Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 9 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630438-2630447--4112-2636220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Bollinger-Eiskasten sind seil 1870 die besten Fabrik : Wien, XV.t Staglgasse Id bet Mafiahilferatr. 148 fei. R-35-8-47 und R-39.0-38 iiiisiät Wien VII, Burggasse 17 Tel. 8*32*3*80 MESSE« ROTUNDE, STAND 665963 Ür.spru ng&hedin gu n ״cn des .sie. tragenden Volkes ob. Für die Juden ist ihre Religion nach Verlust ihres Territoriums der Ersatz für ihre Verfassung, gleichsam ihr Staa׳tsgrundgesetz. Während die ökonomisch ussimilierten Schichten stets abfallen, bleiben die Wirtschaft- 'lieh!gebundenen Schichten dem Gesetz instinktiv treu» um sich ihre sozialökonomische Funktion zu erhalten. Bricht mm das historische Privileg der Beherrscht! Iig der Waren- und Geldzirkulation zusammen, so ,hat die Treue zu Gemeinschaft und Gesotz Sinn und Zweck verloren und wird abgestreift. Die sozial fortgeschrittensten Kreise der jüdischen Intelligenz und die proletarischen!Massen .sehen im Sozialismus die Lösung der Juden frage lcraft ih rer dialektischen Er- Kenntnis von dem historischen!Ende der sozialen Funktion des Judentums als Träger des Zirkulations- Prozesses von Ware und!Kapital.!Die bestehenden Ucbergangsformen des Denkens innerhalb der gleichen Schicliten und ihr zähes For-tleben erklärt!Heller aus dein von Marx entwickelten!Lehrsatz, daß ״das Sein sich schneller wandelt als das!Bewußtsein“.!In diesem Sinne ,.hält er die auch in der sozialistischen Bewegung viel,kritisierte Schrift des -25jährigen!Marx ״Zur Judenfrage“!(1-84-3) für noch heute a-tlgcmeingültig. Steinberg halt Marx’ Urteil in der Judciiifragc, wie ei statistisch belegt, auch nach seinen tatsaohliehen Grundlagen fiir falsch, zumal!Marx weder die jüdische Geschichte noch wesentliche jüdische Schichten •gekannt habe. Er wirft Heller vor, sein jüdisches Geschiöhts- und Weltbild sei nicht wissenschaftlich ge- Wonnen, sondern gehe von einer vorgefaßten Meinung aus, daß erstens der Kommunismus die einzige Lösung der Judenfrage bringen könne, zweitens daß der Korn- •nniniismUiS das Ende aller Dinge sei und Konflikte aus ihm heraus;nicht entstehen könnten. Es sei also ge- Wonnen aus einer pscudomessianisehen Anschauung heraus und sei — was sonst gerade der Gegenseite vorgeworfen werde — idealistisch und mystisch, andererseits grob mechanistisch. Das Judentum habe schon zahllose hohe ׳Kulturen und Gesellschaftsformen erblühen und verblühen sehen und sei;nicht so leicht -zu bewegen, eine Form der Lösung!gesellschaftlicher Fragen als die letzte der Geschichte und ihre Anbalmnng als seine Ablösung und mit der Erlösung seiner Glieder seine eigene Auflösung notwendig bcwirkend •anzuexkennen.!Für den .,Tausendjahrplan“ -der jüdischen Geschichte ׳ist auch der Kommunismus als Kampf- und Gesellschaftsform -nur eine Episode. Der ' Judenhaß richtet sich übrigens seit alten!Zeiten stets .gegen alle sozialen Schichten der Juden; Auch in ,Sowjetrußland verschwindet der Judenhaß nicht.!Die ,׳ Ursache •••sieht er ■ zum Teil in dem niät ״Klassohkampf ' nicht notwendig verbundenen maßlosen Klassenhaß. E1'$te Fnicht von zweckgebundenem Klassen- und; .Mensahenhuß sei stets der Judenhaß. . Auch kulturell sieht Steinberg in Rußland noch keine Lösung der Judenfrage. Zwar habe man jüdische Zeitungen und Schulen und sogar jüdische R-ayone geschaffen. Die ״Kultur“ sei aber eine!nicht autonome, sondern!bloße Uobersetzungsku 11ur. In der Schule werde jüdische- •Qcsebichte .nicht jüdisch' bodenständig gelehrt und die jüdische Presse diene nur Prapagandazwecken. All : dies, sei Juden überantwortet, die bewußt die Auflösung des Judentums betreiben. Der Fehler sei, daß man glaube, •die wurzolechtc Eingliederung der jüdisehen Kulturwerte verhindern zu sollen. Auf dem Boden seiner Entwicklung wäre das Judentum mit seiner sozialen -Geschichte und Ethik, seinem historisch' bedingten Reib eilen turn, .seiner Treue und Zähigkeit ein wertvoller ׳Faktor beim Aufbau der sozialistischen ■Ge- Seilschaft, während es jetzt verkümmere. Der Sonder- Charakter und die Tragik des Judentums in Rußland .liegen darin, daß kein Russe an ein .Abschneiden!seiner hijsto risch-kulturellen Entwicklung denke, dies aber dem Judentum zumute. Also auch .hier wie zu allen Zeiten bei einseitigen Versuchen zur Lösung der Juden- 'frage:'■ Opportunismus statt freier Entwicklung des jüdischen Genius zur Erfüllung seines geschichtlich erhärteten sozialen Lebensprogr-amms. Heller lehnt jode nationale Lösung der Judenfrage ab, da sie das jüdische Proletariat an der Ein- ■ Ordnung in die Klasseiifront hindere. Er hält jede zwanglose Assiniiiierung eiuer kleineren an eine iüOtSCJHE PRESSE .. .. . größere Gruppe für eilten sozialen Fortschritt. Sowjetrnßland stelle die qualifizierte jüdische Arbeiter- und Bauernschaft vor die .freit* Wahl, sich zu assimilereft!oder auf jüdischem Territorium und sozialistischem Boden in jüdischer Sprache und Form sozialistischen Aufbau zu .treiben ttttd so zur ,Nation Zu werden, da die Sowjetunion den sozialistischen, Aufbau •in nationaler ׳Form als förderlich ansehe. *,Nation" aber gebe es hier nur auf dem Boden eines Territoriums. Fiir uns — so schließt Heller — gibt es keinen ״Tausendjahrplan“ der Geschichte* Religion oder Nation. Das 'Judentum geht unter, die Juden aber leben als freie Nation in der klassenlosen Gesellschaft. Steinberg bekämpft in seinem Schlußwort die pseudoneutrale, scheinbar fatalistische Haltung des Kommunismus zur Judenfrage, die sich mit seiner sonstigen Aktivität nicht vertrage. Den Grund sieht er!in dem auch dort wohl geahnten Unvermögen, mit nicht autonom geboreuen, dem Sondercharakter des jüdischen Phänomens nicht gerecht werdenden Lösnngsmöglichkei-ten der Juden- und judentumsfrage beizukommen. Er beendet die Aussprache mit einem Bekenntnis zum Sozialismus und der autonomen Rolle dos jüdischen Geistes und Volkes;in ihm. * $ ן Soweit der Bericht über die immerhin denkwürdige Aussprache. Die Angelegenheit ist aber für uns auch als österreichische Juden insofern interessant, als neuerdings auch in Wien Versuch gemacht wird, für die kommlmistische Erlösung voln Untergang des Judentums Propaganda zu machen. Die ungeheure Not des Wiener Judentums ermöglicht es. Sendboten der neuesten Heilslehre, hier für den Plan der Ansiedlung von 200 Wiener Judenfamilien in Biro-Bidschan Stimmung zu machen, und es wäre ja sonst jeder: seriöse Versuch einer Linderurig der Judennot nur zu;begrüßen. Allein, hier erhebt, sich die große Gefahr der bewußten Entjudung unter scheinbar jüdischer Flagge-und so muß wohl gefragt werden, oh denn in Rußland seihst die Erlöser des Judentums, die eher Erlöse! v o m Judentum zu sein scheinen, schon so wenig Glauben finden, daß sie bereits im Ausland nach Menschenmaterial Umschau halten müssen. Der Gedanke liegt daher nur allzu nahe, daß hier auf die Leichtgläubigkeit spekuliert wird, mit der Wiener Juden (die einen durch ihrTGeld, die anderen durch ihre Arbeit) ein System retten sojlen, das nicht einmal in der Ideologie der eigenen •Heimat Bestand •hat. |@j Nachrichten |© 5-Uhr-lee der FrauenhUfe der Adas Jisroei am Dienstag,' den 8. Marzp bei Frau Michael Stern- .Feld, Wien, H., Große -Sperlgasse 6. Massenkundgebung für den Sabbat. Dienstag, -den!1. MtirZ, fand im!großen Festsaal des Hotels ״Bayrischer Hof“ die Generalversammlung der ״Schomre Sclvabbos“ statt. Den Vorsitz der Vor- Sammlung führte ■der Obmann Moritz Eclsenburg. Nach Erledigung der Tagesordnung und Vornahme der Neuwahl, aus der die Herren Adler, Em!il, Adler •Nathan, Böntly David* Deutsch Fritz, Felsenburg 'flvforitz, ׳Feuer Hcrscli, Fischer Friedrich,,;»Herzka Nathan, Rabbiner Abr. Heschel, Hp.fbauer Rob״ Koiran.-Rat Moritz Leitner, .Nasch Moritz, Pappenheini '-Moritz, Rabbiner Dr. Joel .Polluk, Richter Karl, Schisclia Leopold, Schreiber Akiba, Spitzer Siegfried, Stern Ernst, Sternfeld Michael, als Revisoren Kamm Markus -und Stern Samuel!hervor- -gingen, wurde von der Versammlung, die den Saal bis auf das letzte Plätzchen!füllte, ' folgende Resolution 'gefaßt: “ ,'יי ״Die am 1. März 1932 im großen Festsaal -des .’Hotels- Bayrischer Hof‘ versammelten strenggläubigen Juden Wiens haben beschlossen, den Vorstand des Verha n des der Sabbat freunde ,Schorn re Scliatbbos‘ zu beauftragen, mit aller Energie fiir eine Lockerung der bestehenden Bestimmungen 'über die Sonntagsruhe einzütreten.! . Die Idee und die Wohltat eines allwöchentlichen Ituhctages hat zum : erstenmal die jüdische Religionslehre der :Menschheit geschenkt. Niemals kann die Vorschrift der Sonntagsruhe iyiders betrachtet werden, -denn als eine soziale Wohltat für alle Manschen, die in schwerer Arbeit ihr tägliches -Brot verdienen müssen. Niemals aber darf diese soziale Errungenschaft zur Unferdrücku-ng jener Kreise.dienen, die ohnedies einen 25stü׳ndigen vollen Ruhetag in jeder Woche einhalten müssen. Die Versammlung verweist auf die gesetzlichen Beatijjumungen in vielen Kplturstautcu, wo jenen jüdisehen Geschäftsleuten, die ihre Läden am Samstag geschlossen halten, das Oeffue-ii derselben aii Sonntagen Nr. 9 flöß של W2L WelngröQhandlung BRATISLAVA, LAMACSKA 7 empfiehlt ihr« anerkannt vorfiigiicheit KoscHcaweiNe erlaubt ist,!Die Versammlung richtet daher an die hohe Bundesregierung und den Nationalrat die dringende Bitte, in Berücksichtigung der hier angeführten Tat- Sachen trnd in Anlehnung an die Gesetze anderer Länder, auch in Oesterreich jenen jüdischen Händlern, die aii Samstagen ihre Geschäfte geschlossen, halten, das Ocffnen derselben an Sonntagen zu erlauben, wobei das Personal nicht mitbeschäftigt werden soll,“ Den Glanzunkt des Abends und zugleich eine solenne Kundgebung fiir die Sabbatidee bildete der großangelegte Vortrag des Badener Oberrabbiners Dr. H. C a r 1 eba c h. Die mehr als einstiindige, in allen Teilen gut durchdachte und glänzend vorgetragenc Rede, die von den massenhaft erschienenen Gästen mit großer Begeisterung aufgenommen wurde, hat sicherlieh viel zur Festigung der Sabbatidee!in Wien ׳beigetragen. Erklärung. Zufolge der derzeitigen Wirtschaftskrise bin ich außerstande, die überaus hohen Abgaben an die Adass Jisroei weiter zu entrichten, weshalb ich freiwillig auf die השגחה verzichtet habe. Demzufolge bin ich in der angenehmen Lage, die P. T. Kunden mit derselben einwandfrei streng כשר Ware aus den bisherigen Bezugsquellen unvergleichlich billiger a.ls bisher zu bedienen. •הכשרים Stehen jederzeit zur Einsicht. Hochachtungsvoll Markus Fürst. Eine Schuld der jüdischen Gesellschaft. Der Artikel in der letzten Nummer der ״Jüdischen Presse“, betitelt ,;Jugend in Not“, hat in der breiten jüdischen ()Öffentlichkeit!stärkste Wirkung hervor,־ gerufen. Die Tatsache, daß die Wiener Jugendgruppe, die eine der größten Aktivposten der Wiener Judenheit bildet, -ernstlich gefährdet sei, daß eine -Institution, die eine •führende Rolle im jüdischen geistigen Kulfoi rieben Wiens darstellt, vielleicht ihre Tore schließen muß, ist so traurig, daß man gar nicht daran denken mag. Ich erlaube mir dazu einen bescheidenen Vorschlag zu machen, Leider ist die Zahl derJenigen, die mit größeren Mitteln der Jugendgruppe finanziell helfen könnten, sehr gering! Trotzdom muß alles getan werden, um die Weiterexistenz der Jugendgruppe z11׳ sichern! Wie wäre es, wenn in Erinnerung an den :1. Adar die jüdische Gesamtheit ohne -Unterschied, ab arm׳ oder •reich, eine , M a c 11,zi s!H,a!s~c.h,Qlc.el .-.Spende, ,zugunsten der jüdischen Jugend darbringen würde. י ־ . Fiir diese Jugend, die mit grenzenloser Hingabe für Thauro und Jiidischkeit kämpft, für die Jugendgruppe, die!seit zwölf Jahren das jüdische Leben Wiens entscheidend beeinflußt, muß jedermann seine Schuldigkeit tuu.! ׳ ׳ Die ■Entschuldungsaktion der Jugendgruppe trägt mit vollem Recht gerade diesen Namen, denn sieist im wahrsten Sinne -des Wortes eine Entschuldung der jüdischen Gesamtheit! Helfet uns bei der Adar-Entschuldungsaktion! Ihr helft •euch! —r. Der G r i p p e rekonvaleszent fühlt allgemeine Schwäche und Ermüdung. Die Muskeln sind schlaff, die •,Nörven abgespannt. Massieren Sie über ärztliche Vorschrift mit Mentholfranzbranntwein ALPA. Dies erhöht •den Blutkreislauf,* stärkt die Muskeln, erfrischt ' die Nerven und hebt die Tatkraft. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschaftsräumen! Hiedurch gründliche Luftdesinfektion. Verlangen Sie nur Alpa-Originalpackung mit unverletzter Plombe! Wien. Im besten Mannesalter verschied in Wien am 22. Adar Herr Max (Mordechai) Grünwald, nach einer mit heldenhafter Geduld ertragenen bösartigen Krankheit, welche die Lebenskraft dieses aufrechten Jehudi frühzeitig brach. Max Grünwald war in jungen Jahren nach Wien gekommen, hatte sich als Kaufmann einen geachteten Namen erworben, dann eine Tochter des in den Kreisen der Orthodoxie hochangesehenen Ehepaares Nathan und Johanna Schiff geheiratet und war auch selbst zu einem wertvollen und strebsamen Mitglied der Wiener Orthodoxie geworden. Die Teilnahme aller Bec%us 0Vergangenheit und Qegenwart. Moderne Entwicklungen in den osteuropäischen Jeschiwoth. Der jüdische Historiker Dr. Marc Wischnitzer, Generalsekretär des Hilfsvereins der Deutschen Juden, der vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der vom Hilfsverein verwalteten Hinterlassenschaft Prof. Haffkines zugunsten der Jeschiwoth eine Rundreise durch die Stätten jüdischer Gelehrsamkeit in Osteuropa ge- » macht hat, hielt am Montag, den 15. Februar, im Rahmen der Montagsvorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums einen Vortrag mit dem Thema ״Moderne Entwicklungen in den osteuropäischen Jeschiwoth“, der das gespannte Interesse der aus Dozenten und Studierenden der Hochschule sich zusammensetzenden Hörerschaft gefunden hat. Dr.' Wischnitzer führte ungefähr aus: , •Man ist geneigt, in den Jeschiwoth eine in sich ׳ geschlossene isolierte Welt zu erblicken, die sich jeder | Berührung mit der Außenwelt verschließt. Solchen . Auf-! fassungen gegenüber konnte ich auf meinen Reisen —י | ich habe mehr als 20 Jeschiwoth aufgesucht feststellen, j elaß sich im Leben der: Jeschiwoth interessante Entwickj lungeh vollziehen, deren Auswirkungen heute noch nicht :abzusehen sind. Die Jeschiwah reagiert auf das moderne 'Leben und seine׳ Anregungen und setzt sieh mit den Problemen 4’e! Qegenwart, die an sie in der einen oder!anderen Weiso berantreten, auseinander.; : Jh PohieviesehG Litauen, herrscht frisches Leben. ’An 4er Spitze 4er Jeschiwah, die über200:־ junge Leute beherbergt, steht Rabbiner Kahariemann» 4er hochherzige Spender für sein Werk zu gewinnen.wußte. Die Stu4ierehden, die Bachunm, unterscheiden sich in ihrem äußerlichen Habitus, in Kleidung und Auftreten, nicht von Hörern weltlicher Hochschulen. Außer einheimisehen waren Hörer aus Ungarn, der Schweiz, Polen, Amerika und anderen Ländern anzutreffen. Gymnasialbildung, auch Hochschulbildung, ist nichts Seltenes unter den Hörern. Keine Spur ,von Einseitigkeit und Weltfremdheit war zu bemerken. Ich lernte vielseitig interessierte junge Menschen kennen. ״Was wir wollen — so formulierte mir in Telschi, einer zweiten litauischen Jeschiwah, ein junger Amerikaner seine Absicht —, ist: das Judentum einmal erleben, es in seiner ungebrochenen Ganzheit erfassen.“ Die Jeschiwah in Telschi hat eine ganz eigene Physiognomie.; Sie ist * eine Schöpfung Elieser Gordons, eines der . hervorragenden Jünger des Rabbi Israel Salanter, dessen Lehre in der großen Jeschiwoth fortlebt. Telschi ist die klassische Stätte der' Pflege der Methodik ih Talmud-Unterricht und in Mussar (Sittenlehre). Telschi führt, wie fast alle osteuropäischen Jeschiwoth, einen schweren ,Kampf um seine Existenz. Aber man kümmert sich auch um eine Wasserleitung, 11m Internate, um eine Mensa; für die 300 Studenten usw. Aehnliche Verhältnisse berochen in Slobodka-Kowno, der berühmten Mutter-Anst'4B,t aus der Telschi, Ponieviesch, Lomscha, Nowogrudok und andere Jeschiwoth hervorgegangen sin4. Das heutige Polen weist nicht weniger als 190 Jeschiwoth auf, es herrscht der Typ der Jeschiwoth Ketanoth, einer Unterstufe 4er Jeschiwoth, vor, die für die höheren Jeschiwoth vorbereitet. Uns interessiert heute die hö,here Jeschiwah״ In den östlichen Bezirken deä heutigeniPolen, in-den W&jwodschaften Wilna, Bialystok. jNqwpgrudok»! Polesje -und Wolhynien haben sich die JeschiwQtb,.zu einem-Verband: (Waad Ha-Jeschiwpth) mit der Zentrale in Wilna ztisaromengeschlossen. Nächst den litauischen Jeschiwoth sipd die im Wilnaer Verband vereinigten Anstalten die wichtigste Stätte des Talmud- Studiums in Osteuropa. Die einst berühmte Jeschiwah in Woloschyn ist zurückgegangen, dagegen hat die Jeschiwah in Mir einen großen Aufschwung genommen und ist heute die größte ihrer Art in: Osteuropa (400 Schüler). Das Lehrhaus ist von Wiesen und Gärten umgeben, die inneren Einrichtungen fortgeschritten (V/asserleitung). Aber die Bachunm leiden Not. .Es'ist kein Geld mehr da für das trockene Brat. Die Jeschiwah Ez-Chajim in Klezk ist das Asyl für Lehrer und Schüler russischer Jeschiwoth, die vor bolschewistischer Verfolgung über die Grenze nach Polen geflüchtet sind. Der Rosch-Jeschiwah, Rabbi Aron ׳Kotier, genießt in der räbbinischen Welt hohe Autorität. Chajim; Oser Grodziehski nennt ihn' den Akiba, Eger unserer Zeit. Die Jeschiwah .Ohel Thota in Baranowice befindet sich in einem großen massiven, Bau, ebenso die׳ Jeschiwah des Chofez Chajim in Radun, die sogareine elektrische Lichtanlage hat. Der 94jährige Chofez Chajim gab seiner Freude über dje Haffkine-Stiftung Ausdruck. Die Raduner Studenten haben eine Darlehenskasse. •Es herrscht unter ihnen gute;Kameradschaft und ein au-sgeprägter. Gemeinschaftssinn,, Nächst dem Chofez Chajim erfreut sich großen Ansehens - in der Jesqhiwa-Weit Rabb. Dow Ber Leibowitz, Rektor der Jeschiwah Bjet Izchak in Kamenez. Die Hörer stehen in seinem Bann. Die Jeschiwah ist verschuldet, ü»e Verpflegung der Zög•[ linge ist karg. Der Gesundheitszustand, der1 Jeschiwahf Jugend ist kritisch. Hier muß am schnellsten und nach* haltigsten geholfen werden. Als ich mit dem Vorsitzen? den des JeschiwahWerbandes in Wilna, Rabbi Chajim .Oser: Grod?ienski, über die Schaffung einer Ferienkolonie sprach, faqd ich seinerseits freudige Zustimmung. Die Studenten sollten, seiner Meinung, ,nach während des Ferienäufenthalts mit Gartenarbeiten beschäftigt werden.