanaan vertreiben sollte. Vielmehr ein harmloses Wortspiel, ein Erzeugnis der bekannten jüdischen Selbstironisierung. Ebenso spricht gutartiger Scherz aus den Spitznamen, mit denen die einzelnen Gemeinden dieses Komplexes gekennzeichnet werden. Ob diese Spottnamen überhaupt jüdischen Ursprunges sind öder von den Heanzen herstammen, ist noch zu entscheiden. So sagt man: „Eisenstädter mit der Gaiwe" (Hochmut) oder „Eisenstädter Noble"2), richtiger „Nebelfahrer", d. h. Leute, die spur- und geräuschlos zu verduften, sich 1) Mit Benützung von Aufzeichnungen des Herrn I. Gelles in M. Die M.er Mundart ist in diesen Partien beibehalten worden. Eine Fortsetzung ist, wenn weitere Quellen zugänglich werden, geplant. Bis auf die Herren Gelles und Jak. Deutsch sowie den „Hum. Verein der Mattersdorfer in Wien", als dessen Vertreter Herr JennÖ Leitner mir an die Hand ging, war für den vorliegenden Versuch, der das Historische nur als Rahmen für das volkskundliche Material benützt, keine Förderung zu verzeichnen. Es wäre zu wünschen, daß M., wie die Schwestergemeinde Eisenstadt, einen Mäzen finde, der für die Geschichte seiner Heimatsgemeinde Millionen opfert. (Diese Arbeit über die Eisenstädter Grabschriften wird im folgenden mit „Eis." zitiert.) 2) Die Eisenstädter nennen ihre Gemeinde selbst „ein klein Jerusalem, aber ein groß' Bowel* (doppelsinnig: „Babel" und „powel" Baumwolle).

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