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Jüdische Presse · 1931-07-24 · 29 (24.7.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
29 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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2 Vnt ir11)n.1ir<11-1 .Nr 29 f f 1 üig ti־rhf mm: Nach den Baseler Kongressen . Pi6 •^föö«ÄvKi)hgfysie sind zu lüde. Del־ Ztoftisti# ..sehe Kongreß eüdefe; \vie: ich bereits vorige Woche ge# schrieben höbe, Mt dem Sturz Weizmanns. Sokulow trat an die Spitze. Sokolow ist kein Neuer in der zionistischen Bewegung; man kennt seine Vorzüge und Fehler. Das eine ist bestimmt; Weizmann ist. er; flicht,: Er׳ ist geschmeidiger und wandlungsfähiger. Weizmann galt als großer S t a a t s# m a n n, Sokolow im besten Falle als großer Diplomat, ‘Er wurde aus Verlegenheit gewählt, und es bleibt abzu# wartem ob: er keine Verlegenheit für die Zionistische Or# ganisation bedeuten wird. Nebst politischen Debatten und persönlichen Affären, an denen dieser Kongreß überreich war, ist; das sachliche Ergebnis ziemlich mager. , Für orthodoxe Juden ist das Belangreichste, was •über Erziehungsfragen auf dem Kongreß gesprochen Wurden Der.׳ Zwang zur Sparsamkeit, der mit Bleigewicht über allen Beschlüssen des Kongresses lastet, wirkt sich auf dem Gebiete des Erziehungswesens am schärfsten aus. Dieser Zwang fördert immer scharfer die Bestrebungen, das Erziehungswesen aus dem Rahmen der Zionistischen .Organisation■ auszuscheiden und es den palästinensischen lokalen Organisationen zu überlassen. Diese Lösung ent# spricht in hohem Maße auch den orthodoxen' Wünschen. ,Man könnte zu der Zionistischen Organisation und zur Jewish Agency in eine, ganz andere Beziehung treten, falls die Kultur# und Erziehungsfragen, bei denen' die Welt# anschaulichen Gegensätze am härtesten aufeinander# prallen, nicht mehr ins Auge gefaßt werden müßten. Einst# .weilen wurde aber kein endgültiger Beschluß gefaßt; man hat nur einen Antrag angenommen, daß iin Laufe der nächsten zwei Jahre eine gemeinsame Führung des Erziehurigswerkes durch Jewish Agency und Kenesseth Jisroel vorzubereiten ist. •Bis dahin soll! keine Uebergabe an lokale Institutionen erfolgen. Auch in bezug auf die Universität fanden heftige Debatten statt, Es ist noch erinnerlich, daß der letzte Kongreß unter dem Deck# mantel der Lehrfreiheit Zulassung■' der Bibel# k r i t i k gefordert hat. Jetzt hat der Kongreß den revisio# nistischen Minderheitsantrag: ״Der Kongreß mißbilligt den Geist des Verzichtes auf nationale Ideale, der in der Leitung der Universität,;zum Ausdruck gekommen ist, und beauftragt die Exekutive, auf der Wacht des nationalen Geistes in der Leitung der Univesität zu sein“, angenommen. Um dem verhaßten Rektor Magnes eins am Zeug zu flicken, soll also eine Zensur über den nationalen Geist derProfes# soren ausgeübt werden. Es ist doch ganz anders, wem! es .um die Lehre Mosis oder um die Autorität Jabotir.skys geht. Es war überhaupt ganz sonderbar, wie Jabofi.nsky und seine Anhänger eine Zensur über den Geist nicht nur der hebräischen Universität, sondern über den Kon# greß selbst sich anmaßten. Bei der Endzielabstimmung, .als Ussischkin gegen die Revisionisten stimmte, schrie ihm Jabotinsky ,,Verräter!" zu. Die wenigen Agudisten, die auf der Journalistenbank vertreten wären, horchten aufmerksam auf. Bis jetzt waren sie gewohnt, 'iläß dieser; Titel zionistischerseits nur Agudaführern verliehen wurde. . Daß aue.h Ussischkin, . ״der Unentwegte“, ״der starke Hammer“, in .offener Kongreßsitzung ״Verräter!“ gensunt 'wurde, könnte so manchen Agudaführern als Ehrenpflaster dienen, falls sie sich überhaupt je über zionistische Beschimpfung gekränkt haben. Abgekühlt haben sich die erhitzten Gemüter erst bei der Beratung des Budgets. Das Budgetrecht des Kon# gresses ist ja eigentlich eine Farce* geworden,, da über dieses Kapitel die Jewish Agency zu entscheiden hat. In den Beratungen des Council der Jewish Agency wurde hart um jeden Posten gerungen. Die Gesamtsumme der Ausgaben wurde mit etwa Pfund Sterling 350.000 ׳•budgetiert. Im September 1929 in Zürich, war noch von 750.000 ־ die Rede. Dieses Budget mußte schon einige Wochen später ׳um Pfund Sterling 200.000 gekürzt werden. Die'negative wirtschaftliche Entwicklung zwingt zu wei# ״teren Sparmaßnahmen und man einigte sich nach einer Kürzung um weitere Pfund Sterling 200.000 auf- 350.000. Nach der Aeußerung eines sehr einflußreichen Mitgliedes der Agency#Exekutive bestehen aber ernste Zweifel, ob es möglich sein wird, selbst dieses verkleinerte Budget aufzubringen. Bei dem Versagen der finanziellen Leistungs־־ fähigkeit der Jewish, Agency ist selbstverständlich ihre Autorität nicht sehr bombenfest. Daher sollen Anstren# güngen gemacht werden, die Basis der Agency durch Ge# winnung von individuellen Mitgliedern Und durch Heran# Ziehung von anderen Organisationen zu ^weitern. Von den anderen Organisationen kommt Agudas Jisroel in erster Reihe in Betracht, über deren Beitritt zur Agency schon mehrfache unverbindliche Verhandlungen ' stattgefunden haben. Ein diesbezüglicher formeller An# trag von Rabbiner Dr. Jung (New York): ״Eine Kom# mission einzusetzen, um das Verhältnis zwischen Jewish Agency und Agudas Jisroel zu untersuchen, wurde dem Administrativ#Komitee überwiesen. Es wird noch einiges Wasserden Rhein hinunterfließen, bis dieses schwierige Problem gelöst wird. An und für sich, selbst von reli# giösen . Belangen abgesehen, würde es, rein politisch ge# nommen, Von Vorteil sein, wenn die wenigen Orthodoxen im Council der Jewish Agency eine Verstärkung durch aktive Agudisten erführen, * Diesmal setzte sich zum Beispiel der Council aus 4 6 Nichtzionisten (die allerdings 73 Stimmen vertraten) und aus HO Zionisten zusammen. Selbstverständlich kann unter diesen Umständen von Pari# tat nicht die Rede sein. Zum Präsidenten der Jewish Agency Eiiislge jüdische fUr Weißnähen und Kleidermachen mit Öft«11tllql1kelt»r01>l1t; Wien, II., MaUgasse 7, ©r.Krüger *Helm StaatsgUtlge Zeugnisse Oehiilinaenrerbt Samstag gescMossei» wufde Nachum Sokolow.] zum Vorsitzende«•; de§; Council Ö. E, d’Avigdor 'Goldfsfenmid gewählt. d’Migdöü׳ Gold# schmid ist ein Wie« e.R ist im Jahre 1877 in Wie« als Sohn des Vötstehers der sephafdischen Gemeinde Elin d’ÄVigdöif. gipbte«. Def Väter übersiedelte «ach London und wurde dort der Vorsteher der sephardiseBe« Ge# ffieinde, Der; junge d’ÄvIgdöf beerbte nicht nur seine« Vater, sonder«! auch de«. Vetter desselben,- Sir Julian Göldsehittid* mit seine«(Gütern bekam er auch das Recht den Namen des Vetters zu tragen. Das Administrativ^ Komitee der Jewish Agency besteht aus 20* zionistischen und 20 nichtzionistischen und je 40 stellvertretenden Mitgliedern. I. Stüdienfahrt des K. H. nach dem Osten* Trotz: def sich in den letzten Tagen krisenhaft zu# spitzenden Nachrichten aus Deutschland findet die Von der Keren־Hathora#ZentraIe veranstaltete Studienfahrt zu den jüdischen Kulturstätten des Ostens programmgemäß statt. Einige der Teilnehmer sind bereits in Wien eilige# troffen. Nachstehend die,Teilnehmerliste: Markus Ansbacher >־ (Nürnberg), Rabbiner Dr. M. Bohrer (Gailingen in Baden), Willi Bialoglow3ki (Ham# bürg), Oberrabbiner Dr., Joseph Carlebach (Altona), Dr. A. Deutsch (Budapest), Je«ö Deutsch (Verpelet, Ungarn), Dr. Feuchtwanger (München), Dr. A, Fürst (Budapest), Willi. Gluskinos (Breslau),,, Dr, Leo Jung (New York, teil# weise), Dr, .Max Landau (Berlin), Ernst Lehmann (Frank# furt am Main), Hirsch Merkin (Leipzig), Dr. Henri Ner# son (Straßburg),, J, K. Polak (Amsterdam), Lehrer B. Saffra (Gemen bei Borken in Westfalen), Rabbiner A. Salonions (Nymegen, Holland), Redakteur S. Schachn'owitz (Frank# furt am Main), Advokat Erwin Schnurmann (Straßburg), Ernst Spitzer (Wien), Izak Vredenburg (Amsterdam), Ju# lius Weil! (Topolczany, Tschechoslowakei), Dr. Leo Deutschländer (teilweise), David Türk! (Reiseleiter). Das ausführliche: Reiseprogramm war bereits an dieser Stelle veröffentlicht. Zwiscnenzeitig sind einige un* wesentliche Aenderungen eingetreten. Wir geben nach# stehend in kurzen Schlagworten das endgültige Pro# gramm wieder: . Samstag, den 25. Juli, vereinigt ein gemeinsames Scholausch Sudos in der Wiener Agudas#Jisroel#Jugend# gruppe die Teilnehmer art der Stüdienfahrt, nachdem Füh# rüngen durch die Stadt Und das Jüdische Museum statt# gefunden haben werden. Sonntag geht die ,Gesellschaft mit dem Schiff nach Bratislava.‘40 Mitglieder der Wiener Jugendgruppe geben ihr. das Geleite bi£ ׳ nach Bratislava. Die nächste Station ist Tyrnau) wo zur Besichtigung der Jeschiwoh einige Stunden Aufenthalt genommen wird. Da.«n geht’s weiter über Nitra per Auto nach Sobor, dem Sommerheim von Beth Jakob. Der Weg führt dann über Poprad per Auto durch die Hohe Tatra 'nach dem Höhenluftkurort Zako|# rpane, an Rabka vorbei, .wo in. diesem Jahre die Sommer# Kolonien der Poale Agudas Jisroel stationiert sind. Am 29. Juli ist die Gesellschaft zur Einweihung des Krakauer Beth־Jakob#Seminars in Krakau. Die nächste Etappe istf Lublin, \vo die Gesellschaft zwei Tage lang Gast des Lubliner Raw sein wird. < Am 2., August. isf,:''man in Warschau, wo zu Ehren .der., Reisegesellschaft eineimposante Versammlung vor# gesehen; ist. Vop׳ dort =aüs׳ wird der Gerer Rabbi:1 in fGöra־Kalwarya Besucht ״werde«. ׳'•׳' ׳־•׳־' ' ׳*■ Dann geht es nach Mir zurri Besuch der berühmten Jeschiwoh, iiaEli'.1Radin züm Chöfez Chajim und dann zur letzten Etappe, *Wilna, dem;,jeruscholajim Litauens“. Bis Warschau legt dann diib' Reisegesellschaft den Weg ge# meinsam zurück. Beth-Jakob-Arbeit Sommer 5691 (1931). (Aus einem Bericht von Dr. L. Deutschländer.) 1' :1)•■ ' . Nach mehrmonatlicher Abwesenheit von Krakau hat Frl. Dr. Judith R.osenbaum wieder die Leitung der Krakauer Beth#Jakob#Lehrerinnenbildungsanstait übernom# men. Das...derzeitige Dozentenkollegium setzt sich wie folgt zusammen: Frau'Schenirer, Frl‘.‘Dr. Judith Rosenbäum, Lottkä Wacias, Esther Rosenblum,• Hanka, Groß, Esther Ham# burger, Judith Münk.!>■׳ Außerdem wirken ,an der Uebungsschule •noch dreäi einheimische Lehrkräfte. Dje ■ Anzahl. der. Zöglinge hat ' gegenwärtig die Höchstzahi 120 erreicht.!Sie werden i« fünf Klassen unterrichtet! , Im Laufe des Monats Juli hat der Referent den gesamten Unterrich.tsbetrieb einer eingehenden Inspektion unterzogen und in mehrtägigen Konferenzen mit dem Lehrkörper Haushaltsplan und Lehrordnung für das kom# mende Schuljahr festgelegt. Die obersten Klassen werden voraussichtlich gegen Ende des bürgerlichen Jahres ent# lassen werden, so daß anfangs 1932 nach längerer Pause •wieder 25 bis 30, neue Beth#Jakob#Schulen eröffnet wer# den können. ■:'; Das peue Heim der Anstalt ist* vor allem dank der unermüdlichen Tätigkeit! des Herrn A.. S p i r a (Krakau) und der regen Propagandatätigkeit unserer Schweizer Freunde, im Bau erheblich* gefördert worden. Das pe# bäude ist l?is zum; 6. Stpckwerk inklusive.;D,achgarten auf# geführt, .ebepsa sind dieJKüchen eingeyiehitet. Die obersten Etagen sind noch nicht' parkettiert, auch!ist , das Mobiliar leider noch nicht zur .Grjinze beschafft. Eingeführt wurden in den letzten Tagen i|Q4. Betten aus solidem, schönem Material, weißlacl^ieyt/^mit allen! Zubehör, Schulambula# toriurn und Turnsaal sind noch nicht eingerichtet. Der ganze Schulbetrieb konnte demnach noch nicht in die neuen Räumlichkeiten verlegt werden; lediglich einige Klassen werden jm neuen Heim unterrichtet, Da# , gegen können glücklicherweise alle Zöglinge in den lieh#. ten, luftigen Räumen des neuen Hauses wohnen und schlafen, was, gegenüber^ den! Aufenthalt in den stickigen ' finsteren und engen Zimmern des bisherigen ׳ Schulhauses als Erlösung von Schülerinnen und Lehrkörper emp# pfunden wird. Aus diesen Gründen und im Hinblick a'uf!die ’kri־ tischen Nachrichten aus Mitteleuropa hat dip Leitung : be# schlossen, die Einweihungsfeier abzusägen und sie auf einen günstigeren Zeitpunkt, etwa um die Chanukazeit herum, zu Verlegen. Dagegen findet am 15. Aw in den; Rjiumen der Ansfalt eine kleine Begrüßungsfeier zu Ehren der Stüdienfahrt statt,״ die Teilnehmer aus den verschie* densten Ländern nach Krakau führt. ’ Herr :Ifpbiner Dri Leg Jung, der Vorsitzende der amerikanischen Beth*Jakob־Landesverwalt.ung, wird schon einige Tage vorher in; ftolen eintreffen, um die Yerschie# r VO LLSTÄN D IG Ausführlicher. Illustrierter Prospekt kostenlos durch jede Buchhandlung. Ü Ü VON A-Z 12 BÄNDE £#/FF denen in der Hohen Tatra stationierten Sommerkolonien Zü besichtigen. ' Ueber die sehr befriedigende Entwicklung des ersten, auf slowakischem Gebiet veranstalteten Beth# JakohüSommerkurses wurde bereits an anderer Stelle be» richtet. In Sobor (Nitra) lernen zur Zeit alle Kandida# tinnen der Wienei; Anstalt, ferner sind in einen! Spezial# kurs eine große Anzahl von jungen. Mädchen aus verschie# denen!Städten der Tschechoslowakei, Ungarns, Rumäniens, Oesterreichs und Deutschlands . vereinigt (Gesamtteil# nehmerzahl etwa 60). Der Unterricht liegt in den Händen der Leiterin Frl. Eva Landsberg, Frau Deutschländer und Frl. Bacharäch. Der Inspektionsbericht spricht 5»ir.h auch über diese Neuschöpfung günstig aus. Die Sommerkolonie der Wiener Talmud-Thora. Nachfolgende Zeilen sind einen! Privat- Brief entnommen. Sie mögen nicht nur als Bericht, sondern auch als Ansporn für ahn- ' liehe segensreiche Taten gelten. Die Red. Die Fahrt war sehr angenehm, ln Preßburg wurden wir von einigen prominenten Damen erwartet und bewirtet. Bei der Paß- und Gepäcks re vision. hatten wir keine Schwierigkeiten. Nach einstündiger Fahrt mit dein .,Autobus kamen •wir!.hall! gebraten in Bösing an. Die Heimmutter erwartete die Kinder mit einem tadellosen Mittagessen. Die Wohnung dontselbst ׳ist einfach unbe׳ schreiblich schön. Wir. haben sechs riesige, Sdilafsäle mit getäfelten Wänden •und .Plafonds, Butzenscheiben und ein־• gelegten Fußböden. Die beiden Lehrerinnen haben ein prachtvolles •Schlafzimmer. Der Tagmun! der Kinder, . der nur bei schlechte,«! Wetter benützt wird, ist so groß, daß sie auch Fußball spielen können- Der Waschraum ist so;groß, daß iüdkm zehn Kind,ej;; zu gleicher Zeit-gewaschen w01^den k511ne 11; Sämtliche Koffer und ändere Toilettegegenstände sind in einer Riesen-Garderobe untergebracht, so daß die Schlaf räume׳ nur die Nachtwüsche haben. Während des Tages bekommen die Kinder keinen Zutritt zu den Schlaf räumen. Ich bin wider Erwarten bis nächsten Mittag dort geblieben, da ich nicht früher wegfahren wollte, bis nicht alles aufs; i-Tiipfelclien klappt, und ichgläube, mit Stolz sagen zu •können, daß wir eine.Mustcrkolonie haben. •Es ist einfach alles verblüffend schön. U,.m den Park zu umgehen, braucht man ungefähr 25 ■Minuten. Derselbe ist ganz eingezäunt, so daß die Kinder fast gar ■keine Aufsicht brauchen.־ Wir• haben •dort eine große. Spielwiese zugewiesen bekommen, auf der sie nach Herzenslust tollen können. Ich möchte den Park mit dem Lainzer Tiergarten vergleichen, so schön ist er. Drei Minuten vom Schloß entfernt ist ein prachtvolles ■eisenhaltiges'Bad..■ Ich habe nachmittags mit Fräulein Hanna Kahn bei Rabbiner Schill einen Besuch gemacht. Wir .wurden von -ihm besonders freundlich empfangen. Ich habe den!Rabbiner gebeten, sich in Schul, wo die Hand des Fräuleins nicht hinreicht; um die Jungens zu kümmern, er wollte sogar, daß die Kinder jeden •Nachmittag zu ihm lernen kommen. Ich habe es dankend ab gelehnt, da wir die Kinder nicht zur geistigen Pflege, sondern . zur körperlichen Gesundung hingebracht haben.׳ Ich habe angeordnet, daß die großen Buben jeden Abend in Schul sind, die kleinen nur Freitag;abends und Samstag •vormittags und alle Kinder mit den Lehrerinnen zu Sabbatausgan!g beim Rabbiner sind. Außerdem bat ich ihn, er möge ,bei einem der drei iüdisclifMi Aerzte intervenieren, daß er. einmal in der Woche die Kinder gratis ansduuit, was er mir auch bereitwilligst versprochen hat. Am Morgen war meine erste Arbeit, die Kinder in den Nachthemden vor dein •frühstück zu wieven. Gerda Mittelmann, hat assistiert. Zum Wasdien der Kindev waren zwei sehr nette!Mädchen da, zum Schuhputzen eine dritte Person. Ich muß sagen, wenn es weiter ■so bleibt, wie es den ersten Tag war, können wir sehr zufrieden sein. •Bei vielen der Kinder kam erst die richtige Grundfarbe zun! Vorschein, und wir waren alle überrascht, wie nett und sauber, von den Mädchen frisiert, die Kinder den Waschraum verlassen haben. Fräulein Mittelmann stellt dabei und beaufsichtigt die Kinder. Unsere Lavoirs haben uns wunderbare Dienste geleistet, denn das Heim hatte nur Porzellanlavoirs beigestellt, und ich glaube, •mindestens eines täglich wäre bestimmt zerbrochen. Das Waschen ’der Wäsche i!st auch eine kleine Ausgabe, jeder Waschtag wird uns auf 3.9 kommen, allerdings habe ich angeordnet, daß in den neun Tagen nicht gewaschen wird und in der Woche der Abreise nicht mehr gewaschen wird, Ich hoffe, Sie mit meinen Ausführungen nicht gelangweilt zu haben, will in kurze« Worten nur wiederholen, die ganze Aktion, ist einfach prachtvoll und mustergültig, Ich ■würde mich sehr freuen, wenn sich möglichst viele Leute davon iil erzeugen, und kauft speziell Frau Lola Kritzler auf ihre Leistungen stolz sein. Wir kämpfen momentan noch nvit einem Defizit von S 250 und wollen nüchtste Woche versuchen, das Geld hereinznbringen. Freuen Sie sich mit uns mit der gelungenen Aktion . und. erholen Sie sich recht gut in Ihrer Sommerfrische, und wenn Sie Schnorrwurzen fift’• •den, dünken Sie an uns. Seien Sie horziiehst gegrüßt von Ihrer S. P, ■ . J?

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