Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 31 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630244-2630274--3048-2634999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE PRESSE Seite 199 Nr. •31 ■fährt Dr. Saleeby fort, und nicht weniger die Jüdin sind den Freuden der Tafel zugetan, sie essen zu reichlieh- Die für Juden charakteristischen Krankheiten sind demgemäß übermäßige Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs des Nahrungskasales. Auffallend gering sind bei den Juden die Krebserkrankungen in jenen Körperteilen, die Moses sie zu schützen lehrte. ltgj)| Nachrichten.!0 Zur Beachtung! Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer ■aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab זמן הרלהת הנר עומצ״ש nach den מנהג ותיקיר nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfiigung gestellt. "התאחדות יראים" ווינה ״Hitachdut Jereim“ Vereinigung Thoragesetzestreuer Juden in Wien II., Heinestraße 30. T. 15. ב״ה ס׳ ראה זמן הדלקת הנר עש״ק שעה 7 עם 05 מינוט זמן שקיעת החמה עש״ק שעה 7 עם 18 מינוט, _זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 8 עם 17 מעוטי Der Sadagoraer Rebbe nach Wien zuriiekgekehrt. Großrabbiner M. Friedmann, Sadagora, weilte wie alljährlich auch diesen Sommer mehrere Wochen in Galizien, in der Bukowina und auch in Bessarabien. Nach) seiner־ Heimkehr nach Wien hatte er dem Geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel einen überaus interessanten Bericht über seine Wahrnehmungen erstattet, aus dem wir einiges zum Abdruck bringen. In Bessarabien ist ein erfreulicher Aufschwung der Agudaidee zu konstatieren. Nicht nur der Senior der Agudabewegung, der gewesene Senator Oberrabbiner Z i r e 1 s o h n, ist eifrig bemüht, die Fahne der Agudas Jisroel hochzuhaltön', sondern auch in der jüngeren Rabbinergarde finden sich einige ganz hervorragende Persönlichkeiten, die mit ganzer Seele der Aguda ergeben sind, so Rabbiner Barnbeim, Marculest und Rabbiner Portugal in: Skalieny. Auch in der Bukowina ist eine begeisterte Schar von Agudisten besonders unter der Jugend vorhanden. Oberabbiner H ag e r in Wyschnita, Oberrabbiner Rubin in Kimpolungf, ferner Obtrrabbiner Margosches in Dornawatra sehen in Agudas Jisroel die einzige Möglichket, die. Interessen der Orthodoxie in der Bukowina zu verteidigen. In Galizien, hob der Rebbe hervor, macht die Beth Jakob-Bewegung sehr erfreuliche Fortschritte. Auch in Städten, wo die Existenz der Schulen durch mancherlei Unzukömmlicheiten in Frage gestellt werden, gelang es dem Rebbe, durch sein Eingreifen den Bestand der Schulen zu sichern. Sambor, wo einst die Zionisten einen iibert ragenden Einfluß hatten, wurden jetzt elf agudistische Vertreter gewählt. — Zahlreiche Berichte erhalten wir auch aus verschiedenen Städten Galiziens und Bessarabiens, aus denen., wir. nur . hervorheben möchten, daß in den., zwei bessarabischen Städten, die der Rebbe aus Sadagora besucht hat, ihm ganz besondere Ehren erwiesen׳ wurden. In einem dieser, Städtchen wohnen mit Ausnähme von zwei Familien lauter Juden. In.Chirow in Galizien fand während der Anwesenheit des Rebbe der Chinuch der Sadagoraer Klaus unter imposanter Beteiligung der Sadagora Chasidim der ganzen Umgebung statt. Nathan Eidinger als Wohltäter. Die Czernowitzer ״Ostljiidische Zeitung“ berichtet über folgende edle Tat des von uns erst vor einigen Wochen anläßlich des 1Preß- Prozesses des ׳Grafen Czernin (gegen die ״Neue Welt“ eingehend gewürdigten Herrn Nathan Ei ding er. Am 27. Juli 1. J. passierte )Herr ■Nathan Ei ding er die Grenz- Station Zalucze-Sniatyn. Hier fand er sieben jüdisehe Familien, die aus Palästina zurück in die polnische Heimat fuhren. Sie waren mit der seinerzeitigen großen Aliä'h.nach!Erez Israel ausgewandert, im ׳Glauben, man könne die Golusexistenz in Palästina unter besseren Bedingungen fortsetzen. Sie haben ihren!Irrtum erkannt und ziehen nun heim. Als sie!Herr Eidinger sah, war ihr Zustand bejammerswert. Er erkannte die Notwendigkeit der Hilfe und gab fast alles her, was er bei sich trug. Es waren 110 englische Pfund und 300 deutsche Goldmark, alles in allem etwa 110.000 Lei. Da er Weiterreisen mußte, überließ er die Verteilung dem Zugsrevisor Wolf G r ü n b e r g, der sie in Gegenwart td'er ■Grenzpolizei und einiger Einwohner von Sniatyn vornahm. Von diesem erfuhren wir den Vorfall, weil Herr Eidinger selbst das Gute, das er so oft tut, nicht an die große ׳Glocke hängt, was den Wert seiner Wohltaten verdoppelt Wir haben uns angelegen sein lassen, über den Modus der Verteilung Näheres zu erfahren, und wir sind auch im Besitze der mit den Originahinterschriften der Verteiler und der iBeteilten versehenen Bestätigung. Die Familien wurden nach ihrer Kopfzahl beteilt. Sie Ctammn-n זוג« Pinck- Rialvsfnk. I.nrk 11nd Warschau. Pension ״Jupiter“ in Ischl unter Aufsicht des Hain- •burger Speisevereines. Wie uns aus Ischl berichtet wird, steht die Pension ,,Jupiter“ seit dem 26. Juli unter Aufsicht des Hamburger Speisevereines. Die Leitung der Pension selbst legte großen Wert darauf, daß die einwandfreie rituelle Führung des Betriebes von autoritativer Seite bes tätigt werde. Der Hamburger Speiseverein entsandte nach ׳Ischl einen Vertrauensmann, der S Tage lang den Betrieb strengstens kontrollierte und nach Ablauf der Untersuchung, von der einwandfreien Führung überzeugt, die rituelle Aufsicht über den Betrieb übernahm. Frau Gitel Strauß. Im 65. Lebensjahr verschied nach langer Krankheit Frau Gitel Strauß in Wien. Sie entstammte einer großen Familie, Rabbi Akiba Eger und Rabbi Daniel Proßnitz, zählten zu ihren Ahnen. Rab. biner H. Schenk und Rabbiner Dr. Joel Pollak würdigten im Trauerhaus den frommen Lebenswandel der Verblichenen. Frau S. Friedmann. Freitag, den 17. Aw, wurde; Frau S. F/iedmann, die im Alter von 53 Jahren ihrem( am 23. Adar verblichenen Gemahl Meschulem Friedmann ins Jenseits folgte, unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Das Ehepaar Friedmann führte ein echtjüdisches Haus und verstand es, die Kinder zu thoratreuen, aufrechten Juden htranzuziehen. Mjt Rücksicht auf den Freitag wu׳rden von Hespedim Abstand genommen. Sijum in Oradea. Am 23. Tamus ,fand anläßlich des 3, Jahrzeittages nach dem jungverstorbenen ׳Rabbiner Jesaia •Rolla'k eine eindrucksvolle Erinnerungsfeier, verbunden mit einem Süjumfest ■auf Massechet iMakot statt. Die Feier fand in der Schaßchewra, deren Rabbiner Rabbi Jesaia Pollak 30 Jahre lang war, statt. Die erste Rede hielt der Sohn und ׳Nachfolger des •Verblichenen, Rabbiner Moses Pollak, der durch sein Hadran bewies, daß er die geistigen Qualitäten seines Vaters geerbt hat. Nach ihm sprachen noch Oberrabbiner Benjamin Fuchs und Rabbi Pinchas Z i m m e t b a u m. Krakau. H. A. Gordman (London), 1M. Lewenstein (Zürich) zur Besprechung ׳mit Vertretern der Agudajugend Galiziens 1hier ׳eingetroffen. I Sommer I I Räumungs-Verkauf! I im Warenhaus | Brüller Sohiftmann, ILTaliorstr. 48§ § Unglaublich billige Preise I Artikel Breite per M eter 1 s Diagonal-Seide $ז61£16ז 65 cm S 1.98 | i Seiden-Brokate ££Jkueter־ 85 cm S 2.501 | Rejane Kleldetselde 90 cm S 2.901 | Waschseide S?se 80 cm S 2.90 1 i 5 Söiv/eie Rohseide?riaSS?” 80 cm S 2.981 | Crepe Marocaine KU 100 cm S 3.901 | Mantelseide Jp “יי״ 95 cm S 4.901 | Crepe de Chine, imprime 100 cm S 7.90| | In unserer 1 Resten mme 1 2 (Im Tiefparterre) bieten wir : js 5 Modernste Kleider de laine per Meter . . S —, 89 K.-Seide per Meter ..S —. 98 I Original Schweizer Voll-Elamine fabelhafte. Dessins, 110 cm br. S 1.98 E S Provinzversand per Nachnahme! 5 nillllllllillllllllllllllllllllllllllliillllllllllllllllllllllllltllllllllR Die Jüdische Volksschule ln München. Der Antrag auf Beschaffung der zur Fortführung der Jüdischen Volksschule in!München erforderlichen Gelder zur Erstellung weiterer •Schulräume begegnete auf der Tagung der bayrischen Gemeinden in!Bamberg zwar weitgehender Sympathie, ׳man fand aber doch genügend juristische Bedenken, um das Gesuch abzulehnen. Der Antrag auf Gewährung eines hypothekarisch gesicherten verzinslichen Darlehens wurde daher erneut der Kultusgemeinde München vorgelegt. Er wurde in der Sitzung vom 12. d. M. ׳mit den gleichen sattsam bekannten ״liberalen“ Gründen abgelehnt, da. der liberale Wortführer prinzipieller Gegner einer konfessionellen Schule ist, und der Fraktionszwang auch diejenigen Mitglieder band, die persönlich geneigt gewesen wären, dem Antrag ■zuzustimmen. Auch die Bemühungen des Präsidenten der Verwaltung O. L. G. R. Ncitmeyer (lib.), der der!Majorität klarzumachen ■versuchte, daß die Erhaltung ■der Schule auch ohne Preisgabe liberaler!Weltanschauung möglich sei., war vergeblich. Der Verein Ohel Jacob ist nun genötigt, aus eigener Kraft die Mittel zur Erhaltung der Schule aufzubringen. Vierzigjähriges Amtsjubiläum von Oberrabbiner Onderwyzer. Uns Wiener Juden ist wohl noch in lebhafter Erinnerung die rührige Tätigkeit, die der Amsterdamer Oberrabbiner nach dem Krieg im Interesse der leidenden jüdischen Bevölkerung und besonders in der ׳Fürsorge für die in!Holland aufgetiommenen jüdischen Kinder entfaltet hat. Es wird uns daher die prächtige Feier, die die Amsterdamer Judenschaft, ja die Amsterdamer Bürgerschaft zu Ehren seiner 40jährigen, Seelsorgertätigkeit veranstaltete, ganz besonders berühren. Die Feierlichkeit fand in der Festhalle des Amsterdamer Kolonial-fnstitutes statt. Nebst den holländischen Oberrabbinen und anderen führenden Persönlichkeiten des Judentums waren der Amsterdamer Bürgermeister W. de Vlugt und drei Stadträte anwesend. ■Der Raummangel verbietet uns leider, einen ausführlicheren Bericht über die Feier zu bringen. Der Glanzpunkt des ׳Festes war, als der!Bürgermeister einen!Brief verlas, worin die Ernennung des Jubilars zum Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen seitens I. M. der Königin mitgeteilt wird, worauf der Gesangchor unter Leitung des Oberkantors Marocco das holländische Nationallied anstimmte. In seiner Dankrede hob der Oberrabbiner bescheiden hervor, daß er die ihm erwiesene Anerkennung nicht großen Gaben oder außergewöhnlichen Fähigkeiten zu danken hat, sondern dem Umstand, daß er sich nicht in einen engen Kreis eingeschlossen ■hat, sondern über die Grenzen seines Amtes geblickt und sich bemüht hat, das Gute zu würdigen, wo er es findet. Im Namen der Agudas Jisroel begrüßte Oberrabbiner Hirsch aus Zwolle den Jubilar. Er ׳schilderte seine!Bedeutung in der Aguda-Bewegung, der er mit Herz und Seele zugetan ist. ״Wir sind stolz darauf״, daß Sie,!Herr Oberrabbiner, zu den Unsr-igien gehören. Die Aguda ,wird eine Form zu finden wissen, Ihren!Namen auf immer mit der Aguda zu verbinden.“ Zum Schluß dankte der Oberrabbiner, dem eine Adresse mit über 1000 Unterschriften überreicht wurde, und schloß mit einem ׳Lobspruch auf ■Amsterdam, dem ״kleinen“, nein ״großen“ Jerusalem, indem er G-ttes. Segen auf seine Gemeinde herabflehte. Rabb. Eduard Duckeß 60 Jahre alt. Der al'Iverehrte ׳langjährige Dajan unserer ׳Gemeinde, Herr Rabbiner Ed. Du c.k e ß, der seit 38 Jahren in unserer Klaus ׳lehrend ׳und!lernend winkte und sich •durch seine Familienforschung!(besonders durch seine Werke: Iwoh lemoschaw und Ghachme <A׳hu) einen׳ weit vefbreieteten Namen ׳erworben hat, beging am Gtoamischo Ossoar Beaw seinen 60.!Geburtstag.!Herr Rabbiner Duckeß;ist auch als IMohel 'hochgeschätzt, ist erster 'Gabbai d׳er C'hewro Kadischo und hat sich während der Kriegszeit durch ׳seine Fürsorge ׳für die!jüdischen Kriegsgefangenen ganz besonders ׳verdient gemacht. — Wiir wünschen dem verdienten Lehrer und Gelehrten weitere ׳lange Jahre der frischen, segensvollen Arbeit im Interessie seiner Gemeinde und der Gemeinschaft Rabbi ■Mosche Schmelkes.!Die ׳polnische Orthodoxie hat in Rabbi Mosche׳ Schmelkes, der im Alter von 75 Jahren in Krakau verschied, ■einen ihrer wertvollsten Vorkämpfer verloren. Rabbi Mosche Schmelkes galt schon in seiner Jugend als ein!hervorragender Talmudist, dem es gelang, weltliches Wissen ■mit ׳wahrer Religiosität zu verbinden. Sein reger!Geist und ■seine schwärmerisch-kämpferische Natur ließen ihn frühzeitig in die Oeffentlichiket treten. Er schuf seinerzeit die orthodoxe Partei in Krakau, welche gegen den assimilierten!Gemeindevorstand!kämpfte. Rabbi Mosche!Schmelkes war in Vertretung dieser orthodoxen Gruppe 40 ,Jahre hindurch Mitglied des Krakauer!Gemeinde- Vorstandes.!Bel!der!Gründung der Agudas Jisroel trat Reb Mosche Schmelkes mit der ganzen Kraft seiner Persönlichbegab sioh nach Konstantinopel und von!da nach Adrianopel. 'Hier gründete er ein Lehrhaus, aus dem bedeutende Schüler, wie R. •Mose ׳(Maharani) Al sch ach, hervorgingen, und arbeitete ■an dem Riesenwerke (!Beth Josef), ,den Glossen zu den Turim desR. Jakob. Im Jahre 1535 reiste R. Josef Karo nach ,Erez Israel. Der Weg führte von Adrianopel nach Konstantinopel, von da segelte Karo nach Aegypten und ׳im Elul 5296 (1536) langte er in Safed an.2) Auch hier gründete er ein Lehrhaus, das von ׳Schülern 1besucht wart '׳und war schriftstellerisch!bis an sein, Lebensende, an einem Donnerstag, den 13. Nissan 5335 (1575) tätig. An dem Riesenwerke Beth Josef arbeitete R. Josef Karo ׳zwanzig Jahre (1522 bis 1542). Es enthält Glossen und einen Kommentar zu den Turim des R. Jakob. Außerdem Wird zu jeder Halacho die talmudische!Quelle heratigezogen und ausführlich behandelt. R. Josef Karo schuf nach weiteren zwölf Jahren das monumentale Werk, den Schulchan Aru cf!שלהן ערוך Dieses stellt sich als eine Kürzung der Turim und des Werkes!Beth Josef dar und die Vierteilung in!.אורח חיים (Orach Chajim), 2, י1רח דעח ( jore Dea), 3.אבן חעזר (Eben Haeser) und 4.חשןחםשפט (Chosohen Hamischpet) wird beifeehalten. Während in׳ den Turim die Ansichten der פוסקים Dezisoren bloß angeführt werden, trifft R. Josef Karo selbst אכהת רוכל סי״ קכ״ד (2 die ׳halachische Entscheidung. Karo erkennt nur die drei Autoritäten, und zwar den Alfassi, den Rambam und den Rosch, an, ׳in denen den 1Hauptrichtungen der gesamten Judenheit in ׳Babylonien, Spanien und Deutschland Rechnung getragen wird. Für Karo kommen nur die •drei Dezisoren für die letzte Ent- Scheidung ת1פסק הלכה Betracht. Wo sie in einem Punkt divergieren, entscheidet er nach deren ׳Majorität. Auch seine eigene Ansicht kommt •zur Geltung. — R. Josef Karo verfaßte auch einen Kommentar zum Miseihne Thora des Rambam unter dem Namen ״Kesef Mischne“. In diesem nimmt er oft den Rambarr in Schutz gegen die Widerlegungen des ראנ״ד (Rawed) in seinen ״Anmerkungen“ השטה. Das Werk -Bedek Habaith בדק חניה des R. Josef Karo enthält Ergänzungen und Glossen zum Werke Beth Josef ביה יוסף. Der alte Prager Jadenfriedhof bedroht Bitte, ein bißchen mehr Rücksicht! Unter obigem Titel veröffentlicht die vielgelesene Wiener Tageszeitung ״Oer Tag“ aus der Feder ihres Kunstkritikers Max Ermers einen warmen Artikel fÜT den Schutz des alten!Prager ׳״Beth-!Hachatjim“. Wir bringen den Artikel mit freundlicher Erlaubnis des Zeitungsverlags und des Autors. ׳Die Red. ׳Man wird ihn vielleicht nicht morgen׳, sicher aber übermorgen dem Erdboden gleichmachen und dann den Pfahlrost für einen Wolkenkratzer in seine verschimmelten tausendjährigen Eingeweide׳ und Geheimnisse bohren. Eine wachsende Stadt, die! Platz braucht, äugt ׳ja erbarmungslos auf jeden!Grünwinkel. Schon vor dem Krieg ׳riß man ihm ein tüchtiges Stück Erde aus dem vermoderten Leib, und alle Künstler- .und Kulturproteste, die einen anderen als gerade diesen ehrwürdigen Ort als Baugrund für das projiektierte Kunstgewerbemuseum vorschlugen׳, verhallten ungehört. Wir reden von ׳Beth-Chajim, dem alten׳, modriggrimdämmrigen Judenfriedhof ׳der Prager Josefstadt, auf dessen Gräbern wir vor Jahren hockten, zeichneten und träumten, in den׳ Zwischenpausen in den!Hollunder- und Stacheisträucbern ׳knabbernd, ■die vielleicht noch aus zerfallenen Särgen und Leibern ihre kärgliche ׳Nahrung!sogen; * Ein neues ׳Gesetz, das die Prager Alt- und Joserstadt nach den Vorschlägen der Denkmalskommission' als Bau- Schutzterritorium bezeichnet und eine große Anzahl von Häusern, Palästen und Denkmälern vor der Wut der Spekulanten׳ und fiaulustigen für Jahrhunderte׳ sichert, hat das Beth-Chaijim, das ״Haus des 1Lebens“, für vogelfrei erklärt. ■Nicht ausdrücklich; aber implicite. ■In die Liste der schonungswerten; ' und erhaltungswürdigen׳ Oertlicbkeiten und Baulichkeiten wurde ■gerade der Judenfriedhof nicht ein'bezogen. So muß er nun von Augenblick zu Augenblick für das Leben ׳zittern, das ■der letzten Ruhe gehetzter, verfolgter, manchesmal auch verehrter oder vergötterter oder — selten genug fürwahr — ohne besondere Umstände dahingegangener Judenbürger gewidmet war. Wfenn sich