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Jüdische Presse · 1928-06-01 · 21 (1.6.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
21 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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־; Nr. 21 JÜDISCHE PRESSE Seite i45 VOM TAGE Asquith übet* die Zionistenfreundsehält Lloyd Georges; Der ״Daily Telegraph“ veröffentlicht Auszüge aus ׳dem Tagebuch des unlängst verstorbenen Lord Oxford '(Asquith), darunter auch folgende Eintragung vom 31. März 1915, also gegen zwei Jahre vor der Balfour-׳Dcklaration: ,,׳Herbert Samuel!hat eine Denkschrift überreicht, worin er verlangt, daß bei der Verteilung der zum ottomänischen Reich gehörenden Länder wir Palästina den Juden zuweisen, die dorthin aus der ganzen Welt einströmen ■und ein ״eigenes!Regime“!(Home Rule) schaffen werden. Es ist zu bemerken, daß der einzige )Befürworter dieses Planes Lloyd!George ist, n i c ht weil e r w a s f ii r d i e V e •rg äuge 11 ■heit u n d Z •u k u 11 f t der J u d e 11 ii b r i g hätte, sondern w e i 1 er glaub t, .daß es ei n e B e 1 e 1 d i g u 11 g f ii r d 1 e!H eiligen Orte wäre, wenn diese dem atheistischen Frankreich a u s g e l i e f e r t w ii ■r d e ti.“ Ministerpräsident Baldwin über die Bibel. Vor einigen Tagen hielt die englische und ausländiV sehe Bibelgesellschaft in London ihre Jahresversammlung ab, in welcher der Ministerpräsident Baldwin der Hauptredner war. Er sprach über den Einfluß der Bibel auf das englische Leben und den englischen Gedanken* Er verglich die Bibel mit einem Explosivstoff, sie wirkt geheim, auf wunderliche Weise, indem sie da und dort auf ihren Wanderungen durch die Welt neue Lebensweisen, neue ölaubensauffassungen und neue Geidanken über das Leben im allgemeinen erzeugt. Diese Wirkungen bleiben solange verborgen, bis ein Mensch oder ein Volk durch einen göttlichen Funken entzündet wird. Dann kommt die Explosion, die große religiöse Bewegung, die in verschiedenen Zeiten die Menschheit erfaßt hat, und wie Redner fest überzeugt sei, nochmals erfassen wird. Die Bibel, führte Baldwin weiter aus, hat in den letzten 300 Jahren seit der Fertigstellung der autori;־. sierten englischen Bibelübersetzung im Jahre 1611 alle Gebiete des englischen Volkswesens ergriffen, die Lebensart geformt, die Traditionen verschönert und die Literatur veredelt. ״Der Einfluß der Bibel auf die Literatur ging so!־ weit, daß man bei der Lektüre der Werke unserer besten Schriftsteller mitunter glaubt, die Bibel zu lesen. Jeder von uns führt, solange er lebt, einen Lebenskampf wie in der Finsternis oder im Nebel. Nur das Licht der Bibel bricht von Zeit zu Zeit durch die Finsternis und zerreißt den Nebel und bringt uns klar zum Bewußtsein, 'daß׳ wir unsere eigenen Brüder stoßen und blutigschlagen/‘ Die Lage in den jüdischen Kolonien Rußlands.!Die zionistische Presse ׳hat an den letzten Wochen eine gute Ernte gehabt. Die Nachrichten׳ ׳über!eine zu erwartende Mißernte in den russischen Kolonien haben den Haß der Zionisten gegen die jüdischen Siedlungen in Rußland׳ ,׳in denen ׳sie die Wlderpartmeirinnen id'er Palästina- Siedlung erblicken, in üppige Halme schießen lassen. ״Das Gespenst ■des Hungers“, so und ähnlich lauteten ■die machtigen Ueberschnif ten in jenen zionistischen Zeitungen, die ״Verrat“ und ״Verräter“, .״!Kundschafter“ und ״Verleumder“ schreien, wenn über •Palästina Nachteiliges gesagt wird. bedeutet es die dauernde glückhafte Schönheit periweißer Zähne und duftenden Atems. Nun ׳ist glücklicherweise die Situation in jüdischen Kolonien in Rußland durchaus picht so!kritisch, wie es von zionistischer Seite verbreitet wird. Die J. T. A. berichtet Vom 21. ׳Mai wie folgt! Die Lage in den jüdischen Kolo- Wien, in der Krim und in der Ukraine hat sich in der letzten Zeit bedeutend gebessert.• Die!Gemüseernte ist gut, das (Getreide auf. den Feldern, steht vorzüglich. Wenn keine unvorhergesehenen Zufälle eihtreten, ist mit einer sehr guten Ernte zu rechnen. Die Stimmung unter .׳den jüdischen Kolonisten hat sich bedeutend gebessert.!Der infolge der Unwetterkatastrophen und der Fröste angerichtete Schaden ist bereits statistisch festgestellt, ln ■den jüdischen Kolonien mußten 16.824 Hektar Getreidefeld1 umgepflügt und neu besät werden, davon.'9886 Hektar!im Rayon'CherSon, 3000 Hektar' iit 'Kfivojrog,•'3938 Hektar, in Marinpol. Aus alten ׳jüdischen ׳Kolonien liegen genaue! Angaben noch nicht vor. Die jüdischen Kolonisten haben eine achtmonatige Hungerzeit hinter sich, es fehlte an •menscli- Iicher Nahrung, wie an Viehfutter und Feuerungsmatieräl.!Man war auf einen so langen Winter nicht gefaßt. Gegenwärtig aber ist der Boden in den Kolonien der J. C. A. und des Agro-Joint bis zu 100 Prozent angebaut, jeder Kolonist ׳hat ,mindestens 7 Dcsjatinen!Boden besät. Ungeachtet der Katastrophen haben die Kolonisten im allgemeinen auf ihrem ■Boden ausgcharrt. Aus den J. C. A.-Kolonien sind im ganzen 108, aus den Agro-Joint- Kolonien 15 Familien, die alle erst 1927 angesiedelt worden sind1, in ihre früheren Heime in den Städtchen zurückgekehrt. die Sicherung seiner Arbeitskraft, denn gesunde Zähne, gesunder Magen, gesunder Körper. i um bedeutet es Amerikanische jüdische Führer über das Aufbauwerk in Palästina und in Rußland. In der Sondersitzung des United Jewish Campaign des Joint, auf der die Aufbringung von 3,100.000 Dollar für die!nächsten konstruktiven Aufgaben beschlossen worden ist. hielt Herr Louis M a r s h a 11 eine großangelegtd Rede, in der er sich für die Fortsetzung des Joint-Werkes auch nach Beendigung des gegenwärtigen Drives einsetzte und weiter ausführte: In einem, Teil .der Jüdischen Presse wurden die Herren Julius Rosenwald und Felix M. Warburg sehr scharf kritisiert, weil sie wiederum Millionenbeträge für die jüdische Kolonisation in Rußland gespendet habe!$ Sie hätten, heißt es in־ diesen Aufsätzen, besser getan,, die Beträge dem Palästinawerk zu^uwenden. Palästina^ fuhr Marshall fort, wird nicht vergessen; aber es würde seiner zehnmal mehr gedacht werden, als es schon jetzt der Fall ist, wäre nicht die Unterminierungspolitik derjenigen Kreise gewesen, die versuchen, die persönliche Ueberzeugung anderer Mensehen zu vergewaltigen und ihnen vorzuschrciben, was sie mit ihrem Gelde tun sollen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wandte sich Louis Marshall scharf gegen diejenigen Kreise, die für Sabotier rung von Anleihen an diejenigen Länder, in denen Juden schlecht behandelt werden, eintreten. Man solle die Durchführung solcher Anleihen nicht stören, durch die die wirt-! schaftliche Position der betreffenden Länder gebessert wird. Was ja auch der jüdischen Bevölkerung dieser Länder!zugute kommt. Herr Felix M. Warburg, Präsident des JointJ Wies darauf hin, daß die Not unter den Juden jenseits des großen Meeres immer noch sehr groß ist. Die jüdischen ,Bauern in Rußland, die eine ZuWhnft haben, bilden einen, nur kleinen Teil der jüdischen Gesamtbevölkerung. In Palästina ist die Lage ebenfalls hoffnungsvoll, aber ge!- bedeutet es reinen, süßen Atem, prächtig weiße Zähnchen und Entwickelung eines gesunden kräftigen Gebisses. genwärtig noch ernst. In Polen, dessen Kredit gestiegen ist, ist eine Besserung der Position der Juden zu verzeichneu, aber sie können unsere Hilfe noch nicht entbehren. Herr James N. Rosen borg, Präsident des Agro- Joint, sagte, die elementare Bewegung unter den russischen Juden zur Arbeit auf eigenem Boden beanspruche die weiteste Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren hatten sich 1m Moskauer Hauptbureau des Agro-Joint 40.000 jüdische Fa-׳ milien als Bodenanwärter eingetragen. Trotzdem eine beträchtliche Zahl von ihnen inzwischen angesiedelt worden! ist, sind die Listen nicht kürzer, sondern länger geworden. Es sei gebieterische Notwendigkeit, das in Rußland begonnene Wiederaufbauwerk zu einem guten Ende zu führen. Colonel Herbert H. Lehman, der Präsident des Reconstruction Committee, sagte, das Werk des Joint in Rußland bedeute das gewaltigste Unternehmen des amerikanischen Judentums seit dessen Bestehen, Wenn die einzelnen Zeichner ihren Verpflichtungen nicht nachkommen und wir unser Werk nicht vollenden können, so werden wir Schande über unsere Häupter bringen. Colonel Lehman teilte noch mit, daß JCA sich bereit erklärt hat, 200.000 Dollar für das Europa-Werk der American Reconstruction Foundation autzubringen, wenn jüdische Persönlichkeiten Amerikas den gleichen Betrag leisten. Dr. Joseph Rosen, der Leiter des Agro-Joint 111 Rußland, sagte, man habe schon viele günstige Gelegen־ beiten in Rußland verpaßt, aber noch bestehen gute Möglichkeiten, Siedlungsland für Juden zu erhalten, wenn die Zeit und die Gelegenheit genutzt werden. Geplant wira von Agro-Joint die Ansiedlung weiterer 15.000 bis 20.000 jüdischen Familien. Ein offizieller Bericht der Palästina-Regierung über die Einwanderungs- und Arbeitslage in Palästina im Jahre 1927. (J. T. A.) Der Leiter ׳des Einwanderungsaantes der iPalästina-Regierung hat soeben einen!Bericht über ,:■die!Einwanderungs- und Arbeitslage ian; Jahre .1927 •hieirausgegeben, dem •u. a. zu entnehmen Oie finanzielle ׳Depression, ׳die die Kapazität des Landes einschränkt, stand der Absorption neuer Einwandotier entgegen; infolgedessen konnten Einwanderungs- •Zertifikate :nur an Frauen und minderjährige Kinder von Landeseinwobmern, •an Jugendliche, die palästinensische Schaden, besuchen wollten, ■sowie •an Personen, ׳die sich über• d1e:n Besitz von Vermögen ausweisen konnten!, gegeben werden. Außerdem durften 500 ׳Arbeiter-ilmmigraniten, 250 •Männer und 250 Frauen, alles ■junge Verwandte von La ndes ei nwohnern, . in das Land kommen. Die Be- Schränkung hatte zur ׳Folge, daß in de!r Einwanderung im Jahre 1927 das weibliche Element uberwog und daß — zu!m erstenmal!seit de!r Besetzung Palästinas durch die Engländer — die Zahl ■der Auswanderer die 1d(e!r Einwan- ■derer ׳überstiegen hat. Im Jahre 1926 kamen 13.910 Personen (6276 Männer, 4864 Frauen und 2770 Kinder) ׳ins Land', unter ihnen 13.081 (5947 Männer, 4585 Frauen׳ und 2549 •Kinder) Juden. Im Jahre 1927 wunderten nur 3395 Personen (1337 Männer, ■1453 Frauen und 805 Kinder) ein, unter ihnen 2713 (95b Männer, 1140 Frauen und 617 Kinder) Juden. Diese Zahl Rabbi Akiba Eger in Anekdoten. Bei!Rabbi Akiba Eger ׳klopfte einst in später!Nachtstunde eine arme Witwe und flehte, s-ie!hätte ,kein •Brot i׳m ׳Hause für die zahlreichen Kinder und ,sie wende morgen auf die!Straße gesetzt, ׳da sie!die Hausmiiete nicht zahlen ׳konnte. Außerdem werde sie ■von den Gläubigern so. bedrängt, daß sie sich Tags nicht mehr auf die Straße traue. Sofort griff der Rabbi zu Mantell,!Hut und!Stock und machte sich ׳auf den Weg zu den Gemeindemagnaten. Von diesen war .׳aber ׳keiner daheim, sie hatten gerade!Zusammentreffen •im :Gesellschaftshaaise. Kurz entschlossen, machte ׳sich ׳der־ Rabbi auf ׳den Weg .z׳u der Gesellschaft beim Spieltisch. Des ganz unerwarteten Besuches ansichtig, ׳standen die Leute erschrocken auf und ׳wollten die Karten zusammenwerfen. ״Halt,“ wehrte der Rabbi ab, ״weiterspielen. Ich spiele mit und ■nehme die Kasse. ״Herz ist Trumpf — das!jüdische Herz! . . .“ Spruchs ׳und zog den ganzen ׳nicht unbedeutenden Inhalt der Kasse an sich für die ׳arme Witwe■. h: Kurz vor Eingang des Pessacbfestes kam ein Gemeindemitgiied zu Rabbi Akiba Eger mit einer ״Schalo“, ob •man am Sederabend die Pflicht der- ״Vier Becher“ auch ■mit Milch erfüllen ,könne. ״Seid Ihr krank?“ fragte der Rabbi. ״Das gerade nicht,“ anwortete der Mann etwas verlegen, ״aber der Wein ist teuer ׳und ׳meine Geldmittel sind. dieses Jahr etwas gering.“ Da nahm Rabbi Akiba einen Zwanzigguldenschein aus der Kasse und 'reichte ihn dem Fragesteller!hin. Dieser weigerte sich, anzunehmen. ״Ich kam zum Rabbi mit einer •Schale und . nicht um ein Almosen,“ sprach er gekränkt. Allein, der ,Rabbi redete auf ׳ihn ein, daß er verpflichtet •sei, «das Geld als Darlehen zu nehmen, um der Vorschrift der ״v«r Becher“ •mit Weiin zu genügen. Er könne ja das Geld, sobald sich seine.Lage gebessert ׳habe, zurückerstatten. , Nachdem der Mann mit ׳dem Gelde gegangen war, fragte die Rabbinersfrau, warum er zwanzig ׳Gulden für Wein!hergab, den man doch ■schon für einige Guliden!haben :könne.־ ״Du hast seine Frage nicht recht verstanden,“ sagte ׳der Gatte. ״Wenn er es erwägt, ob ׳er ■nicht am Sederabend ׳**öl?* mm MilÄtl INNNPiP mmm Imwßm Rabbi Akijba Eger seine Becher statt mit Wein mit Milch füllen könnte, so ,ist es doch klar, daß es ihm auch sonst am Nötigsten fehlt. Wie ׳käme er sonst auf den Gedanken, Milch zu trinken, wenn er Fleisch und Fische und anderes auf dem Tiischc!hätte?!Zwanzig Gulden sind in dem Falle nicht zu ■v!ie!l.“ Als Rabbi Akiba Eger zusammen mit!Rabbi Jakob Lissa zum ersten Male in Warschau ankam, um sich an der!dort ׳tagenden Rabbinerkonferenz zu beteiligen, war ׳der größte Teil der Gemeinde draußen!vor dem Stadttore, um die zwei Größen würdig zu empfangen. Als •der ׳Galawagen!in die Stadt’ einfaihr, waren, die Straßen ■von ׳Mensehen angefiilit. In glühender Begeisterung ׳.spannte die Menge ׳die Pferde aus, ■um den!Wagen durch die Straßen!zu tragen.!Rabbi Akiba ׳dachte: ,;Diese Ehrung gilt selbstverständiljoh!Rabbi Jakob.“ Da machte er sich leise und ainbemerkt aais dem Wagen und tauchte unter ׳der!Menge unter, ja half sogar, den Wagen tragen.!Im gewaltigen Ge- ■dränge!blieb dieses unbeachtet. Rabbi Jakob dachte: ״Die Menge wall den großen!Rabbi Akiba ehren, wie komme ich ׳dazu, teil an ׳dieser Ehrung zu!haben?“ So stieg er zur anderen 'Seite des Wagens hinab, jubelte ■m׳it der Menge •und trug mit. Erst am Hotel angelangt, merkten die Leute, daß der Wagen •leer war. In Warschau wohnten die beiden gefeierten Lehrer in einem Gastho’f, der von morgens bis abends belagert war ׳von Menschen, ׳die die großen Führer von Angesicht zu Angesicht sehen und begrüßen wollten. Eines Tages trat ein /Manu ein und blieb bescheiden an ■der Tiire stehen. Rabbi Jakob war gerade nicht im Zimmer. ״Wünscht ihr was?“' ermutigte Rabbi Akiba den betroffen Dastehenden.“ ״Ich möchte den großen Rabbi sehen!“ ״Da'müßt ׳ihr schon eine Weile warten, der große Rabbi wird bald kommen,“ sagte Rabbi Akiba. In der Synagoge, die ׳die beiden Thoragrößeti am Sabbat aufsuchten, war man In Verlegenheit, wer von den beiden den ■Ehrenaufraif zu ״Schelischi“ erhalten soll. Man einigte sich schließlich dahin, daß man Rabbi Akiba den dritten und Rabbi Ja׳kob den ׳sechsten Aufruf zukommen lasse. Rabbi Akiba war nach Schluß des Gottesdienstes über diese Bevorzugung seiner Person betrübt. Dann heiterte sich aber ■sein Gesicht auf ׳und er sprach zu seinem Kollegen: ״Woher "wußten die ,Warschauer, daß Posen eine größere Stadt sei als Lissa?“

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