Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 42 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Seite 3 Nachdem die Schwierigkeiten, mit denen die ״Jüdische Presse“ einige Zeit zu kämpfen hatte, glücklich überwunden und der Weg für eine aufstrebendeEnt w i ckluiig Unseres Blattes freigemacht werden konnte, haben wir uns entschlossen, Unseren Lesern auch heuer kostenlos wetiuoUe #• tea zu gewähren. Eines der nachstehend verzeichnet en Bücher nach freier Wahl erhalten alle jene bisherigen und neüeintretenden Abonnenten, die die* volle Bezugsgebühr für das Jahr 1937 (Oesterreich S 16.—, Tschechoslowakei Kc 80— , Jugoslawien Dinar 150.—, übriges Ausland Schw. Frs. 14.—) bis Ende Dezember d.~J. bezahlen. Nr. 1 שערי שמחה על המשה הומשי סודה מנלוה אליו מפר אהל ר ה ל, כולל דרושים ופתיהות לבני הישיבה) מאח הי.ה'צ מוהריר שט ה ה בונם פופר וצורדל בעל שויה שבט סופר. 10 Seiten Großoktav? אגרות.סופרים 2 Eine Sammlung der •Briefe von Rabbi Akiba Eger, des Chasam Sofer, Ksaw Sofer, Rabbi Simon Sofer, Schewet Sofer, mit zahlreichen Illustrationen auf Kunstdruckpapier. Ein prächtiges Werk, das in keinem jüdischen Hause fehlen sollte. Mehr als 400 Seiten. Nr. 3 סדור השלם הוצאת סיני Das vollständigste Siddur, in Taschenformat und schönem Ledereinband, das sich durch bewundernswert klaren Druck und seine Handlichkeit auszeichnet. Wer es besitzt, freut sich, so oft er es zur Hand nimmt, weil einfach alles in ihm enthalten ist. Eine Augenweide! Nr. Nr. 4 dec neue Kusati Ein Weg zum Judentum von Dr. Isaac; Breuer. Eines der interessantesten und umstrittensten Werke des Aguda-Führers, der hier die Grundlage zu seinem ״Thedaismus“ legt. Vier Bücher in einem schönen Leinen■1 einband. 448 Seiten, Großoktav. . 3 Die £äde*1 des (u**gen Hlese Eine biblische Erzählung von Oscar Lehmann, eindrucksvoll in Thema und Gestal- ״ tung, hinreißend in Inhalt und Form. 222 Seiten, Oktav. Nr. 6 Di&ei- und Terftnudsclutiz Von J. H. K o h n, neu bearbeitet von R a b b. Dr. S. Bamberger, 15. Auflage. Ein der Belehrung und Erbauung dienendes Buch zur Stärkung und Hebung wahrer jüdischer Gesinnung, das dem Pentateuch vom Anfang bis zum Ende folgt, in geschmackvollem Leinen- י einband. 512 Seiten, Großoktav. Diese Prämien schenken wir unseren Abonnenten. Lediglich ein Manipulationskostenbeitrag von S 2.—, bzw. Kc 2.— ist für sie (außer der Jahresbezugsgebühr) zu entrichten. Wien-Bratislava, Kislew 5697/Dezember 1936. Die UaufrtyefcU äftsstette wir gebärden uns oft so, als ob unsere feste Hand, als ob unser stärker Fuß wirklich• imstande wäre, Hindert gfitsse aus-dem Weg• zu räumen! u ... Wir sollten beherzigen: המתפלל צריך שיצוון •את לגליו (1צרבות ׳). Wer recht und ehrlich• beten ׳will, der soll ein strenges Augenmerk richten auf seine Füße! Nur wer weiß, daß er selber nichts ist, der darf hoffen, daß G-tt sein Gebet erhört! Nur wer fnit unsicheren Füßen vor G-tt steht, wer nicht pocht auf seine Leistung und seinen Wert, der kann׳ einrechter und frommer Beter sein! .; . ״ Wir sollten heute, wo das alte empörerische Wort: באו ונשכה חורת רגל מארצצ (Sahhedrin iö&a) wieder im Lande der Väter vernommen wird, in anderem Sinne zwar, aber äüch als eine Kampfansage an: jene Ueberzeugüng, die alles Werden ׳,und Wachsen im Lande als G-ttes Geschenk empfangen und segnen Will, •doppelt und dreifach uns mit dieser Wahrheit durchdringen: Jacobs schwache Füße stehen Über dem Wasser und nur so läßt G-tt das Wunder werden und wachsen, damals auf dem Meere und heute auf dem Lande! IV. Ob es Zeiten sind im Sinne der Gemoro, Zeiten des F i n d e n s, ob es Zeiten sind im Sinne des Midrasch, Zeiten der N ot; immer wollen wir die Kraft aus unserem Bäten schöpfen Und so, nur so, sicher sein, daß wir* festen Fußes durchs Trockene׳ Schreiten, unberührt von den Gewalten, die sich um 'uns herum gegen uns zum Kampfe rüsten wollen: אליו לא יגיעו, Wolf 3• Jacobson. Zwischen Himmel und Erde Die jüdischen Kreise Polens werden jetzt von einem Din-Thora in Atem gehalten, der kürzlich unter ungeheurem Aufsehen in Tarnow sfcattgefunden hat und dessen metaphischer Hintergrund jedenfalls nachdenklich stimmen muß. ״Klägerin“ war die Witwe Hinde Bäder, die von Owadja Apfelrot die ״Rückgabe“ der Mizwos ihres verstorbenen Mannes Ruwen forderte. Unter Tränen und Schluchzen erzählte die Frau dem Bes-Din, ihr sei allnächtlich der Tote im Traume erschienen und habe ihr geklagt, er fände im Jenseits keine Ruhe, so lange sie nicht von einem gewissen Owadja Apfelrot den Verzicht auf seine, des Dahingegangenen, Mizwos erwirke; zuletzt hätte er ihr fürchterlich gedroht, so daß sie sich gezwungen gesehen, habe, das Bes-Din anzurufen. Unter großer Spannung des Auditoriums machte nun Owagja Apfelrot, ein alter, frommer Jude, seine Aussage: ,,Es ist ein Jahr her, daß ich mit Freunden in unserem Bes-Hamidrosch saß und mich mit ihnen über unsere heilige Lehre unterhielt, als plötzlich Ruwen Bäder ׳ vor uns auftauchte. Er verhöhnte uns und die Thora und erklärte, er wäre bereit, all seine Mizwos für 10 Groschen zu verkaufen. Ich habe ihm darauf empört erwidert, ich wäre Interessent für derartige Geschäfte und böte ihm 10 Groschen für seine Mizwos, die er auch lachend einsteckte.“ Nach längerer Beratung verkündete Rabbiner Rappaport das Erkenntnis des geistlichen Gerichtes. Danach hätte Apfelrot von dem Geschäft zurückzutreten, das auf Grund der einschlägigen Entscheidung des Remo, S 246, Absatz 1, u n g ü 11 i g wäre, da die guten Werke eines Menschen unveräußerlich seien. Dem Toten aber werde es, führte Rabbiner Rappaport weiter aus, als ein Verdienst angerechnet werden, daß durch ihn der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele und an ein Jenseits gefestigt wird, wofür er nun ewige Ruhe und ewigen Frieden finden möge. den Heb Aberle noch aufsuchen! Ob er das tun wird, ob er's nicht als eine Mißachtung. ansieht? Was soll ich euch da lange erzählen? Als ich zu Dr. Hirschensohn kam, muß er mir schon am Gesicht angesehen haben, daß ich den Mut und die Hoffnung wiedergefunden habe, die er mir genommen hatte. J&eb Aberle?‘ rief der Rechtsanwalt ganz aufgeregt, als ich ihm von meiner Begegnung erzählte. ,Das ist ja mein Rebbe, Wenn der sagt, daß ihr den Prozeß gewinnt, so gewinnt ihr ihn. Er hat den ganzen Choschen Mischpat im Kopf . Wann soll ich zu ihm kommen?‘ ,Sobald ihr wollt; ich glaube, er erwartet euch schon‘ Dr. Hirschensohn nahm Stock und Hut und sagte mirג ich sollte in seiner Amtsstube seine Rückkunft abwarten. Schon nach einer halben Stunde kam er leuchtenden Auges zurück. JReb Aberle ist ein größerer Chochom als alle Rechtsanwälte non ganz Wilna‘, sagte er voller Begeisterung. ,Sein Plan ist mit Geld nicht zu bezahlen. Freilich gehört zu seinem vollen Gelingen noch viel ,Sajato Dischmajo‘. Das läßt euch Reb Aberle ausdrücklich sagen, damit ihr euch nicht auf ihn verlaßt und die drei jüdisehen Hausmittel unversucht lasset, welche jedes böse Verhängnis abwenden: Zaum (Fasten), Kol (Gebet) und Momon (Wohltätigkeit gegen Arme). Sonst habt ihr nichts in der Sache zu tun. Mir hat Reb Aberle dringend geraten, ich solle eine Verschiebung des Prozesses um etwa vierzehn Tage zu emeichen suchen, damit die Entscheidung in die Ch an ukatage fällt. Ich halte nicht viel davon, aber Reb Aberle meint, diese Zeit, in der schon einmal die Reschoim den Zaddikim durch G-ttes Beistand unterlegen seien, wäre für Gewährung des g-ttliehen Beistandes, dessen wir für unsere Sache bedürfen, besonders geeignet. Er zwingt mich damit, meinen sonstigen Grundsätzen untreu zu werden, die auf diese alten Sachen nichts halten. Aber wenn ich das Gharifus von Reb Aberle sehe, muß ich meine Ansicht seiner Einsicht unterordnen. Die Verschiebung werde ich erreichen. Und nun, geht mhig heim; ihr dürft mit mir ein gutes Zeichen darin erblicken, daß ihr einem Mann wie Reb Aberle in die Hände gelaufen seid.‘ Um es kurz zu sagen: Heute, am ersten Tag , Ghanuka, jährt sich's, daß mein Prozeß zur Verbandlung kam. Mein Feind, der Bürgermeister, war seiner Sache sicher; wäre ich darüber im Zweifel gewesen, so hätten es mir die höhnischen Blicke gesagt, mit welchen er und sein Vertreter mich maßen. Die bestochenen Richter sahen mit kalter Verachtung zu mir herüber als der Vertreter meines Feindes seine Rede hielt, in der er die Schlechtigkeit, Verschlagenheit und Gmeingefährlichי־ keit der Juden im allgemeinen und die meinige im besonderen mit gehässiger Breite und Ausführlichkeit aus* einandersetzte, Dr. Hirschensohn trat in beredter Weise für meine Unschuld ein; aber die Spitzbuben spielten während seines Vortrages mit ihren Brilleth Tabakdosen und Uhrketten und gaben sich den Anschein, als hörten sie gar nicht zu. Mein Schicksal war mit und ohne Verteiäiger von vornherein besiegelt. Ich wurde zu fünfzehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Komödie war zu Ende und die Komödianten gaben sich gar keine Mühe, ihre Freude über diesen Ausgang zu unterdrücken. ■ Als sich die Richter eben erheben wollteny bat Dr. Hirschensohn noch einmal um das Wort. Jch war und Inn‘, fing er an, ,von der Unschuld meines Klienten überzeugt. Aber ich sehe ein, daß bei dem Fehlen von Zeugen und Beweisen seiner Unschuld das hohe Gericht nicht anders entscheiden konnte. Ich beuge mich vor der Majestät des Rechtes, aber nachdem ihr nun durch den hohen Gerichtshof Genüge geschehen ist, bitte ich um die Gnade, für die Familie des Verurteilten hier eine Kollekte veranstalten zu dürfen. Denn die Frau und die Kinder, sind jedenfalls schuldlos an den Bettelstab gebracht. Ich erlaube mir die Sammlung durch die Mitteilung zu eröffnen, daß ich auf meine Gebühren verzichte und noch fünf Rubel zu der Kollekte beisteuere‘ Diese Anregung war nichts Ungewöhnliches, und die Richter hatten bereits ihre Börsen gezogen, als Doktor Hirschensohn für ihre Zustimmung dankend sich zunächst an den Kläger mit den Worten wandte: ״Mit Rücksicht auf die guten Beziehungen, in denen Sie seit vielen Jahren zu dem Verurteilten und seiner unglücklichen Familie standen, gestatte ich mir, meine Kollekte bei Ihnen, Herr Petrowitsch, zu beginnen.“ Der Angeredete holte aus seiner Brieftasche eine Handvoll Papierrubel und überreichte sie mit echter biedermännischer Gönnermiene dem Verteidiger. Dieser nahm sie verbindlich dankend und wollte eben die Sammlung fortsetzen, als sein Blick wie zufällig auf die Banknoten fiel. ,JHoher Gerichtshof“, sprach wie überrascht Doktor Hirschensohn, indem er jeden einzelnen Schein prüfend betrachtete, ״sämtliche Banknoten sind falsch, die mir Herr Bürgermeister Petrowitsch soeben übergeben hat. Ich lege sie in dieses Kuvert und lasse dieses vom hohen Gerichtshof versiegeln, um sie der zuständigen Behörde weitergeben zu können.“ Wenn in diesem Augenblick ein Blitz in diese Schurkenbande geschlagen hätte, sie hätte nicht entsetzter und vernichteter dasitzen können. Sie wußten nur zu gut, daß bei dem verbreiteten Falschmünzerwesen, in Rußland nichts so hart bestraft wurde wie die Herstellung und Verausgabung falschen Geldes. Iwan petrowitsch erholte sich bald von seinem Schrecken und verlangte die Scheine zur genauen Durchsicht zurück, Dr, Hirschensohn erklärte aber, die falschen Banknoten in keine andere Hand legen zu können, als in die der zuständigen Behörde. Das war korrekt, und die Richter konnten sich diesem Vorgehen nicht widersetzen, ohne m den Verdacht der Mitwisserschaft m geraten. In seiner Verzweiflung gab Petrowitsch die Erklärung ab, der Verbreiter von falschem Geld sei nur strafbar, wenn er nicht angeben könne, von wem das Geld stamme. Aber er sei in der Lage, den Mann zu nennen: es sei niemand anderer als sein Nachbar ■Mendel. ״Könnt ihr das beschwören?“ fragte Doktor Hirschensohn. ״Gewiß kann ich das — und zwar sofort.“ ״Ich bitte den hohen Gerichtshof, die Vereidigung sofort vorzunehmen. “ Der Gerichtshof, der den angeklagten Juden nun auch als Falschmünzer brandmarken wollte, entsprach dem Antrag und nahm sofort, die Vereidigung Iwan Petrowitsch1 vor, der beschwor, daß er die Rubelscheine von dem Angeklagten erhalten hätte. Als Petrowitsch diesen Eid geschworen hatte, erhob sich Dr. Hirschensohn und erklärte feierlich: ,Ach be-. antrage nunmehr, Iwan Petrowitsch wegen Meineids sofort in Äaft zu nehmen. Als mein Klient vorhin behauptete, er habe die angeblich gestohlene Kuh von Petrowitsch gekauft und gezahlt, hat dieser unter Eid erklärt, er habe zwar wiederholt mit jenem Tauschgeschäfte getätigt, aber niemals bares Geld erhalten. Da er aber jetzt das Gegenteil erklärt, hat er logischerweise einmal einen Meineid geschworen und ich dränge darauf, daß er sofort fest genommen wird.“ Der Roscho war also richtig in die Falle gegangen, die ihm der Scharfsinn Reb Aberles gestellt hatte. Wie es mm bei unseren Gerichten ging, so> ging es auch diesmal. Die Richter zogen sich zur Beratung zurück und die beiderseitigen Vertreter verhandelten miteinander, Doktor Hirschensohn riß vor den Augen der ganzen Gesellschaft das Kuvert auf, sah die Scheine noch einmal an xmd erklärte, daß er sich geirrt hätte, die Banknoten wären echt. Es kam ein Vergleich zustande, wonach das Gericht die Verurteilung anfhob und Petrowitsch statt zum Kerker zur Tragung sämtlicher .Gerichtskosten verurteilte. Die . Dinge hatten ganz den Lauf genommen, den Reb Aberle ihnen gegeben und ich war dadurch vor einem großen Unglück gerettet. Das war so wie heute am ersten Tag Chanuka, Als ich tags darauf zu Reb Aberle kam, um ihm zu danken, lehnte er jede Anerkennung ab und sagte, mir sei ein großes Neß widerfahren; das habe kein menschlicher Verstand, sondern G*tt allein zuwege gebracht. Ich meinte, solche offenbare Wunder gäbe es heute gar nicht mehr. Aber Reb Aberle holte den ״Menoras Hamoäur“ herbei und zeigte mir die Worte, welche dort die Betrachtung über Ghanuka einleitcn; : ״Der Heilige, gepriesen sei Er, tut Wunder un d Zeich en an I s raei zu jeder Z e % t, wenn die Einzelnen ihrer bedürfen,“ Und wann bedurfte das jüdische Volk und jedes seiner Kinder der Zeichen und Wunder nicht? Die Antiochusse sind — wie ich schon gesagt habe — mit dem Epiphanes nicht ausgestorben. Die gab es immer und gibt es auch jetzt noch. Aber wir werden sie allesamt über« leben! Denn auch das G h a n n k a w u n d e r geschah und geschieht immer wieder!“ J; ׳