Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 51-52 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 338 JÜDISCHE PRESSE Nr. ~2ר)1ר noch eine ׳Heimstätte der Tliora und Gottesfurcht werden könnte. Aber Agudas Jisroel war auoh ׳diesmal die Verkörperung der Aktivität ׳innerlialb der Orthodoxie. Qie ■gab die Hoffnung nicht aüf. Die ganze Fülle von politischem und diplomatischem, Talent, von publizistischem ,Geschick und agitatorischem Mut, die Agudas Jisro'el heute!in so ■reiahem Masse beisitzt, wurde aüfgewendet, um die ׳Zukunft der Thora und die Interessen ,׳ihrer Getreuen1 in Jerusalem, also an entscheidender Stehe, zu rette׳ .׳״Nach jahrelangem Ringen äst nun diese heilige Arbeit von vollem Erfolg gekrönt worden. Der Rat des Völkerbundes hat am Rüsttage des Ohanukähfestes den •Beschluss gefastet, das bedrohte Recht der aschkenals'isdien Gemeinde und damit die Zukunft der Oesamtorthodoxie in Erez Israel zu schützen. Er nahm die!Erklärung der Mandatsmaoht, d a. s s sie bereit s e i, d e n Wünschen der a s chk e na s iscth en (Ge- •tn e i n d e h a ch v 011 k 0 m׳me ne r Freiiheit in allen r e 1 ׳igi ö s■e m B e1׳ a n g e n in weitestem Simn׳e •e n t g e g e .n z u k 0 m m e n, einstimmig zur Kenntnis. Unter Hinweis auf die Artikel 2 ׳und 15 des Baiästinamandats nahm der Völkerbund die Erklärung des bevollmächtigten britischen Vertreterls!zur Kenntnis, dass d i e M, a ndatsmacht!n i c 111 : b e ä b s i c h ׳t i׳ g t, s ii c ih i n d a s ׳r ׳e ׳ 1! 1׳g i 1ö s e Lebender ver;sch1i׳e׳d e n en Gruppen der Bevölkerung ln irr gen ein er /Weise einza1m׳i־s ch׳e׳n. Nach der!Meinung des Rates v erpflichten die Bes t (i! m m u n g e •n deisMand a t s die Mandatsmacht k e i n ׳e s w e g s, b •10 ,s s e i n e e 1 n z i g e j ü d;i s c h e R e 1 i g i on sgern ׳ei.tisch af t an zu erkenn e n;!Der Rat d e is V ö 1 k e r b u o des!hegt das Vertraue n, dass ei n alle Teile •b efnie diigeind e s Arrangement gefunden werden w:i׳r׳d und wird der weiteren ׳Entwii cklu n׳g v 011 e A uf me rk sa m kei.t wi׳dm e n. Es ist anzuineihmen, dass diese ׳frohe Botschaft überall in Kreiisen der iOrt'hodoxiie enthusiastische Freude erwecken wird. Der grosse Tag von Genf wird als Siegesfest in grossen1 Volksversammlungen Würdig begangen werden. Wir aber,!die!in der ersten Reihe der Kämpfer für ׳das ׳Recht der bedrohten Orthodoxie Erez Israels!standen, halten ,es auch heute noch für unsere!em-steste publizistische Pflicht, unsere thoratreuen Brüder nachdrücklichst darauf ׳aufmerk־. sam zu machen, dass die Zukunft!der Thora,- die Rechte der Orthodoxie in Ereizi »Israel bei au s ser e:n •Mächten, a 11 ׳e 1 n also ׳auch beim Völkerbund, und mag seine moralische!Kraft noch.so׳ gross sein, niemals vollkommenen Schutz finden werden. Unsere Zukunft muss von uns •in schwerer Ar be it gestai tet un d geschützt werden. Der grosse Erfolg vor dem Völkerbund gibt der Orthodoxie nur die Möglichkeit, ungehemmt für ihre Interessen in Erez Israel und für die Ausgestaltung ihrer Zukunft »in Erez Israel z;u arbeiten. Es wäre verh'ängnisvoli für uns, bloss m:i׳t Worten Siege zu feiern. W!i r s i 11 d t i e f ü b e r z e •u g t, ■d a s s d e r g r o s s e ״Erfolg vor dem Völkerbund, dass der a u s•d a•u׳e r nd׳e IKa mpf unser e r tb0 r at r e u׳e n B׳r ii d e r in E•r ׳e z I׳s r ׳ae'1 n׳u r ׳d adurch möglich w a r, d a s s A ׳g u d a s Jisroel d 1ie von ihr g-ew'-eckte Aktiv 1i׳tät־ der Bilder aus Oesterreich. Von L. Moses. (Fortsetzung.) Ursprünglich wollten wir noch vor Einbruch der Nacht Kobersdorf erreichen, aber!es wird dunkel und wir befinden uns noch immer in dem ungeheuren Bergwald, der das Rosaliengebirge mit seinen vielen Ausläufern bis׳ an das Tal der Pitten im Westen und in die Gegend von Oedenburg im Osten bedeckt. Da gehen wir nun den Weg, der einst die Grenze zwischen Oesterreich und Ungarn entlang lief und von Schmugglern und Grenzwachen stark frequentiert war. Jetzt gehen wir stundenlang, ohne einen Menschen zu sehen, würzige Luft hebt uns die Brust und [im leichten Dahinschreiten auf dem Waldesteppich vergessen wir, dass es Dunst und Staub* Hass und Elend auf dieser schönen Erde gibt. Glühwürmchen tauchen von Zeit zu Zeit auf, als wollten sie uns den Weg erhellen,׳ und!irgendwo in der Ferne ist friedliches Abendläuten zu hören. ,Wenn ich auch sonst nicht viel für die Länder (unserer Galuth übrig habe lind alle ihre Reize beim Gedanken an die Heimat meiner Seele verblassen, der sanfte Klang •einer Glocke — mag ich ihn nun am frühen Morgen oder am späten Abend, in der Grosstadt oder auf dem Lande vernehmen — hat, so unjüdisch er mir auch vorkommt, doch immer für mich einen besonderen Reiz, der mir das Herz rührt.‘ Und doch wäre es besser, alle die Völker ringsum würden gleich uns auf den Appbll an das Gemüt durch dert Klang eines noch so feinen Metalls verzichten, wenn dier : selbe Metallmischung in denselben ,Giessereien in die ׳ Form rre'schenmordender Geschütze gebracht wird. Es gibt ,eine Glockengiesserei, die eine Vignette verwendet, auf der eine Glocke und!ein Kanonenrohr nebeneinander abgebildet sind, gekrönt durch die Widmung ״Pro deo et , ^atna in pace et hello!*) Wie hoch steht demgegenüber die Ethik des mosaischen Gesetzes, das den Altar nicht aus behauenen Steinen errichten lässt, damit nicht das1 mörderische Eisen bei der Herstellung des dem G-ttes•* dienste geweihten Altars. Verwendung finde! Erst wenn einmal das herrliche Gemälde, das das nicht, umsonst im Mittelpunkt der jüd'schen Neujahrsliturgie stehende ״Oien11“-Gebet von der Zukunft der Menschheit entwirft, in '*) ״Für G־tt und Vaterland in Frieden und Krieg.“ Orthodoxie se i t de r K e ne ssd 0 in er- 11 ö h t e in Masse a ׳u c h d •e m w i •r <t!s c h •a f tliehen Aufbau von Erez Is׳rae 1!z׳uf ühr t e. Dieser Umstand •darf nioht ausser Acht gelassen werden. Die Position 1d׳er Orthodoxie in Erez Jisroel hängt einzig und allein von •dem •Willen׳ der tboratreuen Judenheit ab, •Kapital und Menschen für Erez Israel zur Verfügung zu Stellen, die den» alten Jischuw, der ein. g-f tgeweihtes, weltabgewandtes Leben führt, dahin ergänzen werden, ■dass •sie die Bedingungen ischaffen, die, tausenden thoratreuen Brüdern ׳die Möglichkeit geben, ,ihre g4tgeweihte Arbeit dem Aufbau des heiligen Landes zu_ wüdmen. Es muss. Gemeingüt aller thoratreuen• Söhne unseres Volkes werden, dass die jüdische Heimstätte n u r dann das ׳Herrn der Thora un׳d, des unverfälschten jüdischen Geistes werden kann, wenn •sie auch für den wirtschaftlichen Aufbau des Vaterlandes •mit ungeschwächter Energie arbeiten. Rabbi Ghaim ׳Sonnenfeld, ■dem wir unseren grossen Sieg, der zu:m guten Teil sein persönlicher!Erfolg!ist, in erster Reihe!z.u danken haben, fordert immer wieder u!n׳d mit dem allergrössten Nachdruck' nebst der Erhaltung des alten Jischuw, oder, besser gesagt, :im ,Interesse ׳der Erhaltung des alten Jischiiws auch die wirksamste Förderung des־ wirtschaftlichen Aufbaues des heiligen Landes im Geiste der Thora. Hoffen wir, •dass ihm und seinen edlen Mitstreitern nicht nur von England und dem Völkerbund Gehör geschenkt wird, sondern auoh von seinen *eigenen thoratreuen Brüdern. Der erste Erfolg ,ist •errungen. Er ist ׳aber wertlos, wenn er auch der einzige bleibt. Die praktische wirksame Arbeit für Erez Jisroel, deren!segensreiche Anfänge auf den Kolonien »der Agudas Jisroel bereits sichtbar werden,!ist der iSiegesprerrs, den die Streiter für die Rechte der Orthodoxie und für »die Zukunft der Thora in Erez Israel von uns erwarten. P. Ueber die Gemeindeverhältnisse in Polen. (Fortsetzung.) Der Teil des heutigen Polens, welcher früher unter österreichischer Herrschaft stand, , lebte• und wirkte unter• •dem ׳Gemeindegesetz des österreichisehen Staates 1890 (Gesetzblatt Nr. 37). •Der frühere deutsche Teil hat seine Konstruktion im wesentlichen nach dem p!reu׳ssischen •Gesetz 1847. Die anderen Teile des heutigen Polens, also ׳da!s ,Gebiet um Wilna und die ׳östlichen! Randgebiete[ zeigten schon festere Formen, wenn ׳es ■aqch ״ ,•Wegen [ Teilung' zwischen Kronrabbiner ׳und religiösem Rabbiner zu einer einheillichen Konstruktion nie kommen konnte. Eine neue einheitliche Gesetzgebung ׳dürfte diese geschiehtliehe Voraussetzung nie aus ׳dem Auge lassen! und müsste wohl oder übel eine mittlere Linie zu ־•ziehen versuchen, falls. nicht ׳die, wie oben .׳erwähnt, ganz neu aufgefauchten, nationalistischen :•Bestrebungen ein Herren-, Knaben- und Kinderkleider fertig und nach M a 8 8 Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird geuauestens geachtet. J. STER ST, Wien, II., Qlookengacse 25. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. völlig neues mit dem alten inkommensurables Gebilde: erheischt. Noch ist folgendes zu erwägen: Während der Okkupationszeit wurde seitens der Okkupafeionsmacht eine Verordnung unter dem 1. November 1916 erlassen, welche der jüdischen religiösen׳ Gemeinsohaft das Oeffentlichkeitsreoht zuerkannfe, ׳jeder Siedlung die Bildung einer Gemeinde vorschrieb, den Aufgabenkreis der Gemeinde bestimmte, die Autoritat des Rabbiners im wesentlichen feststellte und' die Finanzgebarung der Gemeinde ׳regelte. Nach genauer Prüfung der damaligen Verhältnisse in Polen wird man daran :erinnert, ׳dass damals die zionistischen und nationalistischen Kreise ׳gegen diese Verordnung 1i׳n sinnloser Weise Sturm liefen und dass eine!zionistische ׳Persönlichke'it, welche in der OkkupationsverW'altung eine ,hervorragende Stellung einnahm, rundweg erklärte, lieber gar keine Verordnung und Fortdauer •des ■unmöglichen Zustandes als eiine solche Verordnung, welche •den extremen nationalistischen Forderungen nicht genüge. Es begann eine glanzvolle Serie von Intrigen und Quertreibereien, welche e!s in •der Tat verhinderte,' dass: ׳die ׳von der betreffenden Verordnung erstrebte Regelung der Dinge ins Leben trat.. ,Im Jahre 1919!erliiess dann die polnische Regierung mit Pilsudzky an der :Spitze• ein Dekret, welches im wesentlichen die Gesichtspunkte innehielt, •die oben als Charakteristik der Verordnung wiedergegeben wurden. Ob diese Verordnung nach bestehendem heutigem Staatsrechte ,in Polen Gesetzeskraft innewohnt oder nicht, ׳entzieht sich unserer Kenntnis. Das »ist besonders .deshalb von Wichtigkeit, weil im negativen Falle das Oeffentliühkeitsrecht •der jüdischen religiösen Gemeinschaft erst aufs neue einer Diskussion •und einer Beschlussfassiung unterstellt werden müsste; wir zweifeln nicht •daran, •dass der polnische Staat ׳diese Rezeptüonsurkunde des Juden-• tums im Sinne ׳der §§ 113 f der •polnischen'• Staats- Verfassung ohneweiters vollziehen würde, aber »eine neue Regelung müsste jedenfalls den normalen Weg über das Parlament gehen, da •eine Gemeralregeliing auf dem Verordnungswege ausgeschlossen! ,erscheint. Die oben!angeführten Paragraphen •der polnischen Verfassung sind noch deshalb von Wichtigkeit, weil in ihnen die katholische Kirche als Staatsreligion mit ausserordentlichen Rechten!und Privilegien ausgestattet ist und weil selbstverständlich der Gesetzgeber, insoferne ׳ er andere Religionen mit Rechten begabt, setts auf •diese Eigenart Rücksicht nehmen muss und wird.!Für eine eventuelle Regelung mi 'Sinne und ׳nach dem Wunsche der nationalistischen Kreise gelten alle diese geschichtlichen Voraussetziungen nicht. I׳n. diesem Falle würde einzig und •allein auf •den Vertrag von Versailles zu rekurrieren ,sein und die Betätigung ׳der Minoritätsklauseln wäre ׳die ,einzige Direktive. Wir wissen nicht, ob ■es sich die Volksgemeindefanatiker wirklich ׳schon ׳einmal überlegt haben1, welche horrende Anforderungen ,s!i׳e eigentlich an •den polnisehen Staat zu stellen be ab sichtige 11, welche enorme Vorzugsstellung vor anderen ׳Minderheitsnationen sie eigentlich beanspruchen;!denn wir halten diese Nationalsten noch •immer für zu ehrlich und logisch, als ■dass sie nicht •einsehen. müssten,, ׳dass in •diem von der ״alle Fleischessöhne G-ttes Namen anrufen . . . jedes Knie vor G-tt sich beugen und . . . alle Menschen die Bürde des G -11 es reiches auf sich nehmen . . in allen Erdenbürgern als Wunsch lebendig wird, wenn alle Grenzen schwinden und alle Völker zugleich abrüsten, erst dann kommen, wir dem Ideal der jüdischen Propheten näher. Freilich ist dazu Erziehung zu ünbedingter Friedensliebe und zum Abscheu vor aller Gewaltanwendung und die Ausstattung des Völkerbundes mit der Weihe einer über a.llen Bekenntnissen stehenden' Weltreligion Vorbedingung — bei allen Völkern, beim jüdischen Volke aber: Verinnerlichung und Vertiefung des- Glaubens an die Aufgaben, des Judentums und höhere Wertung der von Thora und Tradition geforderten Lebensführung[. Der Klang der Glocke hatte bereits die Nähe eines Dorfes verraten und so kamen wir auch bald talwärts' nach dem Dorfe Sieggraben. Mit Rücksicht auf unsere1 Müdigkeit und die vorgeschrittene Stunde beschlossen wir, hier über Nacht zu bleiben. Es war Sonntag und so mussten wir. nach dem ersten Wirtshause nicht erst fragen, wir brauchten, nur einem gewissen Geräusch nachgehen — aber hier sollten wir noch eine Enttäuschung erleben, da die Fremdenstuben des Gasthauses für die ersten Nachtstunden ländlich-sittlich arisch-christlichen Schäferstunden vorenthaiten waren. Auch im nächsten Gast•* hause, in. dem die Honoratioren sassen, fanden wir keine Unterkunft und so mussten wir noch das dritte Gast־: haus des Ortes aufsuchen, wo wir denn auch nach ־ längerem Zögern und Zureden ein Zimmer erhielten. Wenn der Prophet (Jeremia 2, 28) sagt, dass die Götter Judas so zahlreich'gewesen wären wie seine Städte, so könnte man jetzt sagen, dass so zahlreich wie in den jüdischen Vierteln die Lehrhäuser in den nichtjüdischen Orten׳ Oesterreichs (und wahrscheinlich auch anderswo) die Gasthäuser seien. Beim Eintritt in dieses dritte Gast-’ haus mussten wir schaudernd mitansehen, wie betrunkene׳ Bauern einen ebenfalls betrunkenen Burschen zu Bodeü warfen, so dass jeden Moment ein blutiger Ausgang dieses Streites zu befürchten war. Auch in der Wirtsstube selbst hatten alle diese Leute, die ja am nächsten Morgen wieder schwere Feldarbeit zu verrichten hatten, schon lange zu! viel getrunken und der lärmende Streit beim Kartenspiel . drohte ständig in Gewalttaten auszuarten, die nur mit Mühe die einzigen nüchternen Männer im Hause, dei* Wirt und der stattliche, kugelrunde Förster in Lodenjoppe, Kniehosen, Stutzen und Hausschuhen durch ihr Zureden verhindern konnten. Während wir unser frugales Nachtmahl verzehrten, bettelte der Försterhund um ein paar Brotkrumen und schaute mich dabei fast gewinnend an• Ich bin sonst Hunden ganz im Gegensatz zu der aus England zu uns gekommenen Gepflogenheit, die ganz Wien gewisserniassen ״auf den Hund gebracht“ hat, nicht sonderlich hold, hier aber konnte ich nicht umhin, dem Försterhunde. zu sagen: ״In dieser Gesellschaft scheinst du fast der einzige Mensch zu sein!“ III. Kobersdorf. Es ist nicht ganz allgemein bekannt, dass wir in Oesterreich an dem weltfernen Kobersdorf eine Spezialitat besitzen: eine Kur-Kehillah. Eine Sommerfrische init so belebender und guter Luft und einer heilkräftigen Quelle im herrlichsten Nadelwald, die zugleich auch eine alte Judengemeinde ist, dürfte sonst nirgends zu finden sein! und sie wird auch von vielen Wiener Juden neuerdings gern aufgesucht. So ähnlich stelle ich mir etwa eine Sommerfrische in Erez Jisraei vor, ein jüdisches Berg-׳ dorf, mitten in Wäldern gelegen, das auf Landwirtschaft und Fremdenindustrie eingerichtet wäre. Kobersdorf ist gewiss ebenso alt wie die anderen Gemeinden des Burgen■' landes, die Schewa . Kehilloth, und wird zum Beispiel auch schon in der ״Jüdenschützung“ vom 28. Mai 1529, die auch schon bald ein Jubiläum feiern könnte, erwähnt• Seine jüdischen Bewohner brachten sich von . altersher durch Hausieren in den benachbarten Teilen Niederösterreichs und der Steiermark fort und sind auch noch heute durch eine ihnen grossenteils eigene vierschrötige Bauernnatur von ihren jüdischen Nachbarn in den anderen Gemeinden des Burgenlandes unterschieden. Die Kobers-1 dorfer Juden studieren nicht — vielleicht kommt das von ihrem reichlichen Kohlensäuregenuss — und typisch für ihr Wesen ist jener Jude mit dem Tischa b'Ah-Bärtchen' in dem von Gesundheit strotzenden Gesicht, den ich da in der Woche vor dem 9. Ab breitspurig in der Mitte der grossen Gaststube des jüdischen Wirtshauses steherf und ein. Glas Rotwein mit Kennermiene trinken sah• So kommt es auch, dass in Kobersdorf das geistig-iüdische Leben nie so ganz jene Pflege fand, deren es sich sonst überall im Lande erfreute, und dass dort auch' das Rabbinat nicht ganz so hervorragende Persönlichkeiten aufwies wie in den Nachbargemeinden. Und doch finden wir auch in der bescheidenen Reihe der der Nachwelt bekannten Rabbiner Kobersdorf einen Mann von grossem Zuschnitt, der auch unserer