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Jüdische Presse · 1928-04-20 · 15 (20.4.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
15 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 15 JÜDISCHE PRESSE Seite 100 Der Kampf um den Sabbath. Befreiung jüdischer Schüler vom Unterricht am Sabbath — in Bayern Kn bayrischer Mlnisterialerlaß, von dem viel zu wenig Gebrauch gemacht wird! ®iehungsberechtigten muß hier gefordert werden! Wir ׳haben Beispiele genug dafür, daß Schüler, welche an 1keinem Sabbat die Mittelschule besucht halben, dadurch •nicht nur in keiner Weise zurückgeblieben sind, sondern sogar Vorzugsschüler waren und eine gute Abiturienten- Prüfung ablegten. _ ijMNNnmiimMimulmKimiiiiiiumiiiiniiimiimnnms I SCHONE | I PERÜCKEN I ו■■■■■■»■■»■ ו■ Das bayrische Staatsministerium des Innern hat vor nunmehr 41 Jahren auf Veranlassung der bayrischen Raibbiner folgende, noch heute rechtswirksame Verfügung erlassen: . ״Entschließung des k. bayrischen Staatsministeriums des Innern vom 19. Jänner 1887. Es wird die Anordnung getroffen, daß die Schüler der humanistischen und technischen Mittelschulen an den Sab- •baten und israelitischen Feiertagen vom Schulbesuch zu dispensieren sind, sofern von seiten der Eltern oder deren Stellvertreter ein besonderer Antrag hierauf bei den kgl. Rektoren gestellt wird. Unterricht wird nicht nachgeholt, Ausfüllung der Lücken im Unterricht bleibt den •betreffen- •den Schülern überlassen.“ Es ist sehr zu bedauern, schreibt die ״Deutsche Israelitische Zeitung", daß viele religiöse jüdische Eltern von dieser Begünstigung des Staatsministeriums zugunsten des Sabbats keinen Gebrauch machen und ihre Kinder in die Schule schicken, indem sie sich damit begnügen, daß diese am Sabbat nicht schreiben. Der Notbehelf wird zur Regel erhoben! Die betreffenden Eltern scheinen nicht zu bedenken, daß auf diese Weise nicht nur dem Kinde die Möglichkeit der Sabbatheiligung sehr erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird, sondern ihm auch die Sabbat- Stimmung genommen wird. Schon der Freitagabend muß vielfach statt ■der Saibbatfeier der Vorbereitung für die Schulstunden am Samstagvormittag gewidmet werden. Am Sabbatmorgen muß der Schüler oder die Schülerin schon sehr früh aufstehen, wenn er überhaupt die Sabbatgebete verrichten will, die Tihoravorlesung ׳muß er versäumen; eine weitere Schwierigkeit ergibt sich wegen des am Sabbat verbotenen Tragens ׳der Schulbücher. Dazu kommt aber, daß dem jüdischen Kin-de schon von vornherein ׳der Sabbat profanisiert wird, wenn es den ganzen Vormittag in der Schule sitzen und seinen Geist mit unjüdischen Gegenständen beschäftigen muß, während in der Synagoge der Snbbatg-ttesdierist vor sich geht. Nachdem in Würdigung aller dieser Umstände der Staat selbst den religiösen Eltern die Hand bietet, ihre Kinder am Sabbat von •der Schule fernzuhalten, ist es ׳kaum verständlich, daß so viele streng religiöse Eltern aus Angst vor den Versäumnissen, die doch ein einigermassen begabter Schüler leicht nachholen kann, aus der Not eine Tugend machen •und •ihre Kinder am Sabbat in die Schule schicken. Mit der Unterlassung des Schreibens allein ist es nicht getan, man darf den Begriff der Sabbatrube nicht •so engherzig auffassen, sondern muß danach trachten, dem Kinde eine wirkliche Sabbatfeier. die sich von allem Werktätigen fernhält, zu ermögliehen, wie sie der Prophet Jesaias i׳m Kap. 58, 13, 14 (Haftora von Jaum Kippur), schildert: ״Wenn d׳u. vom Sabbat deinen Fuß zurückhältst und nicht ausübst ׳deine Geschäfte /an meinem heiligen Tage, und du nennst den Sabbat ״Wonne, g-ttgeheiligtes Kleinod!“ und du ehrst ■ihn, indem du nicht ausführst deine Wege, nicht nachgehst deinem Geschäfte und nicht von •ihnen redest, dann wirst du Wonne׳ •finden im Ewigen, und ich lasse dich ׳die Höhen .der Erde besteigen und lasse dich genießen das Erbe deines Vaters Jakob, ׳denn der Mund des Ewigen hat ■gesprochen.“ Wenn die Befreiung vom Schulbesuch am Sabbat überflüssig wäre, wie es manche glauben machen wollen, dann hätten sicherlich die bayrischen Rabbiner der achtziger Jahre, ebenso wie die Rabbiner anderer Bundesstaaten sich nicht so sehr dämm bemüht, diese Ausnahmebestimmung zugunsten des Sabbats durchzusetzen. Freilich wird den am Sabbat dispensierten jüdischen Schülern das Fernbleiben vom Unterricht dadurch ׳bedeutend erschwert, daß andere gesetzestreue Eltern ihre Kinder am Sabbat in die Schule schicken, da hierdurch häufig von seiten der Schulleitung oder des Lehrkörpers den fernbleibenden jüdischen Schülern ihre Abwesenheit. als ״Bequemlichkeit“ ausgelegt w^d^^m^mhcitHche^Vorgeh^n^der^es^ze^reuen^E^^ Gründung einer internationalen Organisation der Schomre-Schabbos. Die wachsenden Schwierigkeiten der Sabbatheiligung haben eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten veranlaßt, zur Gründung einer Organisation der Schomre-Schabbos auf internationaler Grundlage zusammenzutreten. Neben der intensiven Förderung der bestehenden Schomre-Schabbos- Vereine soll es die Aufgabe der geplanten Organisation sein, a) den Sabbatgedanken in den weitesten Kreisen der Judenheit neu zu beleben und zu vertiefen, b praktische Wege zu suchen, um die Vereinbarkeit der Sabbatheiligung mit den sozialen Einrichtungen unserer Zeit eventuell durch die Beeinflussung legislativer Maßnahmen sicherzustellen, c) sabbattreue wirtschaftliche Unternehmung«! zu schaffen und bestehende zu fördern. d) in Verbindung mit den sahbattreuen Gruppen . des Auslandes den Schamre-Schabbos-Vereinen weitere Betätigungsmögl'ichkeiten zu.eröffnen und durch Annäherung der religiösen Gruppen des In- und Auslandes diese wirtschaftlich, zu fördern. Die Arbeit soll in Gemeinsamkeit mit den Schomre- Schabbos-Vereinen geleistet werden. Zur Verwirklichung dieser Ziele ist die Einberufung eines internationalen Kongresses geplant. Das vorbereitende Komitee besteht aus den Herren: Seminardozent Dr. Grünberg. Dr. Werner Silberstein, H. Abramczyk, James Goldschmidt, Hans Goslar, Dr. Paul Sulzberger, Rabbiner Dr. Klein, Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener, Moritz Merzbach, Raphael Gradenwitz, Alfred Marcus. Eine bedeutsame Verfügung des deutschen Reichsarbeitsministers im Interesse der sabhathaitenden Arbeitsuchenden. Auf •die vom ״Pre׳uBischen Landesvenband gesetzestreuer Synagogengemeinden“ in Gemeinschaft mit den gesefczestreuen Rabbijjerverbänden, der Freien Vereinigung und der Steilenv!e׳rmi11lu 11gszentrale der Agudas Jisroel mit dem Herrn Reichsarbeitsminister seit Monaten geführten Verhandlungen im Interesse der sabbathailtenden Arbeitsuchenden hat der 1Reichsarbeitsminister unter Akten- Zeichen IV 3252/28, unterm 30. März 1928 folgende Verfügung erlassen: ״Im allgemeinen Interesse wird es liegen, wenn sowohl der Arbeitssuchende wie Arbeitsnachweise• den Schwierigkeiten, die sich aus einer Kollision ■der Pfiichten ergeben, möglichst aus dem Wege gehen. Ich werde daher ׳bei dem Herrn Präsidenten der Reichsanstait für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung anregen, daß bei Arbeitsvermittlungsgesuchen orthodoxer Israeliten soweit als möglich versucht wird, sie in solchen Stellen unterzubringen, in denen am Samstag keine Arbeit verlangt wird.“ Die einsichtsvolle Berücksichtigung der religiösen Interesse der jüdischen Arbeitsuehender, •die in dieser Verfügung liegt, ■muß dankbar anerkannt werden. Eine restlose befriedigende Lösung des Problems •könnte jedoch wohl nur auf dem Wege der Spruchpraxis in Anlehnung an das Arbeitsvermittlungsgesetz erzielt werden.' Von der Kalenderreform. Der Einspruch der Aguda wird beachtet. Der Völkerbund und besonders dessen technische Kommission fiir Verkehr und Transit hat sich bekanntlich mit •der Frage einer Kalenderreform beschäftigt. Diese Kommission! hat ■die nähere Prüfung •des Problems einem Spezialkomitee übertragen, das jetzt ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit erstattet. Darin wird die Haltung der u.SCHEITiL ZU KON IC URRENZLOS 6 H 1 PREISEN BEI SSL imilllllllllllimiilllllllllllllllllllillllllllfllllllllllllllllll WIEN I. 1 SE 28 s 1 VACZI UTCA 19 ililllllllllilllllllllilllllHIiinilllilinilllllllllllllllllllinnill einzelnen Staaten u׳n׳d Religionsgemeinschaften zu dieser Frage wiedergegeben. Von den Juden heißt es: Die Vertreter der Juden lehnen einstimmig und bestimmt jeden Kalender mit eingeschobenen ״blanken Tagen“ ab, da ihr Gesetz diie Feier des Sabbat als ׳des siebenten Tages der Woche vorschreibt und die ■Wochen sich ununterbrochen folgen müssen, wie dies seit mehr als dreitausend Jahren •der Fall war. — In der Schlußbetrachtung spricht das Komitee aus, daß keine •Reform möglich sei ohne die Zu- Stimmung der Gesamtheit oder fast: der Gesamtheit der aufgeklärten leitenden religiösen, administrativen, wissen•׳ schaiftlichen, wirtschaftlichen Kreise. Die Berliner ״Jüdische Rundschau״ über die Krise der zionistischen Organisation in Amerika. ... Die Gegenwart •ist noch trübe und schwierig* Der vom letzten Kongreß vorgesehene eingeschränkte Arbeitsplan der" Zionistischen Exekutive ist in Frage gestellt, weil das Budget ■des Keren Hajessod aus Amerika im ersten Halbjahr nicht gedeckt wurde. Es bestehen Zweifel, ob diese großen Rückstände noch werden ausgeglichen werden können. Man spricht von einer beginnenden ökonomisehen• Depression i׳m amerikanischen Wirtschaftslieben. Aber noch schwerwiegender •ist vielleicht die Belastung der Zionistischen Organisation Amerikas durch innere Konflikte, die ihre Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen scheinen. Die •internen Auseinandersetzungen im amerikanischen Zionismus haben bereits vor etwa einem Jahre deutliche Formen angenommen, sie haben auf der Konvention in Samuel Israel Schlesinger bekannt war, eingeräumt werden. Wachstem veröffentlicht eine Reihe von Eisenstädter Urkunden, die seine Unterschrift oft an erster Stelle tragen und wenn er dem Berufe nach auch nur als Händler mit Gürteln auftrat, war er doch mit allen möglichen Ehrenämtern innerhalb der Gemeinde bekleidet. Wir finden seinen Namen an , erster Stelle auf einem Beschluß vom 3. September 1741, mit ,dem zwei Gemeindemitglieder wegen Kartenspiels bestraft wurden, auf einem Protest vom 12. Februar 1744 gegen einen eigenmächtigen Vorsteher, auf einem Beschluß vom 8. Juni 1745, mit dem diesem Vorsteher die Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jabren entzogen wurden, auf einem Beschluß des Vorstandes zur Unterdrückung unlauteren Wettbewerbes usw. Alle diese Schriftstücke gewähren uns nicht nur einen schönen Einblick in das Gemeindeleben der Juden jener Zeit, sondern sie zeigen uns namentlich auch, was uns liier am meisten angeht, die vielseitige öffentliche Tätigkeit Samuel Güns-Schlesingers. Dieser Tätigkeit setzte er, trotzdem er eine Familie zu versorgen hatte, dadurch die Krone auf, daß er eine Stiftung errichtete, d׳ie für deri Unterricht, die. Bekleidung und Ernährung• von Schulkindern bestimmt war, Samuel Schlesinger starb am 18. April 1756; er wird nicht umsonst in seiner Grabinschrift gerühmt — in einer Zeit,׳ in der überschwengliches Lob in Epitaphien noch nicht üblich war, denn in seinem eng begrenzten Kreise hatte er vornehm und wohltätig zum Segen seiner Umgebung zu schalten und tonangebend zu wirken gewußt. Und es ist charakteristisch, daß auch seine Frau Sari, die Tochter des Wormser Rabbiners Moses Broda, die am 2. Juli 1757 starb, gleichfalls eine kleine Stiftung für Arme hinterließ. Auch Samuel Schlesingers Sohn Moses, der, ausschließlich den Familiennamen Güns führte, trat in der Oeffentiichkeit der Eisenstädter Gemeinde durch mehrere Jahrzehnte Öfters hervor. Er war gelehrt ■und wirkte als Kassier der für die Armen Palästinas bestimmten Gelder. Seine Frau Gütel war die Tochter des Rabbi Akiba Eger des Aelteren, der, aus einer alten Halberstädter Rabbinerfamilie stammend, die משנת דר׳ עקיבה und mehrere andere Schriften verfaßte und als Rabbiner von Preßburg am 15. Elul 518, d. i. 1758, starb. R. Akiba Eger der Aeltere stand mit den Größten seiner Zeit, R. Jonathan Eibenschütz und R. Meir Eisenstadt (Maharam Asch) in Korrespondenz und auch seine Frau Jütel, die Tochter des 1762 in Wien verstorbenen Perez Sabl Leidesdorf, war — eine ziemlich seltene Erscheinung — in der Thora bewandert. Jütel Eger heiratete nach Akibas Tod den bekannten Prager ראש בית דין Meir Fischei (Fischer) und verbrachte nach dem Tode ihres zweiten Mannes ihre letzten Jahre in Eisenstadt im Hause ihrer Tochter Gütel Güns. Sie starb am 26. Tischri 542, d. i. 1781, und konnte stolz auf ׳ihre in hervorragenden Rabbinatssitzen wirkenden Söhne R. Benjamin Wolf Eger, Rabbiner von Ziilz und Leipnik, und R. Jehudä Löb Eger, Rabbiner von Halberstadt, herabblicken, während sich ׳in ihren in Eisenstadt heranwachsenden Enkeln die großen Traditionen der Ahnen noch einmal zu überragenden Gipfelpunkten erheben sollten.' III, R. Simcha Bunim Güns und seine Brüder.10) Der Ehe des Eisenstädters Moses Güns (aus der Familie Margulies-Jafe-Schlesinger) mit Gütel, 10) Teilweise nach der Darstellung Wnesclwiers in seiner Schrift ״Rabbi Akiba Eger, der letzte Gaon in Deutschland“ (Frankfurt a. M. 1006) und des bekannten ם׳ חוט המשולש (Paks 5647, d. l 1887). der Tochter des Preßburger Oberrabbiners R. Akiba Eger, entstammten drei Söhne,, von denen der bekannteste der Posener Oberrabbiner A'kiba Eger war. Dieser führte den Namen seines bedeutenden Großvaters mütterlicherseits als Familiennamen, was damals noch nicht schwer fiel, da die Familiennamen nicht unabänderlich festgelegt waren, und fügte damit zu den bereits bekannten Namen seiner Familie einen fünften hinzu. Er wurde in Eisenstadt am 11. Marcheschwan 5522, d. i. 1762, geboren, verließ aber schon als Kind seine Heimatstadt, in der nach' dem Tode des U\ Binjandn Wolf ben Aron R. Ascher Lernmel ha Levi aus Glogau, ein Schwager des R. Jecheskel Landau (נודע ביהודה) und Angehöriger einer der führenden Familien in der jüdischen Geistesrepublik das Rabbinat bekleidete. Der Knabe Akiba ging zunächst nach Mattersdorf und erwarb dort an der Jeschiwah des R. Natan Nate Schotten und seiner Nachfolger, R. Gerson Chajes (später in Nikolsburg) und R. Jeremia Rosenbaum (später in Samson) den Grundstock seines bald angestaunten Wissens. Mattersdorf stand damals am Beginne seiner Blüte, die es zu einer der Metropolen des jüdischen Geisteslebens machte und numerisch viel stärkeren Gemeinden, wie Nikolsburg, Preßburg und selbst Krakau ebenbürtig werden ließ. Und schon im Alter von 12 Jahren soll unser Akiba ״ein schwieriges talmudisches Problem gelöst haben, an dem sein damals in Breslau weilender Oheim R. Benjamin Wolf Eger und seine gelehrten Freunde sich vergebens versucht hatten, wonach dieser nicht eher ruhte, bis Akiba um 1774 mit Einwilligung seiner Eltern nach Breslau zu weiterer Ausbildung kam.“ (Fortsetzung folgt.)

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