Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 162 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 allein hat bisher 60 Millionen Dollar ausgegeben. In1 allen Ländern werden ungefähr 200 Millionen Dollar jährlieh für jüdische Wohltätigkeitszwecke verwendet. Indem sich aber die jüdische Kehilloth und philantropischen Vereinigungen in einen interterritorialeji jüdischen Verband für soziale Hilfe vereinigen und demselben, wenn au' nur 1 bis 2 Prozent ihrer Einnahmen zuwenden, könnte ein grossartiger Fonds für allgemeine nationale! Aufgaben auf dem Oebiet der sozialen Hilfe geschaffen werden. Die jüdische Wohltätigkeit wird dadurch auf die höhere Stufe eines allgemeinen nationalen Faktors emporgehoben werden. Die vornehmste Aufgabe der zweiten jüdischen!Welthilfskonferenz wird eben die Schaffung eines solchen interterritorialen Verbandes sein, der alle jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände sowie alle jüdichen phil-• anthropischen Gesellschaften vereinigen soll. Der!Verband wird den Volksrettungsfonds verwalten, einen gewissen Prozentsatz seiner Einnahmen für fortlaufende Hilfe verwenden, in der Hauptsache aber wird er die Aufgabe haben, im Falle von Katastrophen sofort mit den grössten Mitteln einzugreifen. Der Verband wird auch im ständigen Kontakt mit den internationalen humanitären Organisationen, wie Rotes Kreuz, Intemationael Vereinigung für Kinder-« hilfe usw. stehen. Er soll de facto als die jüdische Ab•* teilung des Roten Kreuzes anerkannt werden, um in Zeiten von Verfolgungen und Unglücksfällen autoritativ auftreten zu können. * Die Wiener jüdische Kultusgemeinde und der ״Jüdische Weltverband für soziale Hilfe**. ׳Wien (J. T. A.) Auf Einladung des Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Professor Dr. Pick, fand am 1. Juni im Sitzunjgssaal der Kultusgemeinde eine Besprechung der Vertreter der Kultusgeminde und der grossen jüdischen Fürsorgeanstalten statt, bei welcher das Mitglied des Zentralrates der Jüdischen Welthilfskonferenz, Herr Dr. Marcus Krämer aus Czernowitz, die nächsten Ziele der Welthilfskonferenz entwickelte, die bekanntlich in der Schaffung eines jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe gipfeln. Der Referent teilte mit, dass die Welthilfskonferenz, welcher Organisationen aus 60 Ländern angeschlossen seien, bisher für dringende Hilfe mehr als 20 Millionen Franken ausgegeben hat. Auf das Aktienkapital der Vereinigten jüdischen Volksbank sind bereits 50.000 Pfund gezeichnet, und es sei von grosser Wichtigkeit, dass sich die Judenschaft intensiv an der Aktien- Zeichnung beteiligt. ' Nach sem Referat wurde eine ׳_ Resolution angenommen, laut welcher der Bericht des Vertreters der Exekutive der Jüdischen Welthilfskonferenz zur Kenntnis genommen und die Einberufung!der zweiten Welt-1 hilfskonferenz im August 1924 zwecks Schaffung eines Jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe begrüsst wird. Zuwahl zum Landesvorstand der deutschen Aguda. Frankfurt. (A.J.P. B.) Herr Emil Goldschmidt, langjähriges Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgesellschaft, hat sich bereit erklärt, hauptamtlich als Mitglied des Gruppenvei'bandes׳ der Agudas Jisroel für Deutschland und des Direktoriums der Palästinazentrale tätig zu sein. i t Das 50jährige Jubiläum eines Lehrvereines. Frankfurt a. M. Der Verein Mekor-Ghajim sieht am Sonntag, den 15. Juni auf in halbes Jahrhundert seins Besthens zurück. Der Verein, eine Gründung von Rabbiner S. R. Hirsch, zählt annähernd 1000 Mitglieder und entfaltet seit 50 Jahren׳ eine Lehrtätigkeit, die in Deutschland einzig diastehen dürfte. Die Verwaltung des Vereines hat ׳aus diesem Anlass eine Festschrift anfertigen׳ lassen und wird der Tag mit einer grösseren Feier begangen, die in einen akademischen Akt am Vormittag und eine gesellige Veranstaltung am Abend zerfällt. Landwirtschaftliche Ausbildung für Aulim. Frankfurt. (A. J. P. B.) Der Vertreter der Palästinazentrale der Agudas Jisroel Frankfurt, Dr. Oppenheimer, hat in Begleitung des Vertreters der schweizerisehen Palästinazentrale der Aguda, Herrn Josef Erlanger, am 20. Mai den Vertrag mit dem Direktor der landwirtschaftli'en Schule in Mezana (Schweiz);abgeschlossen. Der Vertrag, der noch der Bestätigung des Kantonalrates bedarf, ermöglicht der Agudas Jisroel die Unterbringung von 20 Aulim zwecks landwirtschaftlicher Ausbildung. Der Rakower Raw für den Keren Hathora. Wien. (A.J. P. B.) Montag, den 29. Ijar (2. Juni) traf Rabb. Kalmanowitsch in Wien ein. Er setzte seine Reise Dienstag abends fort, um im Rheinlande und in! Belgien für den Keren Hathora zu werben. , * HAbsohe Vorzimmer, sohöne Küohen (praktische Patent-Abwaschtische), gediegene Schlafzimmer, reisende M&dohenzlmmer usw., einzelne Küchen• geräte aller Art MMptzialfiM ״KßCHENFEE“ KARL KLIUBEBGER & Oo. Wien) XX. fies., Engelsplatk Nr. 6 'Nur eigene Erzeugnisse, garantiert solide Bauart. Höchste Auszeichnung (Goldene Medaille 1918). Filialen: I.« Splegelgaoso 18 VIII., Josefstädteretr. 30 XVIII., Währlngeretrasse 115 XXI״ Hauptstrasse 28 XXI , Kagru)Wegran1eretr.ll8 III. » Landstr. Hauptstr. 65 IV. , Margaretenstrasse 2 VI., StuApergasse 51 HERREN Ijr I ■I ■ MR mm MR HERREN KNABEN ■I Kl Q p D KNABEN KINDER ■llilil I# ■I R KINDER J. STERN, WIEN II. DLOCKENQASSB ES 81 TELEPHON 46-S-S9 Lager von fertigen Kleidern. Fflr Maeebeetellnngen bla zn den felneten Stoffen vorrätig. Erstklassige Zneohnelder, beste Arbeitskräfte. Auf Vermeidung von שטנץ wird gen&ueat ge&ohtet. Die holländischen Juden für Keren Hathora. Amsterdam• (A. J. P. B.) Regierungsrat Kreppei aus Wien hat sowohl hier wie in Rotterdam, Haag und Scheveningen für den Keren Hathora gesprochen. Es wurden bisher 600 Gulden gesammelt, ein Erfolg, der angesichts1 der derzeit in Holland herrschenden Wirtschaftskrise als befriedigend gelten kann. Ein rabbinischer Deputierter stimmt für eine aretiglöse Schwurformel. Warschau. (Ita.) Während der Beratung über die Rechte und Pflichten der Soldaten im Heeresausschuss des polnischen Sejm stellten die polnischen Radikalen den Antrag, dass für Religionslose eine besondere Schwurformel eingeführt wird. Der Antrag wurde abgelehnt. Es rief Sensation hervor, dass der Rabbiner-Deputierte Brodt (Misrachi) für die religiöse Formel gestimmt hat. Auf Be-, fragen erklärte der Rabbiner, er als tief religiöser Mensch sei für vollkommene Gewissensfreiheit. Er halte es aber für eine Vergewaltigung des Gewissens, wenn man einem religionslosen Menschen einen religiösen Schwur aufdrängt. Sieg des religiösen Blocks in den meisten Provinz- Städten. Warschau. (A. J. P. B.) Die Wahl zu den Gemeinden in den meisten Provinzstädten fand in der ersten Juniwoche statt• Fast bei allen Wahlen hat die Liste des vereinigten religiösen Komitees den Sieg davongetragen. Wahlsieg der Orthodoxen in Krakau. Krakau. (A. J. P. B.) In der dritten Kurie sind Senator Deutscher, Sejmdeputat Stempel, Isaak Bauminger; Chaim Freilich, Wolf Friedmann, Meier Wahl, David Landau, I. A. Wallach, Mosche Wolk und L. Bernstein׳ von der orthodoxen Liste gewählt. Sejmabgeordneter Elias Kirschbraun in Lublin. Lublin. (A. J. P. B.) Nach! Herstellung seiner Gesundheit nimmt Sejmabgeordneter Kirschbraun mit voller Kraft an der Agitationsarbeit für die Kehilohwahlen teil. Donnerstag, den 26. Ijar (29. Mai) sprach er in einer Massenversammlung in Lublin. Der Andrang war so gross, dass die Volksversammlung unter offenem Himmel ab■* gehalten wurde. Er entwickelte das Programm des religiösen Blocks. Die Resolution, für die Liste des religiösen Blocks zu stimmen, wurde einstimmig angenommen. Die Agitationsreise von Rabbi Moses Lau. Lemberg. (A. J. P. B.) Rabbi Moses Chaim Lau von Suczawa (Bukowina), der schon in früheren Jahren sich aktiv an derf Gründungsarbeiten der Aguda in Ostgalizien beteiligt hat, hat eine Agitationsreise unternommen und besonders die Organisierung von Beth Jakob- Schulen für Mädchen und die Gründung von kooperativen Genossenschaften für Erez Jisroel zu fördern. Der Suczawe!! Raw, der sowohl als Gelehrter wie als Redner einen aus-! gezeichneten Ruf hat, hat Kolomea, Stanislau, Lemberg, Stryj, Drohobycz, Lodz, Warschau, Zdunska Wola, Plotzk während seiner Reise besucht, wo er überall viel zui^ Belebung der Agudaarbeit beigetragen hat. . Tod von Frau Rabbiner Hurwitz. Kowno. (A. J.P. B.) Die Frau des Rabbiner Hurwitz in Alexota, Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel, ist verschieden. v Tod von Rabbi Chaim Lipschütz. Kowno. (A. J. P. B.) Erst jetzt ist hier bekannt ge־• worden, dass Rabbi Chaim Leb Lipschütz, Rabbiner von Wetke (Gubernia Hornel) am Tanis Esther gestorben ist. Der Verblichene, der nur ein Alter von 44 Jahren er-, reichte, hatte den Ruf eines grossen Talmudgelehrten und leitete eine Joschiwa von 50 bis 60 Schülern. Nach; der Abreise des Rabbi Borschanski aus Hornel hat er' eine Berufung als Rabbiner dorthin erhalten, der er mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nicht Folge1 leisten konnte. Zeirei Agudas Jisroel Jerusalem für den Keren Hathora. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Jugendorganisation der Aguda in Jerusalem hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, sich an den Arbeiten des Keren Hathora- Komitees aktiv zu beteiligen. Nebst Aufbringung von Summen für die einzelnen Jeschiwoth wollen sie eine Bibliothek gründen und Stipendien für hervorragende Schüler stiften. Demokratische Wahlen zu Waad Hoir Hoaschkenasi. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Neuwahlen der Leitung der unter der Führung von Rabbi Chaim Sonnenfeld und Jüdisches Weltadressbuch I Demnächst erscheint das erste jüdische Weltadresshuch, welches Adressen, die die jüdische Wielt besonders interessieren, ko s t e n 10 s auf nehmen wind. Vereine, Institute, Rabbitier usiw. jüdische Buchhändler, Verleger, Koscherrestaurants, Erzeuger und Handder vdn Koscherwaren und ritueller Bedarfsartikel mögen ihre genaue Adresse und Beschäftigung ehestens an I8aac Bonhard, Wien, II., Ybbsstrasse 22, bekanntgeben. Rabbi I. I. Diskin stehenden aschkenasischen Gemeinden werden demnächst auf demokratischer Grundlage vorgenommen. Selbst die Gegner der unabhängigen Orthodoxie in Palästina, die keine Handlung des Waad Hoiii Hoaschkenasi ohne missgünstige Kritik vor sich gehen lassen, bezeichnen dieses, Wahlsystem als gerecht und fortschrittlich. , Die ״Matwe“ Strickerei A. G. legalisiert. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die von der Agudadelegation unter der Führung der Rabbeim aus Polen gegründete Strickerei ״Matwe“ A.-G. wurde nun von der Regierung legalisirt. Poale Agudas Jisroel im {Heilste der Aulim. Jerusalem. (A. J. P. B.) Mit dem wachsenden Strom der Immigration nach Erez Isrol kommen immer mehr Aulim nach Erez Jisroel, denen das Bureau der Agudas) Jisroel, besonders aber die rührige Gruppe der erst jüngst' organisierten Poale Emunei Jisroel hilfreich zur Seite steht. Die palästinensischen Handwerker und die zionistische Exekutive. Jerusalem. (Ita.) Eine kürzlich in Tel-Awiw abgehaltene Handwerkerkonferenz nahm, eine Protestresolution gegen die. palästinensische zionistische Exekutive wegen ihrer Haltung gegenüber den Forderungen der Handwerker an. Es wird in dem Beschlüsse angekündigt, dass, wenn die palästinensische zionistische Exekutive die Forderungen der Handwerkerkonferenz nicht bis zum׳ 5. Juni erfüllt, Protestdemonstrationen in Jaffa und Jerusalem stattfinden würden. Man •will ferner Protestschreiben an den Präsidenten der zionistischen Organisation und atf die ganze zionistische Welt schicken. Rumänien. Das Schwurgericht in Galatz hat vor einigen Tagen das Urteil zu dem Pressprozess gefällt, den der berüchtigte Antisemitenführer Zelea Codreaun gegen den׳ jüdischen Puplizisten Horia Carp angestrengt hat, weil dieser ihn in ״Curinrul Israelit“ wiegen seinen antisemitischen Treibereien angegriffen hatte. Die Verteidiger des Angeklagten legten ärztliche Zeugnisse vor, dass dieser krank sei und bei der Verhandlung nicht erscheinen könne und baten demzufolge die Verhandlung zu verschieben. Das Schwurgerioht gab dem nicht Folge und verurteilte den Angeklagten in seiner Abwesenheit zu 6 Monaten׳ Gefängnis, 2000 Lei Geldstrafe und 100.000 Lei ״Schadenersatz“. Die Verteidiger appellierten. In Marosvasärhely stürzte dieser Tage eine Dienstmagd auf die Strasse mit de,m Rufe: ״Hilfe!“ Die Juden wollen mich ermorden! Gleich umringte eine grosse Menge die Magd, die dann erzählte, dass ihr Dienstgeber sie in einen Keller gelockt habe und dort ihr Blut nehmen wollte. Sie wurde zur Polizei geführt, wo sich dann selbstverstündlich erwies, dass die ganze Geschichte erlogen sei. Gewissenlose Elemente haben die Magd aufgehetzt, um Ausschreitungen gegen׳ die Juden anzustiften. Die Untersuc'hung wurde eingeleitet. Die Universität in Klausenburg hat nur wenig jüdisehe Hörer, trotzdem es in Rumänien einen Numerus Clausus nicht gibt. Es ist dies dem Umstande zuzuschreiben, dass die jüdischen Universitätshörer den׳ Misshandlungen ihrer antisemitischen Kollegen ausgesetz: sind. Einige Hörer der medizinischen Fakultät sind vergangener Woche wieder misshandelt worden. Auf diesem Wege will man es erreichen, die Universität gänzlich judenrein zu machen. ln Angelegenheit der Misshandlung jüdischer Passagiere seitens unreifer Elemente, über welche auch ausländische Zeitungen berichtet haben, hat die rumänische Regierung die Untersuchung eingeleitet. S. L. 000 Bücher 000 כממלכת כוזר היהודית, רומן הסטורי מאת ש. שחנוביטץ תרגם של ציטרין. Seitdem Samson Raphaie Hirsch S. A. im achtzehnten seiner ״Neunzehn Briefe“ darauf hinwies, dass unter den׳ geistigen Forschern, die rein im Judentum stehen und aus ihm selber es geistig aufbauten, vor allem der ״Verfasser des Kusari und der Sohn des Nachman hervorglänzen“ ist zwar der Kusani in der bekannten Casselsohen Uebersetzung erschienen und vor kurzem neu aufgelegt worden; aber die Kenntnis dessen, was Rabbi Jehuda Halevi seinem Volke zu sagen hat, ist bedauerlicheriweise in Westeuropa wenig verbreitet. Der Kusari teilt dieses Schicksal mit den meisten unserer religiös philosophischen Schriften, die bei der Mentalität der westeuropäischen Juden niemals Gemeingut der Masse werden können; wenn nicht feinfühligen Interpreten es gelingt, die Goldbarren aus den Schatzkammern unserer Grossen in Scheidemünze umzusetizten. 'Dem Kusari ist ein solcher Interpret in Schachnowitz entstanden; der in seinem Roman ״Im Judenstaat der Chazaren“ (vor einigen׳ Jahren im Verlag des ״Israelit“ erschienen) einen Rahmen und die Gedankenwelt Jehuda Halevifl geschaffen hat, welcher dem Leser unbewusst allmählich Verständnis für die Gedankengänge des grossen Religionsphilosophen bringt. Die spannende Schilderung des Chazarenvolkes mit seinen! Brautausstattungen Billigste Einkaüfsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer £&׳ gries), Telephon 65-3-71