Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 12 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630099-2630111--1754-2633545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 .י' ," , - ״• % י־ JÜDISCHE PRESSE Seite 75 gefassten Beschluss der orthodoxen Landesrepräsentanz hi Transsylvanien warm und eifrig für Keren Hathora ehitrat. Er betonte, dass die Keren Hathora-Aktion von( einem , jeden Juden, dem die Erhaltung des Judentums; jener jst, ohne Unterschied der Parteistellung, unterstützt werde« muss. Chronik der Woche. Das neue Wakufgesetz. Jerusalem. (A. J P. B.) Das lang erwartete Wakufgesetz (Gesetz über die milden Stiftungen und ihre Verwaltung) ist soeben veröffentlicht worden. Das Gesetz trägt entgegen den von früher zlonlstischer Seite verbreiteten Meldungen den Wünschen und Anträgen der Agudas Jisroel Rechnung. Die Agudawirtschaftsdelegation in Jerusalem. J e r usale m. (A. J. P^B.) Herr Julius Holländer, Frankfurt a. M., ist in Erz Jisroel eingetroffen, um in Ausführung der Be- Schlüsse der Palästinak־mferenz der A:.11das Jisroel die Wirtschaftsdelegation der Palästinazentrale zu leiten. Ihm zur Seite stehen unTer anderen die Herren Heller-Nürnberg, Nussbaum-Halberstadt, Jossokowsky-Memel und Trietsch-Berlin. Visa für Palästluatourlsten. Warschau. (A. J. P. B.) Ueber Intervention der Aguda wurde das englische Konsulat telegraphisch angewiesen, Empfehlungen der Agudas Jisroel für Visa von über Pessach nach Erez Jisroel reisenden Touristen zu honorieren. Die Einwanderung in Palästina im Februar. Wie die Palästinensische Telegraphen-Agentur erfährt, sind im Februar d. J. 1919 Einwanderer in Palästina eingetroffen. Im Jänner d. J. waren 1840 Einwanderer ins Land gekommen. Beendigung von Streiks und Aussperrungen in Palästina. Die Streiks und Aussperrungen, die seit einiger Zeit den Arbeitsmarkt in Tel Awiw in Unruhe versetzten, wurden am 5. März durch Vergleich beigelegt. ' Keine Arbeitslosigkeit in Palästina. In manchen Arbeitszweigen macht sich Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Von Monat zu Monat ,steigt die Zahl der landwirtschaftlichen und Bauarbeiter. Fast alle neu ankommenden Einwanderer finden in diesen Arbeitszweigen sogleich Aufnahme.■! Vierzig Familien aus Warschau nach Erez Jisroel abgereäst. Warsc1ha;u. (A. J• P.!B.) ׳Samstag; den 13. ßchwat — 7. Februar — siünd!aus Warschau 40 orthod. Fam'IMen ׳nach Erez Jiiisroel abgeröM, ׳um sich in ׳der Kolonie B'meÄ Brak anzusiedeln. Zum Abschied, ׳der überaus herz׳Moh war,!hat sich eine ׳grosse Menschenmenge eingefanden. Eine Weltorganisation sephardJscher Juden. Die am 13. Februar in Jerusalem eröffnete Konferenz der sephardischen Juden hat beschlossen, eine Weltorganisation der sephardischen Juden ins Leben zu rufen. Der Ruthenberg-Prozess. Dem griechischen Unter- «ehmer Mawromatis, der vor dem Kriege von der ti'irkisehen. Regierung die Konzession für elektrische Anlagen erhalten hatte, hat die englische Regierung diese Kon- Zession entzogen und sie dem Ingenieur Ruthenberg übertragen. Mawromatis, der die Angelegenheit vor den Haager Gerichtshof «jebracht hatte, wurde mit seiner Beschwerde abgewieseiL .Gründling feiner Hechaluz Poale Emune Jisroel itt Polen. Lodz. (Ä. J. P. B.) Hier wurde eine Hechalu2J K. Schalom Charif-Ullmann מדל (Zu seinem 10 0. Todestag.) Von L. Moses. (Fortsetzung und Schluss.) R. Schalom Charif kam nach seiner Verehelichung *ach Ansbach in Bayern und brachte dort eine Reihe ruhiger Jahre in eifrigem Studium zu, bis eines Tages seine inzwischen ־ erwachsene Tochter den Wunsch äusserte, mit der Tochter des Gemeindevorstehers das Theater besuchen zu dürfen. Die französische Revolution warf soeben ihre blutigen Strahlen in alle Winkel der Erde und die deutsche Literatur schickte sich an, den Höhepunkt ihrer Entwicklung ln der weimarischen Musenresidecz zu erreichen — und in diesen grpssen Tagen erkannte der Rabbi der kleinen, aber vielgeprüften Ansbacher Judengemelnde an diesem Wunsche seiner eigenen ^Tochter seine Zeit und handelte danach. Als hätte Rabbi ״Schalom geahnt, was später im ftahen Bayreuth in Ver- ‘ bindung mit der deutschen Bühne von Juden und am Judentum gesündigt werden sollte und wohin die schöngeistige Salonkultur der Berliner ״aufgeklärten“ Juden führen werde, erklärte er, Ueber in einer kleinen Stadt, in der es kein Theater gebe, wohnen zu wollen. Er Hess sich nicht durch äusseren Schein und auch nicht durch tönendes Pathos bestechen; ihm lag daran, das Ethos des Judentums zu retten, und so wanderte er mit den Seinen nach Ungarn. Dort bekleidete er zunächst das Amt eines Rabbiners in Stampfen (in der heutigen Slowakel) ,und kam dann nach Frauenkirchen, einer der ״Sieben Gemeinden“ im jetzigen Burgenland. Dem Rabbi, der ein solch seltenes Beispiel von Auf- Opferungsfähigkeit im Dienste des Höchsten und Scharfblick in der Beurteilung seiner Zelt und seiner Mitmenscheu gegeben hatte, sollten aber weitere Prüfungen noch immer nicht erspart bleiben. Während der Franzosenkriege setzten ihn die Franzosen gefangen und drohten, ihn aufznh&ngen, wenn die Gemeinde nicht sofort ein grosses Lösegeld erlege. Da die Frauenkirchner Juden aber nicht einmal den zehnten Teil der geforderten Summe aufbrin- Kundrr An die orthodoxe Jadenschaft! Um es selbst den allerstrengst orthodoxen Juden אף למהדרין מן המהדרין zu ermöglichen מצות Mazzoth מצות in ritueller Hinsicht ohne jedes Bedenken von mir zu beziehen, habe ich mich entschlossen, den weltberühmten Gaon Oberrabbiner Ctiaim Jizchak Jerachem שליט״א aas Altstadt mit der ständigen Oberaufsicht השגחה meiner Mazzothbäckerei zu betrauen. Unter der Oberaufsicht des Oaons Oberrabbiner Jeruchem stehen in meiner Mazzothbäckerei noch zwei von ihm selbstaufgenommene Rabbiner רבנים גדולים und ausser diesen noch sechs Maschgichim ת״ח וי״ש. Mazzoth sowohl wie Mazzoih-Griess sind bei mir in allerfeinster Qualität zu beziehen und werden auf Wunsch auch in die Provinz versendet. Orthodoxe Hozzothhdckerel li. L Strom Haaptniederlage ז Wien, II., Rote Stemg. 11. Tel. 4717־7־. Filiale] II., Au&stel.ungsstr. 35. Telephon 44-4-74 Poale Emune Jisroel gegründet. Die Gründungsversammlung dieser neuen Organisation, der bereits viele Mitglieder beigetreten sind, fand vorige Woche statt. Samtliehe Redner betonten die Notwendigkeit des Ueberganges zu produktiver Arbeit. Es wurden folgende Resolu־( tionen gefasst: 1. Die: Versammlung begrüsst mit Begeisterung die Gründung der Hecheluz Poale Emune Jisroel. 2. Die Versammlung verpflichtet sich, den Gedanken des Hechaluz Poale Emune Jisroel in weiten Kreisen zu propagieren und . fordert die Orthodoxie auf, den Hochaluz in seinen Bestrebungen werktätig zu fördern.! Einrichtung von Handwerkerkursen durch die Warschauer Aguda. Die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel hat eine Reihe von Kursen eingerichtet, um die orthodoxen Arbeiter weiter auszubilden. Bisher wurden Kurse für Schlosser und Mechaniker eröffnet, die sich bereits grossen Zuspruches erfreuen. Ausserdem wurde von der hiesigen Zeire Emune Jisroel ein Fortbildungskurs für Lehrlinge des Druckereigewerbes ins Leben gerufen, an dem 20 Lehrlinge teilnelimen. Dr. Weizmann aus New York abgereist. Dr. Chaim Weizmann verliess am 6. März New York und begab sich mit dem Dampfer ״Olympic“ zunächst nach London. Nach einem kurzen Aufenthalt in London wird sich Dr. Weiz1־ mann nach Palästina begeben, um der am I. April stattfindenden Feier der Eröffnung der hebräischen Universität zu Jerusalem beizuwohnen. Abschwächung des Ku-Klux-Klan. In der Distrikts- Versammlung^ des Ordens B’nei Brith!Alantic City, .4 4׳: fיי׳ .,׳:-.- , .v-." ■4 .* ׳ ־■- ,4׳ ־V.'• wurde berichtet, dass die antisemitischen Bewegungen in Amerika eine Absöhwächung erfahren haben und der Ku-Klux-Klan viel von seiner Macht eingebüsst habe. Jeschiwothfördertmg In Amerika. New York. (A. J. P. B.) Für die jeschiwoth Rabbi Salomon Kluger und ״Thora wedaath“ hat ein spezielles Komitee den Bail zweier grosser Gebäude beschlossen. Für die Slobotkoer Jeschiwoth in Chebrom wurde ein Fonds geschaffen. Die grösste Jeschiwah' der Welt. Wie bereits gemeldet, ist zu dem Baue der neuen New Yorker ״Jeschiwah Jizchak Elchono“, der auf 5 Millionen Dollar präiiminiert ist, schon beim ersten Bankett nahezu 1!Milliofl gezeichnet worden. Gegen assimilatorischen Religionsunterricht. Fiume. (A. J. P. B.) Durch Vereinbarung mit der Fiumaner israelitischen Kultusgemeinde wurden die Schüler der orthodoxen Talmud Thora-Schule vom Religionsunterrichte der öffentlichen Schulen befreit Haag. Montag abends fand hier der erste Schiuryortrag der Agudas Jisroel-Abteilung statt, wobei über 40 Teilnehmer erschienen. Beim •ersten Schiur Würde der Chofez Chaim von Herrn Levison behandelt. Eine Rede des Abgeordneten Oberrabbiner Löwin im polnischen Sejm. In der letzten Sitzung der Bildungskömmission des polnischen Sejms verlangte Abgeordneter Oberrabbiner Lewin-Sambor, dass analog den anderen Konfessionen bei der Bestellung von jüdischen ׳Religionslehrern im Hinblick auf ihre pädagogische Qualifikation und' ihre sittliche •Lebensführung ein Gutachten seitens der entsprechenden religiösen Funktionäre eingeholt werden müsse. Der Sabbath in den rumänischen Schulen. Bukarest (J. T. A.). Der Unterrichtsminister Anghelescu er- Iiess ein zweites Zirkular an die Leiter der Volksschulen, in dem nochmals darauf hingewiesen wird, dass in Schulen! mit einer Mehrheit von jüdischen Schülern der Unterricht an. den Sabbathtagen äuszufallen hat. Im Zirkular wird betont, dass die gleiche in einem früheren Zirkular ergangene Weisung von vielen Schulleitern nicht befolgt Wörden ist. ‘ Explosion in einer Synagoge in Transsygvanien. Wien (J. T. A.). Die Synagoge der Stadt Salojkraszna in Transsylvanien wurde am 3. März durch eine Gasexplosion vollkommen vernichtet. Das Gebäude samt Inneneinrichtung brannte bis auf den Grund ab. Nür die Thorarollen konnten gebettet werden. Der Synagogendiener und einige Andächtige erlitten schwere Brandwunden und ringen mit dem Tode. Die Aerzte geben keine Hoffnung, dass man sie am Leben erhalten kann. Eine Warnung der Wiener Kultusgemeinde von der! ״Israel“-Mission. Wien (J. T. A.). Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde erliess eine Warnung an die jüdische Jugend, sich vor der Bekehrungstätigkeit der schwedischen ״IraeI״-Mission in acht zu nehmen. Die Mission errichtete in der Seegasse, die in einem von Juden dichtbewohnten Stadtviertel liegt, ein prächtiges Missionshaus und erneuerte ihre intensive Tätigkeit in der Bekehrung von jungen Juden. Der König von Aegypten bestätigt die Wahl Chaim Nahum Effendis. Kairo (J. T. A.). König Fuad von Aegypten erliess am März ein Dekret, in welchem die vor kurzem erfolgte Wahl des ehemaligen Oberrabbinersi der Türkei, Chaim Nahum Effehdi, zum Oberrabbiner von Aegypten sanktioniert wird. gen konnten, beschlossen sie im Vertrauen auf wunderbare Hilfe von oben, alle Gold- und Silbermünzen, die sie in der Eile aufgebracht hatten, in einen Behälter zu legen und diesen den Feinden zu übergeben. Die Franzosen übernahmen denn auch ungezählt den Behälter mit dem Gelde und entfernten sich; der Rabbi aber war somit gerettet. Bald nach diesen Begebenheiten, deren Erzählung der Einleitung zu. dem Werke von R. Schaloms Sohn, Rabbi Schlomoh Salman, יריעות שלמת entnommen ist, wurde R. Schalom Charif nach Lackenbach berufen. Noch während seiner Wirksamkeit in Frauenkirchen war der Pressburger Rabbiner R. Meschulam Tysmenitz gestorben und es musste die Wahl zwischen den für diese hervor־, ragende Stellung zunächst in Betracht kommenden Persönlichkeiten, R. Akiba Eger, R. Mosche, Sofer und unserem R. Schalom getroffen werden. Bei dieser Gelegenheit mag auch darauf hingewiesen werden, dass die Schewa Kehllloth durchaus nicht bloss der empfangende Teil im Verkehr der Geister waren, da z. B. ein R. Akiba Eger in Eisehstadt geboren war und von dort nach Posen ging. Es traf sich gut, dass die von R. Meschulam selbst mit prophetischem Blick vorausgesagte Wahl auf den Chatluim Sofer fiel, da so jeder dieser drei Männer an die füi ihn passende Stelle kam und in seiner Weise an der gemeinsamen Aufgabe arbeiten konnte. Während R. Mosche Sofer durch die Macht seiner Persönlichkeit berufen war, von Pressburg, der damaligen Metropole des jüdischen Geistes in Ungarn, aus die äussere Sicherung für das Gebäude des traditionellen Judentums herzustellen, konnte R. Schalom Chariff in Lackenbach ungestört im Innern des Hauses forschen und schaffen. Wenn jener etwa dem gefeierten Professor der Medizin glich, der lehren und zugleich eine umfangreiche Praxte ausüben kann, war dieser, unser R. Schalom, der Forscher im stillen Laboratorium, ,der, ungesehen und ungekannt von der Aussenwelt, die Grundlagen der Wissenschaft und damit auch die Grundlagen für Lehre und Praxis jenes, des mitten im Tagesgetriebe stehenden Arztes, schafft. Und so kommt es, dass דברי חש •das Werk R. Schalom Charifs, nur wenigen AuserwähHen voll und ganz verständlich ist und dass er es gar nicht verständlicher machen wollte, da er meinte, dass ihn nur jene verstehen sollen, die sich wirklich um die Thora bemühen wollen. Er liebte über alles Kürze des■ Ausdrucks, und so soll auch jetzt sein Werk mit einem erläuternden Kommentar herausgegeben werden, eine weitere Stütze für den eingangs gewagten Vergleich zwischen Moscheh Rabbenu und R. Schalom Charif! Auch der grösste unter seinen Zeitgenossen, R. Mordechai Benet, rühmte die דברי חש in auszeichnenden Worten. Nur ein Beleg für die seltene Anerkennung, die R. Schalom Charif schon bei seinen Zeitgenossen fand, sei noch erwähnt, und dieser liegt in der Tatsache, dass in einer bei Wachstein, Eisenstadt, Band II, in allen Einzelheiten geschilderten Rechtsangelegenheit ausser dem damaligen Eisenstädter Rabbiner nur noch R. Akiba Eger und R. Schalom zu Rate gezogen wurden. - R. Schalom und seine Söhne gehörten zu den Grössten ihrer Zeit,׳ und" s° konnte denn auch sein schon erwähnter Sohn, R. Schlomoh Salman Ullmdnn, der spätere Rabbiner von Mako, den schön in seinen Jünglirigsjahren kein Geringerer als der Chatham Sofer,t^Ssbreii'tilgen Gaon" nannte, ,die Tochter des Mattersdorfer Rabbiners R, Simchah Bunam Eger-Güns vheithführeh. Mitöte&fer Verschwägerung der drei Familien Eger, Schreiber (Sofer) und Ullmann — die Verwandtschaft der Familien Eger und Schreiber sei als bekannt vorausgesetzt — schliesst sich ein dreifacher Knoten um diese Familien, an deren Repräsentanten einst bei der Besetzung des Pressburger Rabbinats gedacht wurde, und deren Nachkommenschaft noch heute im gesetzestreuen Judentum eine gewisse Führerrolle zukommt. Und dieser dreifache Knoten, dessen, am 100. Todestage unseres R. Schalom gedacht werden muss, schliesst in höherer Ordnung שלוס׳ . an דין und דין an אמת, diese ewigen Grundlagen der Welt, und hält diese Welt durch einen weiteren dreifachen Knoten,' der aus ת^עכודה ונמ׳ח knüpft ist,.^sammen. Solange, dieser Knoten in unseren Herzen Verankert und um unser Volk herum geschlungen Ist, wird das Andenken eines R. Scha- ,lorn Charif unvergessen tileiiÜen und uns iin Lichte der Thora zu neuer Blüte führen. ׳־