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Jüdische Presse · 1927-04-15 · 15-16 (15.4.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
15-16 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15/16 JÜDISCHE PRESSE Seite 113 Pesach- Kaffe! laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Simon Schreiber aus Erlau verläßlich koscher in Friedensqualität erzeugt von Heinrich Franck Söhne Kaffeemittelfabrik, Linz a. D. Bei jedem Kaufmanne zu haben! gion, sie zu schmücken, sie zu zieren, sie zu füllen. Das Haus Gottes und das Haus der Familie waren Tempel des Herrn. Glaube und Treue, Eifer und Hingebung erhoben diese Stätten zu Stätten der Gottesgegenwart. Sichtbar wohne das Leben der Religion in Schule und •Lehrhaus. Im Gottesdienste wie im Dienste der Gemeinschaft spiegelte sich aufrechter jüdischer Geist. Heute aber: die prunkvollen Tempel stehen leer, die Häuser sind entjüdischt, ein Lehrhaus gibt es nicht, die Schulen sind auf Minimallehrpläne beschränkt, die Gottesdienste kalt und blaß und die Gemeinschaft in Hader zerrissen. Was berechtigt uns nun, im Sederliede von Gott zu verlangen: ״Bau Dein' Tempel: Schieroh“? Tun wir doch vorerst hier unsere Pflicht. Nun ja, viele tun hier nicht ihre Pflicht und beten auch nicht mehr darum, dereinst bald dort ihre Pflicht tun zu -können. Und doch kann nur Pflichterfüllung für unsere Heiligtümer uns sowohl für hier, wohiti uns Gottes Wille versetzt hat, als auch für dort, wohin einst Gott seine Verstoßenen zurückführen wird, unsere Gesamtheitsrettung und Erhaltung sein. Tue jeder, was er nur kann, auf dem Platze, auf den ihn Gott gestellt hat, wo immer er sei, und baue doch jeder an der jüdischen Aufgäbe, die . ihm geworden, es sei, welche es wolle, dann baut Gott seinen Tempel Schieroh in uns, um uns und für uns. So möge die alte Judenfrage Ma nischtanoh, ״warum so anders?“ nicht nur Antwort finden in dem: ״wir waren Diener“, sondern besser in dein: wir sind Diener. Wir sind Diener des lebendigen Gottes, Ihm dienen wir im Bekenntnis unserer Jugend und dem Opferwillen unserer Alten; wir bauen ihm den Tempel unseres Herzens, und er baut uns den Tempel unserer Zukunft bald, 0 bald in unseren Tagen. _ Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Mordechai Benet, צ ״ ל " I י י war ein Zeitgenosse von Rabbi Mosche Soffer in Preßburg und des Rabbi Akiba Eger in Posen, hervorragender Koryphäen. Als Sohn eines Fleischhauers aus Csurgo (Ungarn) begab er sich im Alter von zehn Jahren in die Jeschiwah nach Nagy-Karoly und Paks, im dreizehnten Lebensjahre kam derselbe als besonders gelehrter, scharfsinniger Bachur nach Prag in die Talmud-Hochjeschiwah zu Rabbi Ezechiel Landau, dem Verfasser des Noda bijhudo. Es wird erzählt, daß er schon als Talmudschüler wichtige Diskussionen mit seinem großen Lehrer und Meister wagte. Seine erste Rabbinatsstelle war in Lundenburg (Mähren), die zweite in Sassin (Ungarn) und im zwanzigsteil Lebensjahre kam Rabbi Mordechai Benet nach Nikolsburg, wo stets der Sitz der mährischen Landesrabbiner war. Sein überaus großer Scharfsinn, seine imponierende Gelehrtheit waren überall bekannt. Kaiser Franz I. begünstigte diesen bedeutenden Gelehrten, ernannte ihn zum Landesrabbiner Mährens und holte sich öfter Rät bei ihm. Rabbi Mordechai Benet war überaus fromm und führte eine asketische Lebensweise, litt jedoch viele Jahre au einem chronischen Magenübel und die Aerzte rieten ihm, Karlsbad aufzusuchen. Viel Ueberwindung kostete es, ihn zu dieser Reise zu bestimmen, um so mehr, als zu jener Zeit noch keine Eisenbahnverbindung von Nikolsburg nach Karlsbad bestand und diese weite Reise man daher mit Pferd und Wagen machen mußte. . Die Gemeinde Nikolsburg besorgte einen geeigneten ■ guten Wagen und ausdauernde, verläßliche Rosse, bestimmte zwei vertrauenswerte Männer der Gemeinde, ihren geliebten Seelsorger nach Karlsbad zu begleiten. Der Tag der Abreise wurde festgesetzt und es kamen von den Nachbargemeinden Nikolsburgs Rabbiner und Vorsteher, um Zeugen des Abschiedes zu sein und von diesem Rabbi den Segen zu erhalten. Der Dichter der Psalmen. Ein einleitender 'Vortrag Dr. L. Deutschländer. Meinem L Lehrer F. B a c h mann fffiS gewidmet, anläßilch seines 70. Geburtstage!. (10. Nissau). Die תחלים von דוד חמלך sind zwar in einer bestimmten Zeitperiode entstanden, fanden damals gewiß ihre Anwendung auf ganz bestimmte Ereignisse seines reichen Lebens, sind aber über diese Anlässe zu ewigen, zeitlosen Schöpfungen hinausgewachsen, an welchen ״das jüdische Volk und nach ihm die ganze zivilisierte Menschheit einen innerliehen Aufschwung erlebt haben. Um aber diese ewigen Lieder in ihrer ganzen Höhe und Tiefe zu erfassen, muß man auf .den Urgrund ihres Entstehens zurückgreifen, sich in die Seele ihres Sängers versenken, muß man auch jene Begebenheiten prüfen und zu erforschen suchen, aus welchen sie sich zur Wirklichkeit emporgertmgen haben. In erster Linie wollen wir deshalb einen Rückblick über das Leben des Dichterkönigs selbst anstellen, wollen versuchen, die Linien seines seelischen Lebens und Erlebens nachzuzeichnen, soweit Ueberlieferungen es uns ermöglichen, soweit wir in der Lage sind, uns einfühlend in sein Inneres zu versenken. Die Kenntnis seines Werdens und Wesens, als Aufgabe. Zählt die Uebelieferung auch עשרה זקנים des Urtypus des Psalmensängers, ist die wichtigste also zehn Dichter, auf, so weist sie die volle Hälfte aller Lieder namentlich ihm zu; von den übrigen' lassen eine große Zahl seine Schöpferhand vermuten, die auch in einigen anderen, deren Titel den Namen fremder Dichter tragen; in der einen oder anderen Form wirksam war.*) Die Blätter seines Lebens haben die Chronisten seiner Epoche in den histanschen Büchern der Bibel vor uns ausgebreitet; wir lesen dort von all den Wirren und Kämpfen, die ihm beschieden waren; vor und während seiner Regierung. Noch mehr als die Berichte über Krieges- und Siegestaten enthüllen uns die Gesänge selbst, der Niederschlag eines Lebens, das überreich war an inneren Werten, an Erzeugnissen einer wahrhaft gottbegnadeten Seele. Man könnte den Versuch machen, sein Lebensbild in einer Kette aneinandergereihter Psalmenworte zii entwerfen, in welcher die Erlebnisse seines Daseins in den Wirkungen auf sein Gemüt vor uns in die Erscheinung treten. ״Es gibt Dichter, die an ihren Erlebnissen zum Dichter werden, und es gibt Dichter, denen das Erlebnis zum Gedicht wird.“ Die Weisen unseres Volkes, von der Göttlichkeit Davidischer Mismaurim durchdrungen, bemerken, daß David zu jenen zählte, über deren Haupt die G-ttheit sich herniederließ, um ihn zu dichterischer Tat anzuregen לדוד מזמור מלמד ששרתה עליו שכינה ואחד כך אמר שירה daß oftmals aber, als ein Erlebnis vom Dichter besungen werden sollte, die G-ttheit a) s. 64 יבמות b hinzutrat, um den Ausbruch seiner Seele mit Flinken der Göttlichkeit zu erfüllen. מזמור לדוד מלמד...שאמר שירה ואחד כך שרתה עליו שכינה Wie dem auch sei, v.den frühen . Tagen der Kindheit an, von den ersten Regungen seines Gemüts, aus welchem ein G-tteslied zum Ausdruck rang, bis zü den hohen Tagen des Alters, da abgeklärte Weisheit aus ihm sprach,;stets begleitete g-ttliches Sehnen und g-ttliche Hilfe seinen Weg. I. Die Jugend hat er als Hirt in G-ttes freier Natur verbracht. Die Herde seines Vaters, seiner Brüder hat er geweidet und im Anschauen all der Wunder der Natur mag seine Seele damals schon die ganze Pracht und Herrlichkeit der G-ttes- Schöpfung aufgenommen haben, aus welcher vielleicht in früher Jugend all die Hymnen entstanden sind, die G-ttesHoheit in der Welt dartun. Das ist das Gewaltige bei ihm, daß■ diese Psalmen'nicht nur die Größe und Schönheit der Natur beschreiben und bewundern, wie bei ähnlichen Erzeugnissen anderer Dichter, sondern דודי המלך setzt die Natur immer in Beziehung zu einem g-ttlichen oder menschlichen Problem. Aus der Gläubigkeit heraus sieht er die Schönheit der Natur, nicht daß die Natur ihn zur Gläubigkeit bringt. Das erste und höchste, was er in der Natur ׳ erschaut, ist g-ttliche Majestät; Dank und Preis an sie, sind Anfang und Ziel seiner Lobgesänge. Von der Natur aus findet er. nur einen tieferen Glauben, und dieser Glaube findet seine Kräftigung in jeder Situation, in jedem Zeitpunkte, von welchem er ,-aus die Herrlichkeit-der -Welt bewundert. Im achten Psalm sehen wir den Dichter bei funkelndem Sternenhimmelhinaustreten; von seinen Lippen dringt es: ״Wie . herrlich ist Dein Name, Ewiger, auf der .ganzen Welt.“ Im Vergleiche zur unendlichen Größe der Welt empfindet er die Kleinheit des Menschen in ganz besonderem Maße, so daß sich seiner Brust die bange Frage entringt, ob■ der Allmächtige überhaupt auf - das winzige• Geschöpf Mensch sein Augenmerk richtet. Und dennoch fühlt er, daß der. Mensch mit dem. g-ttlichen Funken in 'der Bimst allein in der Lage ist, sich die ganze Natur zu unterwerfen, zum •Herrschen über die belebte iind unbelebte Natur berufen sei; und so sind beide, die Natur und der Mensch, Zeugen für die Größe ihres: gemeinsamen Herrn. In depi Jubeiruf, in dem Dank an G-tt, drückt sich die Freude des lebenden und empfindenden und denkenden Menschen aus, daß G-tt ihn befähigt; das All •in seiner .ganzen Ausdehnung denkend zu; genießen., Die gleiche Freude beseelt den Dichter, wen» er im neunzehnten Psalm, noch vor, Sonnenaufgang, sich zu einem Lobgesang erhebt, wenn sein Ohr den schweigenden Lobges'ang 'der Himmel •vernimmt, wenn sein Auge auf den Sonnenball trifft; der aus dem dunkeln Nachthimmel hervortritt, Nun waren die Pferde aber nicht zu bewegen, den Wagen anzuziehen, sie bäumten. Der Rabbi bezeichnete dies als schlechtes Omen mit den Worten: ״Ich komme lebend nicht zurück.“ Endlich brachte man die Fahrgelegenheit in Bewegung. Von Dienstag bis Freitag währte die Reise bis Hohenstadt, wo Rabbi Mordechai Benet den Wagen nicht verließ und auch darin nächtigte. In Hohenstadt wurden in dem vornehmen jüdischen Patrizierhaus Reb Jeschaie Fröhlichs große Vorbereitungen getroffen, diesen hohen, frommen Gast während des Sabbats in Schutz zu nehmen. Um diesen Sabbat mit Rabbi Mordechai Benet in dem religiösen, echt jüdischen Hause Fröhliches zu verleben, waren viele Rabbiner der Nachbargemeinden in Hohenstadt eingelangt. Drei Tage währte der Aufenthalt dieses hohen Gastes im Hause Fröhlichs und viele Jahre noch wurde der Sessel, welchen dieser Gelehrte in Hohenstadt benützte, auf einem Ehrenplatz in diesem Raume zur Erinnerung aufbewahrt und scheint noch heute daselbst zu sein. Nach weiteren drei Tagen in Karlsbad glücklich an^ gelangt, erwartete der Prager Rabbiner Rabbi Eleasar Fleckeies den frommen Kurgast, Leider ist trotz der sorgfältigsten Behandlung eine Besserung in der Gesundung des Rabbi nicht eingetreten und hat das tückische Magenleiden diesen von aller Welt ob seines hohen Wissens bewunderten Mann hingcrafft. Karlsbad hatte damals noch keinen jüdischen Friedhof, die in Karlsbad Verstorbenen wurden nach dem nahen Orte Lichtenstadt, einer kleinen jüdischen Gemeinde, zur Beerdigung befördert und so geschah es auch mit Rabbi Mordechai Benet ז״צ״ל Hier die amtliche Urkunde: ״In Karlsbad, Haus Nr. 275, gestorben am 12. August 1829 H. Markus Benedikt, gewesener mährischer Landesrabbiner und den 13. August auf dem hiesigen Friedhof beerdigt worden. Nämlich 75 Jahre, in Entzündung eines Gailartigen Nervenfiebers.“ Die Nikolsburger Gemeinde wollte, entgegen dem jüdischen Verbote des Exhumierens, dennoch den Landesrabbiner, auf dem Nikolsburger בית הקכרות ruhend, besitzen und reklamierte des öfteren trotz 'des entgegenstehenden Gebotes. Weder der Prager noch der Preßburger Rabbiner erteilten die Bewilligung, die Ruhe Mordechai Benets zu stören und die Leiche zu exhumieren. Nach vielen Monaten ist der Preßburger Rabbiner eines Tages, nach ermüdendem Studium beim Talmud sitzend, in einen festen Schlaf versunken. Im Traume er- 1י schien ihm Reb Mordechai Benet, welcher sagte: ״Meine Zeit, während welcher bestimmt war, daß ich in Lichtenstadt ruhe, ist verstrichen; sendet nach Nikolsburg eiligst Sendboten mit dem Auftrag, mich zu exhumieren und nach Nikolsburg zu bringen. Es war in G-ttes Rat bestimmt, daß ich in der Nähe meiner gewesenen Braut, der ich Willkürlieh den Schiduch rückgängig gemacht habe, die dann ebenfalls als Kurgast in Karlsbad verschied und in Lichtenstadt zur Beerdigung gelangte, ebensoviel Monate ruhen mußte, als unsere Verlobungszcit währte.“ Dies war eine Bestimmung übers Grab. ״Die Fiiße des Menschen bürgen für ihn, wohin sie beordert werden, dahin bringen sie ihn.“ (Succa 55.) Rabbi Akiba lehrt: ״Alles ist von G-tt im voraus geschaut, aber die Freiheit wird gelassen, die Welt wird in Güte gerichtet, alles nach der Menge der Taten.“ (Aboth.) Die Freiheit tritt nicht in Widerspruch mit dem Bestimmungsglaub.en. Einen wohltätigen Einfluß hatte die Bestimmung auf uns in den herben und trüben Tagen der Verfolgungen• .מיראת שמים מגילת ב״ה vin הכל בירי שמים

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