Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1927-12-02 · 44 (2.12.1927) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
44 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630197-2630240--2790-2634703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sette 274 JÜDISCHE PRESSE Bfctniini Nr. 44!GRATIS! REST Jäsroel za einer Landeskonferenz in Warschau. Diese aufstrebende Arbeiterpartei versteht ihre Selbständigseit auf allen Gebieten zü wahren. Man erinnert sich noch an die Warschauer Gemeinderatswahlen, Wo sie trotz des abgeschlossenen Paktes der Agttda mit den Zionisten . es sich nicht nehmen ließen, selbständig zur Urne zti gehen. Diese Selbständigkeit erlaubt es ihnen radikaler ihre Ansichten und ihre Bestrebungen zu verfechten, als jene, die durch Kompromisse gebunden sind. Da sie bei den Warschauer Gemeinderatswahlen über 6000 Stimmen (2 Mandate) auf sich vereinigt haben, haben die Delogierteil nicht üble Lust gezeigt, auch die Parlamentswahlen selbständig durchzuführen, doch so weit kam es nicht. Für alle Fälle wartet man die endgültige Stellungnahme der Agudas Jisroel ab. Nebst der politischen Debatte wurden die Beratungen, innenparteiischen Fragen gewidmet. Die Konferenz vereinigte die Delegierten von 62 Ortsgruppen. Das Erscheinen des Kuttnaer Raws, Oberrabbiner Trunk, der bisher an der Misrachibewegung einen aktiven Anteil nahm, hat lebhaftes Aufsehen hervorgerufen. Oberrabbiner Trunk ergriff während der Konferenz das Wort, um die Bestrebungen der Pöale Agudas Jisroel seiner Sympathie zu versichern. Mag geht nicht fehl, wenn man in dieser Erklärung, nicht nur den Ausdruck der Sympathie einer, wenn auch hochstehenden Persönlichkeit erblickt, sondern weiter orthodoxer Kreise, die bisher den organisatanischen!Anschluß an Agudas Jisroel nicht gefunden haben. Bürgermeister Karl Seltz. Gegen den Bürgermeister der Gemeinde Wien, Karl Seitz, wurde am vergangenen Samstag ein Attentat verübt, weichem der Bürgermeister glücklicherweise ohne Schaden entging. Wir Juden verabscheuen unter allen Umständen den Mord als politische Waffe,!besonders empörend ist es aber, wenn •man bedenkt, daß die verantwörtlichen Führer unseres Staat- und Gemeindelebcns, wie vor einigen Jahren Bundeskanzler Dr. Seipel und jetzt Bürgermeister Seit z, dem Streiche eines unverantwortliehen dummen Jungen zum Opfer fallen könnten. Aus diesem Gefühle des Absclieues gegen solche verwerfliche Taten haben alle Schichten und Körperschaften der Wener jüdischen Bevölkerung sich beeilt, ihre Glückwünsche dem Bürgermeister anläßlich seiner Errettung kundzugeben. So haben das in Wien domizilierende Zentralbureau der Agudas Israel wie Adaß Israel (Schiffschul) Glüdkwünschadreßen an den Bürgermeister gerichtet. Joint Foreign Committee und die Lage der Juden in Süd-Osteuropa. (J. T. A.) In der gestrigen Sitzung des Jcwish Board of Deputies verlas in Abwesenheit des erkrankten Luden Wolf der Vorsitzende den Bericht dos Joint Foreign Comrnittee über auswärtige jüdische Angelegenheiten. Es wird auf die reaktionäre Propaganda in U n g a r n gegen die Revision des Numerus clausus und auf die infolge dieser Propaganda an den Universitäten Ungarns ausgcbrochenen Unruhen hingewiesen. Diese Vorgänge, heißt es in dem Bericht, haben anscheinend entmutigend auf die Regierung gewirkt, die nun, statt den Paragraph 3 ganz zu eliminieren, Das jüdische Kind in die jäd. Schule! Spendet reichlich für die Talnmd'Thora-VoihS' und Bürgerschule Wien, 11., Malsgasse 1s GRATIS! erhält jeder zehnte Käufer bei unserem am 14. d. beginnenden bekannt billigen Weihnachtsverkauf von lllll!lllllllll!ll!llilllllillll!lllll!lllll|||ll|||!i||!!|||||||!|| Enorme Auswahl aller Arten ihn durch eine Bestimmung ersetzt, nach der •die Kinder von Beamten, Kriegsbeschädigten, Landwirten usw. vor den freien Berufen bevorzugt werden, Die städtische Bevölkerung, zu der die Juden hauptsächlich gehören, erscheint ungeheuer benachteiligt. So wird ein Rest der anfcisemitischen Tendenz des ׳bisherigen Gesetzes beibehalien. Der Bericht des Joint Foreign Committee ■befaßt sich auch mit der Lage in Rumänien, in diesem Lande haben in der letzten Zeit antijüdische Unruhen ernster Art nicht stattgefunden, andererseits geht das Werk der Milderung gesetzlicher Einschränkungen gegen die Juden nur langsam vorwärts. Auf •dem Gebiet •des Unterrichtswesens hat die Regierung in •den Verhandlungen mit den jüdischen Deputierten gewisse Zugeständnisse gemacht. Auch hat sie einen Gesetzentwurf über die Bildung eines Verbandes jüdischer Gemeinden des ganzen Königreiches und der Bil- ויאחייית סיסייסו EBfä WERK von ungewöhnlicher kulturhistorischer Bedeuiungl Das Buch enthält viele hundert bisher ungedruckte Briefe aus der Korrespondenz des Chassam Sofer und R. Akiba Eger, sowie ihrer weltberühmten Nachkommen. Reich Illustriert! Preis nur S 10.—‘ Zu beziehen beim Verlag Jos. S c h 1 e s i n g e r, I., Seiteiistettengassc 5. Jeder, der die ״Jüdische Presse“ für ein Jahr abonniert und die Abounetnentgcbülir bis 1. Jänner 1928 bezahlt, erhält dieses Werk durch unsere Administration gratis. Jahresabonnement S 14. Für Rabbiner und Gemeindebeamtc S 10. düng eines Reächsrabbinats zugestimmt. In den annektierten Provinzen kommt die Regierung der jüdischen Bevölkerüng nicht in dem gleichen Maße entgegen. Auch hat sie oisher nichts getan, um den Numerus nullus, der ohne Gesetz faktisch an den Universitäten existiert, abzuschaffen. In der Türkei, heißt es in dem Bericht weiter, ist die Lage der Juden noch immer unsicher, namentlich die russisch-jiidischen Flüchtlinge in der Türkei seien einer unbarmherzigen Behandlung ausgesetzt. Der jüdischen Hilfstatigkeit .in Amerika und In Westeuropa harrt hier eine dringende Aufgabe. Das gleiche gilt von dem Handwerkergiidengesetz in Polen, welches das jüdische Handwerk bedroht. In diesen beiden Fällen wird das Komitee etngreifen, um noch schwereren Krisen entgegenzuwirken. Zum Schluß der Sitzung teilte Ö. E. d’Avigdor Goldsmid mit, daß die Hilfsaktion der Anglö-Jewish Association und des Board of Deputies zugunsten der Erdbeben •geschädigten in Palästina insgesamt Pfund Sterling 2531 ergeben hat. Die Aktion ist nunmehr abgesohilossen. Sitzung des Vorstandes der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutsch (and. Am 23. Oktober 1927 fand die zweite Sitzung des neugewählten Vorortsvorstandes in Hamburg statt. Zunächst berichtete der Schriftführer über das Ergebnis der bisher an 52 der größten Ortsgruppen versandten Fragebogen. Samtliehe Gruppen haben die erste Kundgebung des neuen Vorortsvorstandes mit größter Sympathie begrüßt und bis auf wenige Ausnahmen die gestellten Fragen eingehend beantwortet. Sämtliche Großstadtortsgruppen: Berlin, Breslau, Frankfurt, Fürth, Hamburg, Köln, Mannheim, Leipzig, melden, wie nicht anders zu erwarten, einen Rückgang der Mitgliederzahl seit der letzten Kenessio Gedaulo. Als Ursachen wurden die Wirtschaftliehen Verhältnisse, die Inaktivität der Leitung und zum Teil auch die in manchen Kreisen unpopuläre Politik der Agudas Jisroel angeführt. Im Anschluß an das Referat des Vertreters der Jugendorganisation, Herrn C 0 r i as Frankfurt a. M., fand eine eingehende Aussprache über die Beziehungen der Landesorganisation zur Jugendorganisation statt. Der Kassierer der Landesorganisation, Herr E s c h w e g e,. erklärt, daß es in diesem Augenblick materiell unmöglich sei, dem Antrag der Jugendorganisation auf Bewilligung eines Darlehens zu entsprechen, es könne sich höchstens um eine Verrechnung gegen die von der Jugendorganisation abzuführende Kopfsteuer handeln, ein Vorschlag, dem Herr Dr. Landau mit dem Bemerken entgegentritt, daß die Kopfsteuer der Agudazentrale zustehe und auf sie daher nicht verzichtet werden könne. Uebcr die Abführung der rückständigen Beiträge werden Vorschläge der Jugend- Organisation erwartet. Im Anschluß hieran wird die Neu- Organisation des Büchsen- und Marken Wesens besprochen. Für die Durchführung wird eine gemischte Kommission ernaunt,!in die die Landesorganisation Herrn Eschwege und Herrn Dr. Landau entsendet, Ins Auge gefaßt wird eine Vereinheitlichung der Büchsen- und Markenpropaganda .der Landes- und Jugendorganisation und die Teilung des Erloses. Eine Agtido-Einheitsbüchse erscheint mit Rücksicht attf die Interessen der Palästinazentrale und des Keren Haihora nicht angängig. empfiehlt sich Geschäffgtelle der Klassönlotterie I. M. NEUFELD Wien, 11״ VorgartöiisträÖe 209-20, Telephon 45-8-87. Ziehung 1. Klasse am 28. und 3Ö. Dezember 1927. V8 Los S 4 ‘A Los S 8 V־ Lös S 12 1/1 LöS S 16 Aus Vergangenheit u. Gegenwart Die Audienz des R. Lhva b. Bezalei (מהר״ל מפראג) bei Kaiser Rudolf II. Im Februar 1592 hatte der Maharal von Prag mit dem Kaiser Rudolf II. eine Unterredung. Der Gegenstand der Unterredung ist nicht bekannt. Es findet sich keine einzige Quelle, die uns darüber genau Aufschluß geben könnte. Graetz in seiner Geschichte, IX. Band, meint, diese Unterredung wäre für R. Liwa nicht günstig gewcsen.'dcnn einige Monate später verließ er Prag, die damalige Residenz des Kaisers, und nahm die Rabbinersteile in Posen an. Nun berichtet S. Rubin im המגיד לש0 חרל״ב Seite 163, er habe auf dem Titelblatt einer Bibelausgabe aus dem Jahre 1542-,eine Handschrift des Schwiegersohnes des R. Liwa gesehen, die uns den Verlauf der Unterredung schildert. Sie möge hier auszugsweise zitiert werden, ohne daß der Zusammenhaug dadurch leide: ״Sonntag, den 10. Adar 5352 (1592) erging der Befehl des Kaisers Rudolf au Mordechai Meisel und Isak beu Chanoch Weisel, daß mein Schwiegervater R. Juda Löw sich Im kaiserlichen Hof elnfiuden möge. R. Sinai, R. Isak und ich begleiteten ihn (R. Liwa) zum kaiserlichen Hof. Dort angelangt empfing uns der Kabinettschef (״.. (שר wir wurden in einen Saal geführt... die Hüte behielten wir auf dem Kopf... Der Kabinettschef wechselte mit uns einige Worte, ,.,,und führte meinen Schwiegervater in ein anderes Zimmer... Er sprach mit ihm über ״Mysterien“ in lautem Tone... dies letztere geschah in der Absicht, damit der Kaiser, der sich in einem Zimmer nebenan befand, das Gespräch mitanhören könnte ... Die Unterredung dauerte ungefähr eine halbe Stunde... plötzlich trat Stille ein..״ Der Kaiser nahm den Vorhang weg... unterhielt sich mit meinem Schwiegervater noch über dieses Thema und zog sich zurück.., Wir wurden dann vom Kabinettscbef bis zum Tor begleitet. Der Gegenstand der Unterredung muß einem kaiserlichen Befehl zufolge geheimgehalten werden.’Wenn der entsprechende Zeitpunkt gekoilimen ist, wird der Inhalt des Gespräches veröffentlicht werden.“ Ferner heißt es dort: ״Montag, den 11. Adar... Der Kabinettschef erzählte genanntem R. Isak, daß mein Schwiegervater großes Wohlgefallen beim Kaiser gefunden habe... Das sind die Worte des Isak ben Simson, des Schwiegersohnes des Gaon R. Liwa ...“ Auf Grund dieser Handschrift stellte S. Rubin die Vermutung auf, daß der Kaiser Rudolf 11״ da er sich bekanntlich mit Astrologie und Alchimie befaßte, den Maharal von Prag zu sich entladen ließ. R. Liwa befaßte sich mit der מעשיית Dbllpder praktischen Kabbala, dadurch schrieb matt lljm die Erschaffung eines Golem (Homunkulus) zu. Die Alchimisten befaßten sich auch mit der Mystik. Deshalb glaubte der Kaiser, nach S. Rubin, daß der Gaon von Prag sich auch mit dieser Wissenschaft befasse. Er ließ ihn zu sich einladen, um mit ihm darüber zu disputieren. R. Liwa befürchtete aber, man würde ihn in der Folge beschuldigen, er erzeuge Gold aus anderen Metallen, aus diesem Grunde verließ er Prag und begab sich nach Posen. So weit S. Rubin im zitierten המגיד. Aus dieser Handschrift geht aber hervor, daß die Unterredung eine freundliche und für beide Teile eine zufriedenstellende war. Durch den Gegenstand des Gesprüches bestand also keine Gefahr für R. Liwa seitens des Kaisers. Sowohl Graetz als auch S. Rubin haben auch außeracht gelassen, daß der Maharal nicht lange darauf nach Prag zurückkehrtc und dort bis zu seinem Lebensende als Rabbiner wirkte. Wenn nun der Maharal auch erst nach vier Jahren, wie Friedländer in seinem ״Prager Rabbiner“, Wien, 1902, angibt, nach Prag zurückkehrt, war doch Kaiser Rudolf noch am Leben (er starb 1612)? Die Audienz beim Kaiser kann somit nicht die Ursache des Veriassens Prags vorn Maharal sein. Dreimal verlegte er eigentlich seinen Wohnsitz nach Prag, und zwar: 1573 bis 1584, dann von 1588 bis 1592 und hierauf von 1597 im Frühjahr bis an sein Lebensende. Aus dem Dargcbrachton geht nun hervor, daß die Unterredung des Kaisers Rudolf II. mit R. Liwa b. Bezalei aus Prag alchimistischen Inhaltes war, diese eine zufriedenstelelnde war und die Abreise ■des R. Liwa vön Prag mit der Unterredung •in keinem wie immer gearteten Ztisammenhange steht. A. H. Teller. C-lsijjsjjläjjblge Juden, Mit Staunen liest man seit einigen Wochen immer wieder die Nachrichten von den Juden Iti Budapest, die an C-istus glauben und dabei doch gute Juden bleiben wollen und bleiben. Jetzt kommt sogar aus Munkacs die Nachrieht, daß das Fester Beispiel dort Nachahmung gefunden, daß auch dort sich Juden linden, die Juden ■bleiben und dabei an CNstus glauben. Man greift sich an den Kopf, die Juden bleiben Juden, obwohl sie an ״ihn“ glaubett; wodurch unterscheiden sie sich wohl von den C-Isten? Von den Juden unterscheidet sie trotz aller Versicherung der Zugehörigkeit zu ihnen der Glaube an den Messias, denn wer au ״ihn“ glaubt, dem Ist der Erlöser schön gekommen; wir Juden aber, die alles glauben, was unsere Väter glaubten, aber nicht an ״ihn“, wir glauben im festen Vortrauen auf unsere Verheißungen, daß der Erlöser kommt, uud beten und holfen, daß er bald ln unseren Tagen ׳komme, Also zwischen den neugläubigen Juden und uns klafft eine abgrundtiefe Schlucht* Weniger groß ist die Differenz zwischen ihnen und den C-isten. Wöhl trennt sie auch vieles vöti den Katholiken, sie Werden wohl viele Dogmen — wenigstens vorläufig — nicht anerkennen, von der Trinität bis zur Infallibilität des Papstes; aber däs _ sind höchstens Quantitätsunterschiede, keinesfalls Qualitätsunterschiede. Gruppen, die ein paar Dogmen mehr oder weniger anerkannten, gab es jederzeit und allerorts innerhalb der C-istenheit, je nach der größeren oder kleineren Dognienfreutudliicbkeit ist man eben C-ist katholischen oder evangelischen oder gar arianisclien Bekenntnisses, aber C־ist ist man, sobald man an C-istus glaubt. Und wenn auch die neugläubigen Juden in ׳ihrer Wasserscheu sich offiziell noch als Juden ,betrachtet wissen wollen, SO ist es doch unzweifelhaft, daß ihre Kinder bereits das Judentum mir als Abstammung, das C־>isteutu׳m aber,als Ihren Glauben ansehen werden. Doch woher kommt diese scheinbar plötzlich auf tretende Erscheinung. Manche wollen sie auf die Tätigkeit der Judenmissionäre zurückführen, die, um ׳ihre Schäfleln nicht kopfscheu zu machen, sie du Stelle eines Kopfspruuges auf schiefer Ebene •ins Wasser gleiten lassen; dagegen spricht der Umstand, daß Mlssiöhsmethoden und Erfolge sich in erster Linie in England zü äußern pflegen. Nur will es scheinen, daß die ganze Bewegung ein freilich ungewollter Erfolg der Tätigkeit vieler unserer ״geistigen Führer“, zionistischer wie assimilatörischer, ist. Wenn ein Zionist von Namen uns nicht eindringlieh genug erzählen •kann, wie er mit dem Evangelium in der Hand den See Genezareth befährt und hier erst das rechte Verständnis für den großen Galiläer und sein Wefk findet, und wenn!mancher Rabbiner seine Lehrtätigkeit nicht anders auffaßt, als daß er seinen Hörern d'ie Größe des Nazareners und seiner Lehre als eminent jüdische vorführt, dann werden wohl beide den reichen Beifall der Menge haben, sie Werden als modern, hochgebildet und vor allem als tolerant gelten,!sie werden billig reiche Lorbeeren ernten, viel billiger und reicher jedenfalls als der, der altes jüdisches Wissen oder wirklich jüdische Wissenschaft lehrt, ohne C־istus und dem C-istenttwi seine soibstverleugnende Reverenz zu machen. Aber dieser billige Lorbeer kommt dem Judentum teuer zu stellen, er kostet uns eine große Zahl von Juden, die durch diese Redner, diese unfreiwilligen Vorarbeiter der Missionäre langsam, aber sicher der Kefirah, dem Schemad zugefilhrt weden, denn vom c-lstusgläubigen Juden zum Meschmeld ist nur noch ein 11 alb er Schritt. Vielleicht sehen diese ״geistigen Führer des Judentums jetzt ein, wohin sie ihre Herden führen, nur um bequem ihren persönlichen Ehrgeiz befriedigen zu können und um trotz •ihrer Unwissenheit noch größeren Ignoranten als moderne tolerante Gelehrte erscheinen m können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.