Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 422)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Mattersdorf. 403 unsichtbar zu machen wissen. Die Kobelsdorfer oder, wie man in jüdischen Kreisen sagt: die Kobersdorfer (oder Kolbelsdorfer) heißen „die Einseitigen'weil die dortigen Judenhäuser keine Gasse, sondern nur dem fürstlichen Schlosse gegenüber eine Zeile bilden. Die Frauenkirchner sind die „Braunhaxler", „Lahm(Lehm)sch .... er" oder „ Rohrhitlerangeblich, weil sie mit dem Rohr handeln, das von dem nahegelegenen Neusiedler See hereingebracht wird. Die Leute von Deutsch-Kreuz oder jüdisch „Zelem" nennt man „Kruckenreiter", wie es heißt, weil sie, wie Hexen auf dem Besen, auf Krücken reiten, oder „Schlittenfahrer'4 weil auch sie sich glatt aus unliebsamer Affäre ziehen. Man spricht von den Lackenbacher „Schwalben" oder „Ragsonim" (Streithänsel) oder „Gannowim" (Diebe). Von den Kitseern ist meinen Gewährsmännern das Epitheton nicht bekannt. Ebenso gehen hierbei die Leute von Neufeld leer aus, das auch zu diesen Gemeinden gehörte, so daß in diesem, Zusammenhange füglich nicht sieben, sondern acht Gemeinden zu zählen wären.1) Von „Petites"2) der Mattersdorfer weiß man im einzelnen zu erzählen, daß sie einmal ein Dampfschiff davongetragen haben. Ein andermal findet ein Mattersdorfer bei einer Bäuerin ein Bild, das er in seinen Besitz bringen möchte. Wie stellt er es an? Die Bäuerin hält eine schwarze Katze, und der Mattersdorfer scheint in das Tier närrisch verliebt. Um jeden Preis möchte er die Katze haben. Die Bäuerin verkauft sie ihm, endlich auf sein Bitten. Bevor er aber das Geld herzählt, knüpft er an den Kauf eine Bedingung: sie muß ihm das Bild daraufgeben. — Die in M. sprichwörtliche Redensart: „E Lülew ohne Katz (kauf ich nicht)4' geht auf den Schelmenstreich eines 1) In den Dokumenten ist oft von „den fünf Gemeinden* die Bede, worunter man mit Ausschließung von Kittsee und Frauenkirchen die näher beieinanderliegenden Gemeinden der Odenburger Gespanschaft, zusammenfaßte. 2) „Partiten'4, wie sie „Ihro Fürstl. Gnaden, der Herzog von Liegnitz*4, in Schweinichens Memorial-Buch (Verlag Langen, München) S. 90 machen, kommt, wie auch z. B. gabella „Salzsteuer" (noch heut in Ungarn jüd. Gemeindeabgabe), aus dem Italien. (Ränke), vgl. im Franz. faire un mauvais parti. 26*