Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 15 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 15 iiimmiimimiimiiiiHinimnnniiiitiii Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 5$ JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroflhandlung Nordbahnrutsehen 3. Köhlenhof Nr. 372376־ Wien, II., TaborstraSe 9 Farnsprech•? Nr. 41-0-22 Liebe Frau! Wollen Sie eine schöne, moderne und dauerhafte Perücke zu aen denkbar billigsten Preisen haben, so kommen Sie und überzeugen Sie sich. Franz Wien, 4. Bezirk, Gußhaussfraße Telephon 54-8-79. Schenken Sie uns nicht blindlings Ihr Vertrauen, sondern überzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen. Besuch von der reellen und ungewöhnlichen Kleiderstoffe, doppcltbrcit . S 1.90 KostümsfolFfe, HO bi eit S 2.90 | Rips-Fagond, alle Farben . . S 3.90 Kleider-Rips, doppeltbreit . . S 4.90 Wipcord für Herrenanzüge . S 14.90,j Kasha für Kleider . 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Hs ist zehn Jahre her, daß die Wiener Jugemlgruppe gegründet wurde, und somit hätte diese Generalversammlung die Veranlassung zu einem Jubiläum bilden können. Blickt doch die Wiener Jugendgruppc auf eine Vergangenheit zurück, die jeden Anbänger der Agudas Jisroel mit Stolz und Freude erfüllen kann. Von dieser Stimmung war aber bei dier Generalversammlttng wenig zu verspüren. Die Jugend selbst trifft sicherlich kein Verschulden. Sie arbeitet begeistert und hingebungsvoll für die Verwirklichung und Verbreitung ihrer Ideale. Allein.mau merkt}daß es!ihnen an richtiger F ii h r u n g f e 1111. Es ist geradezu unverzeihlich, daß die verantwortlichen Führer, nicht mir jene von Agudas Jisroel, der doch die Jugendgruppc formell angchört, sondern auch alle anderen verantwortlichen Männer der Wiener thoratreuen Judenheit sich nicht wärmer und zielbewußter um das Gedeihen der Jugendgruppe kümmern. Stellt sie doch die einzige große, Icistnngswillige und leistungsfähige thoratreue Jugendorganisation .in Wien dar. Diese Jugend, die auf sich selbst gestellt ist, muß schon Ihre ganze jugendhafte Begeisterung und ihren ganzen, von keinerlei trüben Lebenserfahrungen beschwerten Enthusiasmus aufbicten, um sich in diesen schweren wirtschaftlichen Zeiten, wo auch ihre Mitglieder schwer um ihr Brot zu kämpfen haben, auch nur zu behaupten. Zum Rückblick und zur Anpreisung der eigenen Leistungen haben sie keine Zeit. Das Ruhmesblatt der nur durch größte Hingabe an das Ideal erreichten Erfolge der Jugend. kehrt sich i n eine flammende Anklagcschrift gegen die Alten. Hörte man während der Generalversammlung die Resolutionen der Jugend, in denen sic zu den politischen Vorgängen der jüngsten Vergangenheit im Rahmen der Wcltorthodoxie Stellung nahm, so konnte man sich des zwiespältigen Gefühls nicht erwehren, daß in diesen Resolutionen die Jugend statt d e r A •I t e n s p r i c h t, statt der Alten, die überhaupt nie und nirgends in dem Wiener Agudaleben walirzunehmen sind, die seit Jahr und Tag gänzlich verstummt sind. Oder glauben sie, sich ganz und gar auf die Jugend verlassen zu kennen? Ueberkommt sie nie eine kritische An- Wandlung, die sie aus ihrem Schlummer aiifriittclt? Bedenken sic fi'i'e׳;"daß’die"Tlic&e:,;O.hne Jugend keine Zukunft“ im Bereiche, der Agudä' einer. Ergänzung bedarf: ״Ohne Alter keine verläßliche Jugend“...? Zehn Jahre Jugendiirbeit in Wien — eines der glänzendsten Kapitel der Wiener A׳guda. Eine Jubelstimnning, will dennoch nicht recht aufkommen, denn man muß um die Zukunft besorgt sein, wenn dem Schwung der Jugend die schützende, fördernde und segnende Hand der Alten fehlt. Bf, ״Die Einheit66. Auch die ״Einheit“, dieser rühmlichst bekannte Verein zur Erhaltung und Gründung von rituellen Speisehäusern, hielt dieser Tage ihre Generalversammlung a׳b. Eine Generalversammlung, die fast mit gänzlichem Aus- Schluß der Oeffentlichkeit vor sich ging. Mit Ausnahme der Vorstandsmitglieder, die selbstverständlich auch nicht voll- Dreihundert Jahre einer Wiener Judenfamilie. Von L. Moses. (Fortsetzung.) II. Die Schlesinger im 18. Jahrhundert. Die Söhne Marx Schlesingers, Wolf lind Ascher Anschel (Israel) zogen zunächst von Nikolsburg nach Ungarn, und erhielten von Karl VI. im Jahre 1716 in Anerkennung verschiedener Dienste, die sie der Heeresproviantierung oft unter Lebensgefahr geleistet hatten, einen Schutzbrief, der ihnen die Niederlassurig in ganz Ungarn mit Ausnahme der Orte, in denen Juden nicht'wohnen durften, gestattet. Die Brüder sollen bei der Errichtung der Linzer Wollzeugfabrik verwendet worden sein und Wachstem, der sich eingehender mit dem Vermögen Wolf Schlesingers beschäftigt״) charakterisiert namentlich diesen als mittleren Kapitalisten, dessen Geschäfte ״sich im engen Rahmen der Bürgerlichkeit bewegten“. Wolf Schlesinger hatte sicli zunächst in Eisenstadt niedergelassen, wo er ein Haus erwarb, ist aber schon im Jahre 1699 nach einer bei Pribram, a. a. O. veröffentlichten Liste der Wiener Juden 1״in dem weißen Hirschen auf den alten Khienmarkt“ wohnhaft und wird in einem Referat der Hofkanzlei vom März 1723, dem ein Schutzbrief Karls VI, für alle. Wiener Juden folgte, in die zweite Klasse der Schutzjuden ' eingereiht, für die das Haus zum ״Kissenpfennig“ (Küß’ den Pfennig, Hafnersteig— Adlergasse) als Wohnhaus vorgeschlagen wird. Es wird, später noch davon zu sprechen sein, daß ‘ Siehe dazu auch Täglicht, Nachlässe <lc׳r Wiener J-iutati. S. 15S. 135 Jahre später, also ,im Jahre 1858, ein anderer Schlesinger in demselben Hause ein Geschäft errichten sollte. Karl VI. fand es — sieben 3ahre nach Erlaß des erwähnten, die opferwilligen Dienste Schlesingers anerkennenden Schutzbriefes — im Sinne seiner Zeit noch für notwendig, diesen Passus des Referats (in dem u. a. auch Wolf Schlesinger ausdrücklich genannt wird, mit der Randbemerkung zu versehen: ״Placet, aber daß ihnen klahr und scharfe Ordnungen vorgescliriben werdten, auch absonderlich das coinercium von Christen mit Juden gehindert werdte, absonderlich ins Haus. Glaubte ־'auch, daß w a 11 e i ri' J u d t a 11 s g e h t sein H a n d 1 n a c 11, man i lim ein Wacht mitgebe.“ So ist es denn kein Wunder, daß Wolf Schlesinger, trotzdem er fortan unbehelligt bis an sein Lebensende (13. Juni 1727) in Wien verblieb, die Mitgliedschaft der Eisenstädter Gemeinde beibehielt. Er und viele seiner Zeitgenossen trauten dem Landfrieden nicht recht und ließen sich es, wie Wachstein a. a. O. ausführt, lieber viel Geld■ kosten, um nur in Eisepstadt oder anderen Gemeinden des heutigen Burgenlandes eine Zufluchtstätte, eine Art ער' מקלט für Sich und die Ihren zu sichern, wodurch sie ungewollt zu der heute für uns so wichtigen Tatsache des innigen Zusammenhanges zwischen 'Wien und deii Schewa Kehillotli beitrugen. Uns beschäftigt heute aber mehr als Wolf Schlesinger, dessen Deszendenz trotz des vielen Interessanten, das sie moch bietet, liier unberiieksichtigt bleiben muß, die Person seines Bruders Ascher Anschel, den Wachstem a. a. O. mit dem in dem oben zitierten Sciiutzbricfe Karls VI. genannten Israel Schlesinger idenuiizien. Ascher Anschel Schlesinger ging (vielleicht schon vor 1716) ajs ZolleinnChmer nach Güns und kam so zu dem noch mehr als hundert Jahre später von seinen Nachkommen zählig erschienen waren, konnte man nur einige Delegierte der Wiener Kultiisgcmeinde und anderer Körperschaften bemerken. 1111 übrigen: gähnende Leere. Ein Sprecher wollte in allzu großem Optimismus das Fernbleiben des großen Publikums dahin deuten, daß dies die Zustimmung zu der klaglosen und segensreichen Arbeit des Vorstandes der ״Einheit“ bedeute. Mag sein. Aber uns hätte interessierte Anwesenheit sympathischer'•berührt als uninteressiertes, wenn auch zustimmendes Fernbleiben. In der ״Einheit“ finden 200 bis 300 arme Menschen rituell einwandfreie, unter der Aufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel hergestellte gute Küche. Neben der allgemeinen Volksküche besteht ein ״Mittelstandstisch“, der auf diese besonders schwer getroffene Schichte der Wiener jüdischen Bevölkerung zarte Rücksicht nimmt. Das Jahresbudget des Vereines macht nahezu S 100.000 aus. Wie ist es mit dem G ewissen der Wiener thoratreuen jüdischen Bevölkerung vereinbar, die Führer dieses in Waen seit 20 Jahren wohltätig wirkenden Vereines so vereinsamen zu lassen? Fürchtet man sich nicht, daß diese trefflichen Männer einmal ■in ihrem Arbeitseifer erlahmen könnten״ wenn sie sehen, daß ihre Arbeit die Wiener jüdische Oeffentlichkeit so gl e i c hgültig läßt? Haben diese Kreise gar kein Verständnis für die Existenz einer modern und hygienisch geleiteten Speiselialle, die gerade jetzt in den Zeiten bitterer Not fiir viele hunderte. armer Glaubensgenossen eine Lebens- 11 01 w e nd i g k e i t bedeutet? Ist man in den eigenen kleinen und großen Sorgen so weit versunken, daß man für die Not und für die Arbeit der übrigen nichts mehr übrig hat? Weiß man nicht, daß thoratreuc Institutionen in Wien nur mit äußerster Anspannung aller Kräfte sich zu erhalten vermögen? Man vergesse nie: DieOrthodoxiein W i e n i s t ein zartes P f 1 ä 11 zehen, das nur bei der sorgsamsten Pflege all jene r, dieander Existenz der Orthodoxie und an dem Bestand ihrer I n iS t i 1111 i o n e n interessiert sind, blühen und gedeihen kan 11. P. HEIL- UND SOLBAD HOB (SALZKAMMERGUT) NeueröffrRtung zu Scli’wuos! i Vornehmes Haus mit streng orthodoxem Küchenbetrieb. Jede Diiiiküche. Bild* un Hause, pneumat. Kammern. Gottesj dienst. Anmeldungen (■rbeten. ״rospekte SCHNEIDEN Feinste Herrengarderobe nach Mass. :: Lager fe nster orig. engl. Stolle :: Anfenigung. binnen 24 Stunden , L, RoteßSurmstr. 27 (Mezz.) Telephon 61-11־? t>o£ks -u2ßaapts<£u&.fiir2{naJ>en, <dde/1 mitOßiüßd 11. Ulatzgasse. /ff geführten Familiennamen Güns. In dieser königlichen Freistadt waren nachweisbar schon im 16. Jahrhundert Juden ansässig und später zählte man Güns zu den im Gebiete der Grafen Batthyany gelegenen fünf Gemeinden חמש ק ה לוח des Eisenburger Komitats, von denen Güssing, Schlaining und Rechnitz jetzt österreichisch sind, während die Städte Güns und Könnend bei Ungarn verblieben. Diese fünf Gemeinden wurden wahrscheinlich von den im Jahre 1496 aus der Steiermark vertriebenen Juden gegründet oder wenigstens vergrößert und wir finden an ganz unerwarteter Stelle einen Beleg zur Geschichte der Gemeinde Güns in dem Grabstein des am 23. Tebeth 337 (13. ,Dezember 1576) in — Krakau verstorbenen R. Mosche ben Tanchum Gins. 7) Lange freilich dürfte Ascher Anschel Schlesinger nicht in Güns gelebt haben, da wir sehen, daß er sich schon!im Jänner 1721a) um die Aufnahme in den Gemeindeverband von Eisenstadt bewirbt. Er dürfte bald darauf auch tatsächlich nach Eisenstadt gezogen sein und ist am 2. Tischri 495, d. i. 29. September 1734 dort gestorben.0) Sein bei Wachstem a. a. O. in einer guten Photographie wiedergegebener Grabstein rühmt seine Freigebigkeit, Wahrheitsliebe und Frömmigkeit und nennt ■ihn כחר״ראשראנשיל ב• חקדושמוה״ו מרדכי יפה מרגליות הי״דזצ״ל! sonst aber •ist über ilm nicht viel an Einzelheiten bekannt geworden. Ein ungleich breite!..:־ Raum muß in unserer Darstellung einem seiner Söhne Samuel Marguiies- Jafe, der in christlichen Kreisen unter dem Namen 7) Friedberg, Neue . . . i11׳ Krakau aufgoiuiideue Grabschriften. ׳ s) Wachstem, Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt, S. 35 ff. u) Wachstem, Die Grabsoiuii: .׳:! des alten Judenfrfädhates in Eisenstadt, S. 36-J,