Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 36 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 die er der Exekutive zur Verfügung stellen kann, dürften nach Schätzungen zwischen Pfd. Sterl. 430.000 und 450.000 betragen. Davon müssen bereits cingegangene Verpflichtungen in Höhe von Pfd. Sterl. 127.000 und die Pfund Sterl. 70.000 zur Deckung des Defizits abgezogen werden, so daß wir zur freien Disposition nur gegen Pfund Sterl. 225.000 haben. Zum Schluß will ich noch, ohne daß es sich um einen offiziellen Optimismus handelt, sagen, was wir erreicht haben, ist mit allen Schwächen und Ge:• brechen genügend stark, um auch diese Krise zu überstehen, wenn die Zionisten und der Kongreß ihre Pflicht tun. YVir haben Erfahrungen gesammelt und ein Stück Aufbauarbeit geleistet. das sich vergleichen läßt mit dem Au fbauwerk so mancher kleinen Regierung! Vor uns liegt die Zukunft für eine größere, weitere systematische Arbeit. Spät nber doch... Es wäre eine ganz irrige Annahme, wollte man glauben, daß nur die in der Sormenfeldschen Gemeinde schon seit Jahren zusammengeschlossenen orthodoxen Kreise auf Grund des neuen Gesetzes sich selbständig organisieren und aus den Gewissenskrupcln, in die sic die Zugehörigkeit zur Waad Lcumi-Gemeinde verstrickt, .herauskommen wollen. Dies zeigte sich besonders deutlich!in einer am letzten Donnerstag .stattgehabten großen Ver- Sammlung von Rabbinern und Vorstehern großer jüdischer Anstalten, •die von zahlreichen Anhängern, des Oberrabbirfers Kuk besucht war. Allerdings ist es für diese Kreise hauptsächlich das Frauenwahlrecht, das den Stein des Anstoßes bildet, weniger die Wählbarkeit von Gesetzesübertretern in die Gemcindeorgane. Oberrabbiner Ku<k selber konnte an der Versammlung nicht teilnehmen, da er in ■Haifa weilte. »Man vermutet, daß die Einberufung der Versammlung gerade auf diesen Zeitpunkt nicht ganz ohne Absicht erfolgte, weil sich unter den Initiatoren eine ganze Anzahl Persönlichkeiten befanden, denen die Haltung Rabb.־ Kuks viel zu kompromißfreundlich und schwächlich erscheint. ,Natürlich hat sich in der Presse ein großer Entrüstungssturm darüber erhoben, daß man auf diese Weise den Oberrabbiner zur Seite geschoben hat. Inzwischen ist der Waad Leumi in Verhandlung mit den Veranstaltern der Versammlung getreten, und es verlautet, daß man ohne Aenderung des Gesetzes selber den Aus- Schluß der Frauen vom Wahlrecht und von der Wählbarkeit wenigstens für. die Stadt Jerusalem konzedieren will, um einen Massenaustritt orthodoxer Kreise zu vermeiden.׳ Eine wissenschaftliche(?) Expedition. Eine Expedition des Chemischen Instituts und der Landwirtschaftlichen .׳Versuchsanstalt der hebräischen Universität ■in Jerusalem (dieser Landwirtschaftlichen Versuchsstation widmete ׳Herr Louis Rothschild in Wien 5000 Pfund, gleich 175.000 Schilling) ist von der Sinaischen ׳Halbinsel zurückgekommen, wo sie neues Material zur Aufklärung, was eigentlich das ״Manna“ sei, finden sollte. Die Telnehmer dieser!Expedition veröffentlichen nun ■ihren Bericht und verkünden die Tatsache (JTA. vom 19. August), daß .der Tamarisk (ein Strauch der Mittelmeerregion), der auch in Sinai vovkommt, Sub-׳ stanzen hervorbringe, die nach zahlreichen!Fruchtarten schmecken. Freilich bringt er. in manchen Jahren, in Zeiten der: Mißernte, diese :Substanzen nicht ■hervor. Die Expedition hat festgestellt, '■ daß'■diese "Substanzen,• ',welche sie schon: ״Mannah“ nennt, nicht :eine Absonderung der Pflanze ■selbst sind, wie man bis •jetzt glaubte, sondern die Ausscheidung ״Das jüdische Kind in die jüdische Schule! :Einschreibungen!in die Volkslind BQrg8rscj1i1lo für Knaben und Mädchen Talmud-Thora, Wien, II., Malzgasse 16 vom 1. September täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags. Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse Nr. 10. Telephon 3819־4־ Filiale: V!I., Burggasse Nr. 17. Telephon 3280־3־ auf dem Tamarisk lebender Insekten. Man nennt in der NatuiWissenschaft solche Organismen, die auf anderen leben, von anderen schmarotzen, eine Symbiose. Sollte nient das jüdische Volk verlangen, daß wenigstens in den Jahren der ״Mißernte“ auch seine Parasiten sich ähnlicher ZuriiCftliaitung befleißigen wie die Symboise des Tamarisk? NACHRICHTEN. Empfang für den österreichischen Generalkonsul in Palästina. (JTA.) :Bei dem Empfang, den die österreichische Landsmannschaft in Palästina dem neuen österreichischen Generalkonsul für Palästina, Walter Haas, in Tel-Awiw bereitete, sprach dieser über das Verhältnis Oesterreichs zu seinen Landeskindern, die die palästinensische Staatsbiirgerschaft erworben hatten. Er sagte, die österreichische Regierung verstehe einen solchen Schritt durchaus als den Ausdruck einer bestimmten Weltanschauung, ja sie betrachte ihn als selbstverständlich und werde darum die palästinensischen Oesterreicher nicht als schlechtere Oesterreicher betrachten. Im Verlauf seiner!Rede kam er auch auf die jüdische Industrie zu sprechen und führte aus: Diese junge, tapfere Industrie, die den Kampf mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes aufgenommen hat, könne versichert sein, daß Oesterreich mit ihr nicht konkurrieren, sondern ihr Hilfe angedeihen lassen werde, Hilfe in Rohmaterialien, Maschinen und allem, was die Industrie benötige. Verband gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Bayerns. Seit fünf Jahren macht sich in •Bayern eine ■Bewegtmg geltend, die den •Zusammenschluß auch der gesetzestreuen Jugend zu einer starken Gemein- :schaft anstrebt. Wer das selbstlose, nur für ■das Wohl des Taurohlebens in Bayerns Gemeinden bestimmte Wirken näher zu beobachten Gelegenheit hatte, der wird die Sympathie und Anerkennung, die sich dieser Verband gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Bayerns (i. d. A. J. J. O.) in allen Kreisen seines Tätigkeitsgebietes erworben hat, nur als den Ausdruck einer frohen Zustimmung zu den Be- Strebungen dieser Jugend aufzufassen haben. Ihr Ideal ist das der Agudas Jisroel, wie es vor fünfzehn Jahren in Kattowitz ■der Welt feierlich verkündet wurde: ein hochentwickeltes Taurohleben in einer starken, geeinten Orthodoxie. Wer •diesem Ziel ■ehrlich dienen will, wird sich •einer tatkräftigen Förderung dieses Jugendveribands nicht entziehen können. — So darf damit gerechnet werden, daß auch der diesjährige V e rba n d s t a g, zu •dem die Verbandsleitung in Nummer 7-8 ihres. ״Nachrichten-Blattes“■ ihre Gruppen für •den 11. •September nach Fürth 1». B. aufruft,, sich zu einer eindrucksvollen Willenskundgebung •der Jugend für den Aufbau wahrhaft jüdischen Lebens gstaltet. Ein Brief Louis Marshalls an den Zentralverein über Henry Fords Bekehrung, (JTA.) Ueber die Aufnahme, die Henry Fords Absage an die Antisemiten in Amerika gefunden •hat, teilt ■Louis!Marshall, ■der Präsident des American Jewish .Committee,. de.r C. V.-Zeitung das folgende mit: ,;,Nichtjuden ,aller... Lage}־,• und!, jeder , religiösen Einstellim-g, besonders Geistliche jeden ־‘ Glaubens,־’ haben' diesen ,Vor-■ fall ■als Schritt zur Gesundung betrachtet, als geeignet,׳ eine neue Zeit der Freundschaft und des guten Willens einzuleiten und׳ das Ende von ungesunden Vorurteilen und Unduldsamkeit darzustellen. Glückwünsche kamen hiezu aus dem ganzen Lande. Die Haltung der amerikanischen Presse ist während dieser unschönen Zeit höchst anständig gewesen. Sie weigerte sich standhaft; die schamlosen Angriffe auf die Juden weiterznverbreiten. Niemand ließ sich dazu verführen, diesen ungeheuren Verleumdungen den geringsten Glauben zu schenken, und nun, da ihre Haltlosigkeit dargetan ist ׳und .Ford um Verzeihung; gebeten hat,׳ hat sie einstimmig die Juden als vollwertige Mit¬ Schlaining. An dieser Stelle־ wurden bereits des öfteren die Schewa Kehilloth des'Burgenlandes, die auf dem dem Hause Esterhazy untergebenen Territorium, das vornehmlich dem Oedenburger Kornitat angehörte, entstanden waren, gewürdigt. ׳Eigentlich waren es ja gar nicht sieben Gemeinden, da •zeitweilig auch Neufeld und später auch Gattendorf ihinzukamen, während bei der Einteilung nach Komitaten Kittsee, Frauenkirchen und Gattendorf als zum Wieselburger Kornitat gehörig aus dem Verbände der Schewa Kehilloth schieden. Im südlichen!Burgenland aber, im ehemaligen Eiseniburger Kornitat, befinden sich fünf andere Judengemeinden, von •denen ׳Schlaining, Rechuitz und Güssing heute zu Oesterreich gehören, während die Städte Güns und!Körmend bei Ungarn verblieben. Diese Judengemeinden des ,südlichen Burgenlandes unterscheiden sich derart scharf von ihren nördlich gelegenen Schwestergemeinden, daß es sich verlohnt, sie näher kennen zu' lernen. Sowohl in ihrer äußeren als auch in ihrer inneren Entwicklung ■sind sie •den ihnen .räumlich so nahen ״sieben Gemeinden“ so unähnlich, als gehörten si׳e nicht nur verschiedenen Ländern, sondern gar verschiedenen S'tämmen an. Auch die geschichtlichen Nachrichten über diese Gemeinden im Süden ,fließen nicht so ausgiebig, wie dies •bei *den Schewa Kehilloth der Fall ist und es wird nur als sicher angenommen, daß sie von den im Jahre 1496 der benachbarten Steiermark vertriebenen Juden besiedelt wurden. Die Rabbiner dieser Gemeinden erscheinen noch viel später als die der Schewa. Kehilloth in der Literatur; nur R. Moses Sofer spricht in einer ׳Response vom 5. Adar II. 594 (1834) davon, daß schon viele ׳Rabbiner!in Güssing gelebt haben, und von ■Rechuitz kennen wir, von R. Abrabam La Lev.i Epstein und R. Jizchak Proßnitz, die Zeltgenossen ■des Maharani Asch waren, angefangen, eine glänzende Reihe hervorragender Rabbiner. Der große Weltverkehr ging aber an diesen drei Orten vorüber; Rechuitz und Güssing liegen an!Bahnlinien dritten Ranges und Schlaining ist in stundenweiter ,Entfernung auch von solchen Bahnlinien in seiner Bergwelt eingeschlossen. Es fehlte •diesen Gemeinden der Anschluß an׳ die großen Zentren des jüdischen Lebens, sie verfielen einer immer weitergreifendeil Abwanderung und heute sind, nur mehr ihre Ruinen vorhanden. Namentlich gilt dies für Rechnitz und Schlaining, die sich aus der ׳Gemeinschaft der gesetzestreuen Gemeinden zur Zeit der ungarischen Kongreßbewegüng selbst ausschlossen und an denen sich vielleicht das Thora wort ואתם הדבקים ב״ה אלקיכם חיים כלכם היום in seiner furchtbarsten Umkehrung erfüllte. Schlaining ist ein altes• Städtchen. 'Schon, im Jahre 1462 verlieh Friedrich II׳I. ׳(V.) seinem.Söldnerführer-Anderas Baitmkircher für die in den Frieden seiner Burg Schlaining .eingeschlossenen Bewohner der Stadt ein Privilegium. In •diesem Schriftstück ist von Juden nicht ׳die Rede, und unser erster Anhaltspunkt für eine Geschichte •der: Juden in 1Schlaining ist •ein im Jahre 1G89 bei der Verteilung des Gutes Schlaining unter den Brüdern •Batthyany aibgeschlossener Vertrag über •die Steuern der Juden. Das. hindert aber nicht, daß die Judengemeinde, von Schlaining im Jahre 1827 .in einer!Eingabe darauf hinweist, •daß sie ״schon riiehr als hundert Jahre“ bestehe. Den. guten Leuten ., kam es auf historische Treue im gegebenen Moment wohl• nicht an und ׳es läßt ,sich ganz gut denken, daß sie jeden längeren Zeitraum ״mehr als hundert Jahre“ nannten. Im; Jahre 1824 wurde gegen die •Schlaininger Juden eine׳ ׳Blutbeschuldigung erhoben; die mit ■Hilfe des ׳Franziskaner־ priors!Pius Orray von Szt., Marton bei, Steinamangei; ent־- kräftet werden konnte. »Einst war etwa ein Drittel der Stadt Schiainiag von Juden bewohnt und Handel und Wandel blühten ln dem Städtchen bis zur Eröffnung der Eisenbahnen. Ein großer Teil der Juden von Schlaining ׳mußte aber, wie. aus, der schon einmal erwähnten Eingabe aus dem Jahre 1827 hervorgeht, außerhalb •der Gemeinde auf mehr oder weniger großen Geschäftstouren sein!Brot erwerben. ׳Auch diese so wenig auf ׳Rosen gebettete Gemeinde hatte eine Reihe geistiger Größen aufzuweisen, die ■sich ganz; gut sehen lassen kann, ln der hebräischen Literatur ist R. Jakob aus Schlaining *), Schüler des •R. fEleasar Kalir, vertreten, der im Jahre. 1792 das Werk seines Lehrers הותיאירהחרש mit eigenen Zusätzen versehen, herausgab. Er selbst hatte eine Urenkelin des berühmten Maharam Asch ■zur Frau und auch R. Samuel Helman, der als Dajan in Schlaining wirkte und zufolge ׳Eintragung im ׳Mohelbuch seines Vaters R. Mosche Levi in ,Deutschkreuz 557 (1797) geboren war, gehörte zur Nachkommenschaft des ,Maharam Asch, da sein Vater Schwiegersohn des R. Eleasar Kalir war. Um das Jahr 576 (1816) war ein Schüler des Chatam Sofer, R. Pinchas ׳Lob aus Leipnik Rabbiner in Schlaining, von wo er nach Neusatz ging; sein Andenken ist in mehreren •Responsen seines Lehrers erhalten. In Schlaining folgte ihm der Dajan R. ׳Hirsch Maglod, dessen Enkel der bekannte Professor Marczali ist, ferner die . Dajanim!R. Jakob ben Wahrscheinlich^ ist dieser R. Jakob identisch mit R. Jakob aus Brody, der in Schlaining nach mehr als 40jähriger Wirksamkeit als א0ר im Jahre 571 (1811) starb. bürger anerkannt und die. Darstellung F.ords als. einen Beweis für die Schlechtigkeit und die höchste Sinnlosigkeit des Antisemitismus be׳zeich'net.“ Die Palästinawanderuiig, im Monate Mai5 1927.x Die ״Official Gazette“ vom 1. August 1927 veröffentlicht folgende Statistik der jüdischen Palästina-Ein- und -Aus- Wanderung. Eingewandert sind 273 Personen (94 Männer. 106 Frauen, 73, Kinder). .Ausgewandert 485 Personen. Hievon waren 70 Einwohner Palästinas,. die ausv/anderten, und 415 Einwanderer, die rückwanderten. Das Gesetz über die Konfessionen in Rumänien. (JTA.) Kultusminister Lapedatu teilte heute den Journalisten die Grundprinzipien des Gesetzentwurfes mit, der die ׳Beziehungen zwischen dem Staat und den verschiedenen Konfessionen in Rumänien־regeln soll. Dieser Gesetzentwurf wird als erste* in der Herbstscssion des •Parlamentes eingebracht werden. Er enthält u. a. die •Bestimmung,. daß Geistliche der einzelnen Konfessionen rumänische Staatsbürger sein müssen und wegen politischer Verbrechen nicht bestraft sein dürfen. Wie König Eduard beim Zaren Nikolaus zugunsten der Juden intervenierte. (JTA.) ״Daily Telegraph“ veröffentlicht abschnittsweise die Erinnerungen von Sir Sidncy Lee aus der Regierungszeit Eduards VII. Der letzte Abschnitt bezieht sich auf die Zusammenkunft Eduards VII.. mit dem russischen Zaren Nikolaus 11. ln Reval. Bevor sich König Eduard nach Reval begab, überreichten ihm die drei Brüder Rothschild, Lord Rothschild, , Alfred und Leopold! Rothschild, ein Schreiben, datiert 3. Juni, in welchem die■ Aufmerksamkeit des Königs auf die Tatsache gelenkt• wurde, daß in Rußland wiederum eine Periode der Juden- Verfolgungen eingesetzt hat. Der König wurde gebeten,. beim Zaren dahin zu. intervenieren, daß Maßnahmen zum Schutze der Juden, unter denen ja Anarchisten in nur ganz kleiner Zahl vorhanden sind, ergriffen werden.־ Nach einer Rücksprache mit •Hardinge und Nicolson beschloß der König, die Frage der Juden in Rußland im Verlauf der allgemeinen Aussprache über russische internationale Angclegenheiten mit dem russischen Ministerpräsidenten ■zu berühren. Dies geschah auch in der •Konferenz vorn 13. Juni. Der König bezog; sich aber •nichiaauf dassS.chreiben der Rothschilds. ■Sein Hinweis wurde■ gut aufgenomrnen. . Die Zahl der Juden in der Sowjetrepublik Weißrußland. (JTA.) Die zentrale statistische Kommission veröffentlicht soeben das Resultat der letzten; Volkszählung in Weißrußland. Die Gesamtzahl der Einwohner beträgt 4,983.100, die der jüdischen Einwohner 407.025. Danach bilden die Juden •SyI7 ׳Prozent der Gesamteinwohnerschaft: in der!Hauptstadt: Mirsk ׳leben 53.659, in? Witebsk 37.086,. in Jomel 37.740, in •Bobruisk 21.561, in . Mohliew 24.265■: Juden. In •den ■Städten bilden die Juden 40,1.3 ׳Prozent der Gesamtbevölkerung. Präsident׳; Kalinin appellfert an die Judenlieit des. Auslandes, das Jüdische Kobni^tionswacb zu unterstützen . (J. T. A.) Der Präsident der Union der/russischen Sowjetrepubliken, Michael Kalinin. ompfing den •jetzt in Moskau weilenden Chef der Zeitung ״American׳ Hebrew“, Bernard Edelhertz und;äußerte sich ihm gegenüber dahin,• die Re-, gierung sei entschlossen, das Werk der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation’, in Rußland gemäß dem vor-■ gefaßten Plan׳ förtzusetzen.. Die Regierung werde der jüdischen Landansiedlung weitere Ilandgebiete zur Verfiigung stellen• und ׳ den Neusiedlern Transportvergunsti,- gungeti und' andere Privilegien gewähren, Die. ■Regierung.. ist ferner b'eraÜ, das jüdiich'e Kölbnisationswerk •mit K’a-V pitäl zu unterstützen und';werde Zuschüsse:; in der Höhe: von 25 ׳Prozent aller seitens der j!i!denschalfe Amerikas;und: des übrigen Auslandes zu;■ •Zwecken• der jüdfechen ׳KükmLsa-. tion einfjleßei'tden Geldcj? gewähren. Spe-sifliet für den der Adas Jisroel, Wie®, II., Nesiroygassa 11 ■ , '״ ו׳'״׳!׳'׳,;■^■^™■.»■׳'■!*»»׳׳1!!. '1! ,".׳■. •David׳ MattersdorL ■R. Iaak ben Löb ׳Löwfcflsohn, der Ra.bbinej Moses Wiföinreb : und schließlich der; letzte, 1905; verstorbene Rabbiner Jonas ׳Heinrich, ein Schlaininger Kind; und' Schüler!Esriel ׳HiMeslicimgrs. Zwei ׳andere Söhne der Gemeinde folgten ׳chm Zuge; ihrer •Landsleute nach Süden! und trugen; Thora, aus Schlaining nach Kroatien; es. sind ■dies Ignaz •Ernst. Rabbiner v.on• Varasdtn. und Ri. Isak. Weiser, der 185,4: in Schlaining verstorbene ׳Rabbiner von. : Agram.! Schlaining• besitze eigentlich drei, jüdische ׳Friedhöfe,. : von dem ältesten sind aber keine ■Spuren mehr vorhanden iirjd nur im Volk, hat!sich .׳die!Künde von seinem Vorhanden-; sein durch Usberlieferung von.!Mund zu, ׳Mund •erhalten. Um; . J.ahre 1852, •also auffallend spät, wurde dort eine öffentliche jüdische Schule• gegründet,, •die aber d'en bald -darauf ein-, setzenden Verfall der Gemeinde nicht, aufhalteni konnte und. schon im Jahre 1878 aus. •Mangel au׳ ־Rindern geschlossen werden mußte. Diesen Verfall konnte auch gewiß nicht hindern, daß,, wie. man. heute sagen würde®, durch einen Putsch, während" .sich cler Rabbiner ׳Moses. Weiureb •zum Kurg'ebrauch in Baden befand, am 7. Juli 1S60 der Vorstand ׳dbr Gemeinde, wohl angeregt durch das fünf Jahre vor,her von der iNachbargemeincle Rechnitz gegebene ׳Bei־ spiel, •die Renovierung der Synagoge und zur 1״Btindelade- Vorwärts-Rückung, des sogenannten Allemers“ (so!) beschloß. Der treibende Faktor bei dieser Aktion war Jakob Charmatz, angeblich ein ׳Nachkomme des ׳R. Bär, Wiorms, und seinerseits wieder Großvater •des bekannten Puhlizisten Richard Charmatz, dem also •etwas Revolutionäres wohl schon vom Großvater her im Blute stecken mag. Der Rabbiner •sandte, nachdem er von diesem Beschluß erfahren hatte, aus Baden unter dem 11. Juli einen energisehen Protest an den Stuhlrichter von Oberwarth, erreichte damit aber nur eine •Verschiebung der geplanten Maßnahme. Rabbiner Wieinreb starb im Jahre 1870, wie sich aber die Fortschrittsfreunde von Schlaining, die zwar mit der deutschen Sprache nicht auf besonders gutem Fuß standen, mit •ihm schließlich abfanden, darüber schweigt ■die ׳Höflichkeit der Akten. Sicher ist nur, daß sie bald, obwohl!ihnen selbst ein Vorwärtsrücken nicht gut möglich war, ihre Gelüste umso ungehinderter an dem wehrlosen Almemor der Synagoge austoben ließen. Das Protokoll vom 18. Oktoher 1863 berichtet, ■daß ״so schwierig die Ausführung... in finanzieller ׳Beziehung war... durch gehöriger (so!) Ansherzlegung (so!) des Vorstandes die gänzliche Umgestaltung (so!) nach heutigem Stil (so!) beschlossen“ wurde. ,Das •Protokoll verschweigt aber auch nicht, daß der Umbau durch Zwistigkeiten so sehr erschwert worden sei, daß man schon geneigt gewesen wäre, darin einen Fingerzeig