Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. t? ■Ä. s®!'/♦י׳יי"«;»« TRINKT MATTON l׳S״ GIESSHUBLER WELT BEWAHRTES HEIL-UNO TAFEL־ WASSER. Lebensversichernngs - Gesellschaft “PHÖNIX״ ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווחווחו 1 Gegründet 1882 Gegründet 1882 i Versiäietangsliesfaml Ende Mai 1929 2000 MllliooeD Sdiillg S fiaraaliemitfei Ende 1928 ■ •. 238 ׳ Millionen Sdilliing I Prämienand Zinseaeinnaiimen im Jahn! 1920 ..97V3 Millionen Schilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: _ Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische i Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, I Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechen- I land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten u. ehemaliger elmschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) f tt r I r-c43S0 Wien, II., Malzgasse 7 R-42S5-40 Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden S *®oChs ■u.'J5auph(£uAfiirXtaSw, ^aulfliüMaimiiOfeni&fiJ&äsraM י //. fflcdzgasse /6 Charakter hatten und auf Befürchtungen und Antipathien zurückzuführen waren, die ■meiner Ueberzeugung nach die moslemitischen und arabischen Führer zu wecken wußten und zu!politischen Zwecken wach erhielten. Ich sehe die Verantwortung jener Führer für Art und Führung der Aufhetzungskampagne, die zu den Unruhen im!August!geführt haben, ernster an, als aneine Kollegen es tun. Ich halbe nicht den geringsten Zweifel daran, daß der!Mufti übet• di!e ■Natur dieses Feldzuges im klaren war und daß er sieh die Gefahr von Unruhen vergegenwärtigte, die!immer da ist, wenn religiöse Propaganda aufreizender Natur unter einer moslemitisehen!Bevölkerung verbreitet wird. Obwohl ich' mit der!Meinung übereinstimme, daß die Arabische Exekutive a.l!s Körperschaft!nicht unbedingt verantwortlich ist für die Worte oder Taten!ihrer Anhänger oder!sogar ihrer einzelnen Mitglieder, kann ich schwer!glauben, daß die Aktionen einzelner Mitglieder der Exekutive dieser!Körperschaft unbekannt waren oder daß diese Einzelpersonen wirklich in!ihrer Eigenschaft als!Privatpersonen handelten. Ich ■bin überzeugt, daß die Masse des arabischen Volkes von Palästina in keiner Weise mit den bekilagenswerten Ereignissen vom letzten August!identifiziert werden kann.!Die!gute Beziehung, die an manchen Orten »wischen den Angehörigen ׳beider Rassen herrscht, wurde während der ־Unruhen durch einige tapfere arabische .Arbeiter ,sehr schlagend dargetan. Meine Prüfung der iBeschlüsse und Tätigkeiten der Palästina-Regierung ■während der dein Ausbruch unmittelbar vorangehenden Periode ■und während des ersten Stadiums der Unruhen ist von ■der Erwägung ausgegangen, daß!die der Regierung zur Verfügung stehenden militärischen und Sicherlieitskräffe unzulänglieh waren. leih kann nicht die Palästina-Regierung von der Schm kl befreien, ' daß sie nicht in einem offiziellen Kommunique der Legende, daß die Juden Absichten, auf die moslemitischen ■Heiligen Stätten haben, ent-’ gegengetreten ist. Die Tatsache, daß es einzelne Juden in Palästina und anderswo gibt, die die Jahrtausende alte Hofif-nitin^ liegen, daß, wenn der ■Messias kommt, der jüdische .Tempel auf der alten Stätte errichtet werden wird, hätte die ■Regierung nicht davon ab halten dürfen, das durchizufülhren, was meiner Meinung nach ihre unzweideutige Pflicht war. Ich habe das Gefühl, daß die Palästina-Regierung nie ■mit den Führern der jüdischen Jugend hätte.verhandeln ,sollen. Sie hätten von .Anfang an in unmißverständlichen Ausdrücken die Bedingungen niederlegen sollen,!unter denen es den jüdischen jungen Leuten gestattet sein würde, die!Kilagemauer •an diesem Tage zu besuchen, and ■sie hätten mit Festigkeit dartun sollen, daß, wenn diese!Bedingungen nicht vorbehaltlos angenommen!werden, ■die Regierung alle ihre Hilfsmittel!benutzen würde, um die jüdischen jungen Leute daran zu verhindern, die Klagemauer in corpore zu besuchen, ■und daß sie ■sofort jeden verhaften würde, der auch nur im;mindesten von den vorgeschriebenen Bedingungen ■abweicht. Dies ist heute überall in der zivilisierten Welt üblich und ■ein Verfahren, das in den meisten Hauptstädten Europas geübt wird, hätte sehr wohl hei 500 eigensinnigen jungen Leuten angewandt werden können. Irgend ,eine Form der Auswahl ist notwendig; die Regierung aber ist nicht!in der Lage, selbst diese Aufgabe zu übernehmen. Die Verantwortung ruht deshalb auf der Zionistischen Exekutive. Die politischen oder wirtschafispolitisclien Ansichten eines Kandidaten sollten;bei seiner Auswahl als ■Immigrant keine'Rolle spielen. Es Ast wahrscheinlich, daß die Führer beider Rassen ׳darin versagten, die Umstände und die Notwendigkeit einer dauernden Anstrengung zur Erreichung guter Beziehungen richtig zu würdigen. ■Die Juden besonders verwende Le n ihre ganizen Eneri en darauf, ehe r icl■e n ■K ö r per d e r n e ue 11 a ti0 n zu erbauen als i 1h•r■e ■See!1 e. _ Die größte Gefahr ist augenlbliokllick die, daß die arabische ■Erbitterung izu einer dauernden werden könnte. Die Führer der jüdischem Meinung sollen deshalb jede ■Anstrengung machen, um die Mißverstundnasse auf der Seite der Araber zu 'beseitigen; Als ein erster ■Schritt zu rassischer Zusammenarbeit würde ■es ׳sich empfehlen, daß einige wenige jFi/cjn BÖHMEN 0A\ ptlAnzliche ENTFETTUNGSMlTTEL. Männer beider Rassen, von unbezweifeibarem Charakter und Einfluß, Zusammenkommen und die Möglichkeiten gemeinsamer Bemühung zu gemeinsamen Zielen erforschen. Führende englische Politiker werfen der Untersuchungskonunission Ueberschreitung ihres Aufgabenkreises vor. London, 5. April.!(J. T. A.) Viscount Cecil of Clielwood, Jdhn BuOhan, Malcolm MaaDonakl (Sohn des Premierministers), Sir Arohibald Sinclair veröffent-!liehen einen gemeinsam Unterzeichneten Brief in den ״Times“, in welchem sie der Shaw-Kommission vor- ׳werfen, daß diese ihren Aufgaibenkreis überschritten habe, indem sie sich in ihrem Bericht mit Fragen höherer Politik befaßt. Sie handelte der zweimal ge- ®ebenen Versicherung des!Premierministers zuwider, der vor dem Parlament feststellte, daß Fragen höherer Politik nicht in den Aufga'benkreis der Kommission ׳fallen, sondern dem Ermessen der Regierung vorbehalten bleihen. In dem!Brief wird von der Regierung• verlangt, ■daß sie erstens da׳s Festhalten Britanniens an Geist und Buchstaben des Mandates neu versichert, ■und zweitens die Methoden wählt, mit denen die Bestiinmiingen des Mandates am besten erfüllt werden können. Allgemein wird zugegeben, daß ■die befriedigende Erfülliung des Mandates eine ,Aufgabe ist, •für deren ErfüHuiig Großbritannien feierlichst seine!Hand hingestreckt hat. Abänderung des palästinensischen Einwanderungs* gesetzes. (J. T. A.) ״Official Gazette" veröffentlicht eine Anzahl wichtige Abänderungen zum palästinensischen Einwanderungsgesetz, deren Zweck es ist, die bestehen־־ den Vrefügtingen zu straffen. Gemäß dem neuen Gesetz werden nur folgende Kategorien zur Einwanderung zuge* lassen werden: 1. Personen mit eigenem Kapital von nicht weniger als 1000 Pfund, die für einen Beruf qualifiziert sind oder sich mit Handel oder Landwirtschaft zu be* fassen gedenken. Wo es sich um einen Landwirtschaftler handelt, kann dieses Kapital in Boden, Inventar oder in Geldvorschüssen bestehen, die von einer seitens der Re* ierung anerkannten Agentur zur Unterstützung von odensiedlung präsentiert werden. Im Falle eines Indu* striellen kann dieses Kapital in Maschinen oder Geldvor* schlissen bestehen, die von einer seitens der Regierung anerkannten industriellen Agentur nachgewiesen werden. Ferner kommen für die Einwanderung beruflich tätige Personen in Betracht, die nicht weniger als 500 Pfund be* sitzen und von denen der Einwanderungsbeamte über* zeugt ist, daß in Palästina Angehörige ihres Berufes be* nötigt werden. Ferner ausgelernte Handwerker im Besitze von nicht weniger als 250 Pfund, vorausgesetzt, daß die wirtschaftliche Kapazität des Landes ihre Einwanderung zuläßt. Schließlich Personen, die ausschließlich ihres Ver* dienstes über ein sicheres Einkommen von vier Pfund monatlich verfügen. 2. Personen, deren Unterhalt ge* sichert erscheint״!einschließlich in öffentlichen Institu* tionen erzogener Waisenkinder, religiöser Funktionäre und Studenten, deren Unterhalt gesichert ist. 3. Personen, die eine definitive Aussicht auf Beschäftigung in Palästina haben. 4. Angehörige ständiger Palästina*Einwohner oder zu den obigen Kategorien gehöriger Einwanderer. Ein Palästina*Einwohner, der nicht Palästina*Bürger ist, muß sich, wenn er Palästina zeitweilig verlassen will, vor seiner Abreise ein Rückreisevisum verschaffen, dessen Aüsfolgung dem völligen Ermessen des High Commis* sioner überlassen bleibt. Jeder Einwanderer muß im Be* sitze eines gültigen Passes oder eines anderen Doku* mentes, das seine Nationalität und Identität bescheinigt, sein, sowie ferner im Besitz eines britischen Konsular* Visums oder eines vom Haupteinwanderungsbeamten ge* währten Zertifikates, oder aber er muß die Erlaubnis haben, den Inhaber eines solchen Passes oder Einwande* rungszertifikates, mit dem er verwandt und von dem er abhängig ist, zu begleiten. Mus Vergangenheit und Qegenwart. Der heutige Bestand der National- und Universitätsbibliothek. (J. T. A.) Bei Gelegenheit einer von der Leitung der Universität für die Presse veranstalteten Vorbesich* tigung des Gebäudes׳ der National* und UnivCrsitäts* bibliothek teilte der Direktor der Bibliothek, Dr. Hugo Bergmann, u. a. folgende Daten mit; Die B’nei Brith Loge in Jerusalem gründete im Jahre 1892 unter großen Schwierigkeiten eine Bibliothek, die unter dem Namen Beth Midrasch Abarbanel bekannt wurde. Dr. Joseph Chasanowitz, ein Arzt aus Bialystok, machte es zu seiner Lebensaufgabe, einen Grundstock für die jüdische National* und Universitätsbibliothek zu sammeln; nach seinem Tode im Jahre 1920 wurden mehr als 30.000 Bände, darunter sehr wertvolle hebräische Werke, nach Jerusalem gesandt. Das Gebäude der Bibliothek ist einer der modernsten Bibliotheksbauten im nähen Osten. Seine Aufbewahrungsräume fassen in den verschiedenen Stockwerken 300.000 Bände und sind mit metallenen Regalen, Glasfußboden und künstlicher Ven* tilation ausgestattet; ein Aufzug verbindet die ־ Lager* räume mit dem Entleihungsraum. Zwei Safes sind für besonders kostbare Werke bestimmt. Der Zeitschriften* saal bietet 45 Lesern Platz; 2000 Zeitschriften treffen regelmäßig ein. Von den 250.000 bereits registrierten Bänden sind die meisten (92.000 Bände) in deu t s eher Sprache geschrieben; an zweiter Stelle stehen Bände in englischer Sprache (40.000). Die Reihenfolge der am meisten benutzten Sprachen war im Vorjahr bei 31.180 Büchern, die ausgeliehen wurden, folgende: hebräisch, deutsch, englisch, jiddisch, russisch, französisch. Neben schöner Literatur und Büchern jüdischen Inhalts fanden Werke über Philosophie und Psychologie das größte Interesse. Der Beamtenstab der Bibliothek besteht ,aus 29 Personen. Beamte der Bibliothek wurden nach New York, Paris, London entsandt, um sich in modernen Bibliotheksmethoden auszubilden. Direktor der Univer* sitätsbibliothek ist Dr. Hugo Bergmann, die orientalische Abteilung wird von Dr. "Baneth, die hebräische von Dr. B. Joel geleitet. Frl. R. Cahan hat die Katalogs* leitung. Die Bibliothek enthält 181 seltene bibliophile Stücke, darunter 17 Inkunabeln, einschließlich der Proben aus der Druckerpresse von Abraham Conat aus Mantua, der spanischen Drucker, Lissaboner Nahmaniden. Ein einzigdastehender Text ist eine Ausgabe des Hoheliedes von Salomon Rossi, Venedig 1622, das erste hebräische Buch, das Noten enthält.* Ferner befinden sich dort 656 Manuskripte, darunter 160 talmudische Kommentare und rabbinische Schriften. Ein Manuskript*Katalog über kabbalistische und chassidische Schriften soll in Kürze von Dr. G. Scholem veröffentlicht werden. 5000 Autogramme und Photographien bedeutender jüdischer Männer und Frauen sind in der Sammlung von Dr. Abraham Schwadron enthalten; darunter ein Brief Heines, in dem er seinen Uebertritt zum Christentum bedauert, das Original von Einsteins Relativitätstheorie, sowie Schriften von Disraeli, Rathenau, Freud, Rabbi Akiba Eger, berühmter Talmudisten usw. 900 Pessach* Haggadoth aus verschiedenen Ländern sowie besondere Judaica*, Orientalia* und andere Sonderkollektionen be* reichern die Bibliothek. Die Mauern Jerichos. Die Mauern von Jericho sind tatsächlich, wie es die Bibel beschreibt, plötzlich eingestürzt, und zwar deuten alle Anzeichen darauf hin, daß sich dieses Ereignis wäh* rend der Belagerung der Stadt durch Josua zugetragen hat. Diese Entdeckung ist dem Professor Garstang ge* Spendet für den dar Adas Jlsroel, Wien, II., Nastroygassa 11 lungen, der zur Zeit in den Ruinen der biblischen Stadt umfangreiche Ausgrabungen vornimmt. Professor Gar* stang erklärte dem Korrespondenten der United Press, daß der Einsturz der Mauern anscheinend durch ein Erd* b.eben erfolgt sei. Genauere Feststellungen darüber konn* ten erst im weiteren Verlauf der Ausgrabungen erfolgen. Jedenfalls aber sei die Stadt vollkommen niedergebrannt worden, offenbar durch die Truppen Josuas. Professor Garstang hat sogar noch halbverbrannte Getreidevorräte in ihren ursprünglichen Aufbewahrungsräumen auffinden können. Ein äußerst wichtiger Fund besteht in einer In* schrift in archaischem Hebräisch, die wahrscheinlich na* here Angaben über die Eroberung dev Stadt durch die Israeliten enthält. Die Feststellung des genauen Zeit* Punktes dieser biblischen Ereignisse, so erklärt der Pro* fessor, werde auch weiterhin durch die klar erkennbaren Scherbenschichten ermöglicht, die bei den Ausgrabungen zutage getreten seien. Jedenfalls scheint festzustehen, daß die riesigen zusammengestürzten Mauern der Stadt den Bewohnern, die in Friedenszeiten außerhalb der Befesti* gungen wohnten, im Kriegsfälle als Zuflucht dienen soll* ten. Auch machte Prof. Garstang die Entdeckung, daß die Bewohner Jerichos in der Bronzezeit vor der Erobe* rung der Stadt durch die Israeliten ihren Göttern Kinder* opfer darbrachten. General Brussilow und der jüdische Soldat. In den demnächst in deutscher Uebersetzung erscheinenden Memoiren des russischen Heerführers Gene* ral Brussilow, des einstigen Lieblings des Zaren, der später eine hohe Stellung in der ״Roten Armee“ einnahm, kommt die folgende Episode vor, die die Stellung des jü* dischen Soldaten in der Zarenarmee zeichnet: ״Als wir am Bug standen“, erzählt der General, ״führte man mir bei einer Inspektion einen jüdischen Sol* daten vor, der nicht nur als der beste im Regiment, son* dem in der ganzen Division bezeichnet wurde. Er stund im Felde seit .Anfang des Krieges, nahm tapfer an allen Kämpfen teil, igar dreimal verwundet, kehrte aber immer wieder ohne Zwang sofort zum Regiment zurück, meldete 2