Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 9 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zürich V1IF, 4117; für die Tschechoslowakei: ״JÜdische Presse“,Bratislava.Postspk.- ArütPragKöritO Nf. 53386 kxa n כ •ך, ווינא־פרעםבות ז׳ אדר תיצ׳ג. 19. Jahrs. Nr. 9 Wien-Bratislava, 3. März ״Draußen“ und ״drinnen“. Die interessanten Ausführungen eines bekannten deutschen Agudaführers, der sich auf der Durchreise in Wien aufhielt, sind• auch für die hiesigen Verhältnisse sehr aktuell und zutreffend. Redaktion. Es ist das Schicksal eines aus Deutschland kommenden Juden, der ins Ausland reist, daß ihn überall, wohin er kommt, die mitleidvolle Frage begrüßt: ״Was gibt es Neues in Deutschland?“ Mitleidsvoll! Denn immer zielt die Tendenz der Frage auf die politische Lage in Deutschland •hin, auf die neue Regierung, die neue Gestaltung der innerpolitischen Verhältnisse und das davon etwa beeinflußte Schicksal der deutschen Judenheit. 1. Man kann heute gewiß, wenn man diese Frage beantworten soll, kein großer Optimist sein, man darf aber noch weniger sich von dem furchtbaren Pessimismus anfressen lassen, der weite Kreise ergriffen hat, Es ist wahr, daß die deutsche Judenheit sich in schwerer Lage befindet. Das Bewußtsein, daß ein großer, großer Teil der Bevölkerung Deutschlands, . daß führende Männer der deutschen Regierung das Wort־ Jude nicht aussprechen, ohne den Begriff der Verachtung damit zu verbinden, kränkt und deprimiert. Es ist unbestreitbar, daß viel, viel Mitleid bei dieser Frage ״Was gibt es Neues in• Deutschland?“ mitschwingen muß. Und dennoch! Das große trostverheißende ״Und dennoch, auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, in Ländern, wo man sich ihnen feindlich und haßvoll gegenüberstellt“: Jüdische Menschen schöpfen aus der Gewißheit; daß G-tt sie nicht verworfen, die Kraft zu neuer Hoffnung“ 'die ' Kraft״ züm־׳ Durchhalten־. besinnung, Selbsterziehung und Selbsthilfe. Denn dies war ja nichts1 anderes als Ruf und Aufforderung, die Kräfte, die in uns sind, zu fruchitbärer Arbeit auszulösen. Ich glaube und hoffe, daß dieser! Ruf ein hörendes Geschlecht findet. Ich glaube in heiliger Ueberzeugung an den Ruf des Psalmisten: ״Du hast denen, die dich fürchten, eine Prüfung auf erlegt, daß sie i&ich durch sie bewähren, um der Wahrheit willen מפני קושט פלה“ Die jüdische Wahrheit’, die Wahrheit, die von G-tt stammt und in ,הורד und מצוה ihren Ausdruck findet, sie wird in unseren Herzen lebendig werden und Rückkehr zu Herzen finden, denen sie! bisher Verschlossen war. 4. Es sei in diesem Zusammenhang noch auf eines hingewiesen: Der jüdischen. Gemeinschaft in ihrem wahrsten und tiefsten Wesen droht mehr Not und Gefahr durch den ״Gegner von i n ii e n“ denn durch den ״Feind von außen". Die Feindschaft nichtjüdischer Gewalthaber kann in ihrer brutalen Macht, wenn auch gewiß ungewollt, vielleicht den Weg zu innerer und verinnerlichter jüdischer Gemeinschaft und Einheit bereiten helfen. Die Gegnerschaft un jüdischer Gewalthaber, die rücksichtslos das Zepter schwingen, sie droht, diese jüdische Gemeinschaft zu zerreißen und zu zerschlagen. Das Judentum kann eher den Feind von außen, als den Gegner von innen überwinden. Der Kampf, der gegen die Judenheit von außen geführt wird, weckt die Hoffnung auf ein geeintes Judentum. Der Kampf aber, der gegen das Judentum von i n n e n geführt wird, gegen seine uralten Einrichtungen, gegen den geschichtlichen Charakter seiner Gemeinschaft und Gemeinde, dieser Kampf kann führen zur Z errei ß ung,;der Judenheit. REDLER-MÖBEL behalten dauernd Schönheit und Wert Beachten Sie meine n e u e A d r e s s e :• Wien I, Sc hotten ring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied; 5.‘Aber wir hoffen auch hier! Wir hoffen, daß in diesem Kampf, daß auch in dieser Gefahr, die von ״drinnen“ droht, die Krise von der lebendigen Kraft des Judentums überwunden werden wird, die in den wahren Mitgliedern der Judenheit wirkt. Die; jüdische® ^Gemeinschaft,, die jüdische Gemeinde, sie bleibt siöh'selbst!6^׳maß, auch wenn man hundertmal versucht, Sie zu vefweltiichen, ihr ein Gesicht zu geben, das man den anderen abgeschaut hat. •־ ׳ ׳ '* Die Not von ״draußen“ werden wir überwinden im Vertrauen auf G-tt; sie wird unsere inneren Kräfte wecken helfen. Und auch die Gefahr von ״drinnen"• werden wir im Vertrauen auf Ihn zu überwinden wissen, wenn wir einig sind Und fest lind unverrückbar, und unbeirrbar in reinstem לשם שמיס unter Ausschaltung jedes persönlichen Interesses und jeder persönlichen Empfindlichkeit den Bund erneuern und festigen, den Bund aller Gleichgesinnten und Gleichgestimmten. Dann steht auch über dieser schweren Zeit, trotz Feindschaft von ״draußen“ und Gegnerschaft von ״drinnen“ das Losungswort der kommenden Tage : כשנכנם אדר מרבים בשמהה 2. Rowo, so erzählt uns der Talmud, schloß in Zeiten schwerer Not das Fenster! Das bedeutet gewiß nicht, daß er dem, was ״draußen" vorging, teilnahmslos gegenüberstand, denn R0W0 hat gewiß sein Schicksal mit dem Gesamtheitsschicksal identifiziert — das bedeutet vielmehr wohl, daß er sich nach innen konzentrierte: die Kraft des Hauses, des G-tteshauses, des Lehrhauses, des Familienhauses, die wollte er drinnen einfangen, um so für draußen gerüstet zu sein. Vielleicht rollt 'diese Schicksalswelle über die deutsche Judenheit, daß sie im Sinne dieses Wahrwortes sich auf sich selbst besinne, auf die inneren Kräfte und die innerlichen Kräfte, die ein schweres Schicksal leichter und williger tragen lassen. Vielleicht, daß man der mitleidsvollen Frage ״Wfts gibt es Neues in Deutschland?" bald die hoffnungsfrohe Antwort entgegenstellen kann: Sich selbst begreifendes Judentum breitet sich aus, die JÜdischkeit nimmt zu in den Gemeinschaften, Gemeinden und Familien, der Wille, die in der jüdischen Seele schlummernden Kräfte zu wecken und zu heben, hat an Stärke und Kraft zugenommen! Vielleicht, daß man auf die mitleidsvolle Frage bald hoffnungsfroh antworten darf: Neu ist an der Lage der deutschen Juden, daß ihr Wille zur' Einigkeit stark geworden ist und daß diese Einigkeit nicht durch die Gemeinsamkeit des Leides und Leidens bestimmt wurde, sondern durch die Gemeinsamkeit der religiösen Ueberzeugung: G-tt und Sein Gesetz! Däs allein ist der Boden, aus dem diese Einheit und Einigkeit erblüht. 3. Jeder Mensch sieht die Dinge von seiner Warte. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß Agudas Jisroel die einzig mögliche Organisationsform des jüdischen Volkes ist, und frage mich darum: Besteht die Hoffnung, daß aus der deutschen Agudas Jisroel heraus Kräfte wachsen, die den eben gekennzeichneten Weg nach innen und nach oben bereiten helfen? Und ich bejahe die Frage! Es ist ein heißer Wille lebendig in unseren Alten und in unseren Jungen. Dieser Wille ist in der jüngst veröffentlichten Kundgebung der deutschen Landesorganisation zum Ausdruck gebracht worden, da sie die deutsche Judenheit aufrief zur Selbst- Feine Damenmoden F. Wien II. Fernruf: A-45-6-49 Hollandstrade 1 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln und Kostümen, Blusen; Schoßen, Schlafröckeri, Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten: Separate Maßabteilung.' (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner ,persönlichen Leitung gearbeitet.) SohaatneMrei. w Aus Erez Jisroel. Die jüdische Industrie macht große Fortschritte und vergrößert sich von Tag zu Tag. Im allgemeinen haben sich die Ansichten bezüglich der Zukunft des Landes geändert. Während, früher Erez Jisroel nur als Kolonisationsland angesehen wurde und die ganze Wirt- Schaft, auch die spärlich vorhandene Industrie, von den Erfolgen der landwirtschaftlichen Arbeit abhängig war, haben sich die Verhältnisse so entwickelt, daß heute Erez Jisroel bereits eine breitverzweigte I n d us t r i e besitzt, die unabhängig von der Aufnahmsfähigkeit der heimischen landwirtschaftlichen Bevölkerung ist und ihre Erzeugnisse in das Ausland exportiert. Die geographische Lage des Landes — Erez Jisroel ist geradezu das Tor des Nahen Ostens und Afrikas — ist natürlieh für den Export sehr günstig. Natürlich vermindert die industrielle Entwicklung die landwirtschaftlichen Aussichten nicht. Im Gegenteil. Das Ansteigen der Industrie und die von ihr beschäftigten Menschen vei’größern das Absatzgebiet der jüdischen Kolonisationsarbeit. Ferner gibt es verschiedene Inäustriezweige, die landwirtschaftliche Produkte verarbeiten. Allein Tel-Awiw besitzt T050 kleinere und größere gewerbliche Unternehmungen, die 5000 Arbeiter beschäftigen. Die Jahresproduktion der Tel-Awiwer Betriebe übersteigt 1 Million Pfund. . Auch in Jerusalem wurden letztens verschiedene neue Unternehmungen gegründet, obwohl Jerusalem von dem gewerblichen Aufschwung des Lahdes weniger zu spüren bekommt. Jerusalem besitzt zwei große Nachteile: die Wassernot und die hohen Frachtspesen vom Hafen und zum Hafen. Vor kurzer Zeit wurde eine Porzellanfabrik gegründet, die hauptsächlich Keramik-Kunstgegenstände herstellt. Die Fabrik steht unter Leitung eines deutschen Fachmannes. In Tel-Awiw wird jetzt eine Fabrik für trockene Batterien und eine Säckefabrik* errichtet. Besondere Entwicklungsmöglichkeiten werden Haifa zugesprochen. Haifa, die Hafenstadt mit direkten Bahn* Verbindungen nach den Ländern des Ostens, ermöglicht der Industrie beim Import und Export eine Verminderung der Spesen und ist daher der günstigste Ort für Industrie■• anlagen. Die Iraker Naphtha-Gesellschaft, die eine Röhrleitung von Mossul nach Haifa legt,* hat in England für 160.000 Pfund Stahl für die Oel-Anlagen bestellt. Eine Haifaer Metallfabrik arbeitet in drei Schichten für die Iraker Gesellschaft, beschäftigt jedoch wenig Juden, weil es nur sehr wenig qualifizierte jüdische Metallarbeiter gibt. ,; Die Palästina-Regierung beschäftigt sich mit einem ihr gemachten Vorschlag, der ■ Industrie für Rohmaterialien, die vom• Ausland eingeführt und im veredelten Zustand ■ wieder exportiert werden, die Zölle zu erlassen. Bisher gab. es diese Begünstigung in Erez Jisroel nicht. Es ist klar, daß die palästinensische Industrie durch eine solche Begünstigung im Ausland bedeutend konkurrehzr fähiger werden würde. Wiener Agudisten nach Erez Jisroel , abgereist. Es war ein herzlicher und feierlicher Abschied, den die zahlreich am Dienstag abends am Südbahnhöf erschienenen Mitglieder der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe von einigen ihrer Chawerim nahmen, die sich auf den Weg nach dem heiligen Land gemacht haben. Es sind — man darf .es sagen — die ersten Pioniere der Wiener ' Aguda, denen die große und schwere Aufgabe zufällt, vorbereitende Arbeit für die Ansiedlung weiterer4 agudistischer Jugendlicher zu leisten. Dem ,Schnellzug waren zwei Sonderwaggons für Erez-Jisroel-Reisende angeschlossen und eine unübersehbare Personenanzahl der verschiedensten Richtungen (man schätzt auf 1200) hatte sich am Bahnhof eingefunden. Unter ihnen waren es allerdings die Mitglieder der Wiener Jugendgruppe, etwa hundert an der Zahl, die das größte Aufsehen durch das Absingen der Aguda-Hymne und ״l׳Schonoh habooj b’ Jeruscholajim“ und durch ein chassidiscla-feuriges ״Rädl" erregten, bei welchem die schüchternen Versuche' einiger Zionisten,, die ״Hatikwah“ anzustimmen, kläglich mißlingen mußten. ' , d• Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien 1י Obere Donaustraße Nr. 69 (Eingang Floßgasse Nr. 1 EINLADUNG zu der MOZZE-SCHABBOS, den fl. MÄRZ d, J., um 8 Uhr abends im Festsaale des. HOTEL POST, I, Dqachengasse (Fleischmarkt); stattfindenden PURIM- Erstklassiges Programm / Karten zürn Preise von Sl,-, 1,5011,2.-(Dapien und Herren) allabendlich im Loka1 der jugendgruppe zu haben, Karten 1 echtzeitig sichern Ein Teil des Reingewinnes fließt dem KEREN HA- JISCHUW der Agudas Jisroel zti Im redaktioheMen Teil enthaltene entgeltliche Notizen sind durch ein nachgesetze^ E gekennzeichnet. eine individuell il erhält bei mir . sc Kt du Innerhalb I stuiiciDil ׳Gesichte entsprechend modellierte Besitze* derweltbekannten Rerikken-Kunitwerkitätte i, Kärntnerring' ö .“1HIV Vv