Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 26 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ÜKESSt Nl2& -*»+■*****!/*** f--' Vö f I ü g 1 i c h t Oie Lehren der Tranerwochen. Die jüngsten Ereignisse in Spanien und Mexiko» Mben, uns ^angeregt, einmal Über den tieferen Sinn der jüdisehen Gesehiehte nachzudenken und nach der schul« mäßigen Definition des Wesens der Geschichtsphilosophie 5®s, ,f sychiSehe im geschichtlichen Werden, jenes große Gefühl, zu suchen, das Vergangenheit und Gegenwart des jüdischen Volkes aus der großen Masse der Menschheit heraushebt. Wir fanden dabei das Grundprinzip Jesaias nieder, das die jüdische Politik aller Zeiten — Abkehr von allen einseitigen Bindungen — aufstellt. Dieses Ptin« Äip ist es, das uns schon früher einmal, bei ganz anderem Anlaß (״Jüdische Presse“ Nr. 11), betonen ließ, daß für uns als Juden auch da, wo ähnliche Interessen ein ge־־ meinsämes Eintreten für die von nichtjüdischen religiösen Parteien gewünschte konfessionelle Schule geboten er« scheinen ließen, Umstände obwalten können, die eine deutliche Scheidung in Voraussetzungen und Folgen nicht aus dem Auge verlieren lassen. Neutralität, wenn auch manchmal sogar sehr wohl« wollende Neutralität, muß die Losung der jüdischen Po« ״tok selp> wie sic es auch in der Geschichte immer war. Sie ist eine von den vielen geheimnisvollen Kräften, denen das* jüdische Volk seine Erhaltung verdankt,־ und sie ist ־ ,®s auch,^ die Israel dazu verhilft, als inkommensurable Größe einsam, aber sicher auf Höhen , zu. weilen, die ihm eine gewisse Unnahbarkeit und Unantastbarkeit ver« ,bürgen. In einem Aufsatz ״Selbstbestimmung" (״Israelit“, Nr. 21) hat nun auch Rabbiner Dr. B. Cohen im Hinblick .auf Rußland nachgewiesen, daß es nicht gut wäre, im AUn^e* m*t die mit ihren Protesten auch weltliche ׳Ansprüche verbinden, gegen die Abschnürung der G«ttes־ ,lehre in Rußland aufzutreten. Er zeigt folgerichtig, daß .das religiöse. Judentum weder auf eine bestimmte Staats« form festgelegt ist, noch in der Staatsverfassung. der Sow« jets etwas finden kann, was mit den Eigentumsbegriffen fder Thora nicht in Einklang zu bringen sei. Wir sollen im stillen helfen, aber nicht Bundesgenossenschaft dort ,suchen, wo durch Widerstand gegen Schächtkampf und Pnedhofsschändung im eigenen Lande genügend Gelegen« heit wäre, zu zeigen, wie ernst• es mit dem religiösen Sonst laufen wir Gefahr, daß gerade das re« ligiöse Judentum die ganzen Kosten eines Kampfes zu tragen hätte, aus dem sich die Partner viel leichter mit .einem blauen Auge zurückziehen können. . Auch.das — menschlich freilich ganz begreifliche — Streben nach Anlehnung an außerjüdische Faktoren, wo es *sich dem JüdentÜm doch immer nur um ganz spezifisch 'distanzierte Dinge handeln kann, ist eigentlich nichts an« *•deres als eine höhere Fprm von Assimilation. Aber ebenso wie persönliche Assimilation immer nur!einem Bedürf« nis nach Bequemlichkeit entspringt und für das Indivi« •duum nie Aufstieg, sondern immer nur Abstieg bedeutet, ebenso ist auch die Assimilation in der Politik für daß jüdische Volk nur sehr wenig ehrenvoll. Wird dieser Ge« danke konsequent durchgedacht, so , kommt man von selbst zu dem Lo bechail w’lo bekoach des Propheten Secharja. Es ist Assimilation höheren Grades, einseitige und verderbliche Politik, wenn von einer Partei im Juden« tpm der Palästinü«Aufbau in den Dienst des kommunisti« sehen Gedankens (koach) gestellt und' damit nicht nur den konservativ eingestellten Engländern die Einhaltung der Mandatsyerpfliehtungen zu einem schweren Opfer der Gesinnung gemacht,־ sondern auch dem päpstlichen Stuhl bequeme Angriffsmöglichkeit geboten wird. Es ist aber fast ebenso unklug, weil einseitiger und geistiger Assimila« tion entsprungen, Syehn eine andere Partei glaubt,‘ durch .chail,/״ durch bewaffnete Macht, die Grundlagen für ein j(ü dis eh 65 Palästina schaffen zu können, und eine dritte- Gruppe-gar in Frieden und Freundschaft mit den Arabern oder in einer panasiatischen Verbrüderung. aller Orientalen, die Juden mit inbegriffen, die Basis für die Lösung und Erlösung gefunden zu haben meint. . . .־ .Alle diese , Anlehnungen an außerjüdische oder : pnjüdische Kräfte und Ideen führen, wie die Erfahrung leider genugsam lehrt, nicht zum Ziel, und es wäre an der Zeit, ihnen die jüdische Selbstbesinnung auf ein unfehlbares Prinzip entgegenzusetzen, das einfach fest« stellt, daß nur auf Thora, Awoda und Gemilus Chassodim das jüdische Leben und damit auch die jüdische Politik beruhen . kann. Halten wir in unserer Gesamtheit dieses Prinzip im Auge, und verleugnet oder vergißt es auch jeder einzelne von uns nie, dann kann nie mehr• ein :größer Moment in unserer Geschichte ein kleines Ge# schlecht finden. ' Gerade in diesen Wochen trauernden Gedenkens, die soeben am Höhepunkt des Sommers, also zu einer Zeit einsetzen, die der übrigen Menschheit nur dem Ge« nießen und Erholen geweiht scheint, empfinden wir am tiefsten den Tiefstand einer geistigen Assimilation, die unter dem Deckmantel des jüdischen Nationalismus — sogar nach den Worten des Rabbi Mosche Ostrowski — schamlosesten Hellenismus treibt. Ist eS denn nicht der Gipfelpunkt der •Assimilation, ein Hineinziehen fremder ^Begriffe und Anschauungen ins Judentum, wenn das Schlagwort von der sportlichen Erziehung zum obersten Götzen gemacht wird, dem sogar der Sabbat gerne ge« opfert ■wird, wenn nicht -־׳ wie jetzt der Makkabi for« dert —• ein Wochentag dafür zur Verfügung steht. Seit wann wird denn ein Land durch Wettspiele aüfgebaut? Wäre es nicht überhaupt׳vernünftiger, das an Spie« len ersparte Geld der so notwendigen Stärkung des Jischuw zuzuführen und weniger kostspielige Repräsentanz des modernen Palästina im Auslande als wirkliche Makkabäerw'acht und Makkabäerarbeit im Lande selbst zu leisten? Dann würde den Arabern und Christen in Palästina weniger Gelegenheit gegeben, sich an den durch das Verhalten des Makkabi verschuldeten Vor־ gängen, zu weiden. Es kann wohl keine nationalere For# derung als die nach einer jüdischen Einheitsfront geben, aber diese Einheitsfront kann, nie auf Kosten vieltausend« jähriger Güter verkauft werden. Da müßte denn doch lieber ein Mtodegötze geopfert werden, Auch die neueste Entscheidung des Waad Leumi. :kann natürlich nicht zufriedenstellen, die dahin geht, daß dem jüdischen Sportklub Makkabi die Austragung von Wettspielen an Sonnabenden unter der Voraussetzung gestattet werden soll, daß an diesen Tagen kein Karten־ verkauf stattfindef und, auf dem Spielfeld nicht geraucht wird* iDie Agudath Israel hat sich mit dieser Regelung nicht zufriedehgegeberi, sondern dem High Commissioner $ir John Chancellor ein Memorandum, überreicht, in dem die Erlassung eines Gesetzes, durch das Wettspiele am pabbät verböten werden, gefordert wird, Auch die Ober# W/Z: rabbiner von Jerusalem haben dem Sportklub Makkabi mitgeteilt, daß sie gegen Fußballspiele am Sabbat Ein« Spruch erheben. . > . ' Der Sabbat ist eben kein Sonntag und es ist auch gerade sein höchster Ruhmestitel, daß er es nicht ist. Wer den jüdischen Sabbat nicht will, hat in einem jüdischen Palästina nichts zu suchen. Wer aber nur einen leisen Hauch von wahrem Makkabäergeist in sich fühlt, müßte gerade am Fasttage des 17. Tammus, der u. a. eingesetzt wurde, weil an ihm ein Götzenbild im Heiligtum aufgestellt wurde, von Scham erfaßt darüber werden, daß unsere ״Makkabäer“ von heute das Götzenbild des Fußballs im Heiligtum des Landes der Väter aufstellen wollen. Noch mehr sollten wir uns dessen schämen angesichts einiger Beispiele von 'Opfern, die sogar Andersgläubige dem Sabbat bringen, wie zum Beispiel jener Adventistin, die in eiiiefn Leip« ziger jüdischen Wochenblatt eine Stelle in einem am ■Sabbat geschlossenen jüdischen Geschäfte sucht, oder vor jenem Sabbatisten in Elberfeld, mit dem sich eine interessante Gerichtsentscheidung vor einiger Zeit beschäftigte. Dieser Mann hatte seine schulpflichtige Tochter vom Schul# besuch an Samstagen zurückgehalten, und zwar mit der Begründung, daß seine Religion ihm das gebiete. Auf Anzeige hin hatte sich das Amtsgericht mit diesem Fall;zu-, beschäftigen. Das Gericht kam zu einer Verurteilung, die der Vater des Kindes durch Revision beim Kammer« gericht anfocht. ' " Auch das 'Kammergericht ist jetzt zu einer Ver־ urteilung gekommen. Der Angeklagte, so heißt es in den Urteilsgründen, könne sich nicht auf die Reichsverfassung berufen, die jedem deutschen Bürger die freie Ausübung seines Glaubensbekenntnisses gewährleistet. Da der Samstag׳ nicht־ zu den staatlich anerkannten Feiertagen gehöre, könne der Angeklagte als Sabbatist sich nicht über;das Schulgesetz hinwegsetzen. Nur Juden und Ad« ventiSten seien־ berechtigt, ihre Kinder auch Samstags vonf Schulbesuch fernzuhalten. .Am־ lehrreichsten, ist in־ diesem Zusammenhänge aber eine kleine Skizze, die Armin Wetkowitsch in der Prager ״Selbstwehr“ veröffentlicht. Er spricht dort über Eger, jene Stadt in Böhmen, die einmal, im Mittelalter, eine bedeutende Judengemeinde besessen hatte, von der u. a. auch der bekannte Rabbi Akiba Eger seinen Namen hatte, und fährt dann fort: ״Die zweite wichtige ,Frage ist: ob es noch in Eger Geschäftsleute gibt, die am Schabbos ihre Läden geschlossen haben? .— ,,Diese Frage muß leider negiert werden. Noch vor zehn Jahren war es der ehemalige Kultusvorsteher Moritz Beck s. A., der zu den Schomre Schabbös (Sabbat«Heiligender) zählte, ein Jahr nach dessen Hirischeiden jedoch lösten dessen Nachfolger diese heilige Tradition auf, was niemanden verwunderte. Vor Jahren tröstete mich ein mit langen. Peies und langer Schubize ausstaffierter Oestier, nachdem ich ihm gestehen mußte, daß wir außer der jüdischen Gasthausbesitzerin keinen mehr besitzen, der sich,zu ,Schomaur wesochaur’ (Sabbatweihe) bekennt, mit folgenden Worten:. ‘ . \ ,Hat lca Maure nit (Seien Sie ohne Sorge), es werden schon Lamedwownikes (36 geheime Gerechte) sein, die im stillen den Schabbos hüten (respektieren) werden. Sonst könnt’ doch die Welt nit bestehen!’ — Ich mußte mich mit dem Trost zufrieden geben, konnte mich; aber nicht orientieren, wo die Lamedwownikes ihr Re־ vier in Eger haben könnten! Am verflossenen Sabbat ging ich an einem *Zucker« Warengeschäfte (Schanzstraße 26) vorüber und ,las an der Türe eine Geschäftsnachricht, die mich förmlich ver« bluffte: ,Von Freitagabend bis Samstagabend ge־ schlössen!’ Du lieber Himmel, nach 25jährigem Aufent# halt in Eger sollte mir doch schon bekannt sein, wo in unserer Kehilla ein derartig strenggläubiger Glaubens« genösse wohnt? — So ein weißer Rabe müßte doch auffallen!, Eine Glaubensgenossin, die mein Staunen be-״ merkte, klärte mich über das Kuriosum auf: ,Die Besitzerin dieses Geschäftes ist Adventistin, die die Sabbatheiligung, wenn sie dadurch auch Qeschäftsentgang erleidet, auf das strengste beobachtet. Sie verargt es sogar den jüdi« sehen Geschäftsleuten sehr, daß sie das Sabbatheiligungs# ,gebot außer acht lassen.’ Es ist mir übrigens auch ein christlicher Hand־ werker (Zimmer« und Schildermaler) in Eger bekannt, der den Sabbat strenge heiligt. Vor Jahren erstand er bei mir eine hebräische Bibel und lernte, fleißig daraus. Der Nächste, der mich befragt, ob es in Eger Schomre# Schabbos#Leute gibt, erhält eine bejahende Antwort — ohne Bezug auf Lamedwownikes.“ Ja, in der Wertung des jüdischen Sabbat könnten leider viele Juden von Andersgläubigen lernen, die die Kraft des Sabbatgedankens fühlen und auf sich wirken lassen. Diejenigen Juden aber, die diese Kraft nicht zu fühlen vermögen, sind wie die Kundschafter, die ein ähnlich kleines Geschlecht, wie unser heutiges, ins Hei« lige Land entsandte. Alle diese Kundschafter waren, wie Raschi meint, zur Zeit, als sie erwählt wurden, anoschim kescherim gewesen. Daß sie aber ihre Mission auch tat« sächlich ausführten und glaubten, es sei von irgendwelcher praktischer Bedeutung im Plane der Vorsehung, 'die kurz vorher erst betont hatte ינישעת□ מאיביכס daß sie beob# achten und ihr Expertengutachten abgeben, das ״ nahm ihnen und ihren Mandataren den Nimbus der inkommen־־ surablen Größe, den Israel immer besitzt, wenn es sich selbst nicht vergißt. Nur als Kundschafter mußten sie die an und für sieh richtige, aber betrübliche Konstatierung machen, daß ו2ן היחץ געיגיהס . . . denn Israel ist nur dann hilflos, wenn es p ist7 das heißt wenn es in Me# thoden und Anschauungen der Umwelt gleich’ist, Dann merkt die Umwelt gleich diese Blöße und dann ist es vorbei mit dem Schutte der Wolken# und Feuersäule, Selbstbesinnung und Distanzhalten bilden die einzig mag# liehe Richtschnur für die#? jüdische Politik aller Zeiten und Länder'«• sie sind die P hi 10s0phie der jüdi* sehen Geschichte. M, Bollinger'Eiskasten sind satt 1870 dl« basten Fabrik:Wien, XV., Staglgasse 10 bei Mariahllferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R48-548 nilslei Wien VH, Btt#as*»««1 *«1• B 38-3.80 Der 17. Zionistenkotigrefi. (Basler Brief.) Dienstag, den 30. Juni fand in Basel die feierliche Eröffnung des 17. Zionistenkongresses statt, nachdem schon einige Tage־ vorher die Weltkonferenz der ziortisti« sehen Frauenorganisationen, eine MisraChi«Konfefenz und eine Sitzung des zionistischen Aktionskomitees stattge« funden hatten. ' ' Es ist diesmal keine Phrase, daß der Kongreß über das Schicksal der Bewegung entscheiden wird. Dabei ver# dunkelt das Führerproblem die wahren wichtigen Ver# handlungsgegenstände. Die Revisionisten haben erklären lassen, sie seien bereit, die Führung zu übernehmen, oder in eine Koalition einzutreten, die im Geiste ihres Pro« gramms zu arbeiten verspreche; besonders hoffen sie auf die Amerikaner, die sich in einigen Punkten den Revi« sionisten nähern. Sofort ist aber von Amerika abgeblasen worden und auch Grünbaum glaubt nur an einen ״saison« mäßigen“ Wahlsieg der Revisionisten. Die Programme der Landsmannschaften und Fraktionen weisen alle Schät# tierungen vom extremsten Anhänger und Verfechter eines Judenstaates bis zum gemäßigten Freund einer arabisch« jüdischen Gemeinschaft in Palästina auf. Bei der Debatte über das letzte Ziel des Zionismus wird man nicht um die realpolitische Erwägung herum־ kommen, daß die Araber die Balfour«Deklaration bis jetzt nicht anerkannt haben, daß ihr Geburtenüberschuß über den jüdischen und die jüdische Einwanderung hinaus 16.000 Personen beträgt, und daß auf der andern Seite die englische Regierung sich immer mehr und entschlossener auf die arabische Seite gestellt hat. Die Hoffnungen auf den Völkerbund schwinden immer mehr. Gewiß ist er eine ,gewisse Kontrollinstanz, aber die englische Regierung versteht es vorzüglich, dort leere Versprechungen zu machen. Konnte doch Dr. Shiels vor der Mandatskommis# sion erklären, daß die Fortschritte in den Jahren 1930 und 1931 vorzüglich seien, da nämlich außer einer kleinen Zahl isolierter Störungen keine Unruhen erfolgt sind; man sei der Palästina«Verwaltung zu Dank für die getroffenen Maßnahmen verpflichtet ... Immerhin ist doch ein bedeutender zionistischer Erfolg auf den eben zu Ende gegangenen Genfer Sitzungen zu verzeichnen. Dr. Shiels mußte den Bericht Simpsons als unmaßgeblich für die weitere Arbeit in Palästina erklären. Der neue Landentwicklungsdirektor wird nicht an die Empfehlungen Simpsons gebunden sein, sondern eigene Erhebungen machen und neue Ausdehnungspläne schaffen können. Nach den Angaben der zionistischen Experten gibt es in Palästina noch Länder genüg, um eine große Ein« Wanderung zu ermöglichen, ohne die Araber in ihrer Be« wegungsfreiheit;zu stören. ' 50.000 Familien sollen nach einer Aufstellung Ruppins leicht in der Landwirtschaft üntergebracht werden können. Unter Hinzurechnung der städtischen Bevölkerung, die bei einer solchen bäuerlichen Ansiedlung ernährt werden kann, wäre eine Aufnahme von mehreren hunderttausend Juden möglich, wenn . ־. . das Geld hiefür bereit wäre. Ein kleines Ereignis, das auf den ersten Blick nur lokale Bedeutung zu besitzen scheint, zeigt vielleicht, in welchem Zeichen die Rettung erblühen kann. Sonntag, den 28. Juni fand in Basel die Grundsteinlegung.eines neuen Gebäudes für 'das vor mehr als 30 Jahren dort begründete Beth Hamidrasch sat. Der bisherige Lehrraum hatte sich als zu klein für den stets wachsenden Kreis der Besucher erwiesen. Dieses Zusammentreffen von Ort und Zeit legt den Gedanken nahe, ob nicht' auch das große Gebäude . des Zionismus, zu dem ebenfalls vor mehr als dreißig Jahren in Basel der Grundstein gelegt worden war, auch in diesen schicksalsschweren Tagen endlich seiner Voll« endung nähergebracht werden könnte, wenn etwas von dem Geist des Beth Hamidrasch im Kongreßgebäude der Basler Mustermesse wirksam würde. Einweihung des neuen jfidischen Spitals in Bratislava. Das vor kurzem im Bau vollendete neue jüdische Spital in Bratislava hatte Sonntag, den 13. Tammus seinen großen Tag. Das Spital wurde unter großem Gepränge feierlich eingeweiht und kann in einigen Tagen seiner edlen Bestimmung übergeben werden. Der Neubau war mit den Staatsfahnen und grünem Laub reichlich ge# schmückt und ein rühriges Arrangierungskomitee sorgte geschickt dafür, daß unter den Hunderten, die aus der Stadt Bratislava und zahlreichen jüdischen Gemeinden des Landes gekommen waren, um an dem Eröffnungsfeste teilzunehmen, ungestörte Ordnung herrsche. Das Kura« torium des Spitals war ,*vollzählig erschienen. Die Regie« rung, das Landesamt, die Stadt Bratislava, einige Kon« sulate, die christlichen Kirchen, die Militärbehörden, die orthodoxe und die neologe Gemeindeleitung, die wissen# schaftlichen Institute, die orthodoxe Landeskanzlei, das Preßburger Rabbinat, zahlreiche Gemeinden aus nah und fern, die Preßburger jüdischen Vereine waren vertreten. Von auswärtigen Rahbinaten waren die Herren Ober« rabbiner Weinb erg er־ aus Dun. Streda, Alex. Weiß aus Seniea, Jos. Schill aus Pesinok und Singer aus Samoryn anwesend, Die Festgäste nahmen im Hofe des Spitals und auf den Estraden Platz, Die Rednertribüne war unter dem Haus# eingange aufgestellt. In der Menge herrschte eine feier# liehe Stimmung der Befriedigung über die Neuerriqhtung eines bedeutungsvollen Instituts der Menschenliebe, mit dem sich die Judenschaft Bratislavas beschenkt hat, Das Gebäude selbst und seine sanitären Einrichtungen haben wir vor kurzem in unserer Nummer 23 vom 11, Juni aus# führlich beschrieben, ' Das Einweihungsfest begann mit dem ״Ma Towu“# Gebet, das Herr Oheykantor Leimsieder aus