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Jüdische Presse · 1927-04-15 · 15-16 (15.4.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
15-16 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 114 Nr. 15/16 siegesfreudig ״wie ein Held, der seine Bahn durchläuft“. Und wieder ist es nicht die Natur allein, die sein Herz und Auge erquickt, die größte Labung bereitet ihm das g־ttlic!1e Gesetz, das allein jeder Regung seiner Seele Glück und Frieden gewährt. Und nun gar erst im 104. Gesang, wo nach eines Weltweisen Wort ״das Bild des ganzen Kosmos dargelegt ist, wo man immer wieder yon neuem erstaunt, daß in einer lyrischen Dichtung von so geringem Umfange, mit wenigen Zügen das Universum, Himmel und Erde geschildert ist; wo dem bewegten Elementarleben der Natur, des Menschen stilles, mühevolles Treiben vom Aufgang der Sonne bis zum Schlüsse des Tagewerkes am Abend entgegengestellt ist“, wo mit dem Preis der Dichterseele an G־tt das Lied beginnt und mit dem gleichen ברכי נפשי das gewaltige Lied sein Ende findet. II. Mit jenem Tage, da die Boten des Königs Saul beim Väter des Dichters erscheinen, um den jungen Hirten an den königlichen Hof zu bringen, findet die Jugendzeit ihren rauhen Abschluß. Glückliche Jugend! Dem alternden König, der, durch den bösen Geist verfolgt, trübe, schwere Tage dahinlebt, soll sein heiteres Gemüt Stunden der Belebung schenken. Doch vergebens, kämpft die Harfe des Dichters gegen die Finsternis einer Seele; der Aufenthalt am Hofe erzeugt Leid und Kampf. Vertrieben, heimatlos beginnt ein Leben der Unrast und quälender Sorge. Doch seine Harfe ruht nicht; es entstehen in jenen schweren Tagen die Gesänge, in welchen sich der Dichter von seinem Leid zu befreien sucht, Hilfe sucht beim allmächtigen G־tt. Ob feige Häscher, wie Doeg, der Edomiter, die Zuflucht verraten, die der Verfolgte gefunden, er vertraut ״auf die Liebe G-ttes wie ein grünender Oelbaimi im Hause des Herrn“ (52, 10); ob aber die Sipliim zu Saul sprechen: Siehe, David hält sich verborgen bei uns, ״mit willigem Gemüt preist er G־ttes Namen, der ihn aus aller Not befreit“ (54); oder ob die!Philister in Gath ihn. ergreifen: ״Auf G־tt vertrau ich, was kann ein. Mensch mir tun“ (56). Und als das Haus umstellt ist, die Wächter Saiils ihn bewachen, um ihn zii töten, G־tt bleibt seine Zuflucht. ״Ich aber besinge Deine Macht und jauchze am Morgen ob Deiner Liebe, denn Du .bist mir eine Burg und Zuflucht am Tage meiner Bedrängnis“ (59, 17). Zahlreich sind in all diesen Jahren diese'Psal* men des Leides, denn Leid und Verfolgung begleiten den Dichter' über den Töd des Königs hinaus. Während der eigenen Regierungszeit sind es die Erben aus Sauls Geschlecht, sind es Feinde von außen, sind es Neider im Innern; eigene Freunde, ist es der eigene Sohn, die ihm Bitternis bereiten. Aber der in seiner G-ttesfurcht unerschiitterliehe Mann •’stützt sich auf seinen G־tt, sucht und findet im Lied Befreiung von dem schweren Schicksal, das ihm auferlegt ist, in jenen Liedern, die unter seiner Hand von selbst sich wandeln in ״Gebete zum lebendigen G-tt“. Den ergreifendsten Ausdruck finden sie, wenn, von Land und Heimat vertrieben, die Sehnsucht mit übermächtigem Schmerz ihn ergreift. Da mischen sich in die Klageworte wunderbare Bilder von der Schönheit des heiligen Landes, Rabbi Samuel Keil Halewi — Verfasser des מחצית השקרי Von Rabbiner G. Löwy, Levoca (L'eutschau), Slowakei. (11. Fortsetzung.) Nun meint Rabbi Elieser, der Thoragelehrte ist in den Augen eines Amhaarez ein goldener, beziehungsweise ein silberner Pokal; er verdient und genießt aber die Hochachtung selbst eines Amhaarez nur so lange, bis der Thoragelehrte einen g 01 d reinen Charakter besitzt, einen Namen von silberhellen Klang hat; wenn er sich aber von den! Amhaarez, unter welchem Vorwände immer, bestechen läßt, so sinkt er selbst vor den Augen des bestechenden Amhaarez sofort herab zu einem minderwertigen, irdenen Trinkgefäß. Der Amhaarez-Korach freut sich, einen Thoragelehrten für sich gewonnen zu haben, der ihn in seinen schmutzigen Bestrebungen gegen seinen Ortsrabbiner unterstützt, in dessen idealer Persönlichkeit Korach und seine Rotte den lautersten Protest, den ständigen, lebenden Vorwurf erblicken müssen gegen sich und ihre schmutzigen Bestrebungen und schwarzen Pläne, daher auch der unversöhnliche, grimmige, wilde Haß gegen ihn; der Amhaarez-Korach trinkt aus dem minderwertigen irdenen Trinkgefäß eines ״Stiefrabbiners“ trübes, verdorbenes Getränk, von welchem berauscht, er losschlägt, mit den erhaltenen unverstandenen talmudischen Zitaten im Munde, selbst gegen einen ehrwürdigen Ortsrabbiner wie es ein Rabbi Natan Adler in Boskowitz war. Wenn aber dann nach einer kurzen Weile Korach den verführten, bestochenen ״Stiefrabbiner“ zu seinen Machinationen nicht mehr braucht, dann zeigt er schon auch für andere, wie er aus tiefster Seele den ״Stiefrabbiner“ verachtet; sorgt dafür.' daß auch andere ihn verachten, wie er JÜDISCHE PRESSE פשר של פסח /HfWtiiii Verbürgt reines Fett aus Kokos« nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G.,W1en* Atzgersdorf, gepreßt und die Er« zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab« biners S. Ehrenfeld zuMattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng« gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei«« tung der Speisen verwendet werden. das er mit der Seele zu greifen wähnt und dessen Wiederbesitz er in fester Zuversicht erhofft. Niemals versinkt seine Seele im Leid; er sucht einen tiefen Sinn in dem Leid, denn G-tt, der alles Geschehen und Erleben in seinem Weltenplan eingestellt hat, gibt ja dem Bösen sein Ziel und also auch dein Leid seinen Zweck. דוד המלך fühlt auch dieses Ziel, er fühlt, daß die Nächte des Unheils seine Seele läutern sollten. Wie das Feld des Regens bedarf, um dem Erdboden die heilsame Kraft zu entlocken, so sendet G-tt seinen Dienern Tränen der Entsagung und Entbehrung, um auch aus diesem Erdreiche edle Kräfte zur Entfaltung zu bringen. Wie der Frühregen den Erntesegen verhüllt, so mögen alle, deren Weg durch das Tal der Tränen führt, sich dieses Tal zu einem Quell verjüngender Kraft gestaiten. עברי בעמק הבכא מעין ישיתוהו נם ברכות יעטה מורה Leid, von G-tt gesandt, ist verhülltes Glück — so lehrt der Dichter. Ward dem ersten Menschenpaare das Mühen um den Ertrag der Erde als Fluch aufgegeben, unser Dichter zeigt, wie g-ttlicher Fluch sich in Segen wandelt. יגיע כדיך נד תאבל אשריך וטוב לך ״)Segen derArbeit, wärest du G-ttes Fluch, wie müßte da dein Segen sein.“) Leid und Fluch und Strafe sind dem Ddchter. nur Erscheinungsformen, g-ttlicher Liebe; in den Erziehungsplan des Weltenlenkers eingesetzt, können sie die Menschen nicht ins Verderben führen. Fremd ist ihm daher Entsagung und Verzweiflung, aus welcher, kein Hoffnungsstrahl leuchtet, fremd ist ihm jene Resignation, welche zur Verneinung des Lebens, zum Lebensüberdruß führt. Sehen wir auch in zahlreichen Psalmen noch die Träne in seinem Auge, die das Weh ihm ausgepreßt, fühlt sein Atem auch oftmals den Hauch der unterirdischen Welt,אפפני חבלי מות stets ringt •sich sein g-tterfiilltes Gemüt aus den düsteren Regionen empor zur heiteren Sphäre des Vertrauens und der Lees verdient und — das irdene Trinkgefäß z e rbricht, man kann, man will nicht mehr daraus trinken, und das vollständig zerbrochene Gefäß kann kein Mensch mehr zusammenkitten; die Achtung und die Autorität des verführten, bestochenen ״Stiefrabbiners“.liegt ganz zerfetzt in dem schmutzigen Kot. Unser Rabbi Samuel, überflüssig hervorzuheben, war nicht nur keiner wie immer gearteten Bestechung zugänglich, sondern, wie wir bereits wissen, er nahm auch keine noch so einwandfreien Geschenke oder Aufmerksamkeiten unentgeltlich von jemandem an. Er ging aber noch weiter. Selbst die Aussicht auf noch so großen materiellen Nutzen vermochte .ihn, den Kaufmann, nicht zu bewegen, seine in geschäftlicher Unterhandlung auch nur aus Versehen getroffene Vereinbarung zurückzuziehen. Rabbi Samuel pflegte nämlich die Brünner Jahrmärkte zu besuchen und es ereignete sich daselbst einmal, daß ein Kaufmann mit ihm in Unterhandlung stand, um von ihm eine größere Partie Ware abzukaufen. Sie einigten sich auf einem verhältnismäßig billigen Kaufpreis. Bald darauf erfuhr er, daß die Ware bereits eine wesentliche Preiserhöhung erfahren, wovon während des Unterhandolns der Käufer wohl, er aber keine Kenntnis hatte. Rabbi Samuel, obgleich noch keine Angabe bekommen, verblieb bei seinem ersten Wort und lieferte die Ware für den zuerst übereingekommenen, bedeutend niedrigeren Kaufpreis pünktlich ab. So und ähnlich verfuhr er im geschäftlichen Verkehr; so faßte er es auf, wie man die ״kaufmännische Efire“ makellos rein erhalten soll. Bei einer seiner Fahrten zum Brünner Jahrmarkt kam es vor, daß sein Kutscher — ein Christ — auf dem Wege vor einem Emblem, das dem Christentum dient, nicht ehrerbietig den Hut gezogen und obendrein eine abfällige Bemerkung über den christlichen Glauben fallen ließ. Kaum hatte dies! )ensbejahung.״ קרוב ח׳ לנשברי לב ואת קדאי רוח יושיעja,!irgends ist die G-ttheit näher als da, wo ein Men-;chenherz an ihr verzweifelt.“ Darum greifen die Nachfahren all die Jahrtausende hindurch in den schwersten Stunden ihres Lebens zu diesem Gebet, das immer wieder emporrichtet und Mnführt zur Welt des Lebens. Darum beten und danken mit den Gesängen Davids alle Völker und alle Religionen, denn nur in diesen Liedern lebt das unendliche G-ttvertrauen, das dem Menschen Kraft für die schwersten Stunden gewährt. III. Aus den vielen Prüfungen des Lebens ist dann jene reife Weisheit einporgewachsen, die den Dichter zum Lehrmeister seines Volkes gemacht hat; zum Lehrmeister für all die Probleme und Fragen, die den denkenden Menschen in den Wandhingen des Lebens begegnen. Auch in seinem Geiste wurde die bange und schwere Frage nach dem Sinn des Lebens und der Welt erwogen, all die Rätsel über das Glück des Frevlers und Leid des Gerechten, die Frage nach dem Sinn des Schicksals seines Volkes und dessen Zukpnft. Wir dürfen wohl annehmen, daß im reifen Lebensalter, nachdem die Kämpfe mit den inneren und äußeren Feinden ihren Abschluß gefunden und die Ruhe des Alters und die reife Betrachtung Einkehr fand in der Seele des Dichters, all jene Gedichte niedergeschrieben wurden, die uns höchste Lebensweisheit von der Warte eines hohen und erkenntnisreichen Lebens darbieten. Einst hatte auch er gesprochen: ״Mein Glück ist nicht bei Dir, sondern bei den Heiligen der Erde.“ (Psalm 16.) Nun weiß er, daß nur der unerschütterliehe Glaube an den Einig Einzigen (אחד) die Rettung gibt, die Jagd nach dem anderen (אחר) in das Verderben führt,, nun weiß er, daß die Güte G-ttes nur diejenigen trifft, die lauteren Herzens sind. (Psalm 73.) ״Wie leicht wären in früheren Zeiten seine Schritte über bange Zweifel gestrauchelt.“ (Ps. 73.) Nun weiß er, daß auch dieser Weg nicht vergeblich, daß der Umweg über den Irrtum seiner Seele ihn geläutert, daß die ״Nächte“ des Unglücks seine Gedankenweit zur Höhe getragen. (Ps. 16.) Des Dichters Erlebnis und Erkenntnis wird, auch für des Volkes Schicksal lebendige Wahrheit. Wenn einst das nationale Schicksal sich erfüllen muß, Israel in die Verbannung zieht —. in prophetischer Schau erblickt er den Landmann, der unter Tränen den Wurf zur Aussaat streut, mit Jubel aber die Garben in die Heimat bringt. (Ps. 126.) Und so gibt schrittweise seine Harfe all die Harmonien wieder, die, durch Kampfes- und Lebenserfahrungen, sich aus tiefer Nacht zum Licht des Gedankens hindurchgerungen haben. Das Leben neigt sich dem Abend zu. Friede kehrt ein, Friede von äußeren lind inneren Feinden ״ . ח׳ רעי לא אחסרDer Ewige ist mein, Hirt, nichts fehlt mir.“ Sollte nochmals der Weg durch düstere Täler führen, von Todesschatten umhüllt כי אלך D5 בניא צלמות keine Furcht ergreift ihn mehr. Loblieder, Rabbi Samuel bemerkt, schaffte er, unter einem Vorwände, umkehren, und fuhr zurück nach Hause. Seiner Familie, die Höchst erstaunt war über seine unerwartete plötzliche Heimkehr, erzählte er das Vorgefallene und sprach die weisen Worte: Einem Bauer, der gar keinen Glauben hat, vertraue er sein Leben und sein Hab und Gut nicht an. Und richtig, nach ,kurzer Zeit wurde dieser Bauer eines Raubmördes bezichtigt und üb erführt. Es liegt auf der Hand, daß ein Rabbi Samuel auch jenen Anforderungen unserer Talmudweisen nachz'iikommen bestrebt war, die nicht ausgesprochen zum Religionsgesetz erhoben, als HalaCha rezipiert, sondern bloß als gebührlich, schicklich empfohlen wurden. So heißt es im Talmud: ואמר ד יודא אמר רב ת״ח צריך שילמוד נ׳ דברים כתב שחיטה ומילה R. Jehnda trug vor, das Rab gesagt habe: Drei Dinge soll ein Thoragelehrter sich aneignen: Die hebräische Schrift, das Ausiiben der Schechitah und das der Beschneidung. Nebst der Verbreitung und Förderung der Thorakenntnis und wahrer G-ttesfurcht gehörte nun auch, zu den heiligen, freiwillig übernommenen Agenden des Rabbi. Samuel, daß er alle Thorarollen ספרי תורה, die in Boskowitz in Gebrauch waren, durchgeschaut und überprüft hatte, um die etwa Vorgefundenen Schreibfehler eigenhändig zu verbessern; außerdem hat er noch vorsichtshalber von Woche zu Woche jene Abschnitte der Thorarollen genau durchgesehen, die an den heiligen Sabbat- und Festtagen zur öffentlichen Vorlesung קריאת התורה gelangten, damit er‘die möglicherweise noch immer zurückgebliebenen Schreibfehler richtigstelle, um auf diese Weise, einer כרנה לבטלה, einem nicht angebrachten, ungehörigen Segensspruche vo.rztibeugen; aber wohl auch deshalb* um zu vermeiden, daß man bemiissigt seL wenn

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