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Jüdische Presse · 1931-07-24 · 29 (24.7.1931) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
29 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrs« Tröstet, tröstet mein Volk! Die drei Trauerwochen, die airt Tischo*BeaW ihre tragische Kulmination erreichen, sind vorbei. Der Sabbat des Trostes hat sie abgelöst. Die Trauer um die Zei* Störung des Heiligtums ׳in Jerusalem, um den Verlust d:r staatlichen Unabhängigkeit in Erez Jisroel bricht bei jeder Jahreswende lebenswirklich und aufwühlend in jedem Juden auf, der das tragische Judenschicksal erleben muß. Dieses Judenschicksal ist raum* und zeitlos. Ueberall be* kommt der Jude zu fühlen, daß er nach Verlust der ein* stigen Heimat in Erez Jisroel überall heimatlos ist.'Heimat* los, wenn auch nicht nach dem Paragraphen der Staats* grundgesetze, so heimatlos nach den ungeschriebenen Ge* setzen des Blutes, das, oft unbemerkt, noch häufiger un* erkannt, in jedem Juden wirkt und sein Recht verlangt. Die jüdische Seele kann sich nicht restlos einfühlen in die nichtjüdische Umgebung. Viele der besten Köpfe unseres Volks .haben ehrlich gehofft und , geglaubt, daß es ihnen gelingen könnte, sich und jene, die ihnen Gefolg־ sebaft versprachen, in das geistige Gefüge der Wirtsvölker restlos einzubauen. Es ging mit dem besten Willen nicht. Entweder konnte der Jude dieses widernatürliche Kunst* stück nicht fertigbringen oder bäumte sich der andere Partner gegen die Verschmelzung mit als fremdartig emp* fundenen Elementen auf. Diese schicksalhafte Judenfeindschaft feiert zur Zeit nicht nur in dem klassischen Lande des Antisemitismus, in Deutschland, häßliche Orgien, sondern bricht auch in bisher von dieser Pest verschonten Ländern, wie in Mexiko und Saloniki, gegen nichtsahnende jüdische Menschen mit elementarer Heftigkeit los. Nicht das S o sein, sondern das Dasein des jüdi*. sehen Volkes ist eben die Ursache der Judenfeindschaft. Man verfolgt uns immer und überall. ,Gleichviel, ob wir Bauern oder Händler, Bankiers oder Industrielle, Künst* ler oder Gelehrte sind. Natürlich! Die Versuche der Volksaufklärung, der Völkerverständigung sollen von jüdi# scher Seite nicht vernachlässigt werden, aber man soll sich stets vor Augen halten, daß die wichtigste jüdische Auf־ gäbe ist und bleibt: die heilige Aufgabe der Innen* inission, die innere Festigkeit des jüdischen Menschen und die Konsistenz des jüdischen Volkes zu heben. Einer der meistversprechenden modernen Versuche־ auf diesem Gebiete war der Zionismus, der Gedanke, das jüdische Volk im Zeichen der Wiedergewinnung der alten Heimat zu einigen. Wenn auch in den meisten zioni* stischen Kundgebungen von der historischen Verknüpft* heit mit dem jüdischen Lande gesprochen wird, so muß doch festgestellt werden; daß von wahrer jüdischer ge* schichtlicher Verknüpftheit weder in der geistigen noch in der praktischen Palästina*Arbeit etwas zu merken ist, All jene, die sich als Träger einer schicksalhaften Ver* bündenheit mit der Vergangenheit fühlen und nach Voll* endung der, aus dieser Verbundenheit fließenden heiligen jüdischen Aufgabe streben, erblicken daher in dem zio־ nistischen Experiment einen untauglichen Versuch, den jüdischen Menschen zu erlösen. Auch das jüdische Land kann ohne organische Verknüpftheit mit seiner Vorzeit nicht erlöst werden. : Den religiösen Führern unseres Volkes, die* sen Nachfolgern der einstigen Propheten, obliegt es, den g*ttlichen Auftrag: T r ö s t e t, tr ö s t e t mein Volk!, zu erfüllen. Ob sie dieser historischen Aufgabe gewachsen sind? Es ist nicht unsere Sache, auf diese schicksalsschwere Frage zu antworten. Unsere Aufgabe ist eS, zu sagen, daß die Zukunft unseres Volkes bei aller Verdüsterung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, bei aller Verschärfung der sozialen Spannungen nicht ohne lichte Ausblicke, »nicht ohne trostreiche Momente dastehen wird, falls unsere religiösen Führer ihre innere Unabhängigkeit bewahren und so den Mut finden, ihre historische Mission, die Aufforderung G*ttes zu er* füllen: ״Tröstet, tröstet mein Volk!“ R. Ein Vorschlag an Gemeinden und Organisationen Die Frauenbewegung der Aguclas J' i s r o ß 1 hat schon nach wenigen Jahren der tastenden Versuche eine Frücht zur Reife gebracht, von der auch die skeptischen Beurteiler des jüdischen religiösen Gemeinschaftslebens zugeben müssen, daß sie ein Zeichen gesunder Lebenskraft ist. Wir meinen die zu Beginu des abgelaufenen Schuljahres in Wien eröffnete L e 11 r a n s t a 11 z u r A 1! s b i 1 d u 11g' orthodoxer R e 1 i g i ö 11 s 1 e h r e r i n n e n, im besonderen für die unter .dem Namen ״Beth Jakob“ auch außerhalb Polens mit einigen programmatischen Variationen, drijchtet'eii . orthodoxen Religionsschulen für Mädchen. Da werden aus streng jüdischen Häusern stammende ׳ Mädchen über 16 Jahren in zwei Lehrgängen von der Dauer je eines Jahres mij dem gesamten Lehrstoff d es j lid i sche n ReM g i o11su. nie rr i c h t e s, so f e r n er im Sinne der A g u d a s Jisroel, also des orthodoxen Judentunis, f U r d i e Erzieh u n g jüdischer Töchter um d zukü n f t i g e r o r t h o d oxjüdische 1• M ü t ter i 11 diesen Ländern i n Betracht komme n k|an11, vertraut gemacht und in die für de n jüdischen R e 1 ig i■ o ü s u nt e r r i c h t notw e;n d i g e n ,Eiemente der moderne 11 P ä d a g o g i k theoretisch und praktisch eingeführt. Das günstige Resultat des ersten Unterrichtsjahres in dieser Lehrerinnenbildungsanstalt läßt uns in der Hoffnung bestärken, daß mit dieser Lehranstalt die Voraussetzung geschaffen ist* um die Töchtererziehung auch hier in der Slowakei und den g 1 e i c h g*e a r t e t e•n Nachbarländern in die Bahnen lenken zu können, in denen wir sie sehen möchten. Wird die Leitung der Anstalt sich genau und möglichst streng an das klare Ziel halten, das ihr vorschwebt, und werden die religiösen Autoritäten uriserer Länder erkennen, daß hier einem tatsächlichen und unaufschiebbaren erzieherischen Bedürfnis in zureichender Weise entgegengekommen wird, so zweifeln wir nicht an ihi;em Erfolg. Der Typus der wahren thorabeseelten jüdischen Frau und Mutter, der vor unseren Augen dem jüdischen Hause, der jüdischen Familie und der jüdischen Gemeinschaft zu entschwinden droht, muß erhalten bleiben. Er muß es, wenn wir nicht durch Lässigkeit und Kurzblick, aus Bequemlichkeit oder auch Dummheit jüdische Welten zerstören und versinken lassen, wollen. Vater und Mutter sind nur noch in den seltensten Fällen imstande oder geistig und sozial ungenügend ausgerüstet, um dieses Erziehungsziel an ihren Töchtern nach Art der uns vorausgegangenen Generation aus eigener Kraft, sozusagen ״häuslich“, mit Aussicht auf Erfolg zu vollbringen. Wer sich und seinem besseren Gewissen das Gegenteil einzureden versucht, kann bittere Enttäuschungen erleben; er wird in vielen Fällen erst zur Einsicht gelangen, wenn es zu spät ist. — Das tägliche Leben schafft hiefür traurige Erfahrungen eine Menge und zwingt gewissenhafte Menschen. zur peinlichsten Wachsamkeit. Jede Selbsttäuschung in dieser Beziehung rächt sich bös. Wollen wir aber — und viele wollen das —, daß eine Frauen־ generation, wie sie im Sinne der Agudas Jisroel heute nötiger als je ist, jüdisch an Herz und Seele und unüberwindlich in ihrem Willen zur Thoratreue, wieder ersteht, so muß auf die zielgerechte Heranbildung von Erzieherinnen und Lehrkräften die k o n z e n 11־ i e r t e s te Sor gfalt verwendet werden. Ebenso wie die Anstaltsleiter sollen alle jüdischen' Männer und Frauen dieser Frage die größte Aufmerksamkeit schenken. Sie sollten darauf bedacht sein, daß die Wiener Anstalt eine dauernde Institution der thoratreuen Judenheit wird und bleibt nicht nur deshalb, weil ihre Gründer und Leiter sie aus freien Stücken clem thoratreuen Volke widmen, sondern auch deshalb, weil die offiziellen und gesellschaftlichen Körperschaften des orthodoxen Judentums sich das moralische Recht erwerben, sie als solche zu betrachten. Hiezu gibt es unseres Erachtens nur einen Weg: Stiftet Stipendien fiir die Heranbildung orthodox-jüdischer Religionslehrerinnen an der Wiener Lehreinnenbildungsanstalt! Zahlreichen jüdischen Mädchen aus den wiirdigsten Familien mit ausgezeichneter Eignung für den Beruf einer orthodoxen Religionslehrerin ist der Eintritt in die Anstalt, nicht gegönnt, nur weil sie nicht in der Lage sind, auch nur die minimalen Gebühren für Verpflegung im Internat der Anstalt (Dr.-Krüger-Heim) zu entrichten. Wir denken, eine jede o r t h o cl o x e Gemeinde a n cl eine jede religiöse j ü d i s ch e V e r e i n igang, der an einer gedeihlichen Gestaltung cler Zukunft im jüdischen Sinne etwas 1 i e g t, könnte d u r c h Schaffung kleinerer oder größerer S t i p e n cl ienst'i ft ungen dies er Sch wierigkeit abhe 1 f en. Oeffnet einen Weg zur Gesundung unserer Töchtererziehung! Ihr helfet damit euch selber-und euren Kindern. J. J. B. der weltbekannten PerUckenwerkstätte ü. C* W" ly; JCk 911* illü y r 8 Wl ISP CWold Britto!

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