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Jüdische Presse · 1928-08-10 · 31 (10.8.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
31 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 200 JÜDISCHE PRESSE Nr. 31 keit ■in den ׳Dienst ׳der Aguda. Nach Ausbruch des Krieges kam er nach Wien, wo er Jahre hindurch für ■das Aufblühen der Aguda wirkte. Rabbi Mosche Schmelkes war auch literarisch tätig, ׳ließ viele Manuskripte zurück, welche von Freundesseite demnächst dem Drucke übergeben werden. Herr Jizchok Fraenkel s. z. I. Schon wiederum erlitt die polnische Judenheit einen großen Verlust durch das!Hinscheiden eines unserer Besten, des hervorragenden!Herrn Isak Fraenkel. Während eines Spazierganges im Kurorte Krynica wurde er durch einen Herzschlag im sechzigsten 'Lebensjahre dem Leben entrissen. ■Herr!Isak Fraenkel, welcher einer der vornehmsten!Familien des Landes entstammte, ragte durch seine Persönlichkeit, seine Kenntnisse und Wcltgewandtheit hervor. ,Er ■zählte zu den wenigen, die Thora und Weltwissen in sich vereinigten und zog die Aufmerksamkeit aller auf sich.!Bis vo,r vier Jahren, zu weichem Zeitpunkt ihm die gesellschaftliche;Betätigung ärztlich untersagt wurde, gehörte er zu den tiichtigsten orthodoxen Vertretern Und agudistischen IKlalarbei- .fern. Auf der iKattowitzcr Konferenz erschien er als offizieller Vertreter des Beizer ׳Raw s. z. 1. und als heißer Beizer Chassid — immer mit Wissen des Beizer Raw; trotzdem dieser eine reservierte Stellung der Aguda gegenüber einnahm, zählte er zu den ■wichtigsten und tüchtigsten Agudistcn. Die traurige Kunde machte einen tiefen Eindruck in der Stadt und im!Lande, um so mehr, als dessen Bruder vor zwei Jahren ebenso in diesem frühen Alter starb und erst ■vor einigen Wochen dessen Onkel, der bedeutende Rabbi!Moschl Schmelkes.!In IKrakau, wo die iLewaje stattfand, wurde ihm große (Ehre bereitet und in Abwesenheit des Oberrabbiners hielt das!Mitglied des Rabbinates, iRabbi Juda Lewin, einen rührenden Hesped. ״Zedakah“, Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege. Nach längerem Zwischenraum ist wiederum eine Nummer der ״Z edaka h“, Zeitschrift der j iid isehen Wohlfahrtspflege, erschienen. Das umfangreiche Heft (51 Seiten) gibt eine Ueb erschau über das letzte Jahrzehnt und die gegenwärtige Lage jüdischer Wohlfahrtspflege in Deutschland. Es ist bei der Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin־. Charlotten bürg 2, Kant Straße 158, 111״ zum Preise von IM. 1.50 für das Heft zu beziehen. Aguda in London. Unter der Leitung des Herrn H. A. Goodman wurde hier vor einigen Wochen eine neue Agiida-Jugendgruppe ins Leben gerufen, die es sich zur Aufgabe machte, neben תורה-Lernen die Jugend auch über schwierige Lebensfragen aufzu'klären. Einmal wöchentlich treffen sich die jungen Leute im Hause ■des Herrn H. A. Goodman zu einem Aguda-iMeeting. Zuerst findet ein גמרא״שיעור unter der Leitung des Herrn J. Adler statt. Hierauf folgt ein Referat über ein aktuelles jüdisches Problem und daran anschließend!immer freie Aussprache. Zum Beispiel sprach in der ersten Woche Herr H. A. Goodman über ,,!Die Arbeit und das Ziel der Aguda“, und in der folgenden Herr M. Rothenberg über das Thema ״Was ist e׳in Jude?“. Beide verstanden es, in ihren 'klaren und kurzgefaßten Reden die Anwesenden für die heilige Sache!zu begeistern.!Man hat auch die. Gründung einer Mädchengruippe sowie die Gründung von Jugendgruppen in den verschiedenen Teilen Londons in Aussicht genommen. Um auch weitere Kreise der jüdischen Jugend in London zur Aguda heranzuziehen. werden öfters Ausflüge und Wanderungen veranstaltet. Bis' jetzt wurden, ,die Aguda-Meetings immer gut besucht und hoffen wir, daß die Aguda-Jugend hier noch recht viel •leisten und viel Erfolg haben wird. Landestagung der Aguda in Erez Jisroel.!Montag den 13. Aw begann!in Jerusalem die erste große Tagung ■der Landesorganisabion de׳r Agudas Jisroel dn Erez Jisroel.!In keinem Lande ist diese Tagung ■so bedeutungsvoll wie in Erez Jisroel, wo sic gleichzeitig eine Kundgebung der selbständigen Orthodoxie in dem jetzigen bedeutungsvollen!Augenblicke darstellt. iHoffent-!lieh werden die!Beschlüsse •dieser Tagung dem Beginn •einer segensreichen und nach den großen Kämpfen der letzten Jahre friedlichen Entwicklung bedeuten. Die Registrierung der orthodoxen Gemeinde in Tel- Awiw. ׳Eine interessante!Rechtsfrage ist bei der Bildung der unabhängigen orthodoxen!Gemeinde in Tel-Awiw zur Lösung gekommen. Der iDistriktsgoiiverneur hatte ■die Registrierung der!Gemeinde zunächst abgelehnt, weil es Sn ihren ׳Satzungen!heiße, daß!Mitglied der Gemeinde nur derjenige werden!könne, der aus dem Wiaad Lenml austrete. Da der Waad!Leumi nach ׳dem neuen Gesetz noch nicht!konstituiert, ein Austritt also praktisch nicht!möglich sei, so!fehle einer Anerkennung der •orthodoxen!Gemeinde auf Grund ■ihres!eigenen Statuts ׳zunächst •die Grundlage. Auf Beschwerde beim Justizsekretär in Jerusalem ist ■die Entscheidung des ׳Distriktsgonverneur,s aufgehoben und' die Eintragung der Gemeinde verfügt worden. Damit ist — wie übrigens auch bei ■Gelegenheit der Mazzoth-Steuern — das gesetzliche ׳Recht der nach dem neuen!Gesetz aus dem Waad Leumi Austretenden erneut als bereits ■bestehend anerkannt worden. Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 gBBBBflBBBBBflBBBBflflBBBflBflBBflflBBBBflBflBBflflflflBBBBBaBBEHBBIiflfllBiBBBBBflBBBBBBflBB!lflflB5 Tschechoslowakei B B B B B ■ »BflBBBnBflBaBBBflBBBflBflBBBflBBBBBBIBBBflBBBBBflBBflBBBBBBBBBflBBBBBBBBBBBBBBBBBflflBBnS Welchen Namen können sich nichtorthodoxe jüdische Gemeinden beilegen? Vor mehreren Monaten machte eine!Mitteilung die Runde durch!die jüdische und nichtjüdische Presse unseres Landes, wonach die Neologen- und Statusquo-Gemeinden Kongreß“״ •in Zukunft der qualifizierenden Benennung als Status-quo-ante“ ent raten können. ■Es hieß, ■die!Re-״ und Verband der״ gierung habe dem eben erst gegründeten Kongreß- und Statnsquo-Gemeinden in der Slowakei“ ■die Erlaubnis zu einer Statutenänderung erteilt •und zugestimmt, daß der Verband sich nunmehr einfach als u n“!bezeichne; ohne!d'en Charakter ■d!er in ,ihm׳J esc hu r״ Namen angeben zu׳ vereinigten Gemeinden in seinem!müssen. Daraus schloß man ,nun, daß fortan Gemeinden, die nicht zur orthodox-jüdischen Konfession gehören, ■die!Möglichkeit hätten, ■die gesetzlich . vargeschriebene iBebezw. ,yStatusquo“'aus ■ihrem Namen׳ ,“Zeichnung ,;Kongreß Jeschurun-״ zu eliminieren und sich ohne /jedes Epitheton Gemeindekreisen׳ Gemeinden“ 'zu nennen.!In orthodoxen erregte!diese Nachricht nicht geringe!Beunruhigung.!Man zu müssen, daß durch die Streichung׳ ,glaubte befürchten dieser bisherigen unterscheidenden!Bezeichnungen in un-!zureichend informierten Volksschichten eine Verdun- Unterschiedes i n׳ 11 n g d es ■prinzipiellen׳ 1 k e hen׳!der religiöse n!G r 1t ■n d a n s c h a u 11 n g z w 1 sc G e s e t z e s t r c!1 e in׳ Neologie •und orthodoxer verhängnisvoller Weise ■platzgreifen könnte. ■Diese ■Begriffsverwirrung würde;besonders infolge des bekannten Schulchan Aruch-Paragraphen“!im neuern neologen Ver-״ die׳ bandsstatut entstehen. Dieser!Paragraph ■läßt nämlich an geschlossenen Gemeinden — und als angesohlossen gilt eine jede nichtorthodoxe Gemeinde auch gegen!ihren בדנים ואפיקורסים Willen — trotz Orgel im Tempel und als amtierende Rabbiner den Schulchen Aruch als Basis ihres religiösen Wirkens anerkennen. Könnte es nicht Vorkommen — so befürchtete ■man —, ■daß es ■dem einen oder anderen beifällt, ■diesen Paragraphen;insofern ernst zu •nehmen, als er die!Zugehörigkeit zu Neologen- und Statusquo-iGemeinden in ■Widerspruch zu der Entscheidung!aller religiösen Autoritäten •unserer Länder nicht als Gegensatz!zum Schulchan Aruch ansieht,;zumal!der Gegensatz zum orthodoxen Judentum aus dem ■Namen der!Gemeimden :in irreführender Weise offiziell vcrschwiegen würde?!Eine auch vom Standpunkte der!Neologie. nicht sehr wünschenswerte schädliche Wirkung würde diese neue Namensfälschung ■der neologen Gemeinden •zur Folge haben, wenn es den Zi 0 nis t e n in der Slowakei Erobert!die Gemein-״ auf Grund ihres alten Programmes allein •seit einigen׳ •den!“ gelingen würde, an die von;ihnen Jahren überall betriebsam erstrebten Gemelndeneugriindie ihrer wahren׳ ,Leute heranzulocken׳!düngen auch!solche d e r-!N e 0 1 0 g e n noch!Zioni.sten׳ Gesinnung nach ■w e sind1 und sich von ■der orthodoxen Gemeinde nur in!der Voraussetzung absplittern, ■daß ■ihr religiöses Verhältnis :zum thoratreuen Judentum dadurch keine wesentliche Veränderring erfährt. iDiese Leute, die ■durch ■die ,zionistische neutral“ schei-״ einen eventuellen־!Hetze unter Hinweis auf neniden Namen ihrer neolog-zionistischen Gemeinde zur Abkehr von ■der Orthodoxie bewogen wurden, wänden ■natürlich gar bald erkennen, daß sie gegen ihre!eigentliche Absicht die Drücke zwischen ■sich, b c z w. ■ihren Kinde r n u n d •dem t h o r ag c m äßen J 11 d e n 111 ■m a ,b ׳g e 1b r o c h e n ■habe n. Sie würden aus ■der Orthodoxie ■zwar gänzlich!draußen, •in der Neologie aber lange Zeit jnicht ■ganz drinnen sein. Früher •als man ahnt, würden sie auch innerhalb der ׳N!eologie unfruchtbare •Friedensstörer werden ■und einen Zustand herbeiführen, •der weder der Orthodoxie noch der Neologie ׳zum Vorteil gereichen könnte. Obgleich die Schlüsse, die ■aus der erwähnten Mitteilung gezogen wurden, nach ■der ■Meinung ■der■ Unterrichteten wenig Wahrscheinlichkeit für sich hatten, erschien es •notwendig, in dieser ■Frage Gewißheit und Klarhet!zu schaffen. Wi׳r sind nun in!der ■Lage, auf Grund bester!Information :folgendes!festzustellen: 1D!e׳m Verband der Neologen- und!Statusquo- Gemeinden wurde es nicht verwehrt, sich ■den neutralen Namen ״Jeschurun“, ■der weder ,״neolog“ noch ״statusquo“, aber auch nicht ״orthodox“ ׳bedeutet,!beiznlegen, wenn es •ihm!daran liegt, in seinem Namen nicht erkennen zu lassen, welchen religiösen Charakter »die ■ihm angeschlossenen Gelneinden haben. Das ■gilt jedoch ■nur für ■den Verband als solchen. Für ■Gemeinden aber ,kennt das Gesetz ■nur ■drei!Bezeichnungen: Orthodox, Kongreß und S t a tus qu o-a:n t e. Eine jede jüdische Gemeinde muß eine!dieser drei, ,Bezeichnungen in ihrem Namen führen.!Da aber ״Statusquo“-Geme:inden ׳logischerweise unter!keinen Umständen mehr bewilligt werden können und als ״orthodox“ nur die ■Gemeinden bezeichnet werden können, ׳die •im Sinne ׳der Landesstatuten in di!e orthodoxe Konfesslonsgemeinschaft aufgenommen •sind, während eine jede Gemeinde, die nicht ״orthodox“ ist, zwangsweise ■zum neologen Verband gehört, werden die n!1 c h t 0 r t h 0 d 0 x e n G 1e! m e ■i n ׳d e ■n i n ihrem ׳N!amen id1 i e g e s e t ׳z 11 c h a 110 i n z u 1 ä s s i •g e 1B ez e ■i c h •n 11׳ n g ״Kongreßgemeinde“ tragen müsse n. Diese Klarstellung des gesetzlichen Zustandes schafft manche der ׳schweren!Bedenken, die sowohl von ortho- •doxer ■als •auch von neologer •Seite gegen!den Namen ״Jeschunun“' geäußert wurden, ׳aus der Welt. Allerlei aus Podkarpatska Rus. Iln unserem kleinen, aber immer bewegten Länidchen geht es wieder einmal drauf und! drüber. Der Munkaoser Streit ist auf Sommerurlaub. Die Parteien sammeln Kräfte, um sie dann ■im Kampfe gegeneinander gründlich! zu — verteil ■de n und! der Welt ■das erbauliche Schauspiel der Selbstvernichtung eines guten jüdischen Volkselementes zu bieten. Inzwischen sorgen unsere Zionisten ■dafür, ■daß wir uns die Zänkereien nicht völlig ab gewöhn en.!ihren Lesern ist nicht unbekannt, Wie ■sehr die Zionisten es seit Kriegss'oMuß ■meisterhaffit verstandeu haben, den Giftkessel des •Brud!er1kamp׳fes bei uns zürn Brodeln zu bringen. Sie!mischten ׳die Klarten in unserer Hand und .rechneten ■damit, daß am Ende nur sie allein frohlocken wenden, wenn wir uns in den Haaren liegen. Sie ■nahmen auch i׳n ■der Tat in dien letzten Jahren in!allen unseren Gemeinden, in Munkacs, Ungvar, Szöll'ös, Beregs׳zasz, Hus,t us'w., eine Stellung ein, von der sic niemals zu träumen gewagt hätten׳, wenn unter uns orthodoxen •nicht im letzten ■Augenblick die tschechischen Kunstfreunde und Künstler!ihrer Pflicht •erinnern. * Keiner kann sagen, auf wie viele Jahrhundert das Beth־!Cha0im zurückgeht.!Es hat Forscher gegeben, die seine zerfallenen, verwitterten und1 moosigen ׳Steine auf ■das graueste Mittelalter zurückdatierten, und andere,;di׳e meinten, ■daß ׳die Prager Juden schon den ,Anger an der Moldau benützten, bevor ,noch Libussa, die Sagenhafte,!das neue!Prag gegründet und Cyrill und Method die Slawen zum Christentum bekehrt hatten. Die ■zerstörten Inschriften geben nur fragmentarische Auskunft. Aber ׳die noch erkennbar sind ■in!ihren׳ hebräischen ■Majuskeln, ■in ׳ihrer ■seitsamen, dekorativen Umrahmung, geben!klare Kunde, ■daß das ■hohe und späte!Mittelalter diese Weihestätte׳ ■nicht minder!bevölkerte, als ׳die nachfolgenden Jahrhunderte. Alle liegen• sie hier begraben — unter 12.000 Steinen —, die ,im!Prager Ghetto ihr ärmliches oder *zu Wohlstand ge- (kommenes Leben fristeten: Aerzte,!Rabbiner, Astronomen, Geldwechsler, Handwerker . . . ■durcheinander und nicht ■selten ׳in mehreren Schichten übereinander.!Nur die größere oder geringere!Pracht der Steine sondert arm und reich. , Nur die ׳eingekratzten oder atisgehauenen Trauben, Lövvefi, Kannen, Segenshände sondern ■die Stämme und verraten uns Spätgekommenen, daß hier einer vom Stamme Israel, Levi oder Aaron begraben!sei.!Rührend׳ die primitive BiLd/er- und Symbolschrift auf den stehenden oder gestürzten■!Platten: die Hähne für die Familien!Hahn; die gekreuzten Fische für die Fischer, Fischl oder Fischeies; die Löwen׳ fiir ׳die iLöws, die Karpfen für ׳die Karplus, Karpeles und verwandte Mensclientiere, die! ׳Hirsche, Adler . . . Uralter Totemismus scheint liier ■wieder ein;irrtümliches!Dasein zu gewinnen. Aber ehrwürdiger als all das verfallende Steinwerk, das unter ■Bäumen und Sträuchern ■verdammt — man hemmt Fuß und Atem, wenn ■man in ■ihm neugierig herumkriecht —, .ist der Sagen- und Mythenkranz, der hier noch überall um Stein lind Sarkophag und!Inschrift webt und das Beth-Cha!jim zu einer der ehrwürdigsten Stätte Europas macht. Da 1liegt iRabbi Löw, der wundertätige Kabbalist des 16. Jahrhunderts,!in seiner steinernen Grabtruhe, um ihn seine 33 Schüler, auch jener, der Lehmklotz hieß und das Urbild für den Golem lieferte. Da liegt Rabbi Abigdor Karo, ■der ■im 14. Jahrhundert ■die Zerstörung des ■Ghettos wehmütig besang, ein ׳unschätzbares Dokument für ■die Prager Stadtgeschichte damit liefernd. Mendigo, ■der ge- ■lehrte!Doktor kretensischer Herkunft, liegt hier, ■der ein Freund!Galileis war; David Oppenheim, ■dessen1 berühmte ■Bücherei nachmals nach Oxford ging . . . und!ungezählte andere. Nicht ־ zuletzt der berühmte;jüdische Schneider, der sich :freiwillig zur!Hinrichtung stellte, als ein!Missetäter, ■ein Opfer, ■für den wütenden ■Kaiser Wenzel, bei dessen Einzug;in Prag ein Stein vom Dach gefallen war, gesucht und gefordert wurde. * * Sagenstätte und ehrwürdiger Hain, ■historischer Ort und Sehenswürdigkeit, zu ■der Hunderttau,sende gepilgert waren, sind nun bedroht. Will man wirklich!Prag, das nun , die!Hauptstadt ■eines neuen •Reiches geworden ist, dieses ■seltsamen, Ehrfurcht!heischenden Geschichtsdokumentes berauben? Will man ■die romantische Schhimmerstätte von Generationen einebnen und ■die Tausende von ■noch leben- ■digen, wenn auch verwitterten, steinernen Zeugen im Hof eines toten ■Museums weiter ■modern lassen? Ist es wirklieh ׳möglich, daß der wachsende Städtebau einer modernen Stadt nicht Rücksicht nehmen׳ sollte auf eine historische Stätte, ׳die Zeugnis gibt, wie eine Stadt einst war und wie sie geworden ist? Man blicke ■doch in das Wolkenkratzergew׳irr!New Yorks und erkenne, ,mit!welcher Sorgfalt dort ein alter!Bau, eine alte Kirche geschont wird. Es gibt Orte,!die die Patina ■der Gewordenheit und ■des Sagendunstes ■zum unersetzlichen Kunst■ werk iimgeschaffen hat. Ursprünglich vielleicht •der Sekte oder ■dem Ghetto dienend, sind sie׳ durch Alter ■und Seltsamkeit schließlich Gemeingut aller Konfessionen ■und ׳Kulturmenschen1 geworden.!Sie sind nun Eigentum aller ■und verdienen Liebe, Schonung, Erhaltung. Das gilt fiir Prag ebenso wie fiir!jede andere •Stadt, ׳die die Dokumente ihres ■Wlerdens nicht über!Bord werfen will. Oder ■ist es ein Zufall vielleicht, daß so viele ■der Maler, Dichter, Schriftsteller diesen Ort in ihren Werken ■festgehalten haben? * Das iBeth-Chajim ist in Gefahr.!Aber vielleicht genügen diese Zeilen, um •die tschechoslowakische Künstlerschaft ,zu ermuntern und ein •Unersetzliches vor dem Untergang zu retten. Nur eine kleine;Gesetzesnovelle ist vonnöten. ׳Nur zwei Worte in der Schutzliste der!Denkmalskommission. Sie heißen: IBeth-Chajim.

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