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Jüdische Presse · 1928-06-01 · 21 (1.6.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
21 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 144 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2\ Sorgfältigste Lieferung in . plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen -franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons ד JULIUS HABER Kohlen- und Koksgrößhandltihg, Nordbahnrutschen Wien, II., TaborstraGe 9 g| 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Fernsprecher Nr. ♦1*022־ wenn es sich um Institutionen handelt, die aus Selbstbcsteucrung der Gemeindemitgleider erhalten werden sollen, ist auch schon ersichtlich, welchen praktischen Nutzen die Gemeinden vom Subventionsparagraphen ziehen werden. Ein Gesetz, das sogar die Selbstbesteuerung einschränkt aus Verkümmerungstendenz den Kulten gegenüber, wird gewiß alle im Gesetze sich vorbehalteilen 'Klauseln und Schlingen in Anwendung ׳bringen, um der Subvcntionicrungspflicht sich glücklich zu entwinden. Daß die jüdische Konfession keine Staatsunter- Stützung,- ,wenigstens keine nennenswerten, Subsidien bekommen wird, ist ja in Anbetracht des Paragraphen ganz evident, da es doch der Einsicht des Ministers Vorbehalten ist, diese Subvention ״laut Maßgabe der wirklichen Bediirfnisse der Glaubensgemeinschaft und mit Berücksichtigung ihrer materiellen Lage“ zu gebeti oder zu verweigern. Da doch die Bedürfnisse einer jüdischen Gemeinde in den Augen eines königlich rumänischen Kultusministers nicht immer als wirkliche Bedürfnisse erscheinen müssen und wenn sie auch den'vitalsten Interessen der Jiidischkeit dienen, so kann die geforderte Subvention schon aus diesem Gesichtspunkte verweigert werden. Aber ganz gewiß wird diese Verweigerung unter Hinweis auf die Hintertür ״mit Berücksichtigung ihrer materiellen Lage“ erfolgen, denn die von der Regierung vorgesehene Kon- ׳trolle der Bücher der Gemeinde würde!zufolge der altbewährten jüdischen Mnnifizenz, der allein seit Jahrtausenden die (Erhaltung und Entwicklung aller den Neid und die Bewunderung der Mit- und Nachwelt herausforeiernden jüdischen Institutionen zu danken ist, würde durch solche hohe Summen, die an solche .Freigebigkeit und Opiferwiliigkeit nicht gewöhnten Regierungsorgatic in Erstaunen setzen, daß ihr Urteil unbedingt dahin lauten!müßte, daß eine Körperschaft, die für ■ihre ritueleln und kulturellen Zwecke so viel opfern kann, unbedingt in glänzender materieller Lage sich befinden müsse, die auf Staatsunterstützung keineswegs angewiesen ist. Es ist ein Armutszeugnis, das sich unser Parlament durch G*fheißung dieses :Passus :!ausgestellt hat. Es bewies dadurch vor' aller W־<Mt, daß! es!» kein Verständnis für Recht und Billigkeit, keinen richtigen■' Begriff von Liberalismus hat, obschon sich die erdrückende Mehrheit des!Parlamentes zur liberalen Partei zählt. Unser Parlament;hat sich noch •nicht zu der europäischen Auffassung durchgerungen, wonach der Staat, Wenn er von den Steuergcldcrn der Gesamtbevölkerung irgendeine Konfession unterstützt, die unabweisliche Pflicht hat, im Verhältnisse der Se.elenzahl alle anderen Kultusgemcinschaften zu subventionieren, gleichviel ob sie diese Subsidien für wirkliche Bediirfnisse verwenden oder in besserer ■materieller Lage sich befinden. Die Konfessionen erwarten ja kein Almosen als Ausfluß eines mitleidigen Gnadenaktes vom Staate, sondern die Erfüllung einer entschiedenen moralischen Pflicht. Wie der Schuldner Am ■Privatleben auch im Sinne des rumänischen Zivilkodex ■kein Recht hat, dem Glaubiger die Zahlung einer Schuld mit Berufung seiner guten materiellen Lage oder wegen unrichtiger Verwendung derselben vorzuenthalten, so unberechtigt ist dieselbe Handlungsweise des Staates den Konfessionen gegenüber, deren Schuldner er ist, da er doch die orientalische Kirche mit nicht weniger als 1,25 ׳Milliarden jährlich bedenkt. Einzig dastehend in ■der modernen Legislatur dürfte auch der Passus sein, der für uns Juden und ■Mohammedaner fabriziert wurde, indem er uns zu wissen tut, daß die hohe Regierung uns mit einem speziellen Reglement .be״ glücken werde, in welchem ׳sie uns die Wege zeigen wolle, die wir betreten müssen, wenn wir uns ein OrganisatioUs- Statut schaffen möchten. Mit welchem Rechte, degradiert׳ iujs das Gesetz zu einer Religionsgemeinschaft .׳zweiten Ranges, die am Gängelband geführt werden muß, die ■anscheinend samt und sonders aus Minderjährigen und Unzurechnungsfähigen ■besteht, denen die ■nötigen Geistesfähigkeiten ■zur selbständigen Schaffung eines ihren Bedürfnissen ent-' sprechenden Organisationsstatuts abgehen? Diese unerhörte Zurücksetzung haben wir aber nicht so ganz der Regicrung zu ■danken, als der ״U 11 i!1 e a Evreiiiior“ mit Dr. F i 1 d e r m a 11 n u ■n d D r. Nie m erover an de r Spitze. Ihr Interesse erforderte ■diese Bevormundung der Juden, ihre Ziele und Absichten ■sollen ׳in dem mit Aus- Schluß der Oeiientlichkeit zu schaffenden obskua‘11 Organisationsstatut zum Ausdruck kommen und der ganzen rumänischen Judenheit aufoktroiert werden, darum mußte diese Judenheit im Gesetze ■zu einer minderwertigen Konfession degradiert werden, die nur nach den von der Reg'ierung, ■alias ״Uninca Evreiilor“ verfaßten Richtlinien selig werden und ihr Gemeindeleben autonom aufbauen kann.׳ ׳Dieser einseitige Einfluß, der. ״Uniuea Evreiilor“ auf. die gegenwärtige Regierung müßte doch endlich paralysiert werden. Er stammt seit den letzten ■Parlameutswalilen. I! I I Perücken u. Scheitel vom Lauer za den denkbar billigsten Preisen Ausverkauf im Speziaihaus für Haararbeiten Franz Emmer Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77-1-54 Die ״Uninea Evreiilor“ leistete damals große Propagandaarbeit im״ Interesse der heutigen Regierungspartei. Allein auch die siebeiibürgischen Juden wurden von Dr. Fiildermann und Konsorten aufgesucht und im 'Interesse ■der libe ralen Partei mobilisiert. Unsere Orthodoxie hat sich ebenfalls fa.ute de rnie-ux und durch Versprechungen allerlei Art für den Sieg B r a t i a n u s eingesetzt. Es müßte der Regierung nun klargentachf werden, daß die Judenschaft Transsylvaniens keine ciuantite negligeablc ist, tnam werde auf ihre ■Meinung bei den kommenden ■׳Parlamentswahlen wieder angewiesen sein, so wäre cs also auch politisch klug, nicht nur recht ■und billig, ihre Meinung auch a׳b und zu in den Intervallen von Wahl zu W:ähi zu hören, sintemalen ■und derweilen es sich um ihre ׳Haut, um die Lösung von Fragen handelt, von ׳denen ihr geistiges, religiöses u n d k u 11• u r c 11 e s W111 0 ׳ ■und Wehe a b 11 ä n g t. Wir müssen der Regierung-die Augen öffnen über den wahren Sachverhalt, damit sie ja nicht den Einflüsieruugen und den falschen Vorstellungen der ״Ur.inea Evreiilor“ Glauben schenke, daß es vollauf!genüge, das Vertrauen dieser zu ■besitzen, um auf die Unterstützung ■der Gesarntjudenschaft Rumäniens rechnen zu können. Wir müssen ,gegebenenfa׳Ms ׳uns von dieser ׳״Uninea Evreiilor“, die uns auf geistigem Gebiete unermeßlichen Schaden anzurichten im Begriffe ist, trotz mancher Vorteile,, die sie uns im, wirtschaftlichen• Leben bietet, gänzlich lostrennen, uns von Ihr auf der ganzen Linie emanzipieren, damit ■die Regierung erkenne, daß w!ir nicht, im Schlepptaue jener Regatsjude.n steheny ■daß. wir unseren eigenen Kopf und besondere Interessen ׳!iäbb'ti, die auch gehört und gefördert werden müssen, Wenn Wir zur ■bestimmten Zeit die Wünsche und Zwecke der ׳Regierungspartei unterstützen sollen. Und es ist fürwahr schon an der Zeit, festentschlossen und handelnd aiifziitreteii. Dein einseitigen Einflusse ׳der ״Uninea ,Evreiilor“ ist es auch zuzuschr eiben, daß Dr. Niemerovcr ■als Senator eingeschmuggelt wurde, in welcher Eigenschaft er der Orthodoxie nur S c 11 ä d e 11׳ z 11 g e f ii g t ha t. Es sei in diesem Zusammenhange gerade auf seine. letzte Leistung vor Schluß der letzten Senatssession hingewiesen. Er interpellierte in einer z i e in lieh 1 e 11 ׳d c 111 a h in e n R e d e w e g e 11 des S c 11 r e i b ■z w a n g e s der jüdischen Schüler der Staatsschuld! an Samstagen. Darauf entgegnete ein Bischof, daß dieses Verlangen nach Aufhebung des Schreib- Zwanges von der transsylvanischen Judenheit her- Kleiderstoffe, doppeltbreit S 1.90 Kostilmsftoffe, 140 b cit S 2.90 Rips-Fapone, alle! arben S 3.90 Kleider-Rips, doppeltbreit . S 4.90 Wipcord für Herrenanzüge . 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Dr. Nieme.rover batte kein Wo/t der Entgegnung auf eine derartige lügenhafte Insinuation. Ja als er von slöbenbtirgischer Seite darauf aufmerk* sam gemacht wurde, daß die Juden bei der ungarischen Regierung nur darum nicht mit einem solchen Verlangen nach Extravaganz in den Schulen, wie sie die Befreiung vom Schreibzwang am Samstag ist, hervortraten, weil die ungarische Regierung mit ihren Erlässen (hier wurden die Nummern und das genaue Datum angeführt) die Entliebung vom Schreibzwang ungeordnet hatte, und gebeten wurde, diese Tatsache im Senate ■zu proklamieren, utn die falsche und überaus schädliche Beleuchtung, in die der Bischof diese ganze Frage und die mit ihr sich identifizierende Orthodoxie Siebenbürgens gerückt hatte, unschädlich zu machen; da hatte Dr. Niemeraver, der sich gerne zum Oberrabbiner, zu dem im Kultusgesetze vorgescheuen religiösen Chef der ganzen Judenheit Rumäniens aufspiclen möchte, ■die frivole und verlogene Antwort, ■daß man sich im rumänischen Paria- .mente nicht gut ä,u ז ungarische Analogien berufen ■dürfe, R ■u m ä ti i e n sei e ׳i n s e 1 b s t ä nd i g e r Staat und sehe es u. n g e r n, d a ß m a ti i h!m M11 ster von ausländischen, ■am aller• wenigsten v 0 ׳ 11׳ungarischen Gesetzen e ni pfehl e. Es ist wahrhaftig empörend, daß ■ein Rabbiner mit einer solch ׳hohlen Phrase, mit einem jesuitischen Kniff über eine Frage weggleitet, ׳die seit ■zehn Jahren den brennendsten Schmerz der thoratreuen Juden des Landes bildet. Und dieser Dr. Niemerover wird ■nun in ■diesem Gesetze in ׳seiner •Se׳natorenwiirde bekräftigt und wird, wenn der ,höchstgefährliche einseitige Einfluß der ״Uninea Evreiiiior“ nicht endlich ׳gebrochen ׳werden (kann und der einheitliche religiöse Chef Tatsache wird, mit völliger Gewißhei't׳ in ■dtese’s wichtige ״Amt eingesetzt werden. •Allerdings gehört das ' auch ■zu den Widersprüchen ■des Gesetzes, das wohl;d׳ic^jV^sehiede 11’heit der •Bekenntnisse innerhalb!'di$j •־'|if^d^|||i|f'i^umähi&ns׳' anerkennt und ־ die Autonomie der Stejmaikfim ׳Sind Orthodoxen' ׳unangetastet läßt, nichtsdestoweniger einen einzigen religiösen Chef für alle abweichenden Bekenntnisse kreiert. Aber ■ dieser Widerspruch ist eben auch auf das Konto der ״Unihea Evreiiiior“ ziu setzen, deren Einfluß es tgelanig, diesen religiösen Chef im letzten Augenblicke ins Gesetz hineinzuschmuggeln,• als keine Zeit mehr war, orthodoxerseits sich dagegen mit genügendem ■Nachdruck 'zu wehren. So wie es auch nur ■derselben Vereinigung anzurechoen ist, daß das Gesetz wohl die A ut 0 n o m ■i e d e r bereits bestehenden orthodoxen G e m e ׳i •11 d e n a 1 s zu Recht bestehend ■anerkennt, aber die N e irb i 1 •d 1111׳ g orthodoxer G e( m e ׳i n ■d e 11 nie h t gestattet. Wenn in Zukunft eine Gemeinde, von besserer Einsicht, von tieferer Frömmigkeit ergriffen, auf orthodoxe Basis sich stellen wollte, weil man erfahrungsgemäß hierzulande iiur in dieser Weise wirkliche Jüdischkeit pflegen und erhalten kann, so steht dem ■dieses ,Ge-־ setz im Wege und ׳begeht das Verbrechen des Gewissens- Zwanges auf Anraten und Bestreben der ״Uninea Evreiilor“, ■deren Führer die ■Religion ein leeres ־W:ont ׳ist und die ihr Judentum lind ihre Vereinigung ■nur zur Erreichung politischen Einflusses und persönlicher Ambitionen benützen. Eine gute Seite hat das Gesetz doch, die Verfügung nämlich, daß sie die Gemeinden als: R e.J i g •i 0 n sg e m e i n d e 11 betrachtet und mit Stra'fsanktioiieo schwerer Art ihnen verbietet, V 0,1 •k s g;le m e.i n d e,n' zu werden. 'Mithin ist dein Spuke der Zionisten, die übrigens jetzt auch im Sommer den Bärenschlaf ■schlafen, die Kultusgemeinde ihres vieltausendjährigen religiösen Charakters zu entkleiden, •der Weg •für geraume Zeit griind- lieh verbarrikadiert. ■So rächt sich jede Schuld auf Erden. Bei jedem Anlaß waren die Zionisten a׳n ■d e r S e i t e D r. F i 1 •d e r m a 1111 s und D r. Nicmerovers a 11 z utreffen, wenn es galt, gegen den Bestand ■der s e 1 b s t ä 11 ■d׳i g e n Orthodoxie zu w ii 111 e 11, sie dachten d a d 11׳ r c h ihre r 1P h a 11׳ •t a s i e v 0 11 einer Volks g e ni e i n de nähe r r iicken ■ z 11׳ können. Nun ist wenigstens der Besitzstand der gegenwärtigen Orthodoxie gesetzlich geschützt, aber ■die Verw׳i 11kticbillig des zionistischen bösen Traumes gesetzlich verhütet. Uns stand der G-tt unserer Väter in unserem Kampfe bei und erhielt uns wenigstens ■das mit Blut und Tränen erworbene Erbe unserer Eltern, •sie, ׳die weder G-tt noch Väter haben, die losgelöst von unserer hehren Vergangenheit';ein neues, wesenloses Gebilde von einem nationalen; Judeiittime schaffen;wollten, haben nichts gewoniie» und alles .verloren: :־ > ■

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