Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 5 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kt, 4 Und in Wien? Die LT;A. meidet aus Jerusalem: Hier Veflaütet» daß die neue. VefoMüting über die M u »12 i p ä I i t ä t c ft in Palästina den F rauen weder das aktive noch das passive Wahlrecht zuerkennt, sondern statt dessen dem Hlgh Commissioner die Entscheidung darüber läßt, Ob Frauen wählen oder gewählt werden dürfen. Eingeweihte Kreise nehmen an, daß der Hign Commissioner es wird vermeiden wollen, daß ein Unterschied zwischen den flechten jüdischer und ara* bischer Frauen gemacht wird, und, da arabische Frauen nach moslemitischer Tradition ah öffentliehen Angelegenheiten nicht teilhaben dürfen, auch jüdischen Frauen das Wahlrecht vorenthalten wird. Und in Wien? Hier beschließt eine zionistische Mehrheit, den Frauen das passive Wahlrecht in die ״K e h i 11 a“ zu geben, obwohl sie weiß, daß sie damit gegen die Religionsbestimmungen verstößt. Religion ist eben ״Privatsache" — und die ״K u 11 u s״gemeinde — auch? T. Aach ein ״Fachmann*'! Man ist es seit langem gewöhnt, daß Persönlich- Reiten, die auf irgend einem Gebiete eine führende Stellung einnehmen, von Reportern und Pseudojoumalisten über Dinge ״befragt" werden, von denen sie keine Ahnung haben und denen sie vollkommen fremd gegenüberstehen. ‘Manist es‘־.auch־> gewöhnt, ׳daß diese Persönlichkeiten ״ Antworten" gnädigst zu geben geruhen, die, von keiner Sachkenntnis getrübt, lächerlich wirken müssen und den Interpellierten auch auf seinem Gebiete herabzu- Würdigen geeignet sind. So der Fall mit Bemard Shaw. Einem Vertrqter der J. T. A. gegenüber sprach sich dieser berühmte englische Schriftsteller über die Judenfrage folgend aus: ״. . .. . Die Juden dürfen nicht glauben, daß sich G-tt einzig auf Jerusalem konzentriert (wann haben die Juden dies geglaubt?). Der jüdische G־tt dieser Vor- Stellung ist.ä 1 tmodisch. Gibt es einen G־tt in Jeru- salem, so gibt es denselben auch in Sheffields oder Leeds. Die Juden täten besser, sich dem Volke, unter dem sie leben, zu assimilieren. Daß die Juden irgend ein historisches Recht auf Palästina haben, nehme ich nicht an. Die Juden bemächtigten sich, in der Geschichte Palästinas, wie die Engländer sich Indien bemächtigten. Die Juden waren stets ein '• schwer lenkbares Volk. Ich glaube nicht, daß . die Juden eine besondere Mission zu' erfüllen haben. ־ Das ist alles nur Mythos. Die Juden glauben noch immer, das^auserwählte Volk G-ttes zu sein. Das-ist ein Aberglaube. Ich sehe die Endlösung der Judenfrage in der M i s c h e h e." Gewiß, verehrter Herr Shaw, wir sind die letzten, die glauben, daß G-tt nur in Jerusalem wohnt. Iftx Gegenteil, •gerade wir sind .es, die an die Allmacht und Allgegenwart G-ttes מלא בל העולם כבות glauben. Ob,.aber wir Juden ein auserwähltes Volk sind, ob wir ein historisches Recht auf Palästina haben und ob die Juden eine besOndere Mission zu erfüllen haben, darüber werden wir mit Ihnen nicht polemisieren. Wir weisen es aber auf das entschiedenste zurück, uns von Ihnen Ratschläge für die Lösung der Judenfrage geben zu lassen. Ueber die Assimilierung unter den Staatsvölkern und über die Mischehe machen wir' uns unsere eigenen Gedanken. Ihnen aber, Kferr Shaw, können wir nur sehr warm empfehlen: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Und der J. T. A. geben wir auch einen kleinen Rat: Will sie Shaw interpellieren, dann möge sie ihm Fragen stellen, von denen er mehr versteht als von der Judenfrage; will sie sich aber über die Judenfrage informieren, dann suche sie andere Persönlichkeiten, vqr allem•־ jüüis c h e, , die im Judentum verankert sind. . ־:;.V T. s che c 11 o s I o wakei Jüdische Angelegenheiten vor Was Abgeordneter Dr.^ Goidstein ^fordert“. Die tschechoslowakisch611 Sozialdemokraten sind ״gütige", entgegenkommende Menschen. Sie haben den Abgeordneten der sogenannten ״,Jüdischen Partei/‘, Dr. Angelo G o 1 d s t e i n, einen Prager Advokaten, der mit Hilfe der polnischnationalen Parlamentspartei von Schlesien Sitz und Stimme •im tschechoslowakischen Parlathent erhielt, in den ßudgetauschttß delegiert und ihm Gelegenheit gegeben, vorige Woche in diesem Ausschuß bei der Behandlung des Schuletats eine Rede zu halten, selbstverständlich im Name n der Juden in d i e se r Republik. Er hat große Worte gesprochen, Ansichten dargelegt, jüdische und außer jüdische Anschauungen und Zustände kritisiert, Forderungen aufgestellt, Lob und Tadel nach rechts und nach links, resp.י nur nach links großmütig ausgeteilt und an den Grundanschauungen des Judentums, des jüdischen Volkes, des ältesten Volkes der zivilisierten Welt, Selbstschändung geübt י— selbsrtve r s tändlich af.|es äm /Namen der Ju!d'e!n dieser Repülbl^k. Das ist schon so die gewohnte Art der Zionisten Wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, vor einer nichtjüdischen Zuhörerschaft, die von der Lebens- und ׳Gedankenwelt des historischen jüdischen Volkes keine Ahnung hat, das Ventil ihres Urijudentums zu Öffnen und große Worte zu sprechen, die mit dem, was das jüdische Volk, das wirklich jüdische Volk, hier in den Grenzen der tschechoslowakischen Republik ■und außerhalb derselben tatsächlich denkt und wünscht, was ihm wirklich. Lebensbedürfnis ist und am Herzen liegt, nicht dasgeringste ge m.e in hat. Abgeordneter Dr. Angelo Goldstein sprach, was er sprach, im Namen der Juden. Er sprach nicht nur, sondern er fand auch den Mut, diese seine Etatrede in der jüngsten Nummer, der: ,״Selbstwehr" ׳im Wortlaut zu veröffentlichen. Er tat dies öffenbar mit dem Zwecke, uni dadurch den Anschein zu erwecken, als ob er das, was er sprach, berechtigt gewesen wäre, im Namen der Juden dieser Republik zu sprechen. Und weil er in dieser seiner Rede u. a. auch einige wenige Sätze sprach, die auch von einem wahrhaft jüdisch .;denkenden Mitglied der jüdisehen Glaubensgemeinschaft; in der tschechoslowakischen Republik hätten gesagt werden können, so glaubt er wohl, in der Deckung dieser wenigen Sätze all das, was er sonst noch ׳in seinern zionistisch-inationalistischen Herzen für Sonderwünsche trug, hinausschießen zu dürfen, ohne fürchten zri:>1riüssen, von der jüdischen Oeffentlichkeit desavouiert;lzu werden. Er soll sich diesmal wieder arg getäuscht;?haben. Er wird gefälligst zur Kenntnis nehmen müssen, ebenso wie der Budgetausschuß, vor dem er seine ״ Rede‘ hielt, . erfahren müssen wird, daß er diese seiheRede keineswegs im Namen der G e s a'm.tb?e i t d e r t s c h e ch o s 1 ow a.k ij s c<lt.e n ,Lu.de.iL'rhiaJj.e^; ,d u ת f-t e.. Seine ,Rede war nicht die ׳Rede* eines ,Juden, :der im Judentum uhd für das Judentum, das : Jüd i ,s c h e Judentum, lebt, sondern die Rede eines, zionistischen Agitators, der hochtrabende Schlagworte, politische 'Phrasen, nationalistische Anschauungen, antikonfessiönelle Redewendungen und religionswidrige Forderungen aus einer nichtjüdischen Umwelt, wo sie aus einem bestimmten Gesichtswinkel ■heraus vielleicht ein gewisses Maß von zeitgemäßer' Berechtigung haben, auf. jüdische Dinge überträgt, ohne vom eigentlichen Wesen ^dieser jüdischen Dinge, von denen et* vor einer nicht jüdischen Zuhörerschaft zu sprechen .wägt, von ihrern Wahrheitssinn, von ihrem ewigen Wert für das Volksleben auch nur das geringste zu -verstehen. Die Forderungen, die der Abgeordnete der ״Jüdischen Partei“ Dr. Angelo Goldstein namens der Juden der tschechoslowakischen Republik stellte, sind n i c'h't' die Forderungen d<pr Juden der tschechoslowaki- Aussprüche aus Talmud und Midrasch. Genug der Plage An ihrem Tage. Warum?schon heu t’ um kün f t i g,Leid die Klage? ... . * Durch groß're Liebe zeichne nie im Haus Der Söhne einen vor den andern aus. Von Jakob lern’s! Zwei Sela nur an Seide Gab er dem Liebling Josef mehr zum Kleide, Die Brüder sahen es mit Neid und Hohn, Verkauften ihn in der Aegypter Fron, Und bald lag Israel im Sklavenkleide. * Dem Siegel, das der Schöpfer trägt, Ist Wahrheit, Wahrheit eingeprägt. «־ Die sich bedrücken lassen, selbst nicht drücken, Die stumm ergeben tragen Hohn und Spott, Die alles 'tun aus Liebe nur zu G-tt, Die freudig sich in alles Unglück schicken —, Sie sind es, die der Satz der Bibel meint: ״Einst strahlt wie Sonnenlicht der G-ttesfreund." * ־ Laßt Tränen nur beim Tode eines Frommen Die Wangen reichlich euch; benetzen! . Sie werden wohlgezäblt und aüfgenommen . Von G-tt zu seinen Himmelsschätzen. Dreist drängt sich vor Der gemeine Tor. ׳ ' Die Medizin, die jederzeit Am besten heilt, ist — Schweigsamkeit. Das Wort gesprochen einen Sela wiegt, Zwei Sela doch, wenn lieber ihr's verschwiegt. * ״-״.■,׳■■־ Ein Weiser sprach, wenn er zum Schlaf ״'. Sich legte nach des Tages Mühen: ׳ ",,Wer heute mich durch Kränkung traf, Ihhi sei aus voller Brust verneben." Das Diesseits יeiner Herberg'*flüeht’ge Rast, Das Jenseits — eigentlicher Wohnpalast. Mar Ukba. fromm, gelehrt, der Armen Freund, liegt auf dem Sterbebett und klagt und weint; iZu weiten Reise rüstet sich mein Schritt, ,;Und ach — wie wenig Zehrung aeh'm ich mit!“ Ane k d o t e ni Prompte Zahlung. In einem Charlottenljurger Miethaus wohnt in der zweiten Etage ein adeliger. Major. Verarmt,י,,,mit, einem Schrank voll abgetragener •Kleidung, einer Bibliothek voll überholter Bücher in Goldschnitt und einem festen Glauben an G-tt und die Renaissance der Reaktion. Sein Wohnungsnachbar * auf der anderen Seite ist der Zahnarzt Dr. Lewin. Auch sonst als Israelit kenntlich. Der Sohn des Majors bekommt in einer stürmischen Märznacht heftige Zahnschmerzen. Majorvater bedauert, daß der Sohn keine Disziplin in den Knochen habe, aber heute soll er 'nochmals zum Zahnarzt gehen י dürfen. Wohnt doch gleich nebenan der Jude Lewin: Gut genug zum Nacht- Behandeln. Dr. Lewin stehtauf, um zwölf Uhr des Nachts, behandelt Major filius, setzt die Behandlung noch einige Tage fort und schickt schließlich (Jude!) eine Rechnung. Major selbst geht mit knarrenden Stiefeln in die Wohnung des Nachbars und zeigt die leeren Taschen. Geld haben hur die anderen. Major bedauert sehr. Statt dessen aber hat er einen Zettel mitgebracht, den sich׳ Herr Doktor aufheben .soU . . . Dr. Lewin entfaltet den schon mit zittrige# Schrift bedecktem.Zettel und liest: ״Dr. Lewin hat meinem Sohn in einer Notlage einen großen Dienst erwiesen. Er ist daher als Schutzjude im Dritten Reich mit‘׳Schohung zu behandeln.;Heil Hitler! Major v. Langkau." * . , ■ Die drei Eigenschaften. Als die RabbinersteÜe in Krotoschin frei wurde, meldete sich der Raw aus 'Jarotschin schriftlich als Kandidat. Der Vorsteher von Krotoschin schrieb an den Vor- Steher von Jarotschin uncj bat um Auskunft über das Wesen und die Gelehrsamkeit des Kandidaten, Er erhielt folgende delphische Antwort; ״Der Raw besitzt drei große Eigenschaften, eine von Alexander v, Humboldt, eine von Rabbi Akiba Eiger und eine sogar vom lieben Uj-tt “ > Der, Raw wurde daraufhin angestellt, aber als er persönlich erschien, war man bitter enttäuscht. Wütend wandte sich der Farnes an den Vorsteher von Jarotschin, wie er ihm eine so falsche־Auskunft geben konnte. Der aber antwortete; ״Was ich schrieb, stimmt ganz genau- Der Raw besitzt eine Eigenschaft von Humboldt, er versteht wie jener nichts von jüdischer Gelehrsamkeit. Er besitzt eine: Eigenschaft von ' Rabbi Akiba Eger, er versteM kein Deutsch. Und schließlich besitzt er eine Eigen- Schaft vom lieben G-tt; er ist kein Mensch.“ F. S. sehen Republik, nicht der Juden, die jüdisch denken, jüdisch fühlen, jüdisch leben Und auch iti Zukunft jüdisch denken, jüdisch fühlen und jüdisch leben wollen. Sie sind nicht die Forderungen der Juden innerhalb der Grenzen dieser, Republik, die vorbehaltslos und ohne Einschränkung, mit ■ihrem ganzen Sinnen und Trachten, in ihrem ganzen Handeln und Wandeln im historischen Judentum wurzeln. Sie sind im besten Falle arigelerrtte, eingepaukte, einer fremden Welt entlehnte Schlagiwörter der Zionisten ünd auch noch nicht einmal derjenigen Zionisten in der tschechoslowakischen Republik, deren Wiege in glaubenstreuem Milieu gestanden hat und die im Gewoge der zeitgenössischen politischen Bewegungen den historischen Boden des wahren Judentums unter ihren Füßen nicht verloren haben. Abgeordneter Dr. Angelo Goldstein hätte von der Redeerlaubnis, die ihm der tschechoslowakische sozialdemokratische Klub im Budgetausschuß verschafft!hat, nur in seinem eigenen Namen und bestenfalls im Namen von seinesgleichen, aber nicht als Sachwalter der jüdischen Allgemeinheit Gebrauch machen ,dürfen. Tat er es ׳dennoch, so wird er es sich gefallen lassen müssen, ■daß ihm von jedem, der mit den Reohtsforderungen der Juden in dieser Republik besser vertraut äst als er, wieder einmal deutlich und entschieden ein ״H;an d w e g!" zugerufen wird. Abgeordneter Dr. Angelo Goldstein legte besonderes Gewicht auf die Rechtsforderungen, die angeblich vom der jüdischen Gesamtheit in dieser Republik als ״M Inder heitsnationalätät“ auf Grund von Be- Stimmungen der Friedensverträge, der Verfassungsurkunde und von Beschlüssen der staatsgründenden Nationalversammlung geltend •gemacht werden. Es soll hier heute in diesem Zusammenhang gar nicht bestritten werden, daß der-jüdischen G e s a m t h e i t dieses Staates, wenn sie wäll und darauf Anspruch erhebt, vielleicht das Recht zusteht, in diesem Staate auch als!gesonderte politische!, ,״*nationalej ,Minderheit!" lauf den Plan zu treten. Aber nur — wie gesagt — wenn sie wä 11 und darauf Anspruch erhebt. Wüßte aber der Abgeordnete der ״Jüdischen Partei" Dr. Angelo Goldstein vielleicht auch das große Geheimnis zu verraten, wann und wo, in welchen Kundgebungen und welchen Beschlüssen, in welcher Versammlung oder auf welcher legalen Tagung die jüdische Gesamtheit in dieser Repu- .blik einen solchen Willen ־ und solchen Anspruch zum Ausdruck gebracht hat? Wann und wo und bei welcher Gelegenheit haben namentlich die thoragemäß gl au be n s t r eu e n Juden dieser Republik, also die vielen .tausend Juden, die voll und ganz mit dem jüdisehen Dasein verknüpft sind und ihre Ansichten und Anschauurigen über Juden, und Judentum nicht erst durch den 'modernen, ,■,national“ . eingestellten Antisemitismus der änderen Nationen sich zürechtzimmern ließen, erklärt, daß sie ihr bisheriges organisatorisches Verhältnis der r e 1 i g i ö s e n Minderheit gegenüber den anderen Bürgern dieses .Staates der ״riationalistischen“ Welle. zuliebe nach zionistischen Wünschen in ein Verhältnis der politischen und kulturellen' ״nationalen M i n d e r׳h ei t" ürrizutauschen gewillt und alle Konsequenzen, die sich daraus für das politische, religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Leben der Juden in diesem Staate ergeben würden, auf sich zu nehmen geneigt seien? Wer gibt dem Abgeördneten Dr. Angelo Goldstein auch nur den Schatten, den leisesten Hauch eines Rechts, seinen persönlichen, zionistischen Wunsch der, jüdischen Gesamtheit zu unterschieben und vor einem Aiistausch des tschechoslowakischen Parlaments die gesetzlich auf granitener Basis -fundierten und längst äns Bewußtsein der gesamten Bevölkerung eingedrungenen Rechte der jüdisehen Gemeinschaften und■ der jüdischen Eirizelpersqnep in dieser Republik dadurch zu erschüttern, daß er die Umwandlung der jüdischen!Gesamtheit von der tatsächlichen und historisch berechtigten r e 1 ig.iösen Minderheit in eine zionistische, mit politischen Allüren ausgestattete ׳״n a t ׳io n a 1 e Minderheit“ fälschlieh als vollzogene Tatsache• hinstellt, und auf Grund dieser politischen Erdichtung an die tschechoslowakische Gesetzgebung mit vorlauten, überlauten Forderungen herantritt? Freilich, der Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein und die Zionisten, die sich von ihm vertreten lassen, bedürfen jetzt dieser politischen Umwandlung der jüdisehen Glaubensgmeinschaft in ihrem Verhältnis zum Staate;in eine politische ״nationale Minderheit“, weil sie vom Staate aus den Steuergeldern der Juden eine Zu- Wendung für die ״hebräischen“ Schulen ■und das ״hebräische“ Gymnasium in Mukaqevo (wohlgemerkt: ״he- ,bräische" und beileibe nächt jüdische!) herausbekommen möchten. Für das teilweise allerdings verbesserungsbedürftige, aber im Wandel der Zeiten vielfach bewährte konfessionell-religiöse jüdische Schul werk der jüdischen Gemeinden und der tatsächlichen jüdischen Gesamtheit fand er in seiner wortreichen Auschußrede nicht eine S i l'b e^des Schützes in der Gefahr, in der sie sich infolge des vorbereiteten neuen ׳Schulplans befinden. Die konfessionellen Schulen, die auf der alten, historischen Grundlage des Judentums erzieherisch und auch vom Gesichtspunkte des Staates manch Ersprießliches wirken, existieren einfach für den zionistisch-nationalistischen Abgeordneten Dr. Angelo Goldstein nicht. Dagegen tat er so, als ob in der Dotierung der paar ״hebräischen“ Schulen in Podkärpatska Rus, die kein Jude ,wünscht, kein Jude braucht und die dem Judentum nichts nützen und nicht? frommen u׳nd überhaupt nichts anderes sind als parteimäßige zionistische Agitatipnsmittel ohne irgendwelche religiöse oder kulturelle Bedeutung für das Judentum, ein Anliegen der jüdischen Gesamtheit zu erblickeri wäre. Wenn das, was der Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein über die innerjüdische und die außerjüdische kulturelle/ Bedeutung dieser Schulen vorgebracht hat, s e i n e r Meinung nach richtig Ayare, weshalb ״ errichten Dr, Goldstein und seine zionistischen Gesinnurigsgenossen solche ״hebräische“ Schulen nicht bei sich zu Hause in Prag, Brünn, Leitmerit^ Pilsen, Frößnitz, Olrnütz, Reichenberg usw., wo doch ein klein wenig Judentum und jüdische Kultur wahrlich not täte und wo düs ׳Erlöserwerk des Zionismus vermutlich vielleicht; nicht so entschieden abgelehnt würde, ■wie es in den Gegenden der Republik von der Judenschaft geschieht, wo man vom