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Jüdische Presse · 1933-03-03 · 9 (3.3.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■J*,*J1~^*** *'■«**< ־s’'- "י־ י JÜDISCHE PRESSE Nf, 9 Polnische Stimmungsbilder. 1« Nachklänge der Wiener Kultusgemeindewählen in;; Polen. y ■y * Die polnischen Zionisten haben genügenden Grund, mit den Vorgängen itt der Wiener Kultusgemeinde unnnffieäen zu sein. Wohl ließen sie näch dem Wähl־ äusgäng ein lautsehällendes Triumphgeächrei in ihrer Presse ertönen; um — vom natürlichen Parteisentiment schon abgesehen — eine für die Zionisten günstige Stirn* mung in Galicien herbeiauführen. Gort steht nämlich ein Wahlkampf zur den Kultusgemeinden bevor. Das Muster Wiens sollte nun anlockend ,wirken und die von altöSterreichischen Zeiten her noch immer auf Wien mit großem Respekt hinaufschauenden jüdischen Massen zur Nachahmung anspornen. Plötzlich wurde aber die Geschichte mit dem F r au en wähl recht ruchbar und das kam. der zionistischen Presse recht ungelegen. Die Zionisten fürchteten mit Recht, dgß nun der polnische orthodoxe Wähler sich kaum wird fangen lassen. Das Spiel wurde, wenigstens für polnische Verhältnisse, zu schnell entlarvt. Und so kam die Enttäuschung, Konnten denn die Wiener Zionisten nicht mit ihrer Wahlreform mindestens bis zum Ausgang der galizischen Kultuswahlen abwarten? Eine Kategorie von Menschen in Polen lebte aber förmlich auf, nachdem das Resultat der Wiener Kultusgemeindewahlen bekannt wurde. Es sind dies die sögenannten Portschrittsrabbiner, die angeblich eine Zusage von dem aus Galizien stammenden zionistischen Kultusgemeindeführer erhalten haben sollen, daß er Sich bestreben werde, die vakanten Rabbinerposten in Wien nur mit polnischen liberalen'Rabbinern zu besetzen. 2. Die jüdische Politik gegenüber dem Staatsbudget^ Die durch die Zionisten verursachte Zersplitterung der jüdischen Stimmen beim letzten Wahlkampf ließ die jüdische Parlamentsrepräsentanz nicht nur quantitativ zusammenschrumpfen, sondern nahm ihr auch jede einheitliche Richtung. Durch die ungeheure Wahlnieder- 1 a g e und ihre traurigen Folgen gerieten die Zionisten Bei Verstopfung nimm DARMOL in eine derart gereizte Stimmung, daß ihre Abgeordneten im Sejm jedes Maß für Anstand und’jüdische Würde verlieren. Von den Verunglimpfungen auf die Agudas Jisroel und die gesamte Orthodoxie, zu denen sie die Se jmtribüne benützen, sehen wir schön ab. Gewiß dünkt es ihnen ratsam, die inner jüdischen Streitigkeiten vor dem nichtjüdischen Forum in einem falschen Licht darzustellen, und möglich, daß sie dies als wichtiger hetrachten, als die Verteidigung der gesamtjüdischen Interessen, wovon doch vielleicht, G־tt behüte, auch ein Agudist genießen könnte. Es scheint freilich, daß die entschlossene Stellung der agudistischen Abgeordneten ihnen die Lust zu derartigen Auftritten schon nehmen wird, denn die letztens stattgefundene Kontroverse Grünbaulh—Oberrabbiner Lewin hat sowohl in der ־ jüdischen wie nichtjüdischen Oeffentlichkeit den Erstgenannten derart blamiert, den zweiten derart gehoben, daß Grünbaum kaum nochmals einen ähnlichen, für sich so kläglichen Zweikampf herbeiführen dürfte. ' Aber interessant ist es, daß die Zionisten im Sejm letztens gegen das Staatsbudget stimmten. Also eine konsequente Opposition. Es heißt demnach, die Zionisten wünschen den Sturz des heutigen Regimes herbeizuführen und reichen nun den Nälionäidemokräten und den linken Gruppen (Sozialisten, Bänernpaftei י nsw.) Tdie Hand. Wie es in Polen Aussehen könnte, wenn das heutige Regime der Opposition das Schlachtfeld räumen würde, bewies zur Gentfge die letzte Budgetdebatte i« Sejm. Die nationaldemokrätisehen Abgeordneten verlangten eine Kleinig* keit: die Ausweisung riet, Juden aus Polen, die Durch* führungydhes wirtschaftlichen Boykotts Usw. ihre linken Verbündeten gaben auch kund, daß sie in bezug auf ihren Antisemitismus als nationalistische Vollblütler gelten können. Also, diese nette Gesellschaft am Ruder Polens zu sehen, ist für die zionistischen Abgeordneten wünschenswert. Anders kann man ja die Verneinung einer Staatsnotwendigkeit wie das Budget nicht verstehen. Die zionistischen Zeitungen in Galizien Versuchten zwar zu klügeln und die Opposition ihrer Abgeordneten als ״Wohlwollende‘* oder ״wirtschaftliche“ ZU bezeichnen. Aber den Unterschied zwischen einer wirtschaftlichen und politischen Moritz Felsenlmrg - 70 Jahre alt. Herr Moritz Felsenburg, Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel, Präsident der Stumperschul, des ״Schomre-Schabbos" und der ״Einheit" feiert dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Moritz Felsenburg, der unermüd- 1 lieh zum Wohle seiner Brüder eine Segens- und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet, erfreut sich',größter Beliebtheit! in den Kreisen seiner Gesinnungsfreunde und auch alle * Andersgesinnten bringen ihm die größte Achtung entgegen. In 40jähriger Tätigkeit ist es ihm gelungen, aus der Stumperschul eine blühende Gemeinde zu machen, den ״Schomre-Schabbos" nach einer längeren Unterbrechung wieder zu reaktivieren und in umsichtiger Leitung die ״Einheit" durch die schweren Erschütterungen der Krise hindurchzuführen. Moritz Felsenburg, ein hervorragender Führer der Wiener Orthodoxie, ein תלמיד. חכם und ירא שמים hesonderen Formats, ein Mensch von besonderer persönlicher Zuvorkommenheit undT seltener Geistesschärfe und Begabtheit, war anläßlich seines 70. Geburtstages Gegenstand allseitig herzlicher Gratulationen, über die uns folgender Bericht zugeht: Freitag,'den 24. Februar, überreichte eine Abordnung der Stumperschul, der Chewra Kadischa VI-VH und des Frauenvereines VI-VII dem Jubilar einen silbernen Pokal, wobei derVizepräsident der Stumperschul, Herr Eduard Deutsch, an denselben eine herzliche Ansprache hielt. Am Schabbos fand in Anwesenheit aller Bethausmitglieder und der Vertreter vieler Vereine im Rahmen des Morgen- G-ttesdienstes eine Feier statt, bei der Herr Rabbiner Flesch eine schwungvolle Festrede hielt, in der er folgendes ausführte: יי Das Hauptverdienst unseres Jubilars besteht darin, daß durch seinen Einfluß in unseren heiligen Institutionen der unverfälschte Geist der sinaiitischen תורת vorherrscht. Unser ראש הקהל ist ein leuchtendes, Musterbild für die Gemeinde, מקריב הלק בראש ונוטל חלק בראש denn er war stets mit Freuden bereit, physische und seelische Opfer für das Hejlige darzubringen und den Geist des Heiligen auf sein Wesen einwirken zu lassen. In jeder Lage seines .Lebens erfaßte der Jubilar mit Simsonskräften die חורה ועבודה י וגמ׳ח '•׳ Säulen unseres מקדש מעט, um es vor Erschütterung zu bewahren. ויבא משה בתוך הענן ויעל אל ההר Unser Vorsteher bestieg die Höhen seiner g*ttliehen Aufgabe, wiewohl er oft von sorgenvollen Wolken tebensversicherungs- D U fl M l Gegründet Gesellschaft y j n %r 11י I A 1882 Versicherungsbestand Ende 1931 . . . . . ... . . ■ y. 2775 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . . . .... . . . . .:182 Millionen Schilling Garäntiemittel Ende 1931 . . *. .' . .................... 472 Millionen Schilling Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . . . ... . . 43 Millionen Schilling Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenlaad, Türkei, Aegypten und Kleinasien. | FEUILLETON ■ Die Chronik des Rabbi Meier Hakodosch aus Brody. (Fortsetzung.) An einem Freitag kam ein Bote vom Krakauer Statthalter mit einem amtlichen Schreiben zum Grafen. Darin stand, daß dem Grafen anbefohlen werde, sogleich nach Empfang des Schreibens, ohne auch nur eine Minute zu zögern, , mit dem jüdischen Knaben, den er bei sich habe, nach Krakau aufzubrechen, um sich dort vor dem Wojwoden zu verantworten. Als der Graf diese Vorladung las, wurde er aufs tiefste bestürzt und sein Gesicht wurde bleich wie der Tod. Er ließ anspannen und brach mit mir nach Krakau auf. Als wir in Oswiecim ankamen, begann es zu dunkeln. Wir übernachteten in ׳ Oswiecim. Am anderen Morgen, am Sabbat, bat ich den Grafen flehentlich, er möge mir gestatten, die Synagoge zu besuchen; denn mein Herz sehnte sich nach, dem G־tteshause. t Der Graf willfahrte meiner Bitte und begleitete mich nach der Synagoge. Dort betete ich unter stillem Weinen. Als die zum Gebet versammelten Juden dies sahen, weinten sie mit mir. Sie karipten den Grafen. Waren sie doch früher seine Untertanen. Sie fielen ihm zu Füßen und flehten ihn an, mich freizugeben. Doch der Graf erwiderte unwirsch: ״Laßt das Schwatzen. Jedes Wort, das ihr sprecht, ist umsonst." Als sie sahen, daß er nicht auf ihre Bitten hörte, flüsterten sie heimlich zu mir: ״Habe keine Augst! Du wirst frei sein, sobald du nach Krakau kommst.' Die dortigen Juden werden dich ihm mit Gewalt entreißen," Aber der Graf, der das Flüstern bemerkte, untersagte ihnen drohend jede Unterhaltung mit mir. Und so schwiegen sie. Als nun das Schlußgebet Olenu herankam, wollte ich das Waisenkaddisch sprechen, denn ich befand mich im Trauerjahr um meinen verstorbenen Vater, Ich bat den Grafen, er möchte mir erlauben, vor die heilige Lade zu treten und dort das Gebet zu sprechen.' Er sagte: ״Gut! Aber.bete laut und singe dabei, denn ich habe dich bis heute noch nicht singen hören, weil du immer traurig und niedergeschlagen warst." Ich trat vor die heilige Lade. Aber das Herz war mir schwer und ich konnte nicht singen. Mit leiser Stimme begann ich: ״Jisgadal . . ." Der, Graf schrie mich an: ״Singe laut!" Da aber nur meine Lippen sich bewegten, meine Stimme aber nicht gehört wurde, rief er seinen Knechten, die mitgekommen waren, zu: ״Fasset ihn und nehmt ihn fort! Er ist ein eigensinniger Bursche!" Die Knechte packten mich und zerrten mich fort. Wir fuhren ab und kamen in Krakau an. Die Straßen wimmelten von Juden. Doch der Graf untersagte mir auf das strengste, mit irgend einem zu sprechen. Inmitten der Knechte passierte ich die winkeligen Gassen des Juden- Viertels, und da ich traurig und hilfeflehend umherblickte, schlugen mich die Knechte. Dadurch wurden die Juden erst recht auf mich aufmerksam und merkten den Sachverhalt. Wie ein Lauffeuer pflanzte sich der Ruf fort: ״Der jüdische Knabe ist hier, der vom Grafen gefangen gehalten wird!" ' In Krakau hatte ich einen Verwandten, den frommen R. Todros, der dort Lehrer war. Auch meine Großmutter, eine hochbetagte Frau von achtzig Jahren, wohnte dort. Als diese die Nachricht hörten, erhoben sie weinend ihre 'Stimme, und sie und die ganze Volksmenge, die sich angesammelt hatte, umdrängten den Grafen, der sie aber mit erhobenem Säbel abwehrte. Die Menge wuchs an, ■ drohende Rufe wurden laut: ״Warten wir nicht, bis das Gericht entscheidet! Wer weiß, wie das Urteil ausfällt! Vorwärts, laßt uns den Knaben mit Gewalt dem Räuber entreißen!" Ein, wackerer Jude, I^eib Halownis, ein Hüne von Gestalt, lief, so schnell er könnte, zur Burg dös Wojwoden und holte von dort sechs Mann von der Torwache, sogenannte Heiducken, Mit ihnen kehrte er im, Laufschritt zurück, ergriff mich und holte mich aus der Reihe der gräflichen Knechte heraus. Die Heiducken deckten mich und schützten auch die versammelte Menge vor den Hieben der gräflichen Knechte, Aber diese stürzten vor und packten mich, Und so zerrten mich die einen nach rechts und die anderen nach links, Der Graf feuerte seine Knechte an und schrie: ״Haltet ihn fest! Laßt ihn nicht aus däm Irtfemätiönal bekannte« Wien 11. 0b. J1tiiäffd11«i#ii<s fa /f81. 8-45*6*84 werde« iri anerkannt geschffiädkvöllsief Ausführung A u. idealster Paßform von S 65.— äpfwärts geliefert, *.11 1110/ l nP5rt1ln«Bft Opposition zu kennen, müßte Wirklich der bekännten galizisch-zionistischen Mentalität Überlassen werden^ Oberrabbiner LeWin stimmte, wiewohl das Budget den jüdischen Forderungen keineswegs entspricht, für dasselbe, damit die Orthodoxie nicht in das unverantwortliehe Spiel der Zionisten hineingemengt Werde. Die jtidisehen Mitglieder des Regierungsklubs natürlich auch nicht anders. IschJehüdi. eingehüllt wurde; ויהי שם משה בהר מ׳ יום und behauptete sich auf ihnen, ob am Lebenshimmel der Gemelnde ומ׳ לילה die Sonne des Glückes erstrahlte oder getrübt wurde. Um unserem Jubilar den ganzen Schekel des Dankes abzutragen, müssen' Wir sein heiliges Lebeiiswerk ביהבע בי ה• מ ותית Schule trotz der furchtbaren Wirtschaftskrise erhalten. Damit erhalten wir uns selbst als würdige יהודים durch den uns zuteil werdenden g-ttlichen Segen: _ובל מי שעומקה בצ־צ באמונה ה׳ ישלם שברם In einer vom Herzen kommenden Rede dankte der Jubilar für die ihm erwiesenen Ehren. (Wir wünschen dem Jubilar, daß es ihm gegönnt sein möge, seine Tätigkeit für das Wohl des Klall-Jisroel in voller Gesundheit und seiner jugendlichen Geistesfrische fortzusetzen עמוע־ש. Die Redaktion.) Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach — 50 Jahre alt. Am 23. Schwat feierte Herr Oberrabbiner Doktor Joseph Carlebach, Altona, seinen 50. Geburtstag. Er widmete sich ursprünglich dem Lehrerberuf, wurde dann nach dem Tode seines Vaters dessen Nachfolger auf dem Lübecker Rabbinatssitz, bis er im Jahre 1922 zum Direktor der Talmud-Thora-Schule in Hamburg gewählt wurde. Im Jahre 1925 wurde er alsdann zum Ober-, rabbiner von Altona und Schleswig-Holstein berufen. Seine große Rednergabe und sCin immenses Wissen haben ihn weit über seine Tätigkeitsgebiete hinaus berühmt und bekannt gemacht. So gilt er heute in Deutschland und auch im Ausland als einer der besten jüdischen Redner. Von seiner schriftstellerischen Tätigkeit sind, besonders die in jüngster Zeit erschienenen Bücher ״Schir haschirim“ und die drei Propheten ״Jesaija, Jirmija und Jecheskel“ zu erwähnen. — Wir entbieten dem Jubilar, der auch unseren Lesern rühmlichst bekannt ist, unsere herzlichsten Glückwünsche. Erschwerung der Einwanderung von ״Kapitalisten" in Erez Jisroel. Die Palästina-Regierung hat eine Verordnung erlassen, nach der Einwanderer aus Ländern, in denen eine Einschränkung der Geldausfuhr besteht, welche sich über den Besitz eines Vermögens von mindestens 1000 Pfund ausweisen können, in Zukunft nur dann in Palästina frei einwandern können, wenn sie von ihrer Regierung die Bewilligung erhalten, ihr Vermögen nach Palästina zu bringen. Von dieser Erschwerung werden die Einwanderer aus Oesterreich, der Tschechoslowakei und anderen neun Ländern betroffen. Mledersalon LOLA GRÜNWALD $eb. Schiff Wien II, Leopoldsgasse 22 Fregoli-Gürtel in ieder Ausführung, Bastenhalter, Bauchu. Umstandsbinden Reparaturen werden exakt ausgefQhrt Zeitgemäße Preise los!“ Er lief eilends zum Stadtrichter und kehrte nach kurzer Zeit mit ihm zurück. Als der Stadtrichter den Tumult sah, rief er: ״Was ist das hier für ein Lärm und Aufruhr! Glaubt ihr denn, daß hier kein Recht herrscht? Es wird niemandem Unrecht geschehen. Kommt vor das Tribunal, ich werde dort die Angelegenheit prüfen und nach dem Gesetz entscheiden.“ Wir zogen zum Stadtgericht. Der Graf kam zuerst zu Wort, überhäufte mich mit schmähenden Beschuldigungen und stellte die unglaublichsten Behauptungen auf, durch die er sein Tun als ein recht- und gesetzmäßiges zu erweisen und alle gegenteiligen Anschuldigungen als Verleumdungen hinzustellen suchte. Die Juden sahen, daß seine Worte nicht ohne Eindruck blieben, und die Furcht machte ihren Widerspruch verstummen. Nun war unter den versammelten Juden ein Mann aus meiner Verwandtschaft, der angesehene Vorsteher R. Jakob. Er hieß im Volksmunde der ״reiche Jakob" und erfreute sich hei allen großer Achtung und Beliebtheit. Der trat vor und;nahm als mein Anwalt mein Recht wahr. Er legte nach der üblichen Formalität des polnischen Prozeßverfahrens drei polnische Groschen auf den Richtertisch und rief dann mit lauter Stimme, daß alle es hörten: ״Ich erhebe gegen dich hier 'in aller Oeffentlichkeit die Anklage, daß du ein Räuber und Frevler bist! Du hast meinen Verwandten auf offener Landstraße geraubt. Wir haben dafür Zeugen, Juden und Christen, die bei dem Vorfall zugegen waren und Zeugnis ablegen werden. Ich fordere dich für morgen früh vor den obersten Gerichtshof des Wojwoden, bei einem Pönale von tausend Dukaten, die der königlichen Kasse verfallen seien!" Er appellierte nämlieh׳ deshalb gleich, an den Wojwoden, weil er fürchtete, daß der Stadtrichter das Recht beugen würde. Die Worte des Juden. machten auf alle den tiefsten Eindruck, Der Graf geriet in die höchste Wut, daß ein Jude es wage, ihn öffentlich einen Räuber zu nennen, und erging sich in fürchterlichen Drohungen gegen ihn. Aber R. Jakob ließ sieh nicht einschüchtern, sondern rief unerschrocken: ״G-tt ist mit mir. Ich fürchte deine Wut hiebt!" Darauf schrie der Graf in den Saal hinein:' ״Wenn ich nicht mein Recht erlange, dann haue ich dem Burschen auf offener Straße den Kopf ab. Mag mir dann passieren, was da wolle!" (Fortsetzung folgt,)

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