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Jüdische Presse · 1925-12-18 · 51-52 (18.12.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
51-52 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51/52 JÜDISCHE PRESSE Seite 339 amerr •geplanten Gemeinden Religion und religiöse Betätigung überhaupt nichts zu suchen haben, nur dass die gemeinsame Aufgabe der nach ihrem Sinne zu bildende nationalen Gemeinschaft im besten1!Falle das allgemeine Schulwesen sein kann, etwa als Ausbau der iKu'l'turautonomie. Allein jeder Realpolitiker wird ohne •weiteres zugestehen, dass der polnische Staat niemals ein Gesetz promulgieren wird, welches die Judenheit Polens als nationale Gemeinschaft, erfassen soll. Vielleicht schon deshalb nicht, weil diese so konstituierte Nationalität das Jiddisch, das trotz aller gegenteiligen Versuche zum mindesten als eine Abart der deutschen Sprache angesprochen werden muss, zu ihrer nationalen Sprache erheben würde. Begeben ■wir uns also auf ■den Boden der festen Tatsachen. Tatsache ist, dass Wer eine Regelung der Verhältnisse für 3 bis 4 Millionen Juden, also für!zirka 20 Prozent der gesamten׳ Judenheit geplant is׳t. Es j muss deshalb versucht werden, etwas Mustergültiges zu schaffen und die gesamte Judenheit muss ־und wird lebhafte Teilnahme an der Gestaltung dieser 'Dinge nehmen. , Tatsache ist ferner, dass weder der polnische Staat, noch der weitaus grössere Teil der Judenheit in Polen etwa nach amerikanischem Muster eine vollkommene Trennung von Kirche und Staat wünschen. Wir müssen hierbei z!u unserem Bedauern feststellen, dass ׳innerhalb der polnischen Judenheit ,noch nicht jene Generation zur vollen Entwicklung gediehen ist, welche die staatliche Beihilfe bei Eintreibung der ■Ku.ltussteuer entbehrlich macht. - Aber es!ist!auch Tatsache, dass im grossen und ganzen!die Erstellung und Befriedigung der religiösen ׳Bedürfnisse bisher ohne Zwang erfolgte und!dass ein starkes religiöses Leben in einem Rahmen blüht, welcher mit den im Westen gewohnten׳ Gemeindereformen nicht allzu grosse Aehnlichkeit hat. Gelänge es, in den alten Rahmen etwas mehr Würde und Respektierung ■der Autorität zu bringen, so wäre sehr zu erwägen, was den Vorzug verdient. Es •darf gleichfalls als Tatsache׳ vorausgesetzt werden, ■dass der polnische Staat nicht daran denkt, eine Einmischung in die inneren Verhältnisse der jüdischen Gemeinden׳ zu beanspruchen. Stellen wir uns vielmehr ׳den polnischen Staat auf der einen Seite, die in Polen wohnende ׳Judenheit auf •der anderen Seite ■als Kontraihent und Gegenkontrahent vor, s!0• dürfte die Diskussion sich zunächst auf den einen Punkt beschränken, welchen ׳wir als den Aufgabenkreisi der örtlichen'! Gemeinden •bezeichnen möchten. ■Ob!diese 'örtlichen. Gemeinden■ dann zu einer Gesamtheit höherer!Art zusammengie,fasst werden sollen, i:st •eine Frage sekundärer Natur, bei der gleichfalls der Anfgabenkreis zunächst ’ festzustellen wäre. In keinem der!Gebiete, welche jetzt die Republik Polen bilden, war früher eine solche, obligatorische Zusammenfassung vorhanden, ׳denn!die im Dekret von Pilsudski ungeordnete!Bildung ׳einer rada •religrytna (Religionsrat) is!t nur die Summe der!Gemeindekompetenzen und ist ausserdem noch nicht in Erscheinung getreten. Betrachtet man ׳diese Frage von der historischen Seite׳,;so wird man finden, dass ■die jüdische Gemeinde (Kehllla) von Anfang an nur mit den Aufgaben der Kultur, der Erziehung und!der Fürsorge betraut war, also zum Teil mit Aufgaben, die wir heute als kommunale Aufgaben׳ anzusprechen pflegen. Tatsache ist jedoch, dass alle Gemeinden in der g.a׳nze׳n!Welt i׳hr!Leben i n diesem Rahmen betätigen. (Fortsetzung!folgt.) Die Wahlen zu Assefath Haniwcharim in Palästina, Sonntag, *dem 19. iKislew, fanden die •Wahlen! zu Assefath Haniwcharim 1(1De!legi׳ertenversam!mhm׳g) in Palästi׳na statt. Da auch ■den!F r a u e n ■sowohl aktives wie ׳p a ssives W a h!recht eingeräirmt wurde, bat1 •Agudas JIsrael in;Erez Israel einen;Wahlboykott beschlossen׳;. Alle rabbiini'Schen!Autoritäten des Landes, das gesamte Ratbinat des Xukschen!Besdin, zuletzt auch Ober,r#f)biner Kuk selbst nahmen in Form eines Dementi falscher misrachistischer Behauptungen entschieden gegen das Frauenwahlre'cht Stellung. Die!Parole der!Aguda hat!durch!die eifrige propagandistische Arbeit!besonders ׳der Zelrim ,grosse Beachtung und zahlreiche 1Gefolgschaft gefunden1. Ue'ber 7000 Familienväter haben , den 'Protest* •unterschrieben, indem ■gegen Assefath Niwcharlm Stellung genommen wurde. Die ׳Wahlbeteiligung der 1 i nksr a d i k a l e n Eiemente war ausserordentlich stark, in TcIhAwIw selbst ׳sind unter den 74 gewählten Delegierten fast60 ׳,' die dem *linken Flügel des!pa׳lästi׳nen׳sischen Jiscbuw angeboren, in Jerusalem sind 52 Delegierte gewählt worden, darunter O000009090tt0< >0•() 0 8 8 1 o 0 8 Telephon 74■2■26 Telephon 74-226״ Wien, I. Graben 12 (gegenüber; der Pestsäule) Die neueröffnete, grösste u. modernste Werkstätte für Haar arbeiten hat den Verkauf von 8 o I o o o § o 8 S begonnen Der internationale Meister Karl Schiroky haftet jeder Dame für grösste Haltbarkeit trotz geringstem Gewicht (kein Kopfschmerz bei festem Sitz)״und für allererste Haarqualität Die Preise sind staunend niedrig Versäumen Sie daher keinesfalls einen unverbindlichen Besuch im Grata-Frisier-f alon, I. Graben 12 Jede Perücke wird individuell der Gesichtsform angepqsst, daher vollkommen unauffällig!! O I o I § >0»כ0 o o 0 o 0 i § 0 1 1 o 0 O 0 0 O >0 1 . Kommunist, 24 Arbeiter, ferner 6 Frauen, 4 Demokraten. 2 zionistische Revisionisten, Missrachi bloss 2. Auch in de!» anderen Städten׳ und Siedlungen׳ .ist!das Resultat nicht anders. Laut der Verfassung der ׳Nationalversammlung wären ,200 Abgeordnete zu wählen, die den׳ Waa׳d Leumir Nationalst zu;bestimmen haben. ■Wir kommen׳!noch auf eine eingehende Würdigung ׳dieser Wahlen zirrüok.!Einstweilen bringen wir!die bisher ׳eingelaufenen׳ Meldungen. Die Wahlen zur ״Assefath Haniwcharim“. — Erfolgreicher Boykott seitens der Orthodoxie. Jerusalem. (A. J. Z. B.) Die Wahlen zur Delegierten Versammlung erwiesen sich dank dem geschlossenen Vorgehen fast der gesamten Orthodoxie mit Ausnahme des Misrachi als völlige Niederlage fiirdenWaad Leumi. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung blieb der Wahlurne fern. Der palästinensischen Regierung wurde eine von mehr als siebentausend Familienhäuptern Unterzeichnete, also über dreissigtausend Seelen repräsentierende Protesteingabe überreicht, in der gegen die im Widerspruch mit dem Religionsgesetz stattfindenden Wahlen Verwahrung eingelegt und der Delegiertenversammlung jedwedes Recht auf Vertretung der palästinensischen Judenheit und jedwede Autorität nach aussen und innen abgesprochen wird. Jerusalem, 7.!Dezember. ׳(,JT1A.) A׳m 0. Dezembei־ fanden in ganz!Palästina die Wahlen zur (Assefath!Haniiwcharim (Nation׳a'lv,e׳rsam1mlü׳ng!der 1palästinensischen Jaden•־ heit) statt.!Der ■Wahlgang war überall sehr!lebhaft. ES waren, 21 Wählerlisten• vom!den!!verschiedensten Parteien und Organisationen: ׳des Landes, eins Chiles stich der iKommamisten. ■eingereicht *worden.!Gemäss der kürzlich mit dem iM'.isnacbi abgeschlossenen Vereinbarung war auch *den Frauen das Wahlrecht verliehen worden; die jüdischen ־ Wählerinnen, beteiligten sich denn auch ziemlich ׳stark an der Wahl. In mehreren •Orten verlief der 1Wahlgang stürmisch; öfter kam es in der Nähe der Wahllokale zu Zusammemstössen. Die •Partei der!Agudas Jisroel betrieb eine energische Propaganda gegen die .Teilnahme an den Wahlen, weil trotz des ״Issur“ ׳)׳religiösen Verbots) des Obersten Rabbiincrrates der Aguda den! Frauen ׳das Wahlrecht gewährt wurde, in vielen Synagogen Warden die Wähler durch Plakate aufgefo׳r׳dert, sich der Stimmabgabe zu enthalten. Jerusalem, 8. Dezember. (JT1A.) Die ersten!Resultate der am 6. Dezember in ganz Jerusalem vollzogenen Wahlen *zur Assefath!Haniwcharim ׳(Natio!nal1v׳ersam׳m'iu,ng der palästinensischen Juden) liegen ,nunmehr *vor. Es erhielten bisher ׳Achduth Awodah (Landespartei der Poale Zion)!5291 Stimmen, Hapoel Hazair (Bitachduth) 3371, Zionisten-Revisionisten, 2166,!Demokraten 1370, Sephardim 1640, Zentrumspar,t•ei 1516, Frauenl,ist׳e 1416,;Misrachi 1038, Landwirte 927, Kommunisten 852 'Stimmen.!Die!Resultate aus Jerusalem, Obergaliläa und Brnek Jezrieel liegen noch .nicht vor. Die Arbeiterparteien! erwarten, ■dass ihnen ׳von den 201 Mitgliedern der Assefath!Haniiiwcharim etwa 80 Zufällen wierden׳. Jerusalem, 11.!Dezember. (JT!A.) Soeben׳ sind die Resultate ׳der am letzten Sonntag vorgenommenen Wahlen in die jüdische Nati0inaLve׳r;sammlu1ng Palästinas (Assefath Haniwcharim) für Jerusalem bekanntgeworden. Es sind in der Hauptstadt Palästinas 52 Delegierte ׳gewählt׳ worden. Von׳ *diesen entfallen׳ auf die Achduth Awodah!(!Poale (Zio!n) 1.5, auf ׳Hapoel iHazair (!Hitachduth) 6 Mandate; demnach haben die beiden lArbeiterparteien׳ i׳n Jerusalem 21!Sitze erobert. Auf ׳die Liste der Sephardim. ׳entfallen 11 Äbgeordnete, auf die Frauen'Iiste 6 Abgeordnete. Die!Demokraten eroberten 4, die ׳Zi׳on׳iS‘t׳en-'Rev׳isio׳n׳isten :2, de־r iMiisrachi 2׳ Sitze. ■Auf ׳die Liste der!Kommunisten entfällt ein A׳bgeordneter, auf die ׳anderen Listen• 5 Abgeordnete. Aus 0,'bergaliäa und Emellc Je'zreel liegen endgültige •Resultate noch nii'cht vor. Nach!den ׳in T׳e!l-Awiw und Jaffa!abgegebemen!Stimmen• werden auf diese Städte 75!Mandate entfallen; diese Zahl ■ist ,aber nicht •endgültig, ׳Laut der Verfassung der Nafionaiversamm'lumg waren* 201 Abgeordnete zu wählen, die dann ׳den Waad Leumi ׳(Nationalrat) zu bestimmen haben werden. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Presse“ erscheint am 1. Jänner 1926. Zeit noch viel bedeutet, und das ist der im Jahre 1801 in Fre:stadtl geborene Schüler des Chatam Soxer R. Abraham Zvyebner, der nach dem Aufenthaltsort seines Vaters Ipolysag, meist nur R. Abraham Schag genannt wurde. Von diesem Manne rühren die Schriften Chel. Abraham und Deraschat ha Rasch her, aber noch bedeutender als durch diese wurde er für die innere Entwicklung der •ungarischen Judenschaft durch die Tatsache, dass er auf der Versammlung der orthodoxen Rabbiner, die gegen den Kongress der Reformfreunde im Jahre '1865 einbe■4 rufen worden war, gegen die Trennung der Gemeinden auftrat und als sein Standpunkt nicht durchdrang, nach Erez Jisrael ging, wo er im Jahre 1876 starb. Er mochte dabei wohl gedacht haben, dass allem Streit innerhalb der Judenheit des Exils keine Bedeutung innewohnt, wenn man־ ihn unter■• dem Gessichtswinkel des seiner Kinder beraubten Landes Jisrael betrachtet, und dass es nur darauf־ ankäme, die Erlösung herbeizuführen, um den Streit über den Standort des Almemor, über die ungarische oder deutsche Predigt und dergleichen weltbewegende* Dinge mehr verstummen zu machen. ׳ Was ich vorhin von den Kobersdorfei: Rabbinern sagte, gilt natürlich nur relativ, denn absolut stehen• auch sie selbstverständlich auf der Höhe ihrer Ständesgenosserr in der ganzen Welt und auch der gegenwärtige Rabbiner R. Mosche Lipschitz ist dass Muster eines stillen Gelehrten von vorbildlichem, Lebenswandel, der noch dazir auf eine ganze Reihe hervorragender Ahnen zurückblidkt, die in den verschiedensten Zeiten und Ländern zu den Grössten in. Israel., zählten. Zu dieser Ahnenreihe gehören unter anderem der ״Remo“ genannte R. Mosche fsserl, der wichtigste Kommentator des ״Schulchan, Aruch, ferner der ״Maharam Padua“ genannte R. Meir Katzenellenbogen und der ״Maharschal“ genannte R. Schlomoh Lurja. Die Sohne des Kobe-sdnrfer Rabbiners, die im stoben Bewusstsein ihrer verpflichtenden Noblesse auch seine eifrigen Schüler sind, _ zehren mir mit der Freude des Kenners ihre reichhaltige Bibliothek; die viele Raritäten, darunter auch viele) italienische Erstdrucke hebräischer Werke aus dem Besitze ihrer Ahnen, die in Padua und Modena wirkten, enthält. Die Familie Lipschitz gehört4‘ eben mit zu jenet grossen jüdischen Geistesrepublik, die noch lange vor der Abfassung der KlopstocksHien ״Gelehrtenrenublik“ tatsächlich existierte, und eigentlich auch heute noch besteht. Diese Republik ist das freieste Gebilde, das man sich nur denken kann, jedermann kann ihr Bürger werden un,d sie ist nur durch die subtilen Gesetze, die sie selbst sich und die Aufn Streben Händen. damit dem ganzen Volke gab, geschützt. Für 11 mc in diesen Bund der Geister ist nur ernstes!;forderlich und. hingebendes Dienen mit: reinen IV. Lackenbach. Unser nächstes Reiseziel ist Lackenbach, das ich einmal wegen seiner geräumigen Behäbigkeit das Rechoboth unter den Judengemeinden des Burgenlandes gehannt habe. Wir besuchen zunächst den Friedhof* der ebenfalls sehr weitläufig ist und, wie mir ein etwas* sarkastisch veranlagter Gewährsmann sagt, nicht nur die grössere, sondern auch die bessere Gemeinde birgt. Da sind die Gräber des R. Salman Lipschitz, des R. Benjamit■ Asch, eines Sohnes des berühmten Maharam Asch, des scharfsinnigen R. Schalom Ullmann, genannt Charif, der seinerzeit mit R. Mosche Sofer und■ R. Akiba Eger ein glänzendes Dreigestirn am Himmel der rabbinisch'en' Weisheit gebildet hatte usw. Erst vor kurzem hat die Lackenbacher Gemeinde den hundertsten Todestag dieses ihres Grössten, neben dessen Grabstätte die der dem Geldadel angehörenden Familie Schey herzlich unbedeutend erscheinen, mit geziemendem Stolz gefeiert. Noch eine Grab-* inschrift auf diesem weiten Gräberfelde i$t* interessant und das ist die des Lehrers Brandl, der sie selbst verfasst und gemeisselt hat. Dieser bescheidene Lehrer, der jahrJ zehrtelang in Lackenbach gewirkt hat, war ein kleiner׳ hebräischer Horaz und hat da eine ganz nette Ode auf seinen Tod gedichtet, mit der er in stoischer Würde von' seinen Mitmenschen Abschied nimmt. ( (Fortsetzung folgt.) Eine spanische Adelsfamilie bekennt sich zum Judentum. Die Familie Kubalis gehört dem höchsten spanisehen Adel an, deren (Mitglieder höchste weltliche und geistige Aemter einnehmen. Ein jüngeres Glied der Familie, Gabrieli Kubalis, kehrte vor kurzem aus Marokko; wo er mit Auszeichnungen gegen die Rifstämme gekämpft hatte, als hoher Offizier in die spanische Heimat zurück, und dieser Gabrieli! ist der Held der f olgenden Begebenheit נ Gabrieli Kubalis steht im Ilter von 35 Jahren, hat vor seiner militärischen Laufbahn Philosophie studiertj mehrere Bücher geschrieben und besitzt den Doktortitel. Eine grosse Karriere war ihm sicher. Man sprach davon, dass Gabrieli bald den Posten eines Gesandten an einem europäischen Hofe erhalten soll. Da riss der hochangesehene Adelsmann selbst alle Fäden, die zur grossen Zukunft führten, durch und klammerte sich an andere, geheime Fäden, die zur. fernen Vergangenheit zurückführten. Die Sache begann in Marokko auf der Kriegsfront. Als der Leutnant Gabrieli Kubalis in einem kleinen marokkanischen Städtchen nach Deckung vor den Geschossen des Feindes ausschaute, trat an ihn ein Greis heran, der sich in Gesichtszügen und Kleidung von den anderen Marokkanern kaum auszeichnete. In der Meinung, einem Feinde gegenüberzustehen, griff Kubalis nach dem Säbel. Der Alte machte aber ein Zeichen der Friedseligkeit und flüsterte dem Spanier zu, er möge doch eine Weile auf ihn hören. Neugierig auf die Botschaft des Aten, ging Kubalis auf die Aufforderung ein, und im nächsten Gebüsch in einem kleinen Abstand vom Regimente sassen die beiden auf einem Holzstamme, der alte Marokkaner und des junge Spanier, und was sie sprachen, war entscheidend für das fernere Leben des Offiziers. ״Auch du, bist ein Jude,“ sagte der Alte fast vertraulich, und bohrte seine Augen tief in die des Spaniers. Dieser antwortete etwas verwirrt, dass er nie in seinem Leben etwas mit Juden zu tun gehabt hätte und dass er auch keine besondere Sympathie für dieses Volk empfinde. Der Fremde aber sah misstraurisch auf den Spanier und antwortete resigniert: ,,!Wenn dem so ist, dass ich mich geirrt hätte, so darf ich es dir (nicht an vertrauen, was ich dir sagen wollte.“ Von diesem Momente an trat eine Unruhe in die Seele KubaUs', die er jiicht mehr meistern konnte. Er musste immer darüber nachdenken, wieso ihn der Alte für einen Juden hielt (und was er ihm anvertrauen wollte. Er nahm bald Urlaub und kehrte nach Spanien zurück. Hier stellte er Ausforschungen an, ob er wirklich jüdische ’Gesichtszüge hatte, und erfuhr, dass nicht er allein,, sondern auch alle seine Verwandten ihrem Aussehen nach für Juden gehalten werden. Diese Feststellung machte auf 1’hn solchen Eindruck, dass er nun ernstlich beschloss; seinem Stammbaume nachzugehen. Wochen!und Monate verbrachte er mit dem (Studium alter Familiendokumente, und das Resultat der )Forschung war die unwiderlegliche Feststellung, dass seine Urväter wirklich Juden waren. Während der grösste Teil seiner Familie zur Zeit den Inquisition den Feuertod auf!sich nahm, hatte sein Urahn, den Uebertritt zum Christentum gewählt. Das jüdische Aussehen hatte sich auf spätere Generationen vererbt. Diese Entdeckung veranlasste eine vollkommene gefc stige Umstellung des jungen Edelmannes.. Mit grossem

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