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Jüdische Presse · 1933-02-03 · 5 (3.2.1933) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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INLAND Der Hirteflbfief des LittzerBigphofs. Weit übet■ die׳ Kreiäe der jüdische« Bevölkerung Oestesreicfts hinaus hat der ■jüngste Hirtenbrief des Linzer Bischofs Dr. Gf öllne r berechtigtes Aufsehen und heftigsten Widersprach erregt Dr. Gföliner verarteilt in seihettt* M$e«brtefläe« iNatiofiÄlsd^dßsriiM als unchristlich, richtet" aber Selbst schwere Angriffe gegen das Judentum, die vollkommen aus' der ״Luft gejj^iffen sind und jeder Grundlage entbehren. Er geht sogar so weit, dag er Ausnahmsgesetze für die Juden verlangt, sie in ein Ghetto Weisen und ihnen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung entzogen sehen wilb Der Hirtenbrief hat einen begreiflichen entschiedenen Proteststurm ent fesselt. Die ״Union österreichischer Juden“ hat eine Protestresolution veröffentlicht, in welcher die schweren und vollkommen unhaltbaren Anwürfe gegen das Judentum entschieden zurückgewiesen und verurteilt werden. Ob es gerade richtig war. eine Protestversammlung einzuberufen, wie dies der ״Bund jüdischer Frontsoldaten״ tat, bleibe dahingestellt. t In ‘ einem angenehmen Gegensatz zu diesem Hirtenbrief steht der höchste christliche Würdenträger Oesterreichs. Dr. Innitzer. Er, der gewiß ungleich mehr Gelegenheit hatte, das Judentum, wie es wirklich ist Und lebt, kennenzulernen, als der Linzer Bischof, weiß die aufbauenden, religions- und staatsbejahenden Kräfte des jüdischen Volkes zu würdigen und steht in dankenswerter, aufrichtiger Loyalität dem Judentum gegenüber. Von der Wiener Aguda. Sonntag-Nachmittag-Vorträge werden wieder veranstaltet. ‘ Einem vielfach geäußerten Wunsche Rechnung tragend, hat der Vorstand der Agudas Jisroel beschlossen, im heurigen Winter die beliebten Sonntag-Nachmittagvorträge wieder zu veranstalten. Diese Vorträge finden jeden Sonntag um 6 Uhr nachmittags im Vortragssaal der Agudas-Jisroel-Ortsgruppe, Wieh, II., Leopoldsgasse 16, statt. Die Verlautbarung des Redners erfolgt stets in der ״Jüdischen Presse“. -;׳'.’ ' Diese Vorträge sollen vor allem die Mitglieder.der Agudas Jisroel wenigstens einmal in der Woche zusammen-! bringen und sie über die aktuellen Tagesfragen, im Lichte , der orthodoxen Judentumsidee gesehen, informieren. 1 ■ . Den ersten Vortrag hält am Sonntag, .den; ...5. Februar, Herr Rabbiner Dr. Jo.e 1 Po 11 ak, über das Thema: ״Antisemitismus und Ortho-; doxie“. Angesichts der jüngsten Ereignisse im Deutsehen Reich und der sich auch hier verstärkenden antisemitischen Welle, verdient dieser Vortrag besondere Be- . achtung. Erez-Jisroel-Arbeit in Wien. Ep nimmt nicht wunder, daß gerade in letzter' Zeit, sich in den Reihen der orthodoxen Jugend eine stärkere Sehnsucht nach dem Heiligen Lande bemerkbar; maqht. Zu der ide;elle1i Sehnsucht, die der tiefen Liebe zu EfCz Jisroel entspringt; haben sich'rin' letzterer: Zeit . wir t s chäftli eh e Momente gesellt, die Aus-: sichtslosigkgit auf ein geregeltes Erwerbsleben, der fast; jeder׳ zweite heute gegenübersteht. Und ebenso wie das; ideale. Motiv s t ä r k e r und intensiver bei der ortho-; doxen Judenheit zum. Ausdruck kommt als bei allen; Aus dem Leserkreis Soll unsere Jugend studieren? Diese Frage stellt die ״Neue Freie Presse“. ihren Lesern zur Diskussion. Studiert man die Fülle der Ein- Sendungen, die natürlich religiöse Gesichtspunkte außer acht lassen, so findet man, daß fast allgemein die Frage wegen der Aussichtslosigkeit der akademischen Berufe verneint wird. Wie sieht es nun bei der orthodoxen Elternschaft aus? Religiöse Bedenken werden kurzerhand in' den Wind geschlagen und die Bedenken anderer Art verhallen ebenso ungehört. Welchen Einfluß übt aber das Gymnasium auf die Religiosität unserer Kinder? Die schwere Wirtschaftskrise erschwert besonders die Kindererziehung. Diesen Umstand nützen die äntireligiösen Vereine aus, um die Jugend in ihre Reihen zu bringen. Eines aber hat uns die Jugend bisher erhalten — Limud Hathora, emsiges Lernen. Das Studium; zur Matura aber erfordert höchste Geistesanspannung■: . und für die Thora fehlt dann dem Kind die Konzentration. Und wie sieht es in diesen ״höheren“ Schulen aus?! Umgeben von Mitschülern der verschiedensten politischen Färbungen; von antisemitisch eingestellten Lehrern wird; das Kind wegen seiner religiösen Handlungen verlacht und verfolgt. Die eine Stunde, die der Hauslehrer mit dem Kind täglich lernt, soll dem Kind soviel Messiras hanefesch eingeimpft haben, daß es die 5 bis 6 Stunden Verspottung ertragen soll? Die Schule, die den Schabbos zum Werktag sinken läßt, trägt nicht wenig dazu bei, ׳ daß das ohnehin schwache Band Zwischen Kind ־ und Judentum — reißt. Manche Eltern glauben nun, wenn sie ihr ■Kind in das Chajes-Gymnasium schicken, das Schabbos-, freiheit bietet und jüdische Erziehung verheißt, das <;Richtige, getroffen zu haben. Mit der Schabbosfreiheit 1 stimmt es, aber wie sieht es mit der ״jüdischen“ Erzie- } . hung aus? Hier einige Beispiele; Eine Professorin, heiße Zionistin, versetzt die ״Entstehung“ der Thora in die Zeit, wa die Juden bereits ... in Erez Jisroel waren. Verstehen wir die Tragweite dieser . Behauptung: Leugnung des G-ttesursprunges der Thora, Leugnung der Ueberlieferung durch Mosche, ״Ent- stehung“ — also Geistesprodukt einzelner Menschen. Und ein anderer stellt unsere Geraoro als ״märchenhafte Ausdeutung“ der Thcra hin. Kurz, hier herrscht rein ׳ zionistischer, apikorsischer Geist, hierher paßt unsere Jugend. am wenigsten, denn von jüdisch e » Lehrern solche Aeußerungen gehört, verfehlen - selten ihren Zweck. ״ ״* ■ '.*■■־■. ״ '•'■■■■ . ׳ . , Wenn Eltern die Tatsache ins Auge fassen, daß in den letzten Jahren von allen Ohajes-GypmasiüinabsoL venten nachgewiesenermaßen kaum ein Prozent* in unserem Sinne jüdisch-geblichen ist, wenn sie die War« nungen der ״Ueuen Freien Presse“ beamten, wenn sie . in ־Betracht ziehen;;daß doch nur das Thorastudium die Jugend dem Judentum erhalten hat, י dann werden sie wissen, wohin ihre Jugend gehört ־— in die Talmud-Thora und in die Jeschi wo [ ׳:';■H* anderen Gruppen, 00wirkt־sfeh auch die Wirtschaftskrise in diesen Bemen doppelt Ä und wirkt somit äüß& doppelt in׳ der *Mehlung eiöer Erweiterungen«(! stärkeren ^tfÄtüfig l# EÄl^JisleePAr6dt ׳■* "Die neugeblldete E re z' - J i s r o e 1 - K 0 m m i s- Sion der jLguda-Jugendgrappö hatte für vergangenen Sonntag eine Mitgliederversammlung einberufen. Der Einladung haben viele Mitglieder Folge geleistet, Nach einem interessanteh Peferat des Herr« Elleier Bbjre;0r setzte Herr David *fü rkl ^Me praktischen Ziele' der Erez-Jisroel-Komfnissiön auseinander und forderte zu eifriger Mitarbeit auf. Mittellosen Einwanderern sollen R e i s e b e i.t r ä.g e gewährt Werden; ein Referent.wurde bestimmt, der die L a g e i n E r e z J i s r 0 e 1, die Möglichkeiten einer Einwanderung und die verschiedenen Berufsaussichten Zu studieren haben wird, um jedem Interessenten . jede gewünschte Auskunft erteilen und an die Hand gehen zu können; die noch fehlenden Mittel für die Schaffung eines agudisüschen Inf örmationsbürös .hi 'Erez Jisroel und für die Urbarmachung von ״Machne Jisroel“ sollen mit Hilfe von Rosch-Chodesch-Spenden und ־ Sammelblocks aufgebracht werden und ebenso, soll für die handwerkliche oder landwirtschaftliche Ausbildung der Interessenten gesorgt werden. In den nächsten Tagen werden entsprechende Formulare aufgelegt und die Interessenten sich zu melden auf gef ordert werden, um eine Ueberslcht über die Zahl und Qualifikationen jener zu erhalten, diö nach Erez Jisroel einzuwanäCm beabsichtigen. Zahlreich und groß sihd die Aufgaben, die die Erez-Jisroel-Kommission sich gesetzt hat. Hoffen wir, daß die Arbeit, die mit dieser Versammlung eingeleitet wurde — die Sammlungen häben bereits begonnen — von vollem Erfolg gekrönt sein wird.' Die Arbeit wird erfolgreich sein, wenn alle Orthodoxen Juden Wiens sich ihrer Verpflichtung Erez Jisroel gegenüber bewußt sein und die Erez-Jisroel-Arbeit^ tatkräftigst unterstützen werden. Kultuswahlen in* Wr. Neustadt. Nach einer dreijährigen Amtsperiode fanden am 29. Jänner in Wr. Neiistädt die Neuwahlen in den Kultus- Vorstand statt. Die Kandidaten der ״Konservativen (religiösen) Partei“ wurden mit einer großen Mehrheit wiedergewählt. Gewählt erscheinen die Herren: Hugo Reininger,' Emanuel BeinhaCker, Arnold Lemberger, Samuel Frankl, Leopold Hacker, Jakob Aldor, Jakob Blum, Jakob Jaul, Samuel Mandl, Adolf Ehrenhaft, Siegmund Hirsch, Adolf *Sidon, Leopold Rosenberger, Alexander Sidon, Dr. Simon,, Karpfen, David Löwy, Leo Tauber und Moritz Jaul; Ersatzmänner: Friedrich Breuer, Isidor Wettenstein und Moritz Greismann. An unsere geehrten Koscher-Milch-Konsumentent Weitere Preisermäßigung der .Koscher-Milch- und Butter-Preise! Wir beehren”,uns,4 Ihnen höflichst mitzuteilen, daß vom 1. Februar d.. J. ab der Detailverkäufs- .preis für 1,Liter Koscher-Vollmilch S —42, 1 kg Koscher- Teebutter ׳'S.. 6;—, kg Koscher-Teebütter S 1.50 in Originalverpackung beträgt. Wir geben uns der bestimmten Hoffnung hin, daß Sie diesen wesentlichen Preisnachlaß, der nur durch die gemeinschaftlichen großen Opfer M■ VonWodie luWadieJI ״ WgiMmg' Mer'Jrwwähtfs cftenPtomrfo Quebec hat einen Gesetzentwurf besetämseft,Aki& dem es bei strenget Strafe 0 e r b o t e n sein sott, in der Presse Ä n g ri ff eg egen e i ne Rasse &we-fr eine Reti gio n tu oetöfferiilichen, \ ' [י',-׳■ 5jC . " / ' ln Krakau wurde der 28. Pernes (Jom* Kippur-Koton) über Anordnung des Rabbinats als Tag des Fastens und der Fürbitte um Linderüpg der IVirtschaftsnot begangen, * . V ln Gro ß -Linden bei Gießen murderj G r über auf dem jüdischen Friedhof, mahrscheinlieh von Nazis, ge s c hä n d et. Die Polizei oerfolgt eine bestimmte Spur. Robb, Dr. Leo Jung hielt am Mittwoch, den 1.. Februar, im N ew Yorker Radio eineil• Vor,* trag über die B eth- J ak ob - Berne gung. * . . Salomon A b r a h a m 8; *’ ein Jude, ׳ ist zum obersten Ric ht e r von Uganda (Britisch-Ostafrika) ernannt worden.' יי ־״ ' * . Die Jüdische Gemeinde Berlin hat pm 24. Jiinner in Anwesenheit zahlreicher Persönlich■- keifen ein neues J ii d i s c h e s M u s e ü 1h eröffnet. ••i: ■ ■ .׳, ־ Das Colonial Office iii London soll angeblich beschlossen haben, in Palästina eine gesetzgebende Körperschaft zu schaffen, die sich aus 16 Möslems, 8 Juden und 6 Christen zusammenseizen soll. Selchwaren au 8 der Fabrik - ׳ •'•> Eisen & Hönigsber Streng,orth. ־כשר‘. ' , (Unter Aufsicht der Adas-Jiöroel-SchiffschuJ) . ,;•v״., Wien II, Pratersti'aBe .33, Telephon R-47r4nil9 Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert der Lieferanten und der Leitung der Schiffschul (Adas Jisroel) möglich war, entsprechend würdigten ■ werden. Wir sind bestrebt, es der jüdisch-religiösen‘ Bevölkerung , möglich zu machen, h o c׳h w e r t i g'eVollmilch e i nwand frei zum norma 1 e.n P rei s.,e;־. ztt.. ©ziehep. ־Adas Jisroel;(Schiffschul) Molkerei;S. ^iG. Pisk;.:־ Lebensversicherungs- Gesellschaft ״PHONIX“ Gegründet! 1882 ׳2775 182 472 43 - Millionen Millionen Millionen Millionen Schilling* Versicherungsbestand Ende ,1931: . ’. . . . . .' . 4:• . ־ ‘ Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931.. . . ... . . . Garantiemittel Ende 1931 . . . . .; . . ״. . .. . . . . Auszahlungen an Versicherte ini Jahre 1931 . ..... . ־<ü Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschdchoslo-. wakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und . Kleinäsien. ׳■׳־■ , . ■ ’ Schilling, Schilling | FEUILLETON ״Eigene״ Ehre . . . Nikolsburg war in Aufruhr. Alles war gerüstet und aufs höchste gespannt. Der neue Rabbiner, der Rabbi Reb S c h m e lk e, sollte seinen Einzug halten. Ein Mann von Weltruf, der ein Schüler ,vorn Wünaer Gaon war und zugleich das Vertrauen des Meseritscher besaß. Wieviele Städte und Gemeinde hatten sich um die }Ehre beworben, Rabbi Schmelke an ihre Spitze zu setzen. Nun willigte er ein, nach Nikolsburg zu kommen, und die Gemeinde wußte das Glück zu schätzen. Und wie kam Nikolsburg zu dieser Ehre?׳ Es war nicht gerade leicht. Man hatte die Reichsten und Vornehmsten zu ihm geschickt, die unverrichteter Sache wieder kamen. Man sandte die größten Gelehrten, sie richteten nichts aus. Man schickte die angesehensten Chassidim, sie brachten herrliche Thoraworte, auch Worte der Weisheit mit, aber die erwünschte Zusag;e, nach Nikolsburg zu kommen, nicht. Da ergab sich etwas Besonderes. Man hatte Geld nötig, viel Geld für eine große Säche.' Eihe ganze jüdische Gemeinde wai־ in schwere Gefahr geraten durch Intrigen, Verleumdungen und falsche Beschuldigungen. Man benötigte große Summen, um Unschuldige aus dem Gefängnis zu befreien und Lebensgefahren von weiteren jüdisehen Menschen abzuwenden. Die Sammlungen flössen langsam. Da faßte Rabbi Schmelke einen raschen Ent- Schluß: Von den Städten, die sich um ihn bewarben, erhält die Stadt den Vorzug, die die. größte Summe für den wichtigen Zweck aufbringt. — Da ließ es sich Nikolsburg nicht nehmen, die größten Opfer zu bringen, um sich so den Rabbi Reb Sqhmelke als geistigen Führer zu sichern. Nun wap der Tag da, da der gefeierte Rabbi seinen Einzug in die Stadt halten sollte. Ausgeschickte Reiter kamen zurück mit der Botschaft, der Rabbi sei schon im Dorfe, einige Meilen von dep Stadt entfernt, und halte dört letzte Rast, Nun begaben sich die, Ehrendelegätionen und Ehapfängskoraitees und ״viel Volk in Wagen, zu Roß und. auch zu Fuß nach dem Dorfe, um den Rabbi zu begrüßen, Im Hause des einzigen Dorf juden war alles aufs herrlichste geschmückt und gerichtet, und jeder beeilte sieh, dem Rabbi seine Freude zu zeigen. Das Haus war! iiberfüUt, und die anderen, die keinen Platz mehr fanden, drängten sich in größer Menge vor Türe und Fenstern, Schon schickte m$n sich in gesteigerter Be« geisterung an, die Pferde auszuspannen und den Wagen in die Stadtf zu ziehen und 'w*^ trägen, VM Rab¥ bat ßhe*־, mäh• •möchte 'ihh^fttf^eihe Weile noch' ganz 'allein •'lässen,; zog sich in das schönste Zimmer zurück und schloß hinter sich die Türe ab. Man sprach davon, daß er in dieser Einsamkeit Zwiesprache mit den Engeln׳ halte oder sonst heilige Geheimnisse pflege., Neugierige drängten sich ,ans Fenster, kletterten zur Mauer hinauf, um unbemerkt ins Zimmer spähen zu können. Was sie da gewahrten, setzte sie in ungeheures Staunen.; v ' Sie sahen, wie der Rabbi unbeholfen dastand, seufzend und ächzend, demütig und gebückt, als stände er vor einem großen Herrscher. Es war aber außer ihm keiner im Raume zü sehen. ■'■יי' ׳•;■־ Und da hörten sie, Wie er ein Gespräch'mit sich selbst führte: ' ״Willkommen, Rabbi! ,Schoiem Alechem, Nikolsburger Rabbiner! Seid mir freundlich gegrüßt/ Rabbi Schmelke, Führer der Diaspora.“ Verständnislos hörten die Neugierigen, ,wie er weiter sprach: י י; ׳ ״So entschuldigt, großer Rabbi, und setzt Euch, Einen wunderbaren kostbaren Stuhl hat man Euch hingestellt, so beehrt uns, großer Rabbi, und nehmet Platz! “ Nach einigen. Minuten kam, der Rabbi aus dem Hause und. man brachte ihn mit großem Pomp, im Triumphzuge •in die Stadt. Die Straßen widerhallten von Jubel und Freude. ־ j ' ־ Einer von den׳ Neugierigen, die zum Fenster des Dorfhauses hineingeschaut hatten, konnte nicht mehr an sich halten, trat, abends nach den Empfangsfeierlichkeiten ins Gemach des neues Rabbiners und bat ihn.,unter vielen Entschuldigungen, ihm doch den Sinn des sonderbaren Selbstgespräches, das er, wie er zugab. belauscht hatte, zu verraten. " Der Rabbi lächelte und sagte; ״Als ich diese ungeheuren Ehrungen, (he mir die ■ Stadt eritgegenbrachte, über mich ergehen lassen mußte, da zitterte 4ch um meinen Anteil an der zukünftigen Welt, fürchtete, diese könnten mich hochmütig und überheblich, stimmen. Da erinnerte ich mich der Worte der Mischna: ״Die Ehre deines Freundes sei dir so heb wie• deine eigene.“ Und ich erfand wie durch eine Eingebung: einen neuen Kommentar, zu dieser Misehnastelie,^Bott»heißen! ״Wenn dir andere Ehre erweisen, so stehe diese Ehrung bei dir nicht höher; als wenn du dir diese selbem erwiesen hättest.“ So schloß icfr^ niieh ei» und fing an, mir selbst die schönsten Komplimente zu machen.״ Dabei träfe mir die ganze Lächerlichkeit dieser Komödie so sehr; ins Bewußtsein, daß ieh mich vor , Eitelkeit geschützt fühlte. Und wie ich damit fertig war, konnte ich zum Volke hinaus. Die mir erwiesenen Ehrungen prallten nun von mir ab, ich hatte ja ihren Wert erprobt . ,

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