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Jüdische Presse · 1929-04-24 · 17-18 (24.4.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
17-18 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 17/18 PHONIX Leftensuerskherunss-GesellscliaEt cc mw■■ . - a w■ ■ ■ 99 I lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli I Gegründet 1882 Gegründet 1882 §§ Versicherungsbestand . . . 1800 Millionen Schilling j| Garantiemittel Ende 1927 . 192 Millionen Schilling §j Prämienu. Zinseneinnahmen H im Jahre 1927 . 71 Millionen Schilling | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: §§ Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische H Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, s Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechen- ‘H land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten | Kinder-ücrsor$un$s-Uersfcheruns | S§ ErZiviimigoitiuc 1u1 uua i\iiiu, oiciiic^ciu nucii detll ~ ff Tode der Eltern, und prämienfreie Versicherung des g Ü Kindes vom 24. Lebensjahre au " §j ill!lll|lll|||||!|l|ll!ll!lll|||i!||lllllü!1l||||[[|[[|₪״ siclits ׳der Fülle von Epezlal/wcciken,!die!sie laitstrcbt. Aber es bedeutet ■doch letzten Endes eine Utiiinöisltidhikcif,' wenn niain mit der Organisation und Pfropagjanda für die Agudja selber iinniejr ctr/st dann beginnt, wenn eine Kegßssio GediaulJo z׳u;erwarten ist. 1E;s idiinfte nicht ■Vorkommen׳, daß in den! letzten Monaten vor der ,Kenessio Gedaiulo erst ,ganze Länder ׳be- ■reist ■wenden!müssen, u!m das schlafende itg'iidkstischc Leben neu!zu stänken, m-ni Ortsund1 Jiigendgmppeii zu gründen. M׳it anderen Wörtern: d׳:!e agaidtstiscUc Ideologie, daß wir :leider .ge55׳wutilgen ׳sind, ׳uns zu einer Partei zusamirneniziiischließen, mm das alt jiidi sehe Ideal des Herausrci'ßems von!aller T:11!mo initten iim K mit uni eben dar Gegenwart 1Z11׳. vcnwirkliichen, muß in ganz anderer Weise als '.bisher, vicr’ki'mdet werden. E.s in .11 ß j e ■d er Fr a g e 11 d c e i 11 e A 11 t \’v pr t i i 11 d eu. Es muß ׳die!Kenessio Gedaulo ־sich'darüber klar werden,, daß die organisatorische Zu- ־!kiinift der Äg11׳da:s Jisroei davon aibhängt, ctb es gelingt, ■diie 'Lethargie u!i׳d die Gleichgültigkeit gegenüber der •Aguda ׳in ihren eigenen׳ Reihen ׳durch eine systematisch durengeführte ׳organisatorische Abteilung zu ■b 011 eiben. ■ ■ ,Auf die Frage de׳s תם ist in tausend Variationen zu antworten, daß wir auch beute aus befreien iasseu woben aus der Versklavung durch iiimjüdischc von außer — a׳us Mizrajlm — ihergeholter Ideologien. •כי בה וזק יד הוציא:ו ר׳ ממצרים IV. שאינו יודע לשאול Gilt das Voraii'gcsa.gt.e für die Mitglieder der agudi- ®tischen Weltorganisation selber, so trifft dieses in verstärktem Maße gegenüber der großen Masse des jüdischen Volkes ,zu, welche überhaupt keine Frage II a e 11 d e r Aguda s t e Ult, die nichts'׳davon weiß,' daß es eine Aguda gibt, und wienm sie es ׳weiß, .daran achtlos vorbeigebt. Mail vergleiche eiiumal!beispielsweise rein iiuaiititativ die Berichter■ Stallung über Vorgänge •innerhalb der A'gtida in der niciUagudistischeu Presse mi; dein Raum, ׳der die!Berichterstattung über nichtagudisoselie Dinge in agiidistiseheii Blättern ei111׳im׳mt. Mag sein, daß nicht immer böser Wille der Wumseh . ach Bagafclliskrung der Aguda diesem Schweigen ׳־ugrandeliegi. Mag sein, daß wir uns ,selber zu viel bagatellisieren-, mag sein, daß wir in nn- ׳weiser Sel'bstbesohräiikung glauben,, zu schwach zu . sein, um ln allen jüdischen Fragen (So\vjt trußland, Emigraüonstragen, Z׳us;;׳n1111־enscl11aß der Scf.1rdi1!׳, ideelle Nöte im Fr- .ziebiMigwweseii Nordu 11״! Südamerikas, Diaspornspl:׳ter in Abessinien, Spanien nswj akiiv Stellung zu nehmen; aber da׳s:e Selbsthesehränk-tmg •ist daun die Ursache dafür, daß in ׳dem ,׳betäubenden Lärm des ׳Tage, s die Stimme• der Aguda am.geliört ■verhallt. Wellen ׳wir ■uns Beachtung־ e r- 7. w׳i 11 g e, 11, d a 1111 d ii r!1 e 11׳ w 1 r 11 i c h t w■a r t e 11, b ■1 8 w i r i r g e 11 d ■w ״ a 11׳ g e g r ii 16i e 11 ׳w e r d e 11׳, bis ׳man von uns etwas wünscht, sondern wir ׳müssen uns ׳mit unserer Weltanschauung in d;er geeigneten Form ,an ׳alle jüdisch iuteresi.sierten Kreise •wenden■, um den alten herrliehen Glanz eines reinen univcnfälsehten Tln1ra־Judemurms ׳in jeder Frage, die die Jndemheit ׳angelit, zur Geltung 7u hringen und zu ■diese•!• unbedingt notwendig erhöhtem Aktivität der Aguda Stellung nehmen, והגדת לביד Sttdiejüöisc^e^ute ISoCAs ■u.26auph(Au&/urXnaSen- //. fflatzgasse 76 f PER SCHLAGER . ^111 ' von 1929. ״yjTmmäamhaus״ WENMWIEDNER HAUPTSTR.79 Wir liefern 10 neue Platten mit S 10.— Anzahlung und S 2.*— Wochenrate ohne Preiserhöhung Agudas Jisroei, was sie ist and was sie sein soll. Ein Versuch zur Bestimmung agudistiseher Ideologie von Sicgmunrl Forst, Wien. Wenn man einen Blick atif den Lauf der jiidiselten Geschichte,-auf die Gestaltung und den Werdegang der jüdischen Gemeinschaft wirft, dann sieht mau, daß die Existenz des jüdischen Volkes sich nie glatt und ruhig abgewickelt hat. Es scheint, als ob der tiefere Sinn unseres Seins in dem fortwährenden Kampf gegen außen bestünde. Es ist, als oh vom Anbeginn unserer Geistes- und Volksgemeinschaft ein fortwährendes Abbröckeln kleinerer und größerer Teile, ein Fortdauerndes Abfallen von Jliillen um den Kern des jüdischen Volkskörpcrs stattfände. Als man e.s gegen Ende des vorigen Jahrhunderts für gut befand, den Begriff der jüdischen ״Nation“ zu statuieren, da waren es zwei Gruppen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die sich dagegen wehrten. Und merkwürdigerweise zwei Gruppen, die einander konträr gegenüberstnnden. Es war die an der Peripherie des jüdischen Gedankens äugelangte Assimilation, die sich energisch da'gegen wehrte, in ihrem Anbicderungsbedürfnis .an die Umwelt gestört zu werden, und ferner die strenggläubige Musst' des Ostens, die (allerdings ohne ihre Jugend) der Idee des jüdischen Nationalismus scheu und feindselig gegen- Überstand. Anfangs, als die nationale Bewegung־ nur sozialökonomischen Charakter trug und eine nationaljüdische Ideologie, .wie'sie heute 7. B. von Achad Haani und Jakob Klatzkin existiert, noch nicht herausgebildet war, da war die Ablehnung eine rein. instinktive, aus dem untrüglichen Gefühl der Volksseele heraus. Heute vollzieht sich die bewußte reinliche Scheidung immer mein־. Es erhebt sich die Frage: Was war die Ursache dieser instinktiven •Ablehnung? Stellt denn der Gedanke der. ״jüdischen Nation“ im Widerspruch zum Weltbild׳ de^.'gläubigen Juden? ist denu der Gedanke des naiionnlen Seins durch׳, die Worte ע□ ישראל nicht unzählige Male im jüdischen Schrifttum erwähnt? Die Antwort auf diese Fragen finden wir in eben diesem eigenartigen Verhalten, in diesen jenseits aller bedingten logischen Erwägungen instinktiven Acußerungen der dem־ Ewig- Absoluten adäquaten jüdischen׳ Volksseele, Wenn wir all die Erscheinungen menschlichen Geschehens, die wir mit dein Wort ״Geschichte“ bezeichnen, resümieren, dann konstatieren wir eine gewisse Gesetzmäßigkeit in dem Sein der Kulturen, Staaten und Nationen. Es ist zur Denkmethode der Geschichtsbetrachtung geworden, die Phasen im Lebensweg des Einzelindividuiims auf das gesamte, Mensdiheitsgeschchcn ׳anzuwenden. Wir spreeben von Entwicklung, von Aufstieg und Abstieg, von Blüte und Verfall. Und es gibt keine Form der Gemeinschuft, keine gebundene kollektive Geistescrscheinung, die sich diesen ewigen Gesetzen entziehen könnte. In d e m A u g e 11 b 1 i c k, i 11 d e m d i e j ii d i s c he Gem e i n s c 11 n f t sich a 1 s 11 a t i o 11 a I 0 s Sei n f ii h I t, u n t e r w i r f t s i e s i c 11 d e 111־ G e s e t z d e s W e r- (lens und Vergelte 11s. Sie gibt ihre Einzigartig- . keit und Auserwähltheit auf, eine Einzigartigkeit, die i 111 ii 11 1' r 11 a t i 0 n a 1 e 11 Sei n des jüdischen Volkes bestellt. אשר כחר בני מכל העמים "das ist die Atiserwähiung aus dem V o 1 k 1 i c h e n und seinen Gesetzen, es ist die Stntuieruug der unbedingten,‘־übernationalen, Uberstaatliehen Gemeinschaft. . - Und die jüdischen Meiischcn haben es instinktiv empfunden, daß die Einbeziehung des Komplexes jiidischer Geistigkeit in den Bereich der .,Nationalität‘' im YVcsen an die Frage unserer: Einzigkeit rührt. Nehmen wir eine Ausunhmsstellung unter den übrigen Menschen ein? Sind denn die Gesetze des geschichtlichen Seins für uns nicht geltend? Bezeichnenderweise haben alle hinausstrebenden Kreise diese Frage der Ausinilnnsstelhing bedingungslos verneint. Mit der Beantwortung dieser Frage stellt und fällt die jüdische Gemeinschaft. Fs ist uns heute allen klar, daß die sogenannte jüdischnationale Bewegung im Grunde nichts ist als eine Assiinilntiouserscheinuug־, die versucht hat, das jüdische Sein auf ihre Weise in die Bahn der Weltlichkeit, des g e s c 11 i e 11 11 i c 11 e n Seins zu ziehen. Ist denn im Wesen ein Unterschied zwischen Achad Ilaam, dem Wortführer Spencers,' und Jakob Klatzkin, dem Njetzscheaner, einerseits und Hermann Cohen, dem Kantianer, andererseits? Steht denn der eine uns näher als der andere? Seit Juden existieren, hat es immer Gruppen gegelien, die mit größerer oder geringerer Intensität hinaus wollten. Nein, nicht hinaus wollten sie, sondern nur gewissermaßen existenzfähig sollte das Judentum werden. Du waren die Samaritaner, die Kuthim und liebäugelten mit Babel, da waren die Hellenisten, die Sadduzäer, Philo und Josepluis, die zu Hellas und I\om die Brücke schlagen wollten, und nie konnte man sich anders helfen, als durch völlige Abkehr, durch gewillt.- sames Entfernen aller ■angekränkelten Teile. Esra warf sogar ein gewichtiges nationales Attribut über Bord: er führte die assyrischen Schriftzeichen ein und überließ die altliebrüischcn den Samaritanern, um so eine Scheidewand zwischen ihnen und uns aufzurichten. Als Ptoleinäus 11. Philadephus die Bibel ins Griechische übersetzen ließ, fastete man in Palästina. Als in den Sadduzäern dem Judentum ein gefährlicher Feind entstand, dem selbst die Tempeluristokratie angehörte, da waren e.s wenige Menschen, welche die Bewahrer des jüdischen Gedankens blieben. Es waren die פרושים Schon dieser Name lehrt uns, worin das System dev Erhaltung gelegen war. Die פרושים waren die Vertrete!־ des jüdischen Einzigkeitsgedankens, als Kämpfer gegen jede Verwischung und Amalgamierung. Durch den Verlauf des jüdischen Seins läßt sich eine ununterbrochene Kette von Bewahrern der jüdischen Einzigkeitsidee verfolgen. In der Wüste waren es die בני לוי die Bindung jüdischer Einmaligkeit und Einzigkeit an Gottes Einheit knüpften. Später die Kohanim, die Newiim, die Rabbanim und noch später■,■׳ als durch die Emanzipation die assimilationsliisterne Masse jüdische Geistigkeit zu verfälschen begann, zur selben Zeit, als die Enzyklopädisten Rousseau und Voltaire die ״Aulklärung“ einleiteten, in Moses Mendelssohn ein Vorläufer von Hirschs ״Thora im Dcrecherez" auFstand, da bildete der gesunde Instinkt der jüdische״ Volksseele eine Bewegung, die derart eine lebendige Verkörperung der jüdischen ״פרישות Idee bildete, eine Intensivierung jüdischer Geistigkeit in sich schloß, so daß heute, wo sie an einem kritischen 'Wendepunkt steht, mit dieser Krise der Bestand des jüdischen Volkes berührt wird. Es ist die c ii a s s i d i s c 11 e B e w e g u 11 g, die auch längst nicht mein: ist, was sie war. Unsere Lage ist dermaßen tragisch und verzweifelt, daß ohne den Glauben an den übernatürlichen Weg des jüdischen Volkes man jede Möglichkeit unserer weiteren Existenz für utopisch halten möchte. Aber was liegt schließlich ■an unserer Existenz? Wenn das übernationale, jenseits der Geschichte sich vollziehende Sein des jüdischen Volkes eine Ausstrahlung göttlichen Willens ist, dann werden nir den Weg finden, ohne auch nur ein Pünktchen des jüdischen Lebensinhaltes aufgeben zu müssen, denn d a 711 h a b c 11 av i r k e i n R e e h (. Agudas Jisroei Avärc die berufene yertreterjn, den Gedanken des פרישות fortzuführen, unter Aussclialtuug der konipromißhäfteii Lösung, eindeutig nach außen Stellung zu nehmen unter Betonung unserer völligen Beziehungslosigkeit zu den anderen, jüdische Geistigkeit zu intensivieren. Dem rapiden Ilinsteuern der östliehen Jugend zu S. R. Hirsch Einhalt zu gebietein die ..Erkenntnis ..zu... verbreiten, daß dieses System des Kornproiuisses eine Atmosphäre von falschem, bürgerlichem, philiströsem, moralisierendem Judentum erzeugt, die absolut keine Gewähr für den Bestand des jüdischen;Volkes bieten^ kann. Es muß agtidistisclie Wissenschaft geschaffen werden, die den Gedanken jüdischer Einzigkeit und Einmaligkeit vertritt lind ans ihm heraus an die Lösung des Problems herangellt, eine Weltnnschauung schafft, die mit jüdischer Geistigkeit nicht als J110ralischem mul ethischem Faktor, sondern als Ganzes und Vergleichloses zur rationalistisch-mechanischen Welt Stellung nimmt. ' . , Aufgabe der Kenessio geilolu Avird es sein, die Verwestlichung־ der Agudas jisroei hintanzuhalte״ und durch eindeutige Festlegung unseres Verhältnisses zur Umwelt dem jüdischen Volke eine Basis zur weiteren Existenz zu geben. Sensationelle Neuerscheinung! .,Igroth Sopherim4' 250 Privatbriefe von Rabb.: Akiba Eger, Chasam Sofer, Ksaw Sofeiy Schewet Solar! . R. Sinion Solar und mit 24 hochinteressante!! Bildern, Unterhaltend! Belehrencl! Preis des 420 Seiten starken Buches, auf feinstem, Papier gedruckt, in Pracht- •'''•" Leinenband S12.— Jos. Schlesinger, Wien, l. Seitenstetteng.5. EINLADUNG zu der Sonntag, den 28. April 1929, im Turnsaale der Schule Wien, 11., Malzgasse 16, um halb 11 Uhr vormittags stattfinaenoen ordentl. Generalversammlung des Wiener Schulvereines Talmud-Thora Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Kassabericht. , Erstattet von Generalsekretär Rabb. Dr. Joel P o U a k. 2. Begrüßung des Schularztes Herrn Dr. Isidor Reiniger anläslichs einer Ernennung zum-M e di z i n al rat. (Sprecher Dr. Josef Bond i.) 3. Unser neues Schulhaus, unsere neuen Aufgaben. (Referat erstattet von unserem Vorstandsmitgliede Herrn Universitätsprofessor Dr. M. Eisler.) 4. Vorbereitung zur Feier des.achtzigjährigen Be- Standes der Schule. 5. Neuwahlen. 6. Anschließend a die Generalversammlung findet die Gründung des Vereines der gewesenen Schüler unter Mit- Wirkung des Herrn Josef Glückselig,' der im Grün- ' dungsjahre 1851 die erste Klasse der Schule besucht hat, statt. SIGMUND BONDI Obmann.

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