Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Seite 163 Sn der jüdischen Geschichte einzig dastehenden Ergriffenwerden von der Wahrheit des Gotteswortes, wird ln einer Lebendigkeit und Anschaulichkeit hier geschildert, die den kundigen Historiker gepaart mit Meisterschaft der Erzählungskunst verraten. Dieses Werk ist nun von dem rührigen! Omonuthvertage zum 50. Geburtstag des Autors tos Hebräische übersetztworden. Der Uebersetzer L. Zitron, versteht es, trotz der präzisen Wiedergabe in einem farbenreichen und schwungvollem Hebräisch die Eigenheit des Originals wiiederzugetben. Unsere jüdische Belletristik ist arm an neueren Erscheinungen, deren Lektüre für die heranreifende gesetzestreue Jugend geeignet ist. Noch ärmer aber ist die neuheräische Literatur an Werken, die nicht!nur unbedenklich dier Jugend in die Hände gelegt werden können, sondern auch dazu geeignet sind, auf dom Wege der Anregung des Gemütes mit der heiligen Sprache gleichzeitig den Geist und die Gesinnung zu vermitteln, die allein das Recht geben, sich des Gefässes dar hebräischen Sprache zu bedienen. Hier füllt das neu erschienene Werk in dier Tat eine Lücke aus, die sich ganz besonders in den Jugendgruppen׳ der Agudas Jisroel bemerkbar macht. Wir wünschen, dass dem Werke beschieden sei, als Wegweiser für die Kenntnisse der hebräischen Sprache und darüber hinaus zur Einführung in die Gedankenwelt des ״Kusari“ weiteste Verbreitung zu finden. E. Hilferuf der jüdischen Blinden! Die trostlose Lage, in der sich die jüdischen Blinden irn Wien befinden, veranlasst die Verednslieiitung, an die ganze jüdische Oeffentliohkeit des In- und Auslandes nachstehenden Appell zu richten. Der Hilfsverein der jüdischen Blinden, der seit seinem Bestände bestrebt ist, das schwere Los seiner Mitglieder zu erleichtern, ist infolge der grossen Not und des Zuwachses an Kriegsblinden, ausserstartde, auch nur dien ,geringsten Anforderungen gerecht zu werden. Der Verein besteht teils aus Kriegs- und Spätererblindeten, teils aus selbständigen Bürstenbindern und! Korbflechtern, die sohiwer um ihre Existenz kämpfen müssen, und teils aus arbeitsunfähigen Kranken. Besonders gross ist die Not der blinden Familienväter. Der weitaus grösste Teil sind Ausfänder, die von keiner öffentlichen Einrichtung unterstützt werden und ausschliesslich auf die private Fürsorge angewiesen sind. Um diesem furchtbaren Elend wirksam entgegenzutreten, ist der Verein bestrebt, eine systematische, produktüve (Fürsorge durcbzuführen, die Späterblindeten neuen Berufen! zuzuführen, eine Kreditkassa für blinde Gewerbetreibende zu errichten, Einzekristenzen zu fördern und ein Blindenledigenheim zu gründen. Wir glauben, dass es 1Pflicht der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit wäre, dem tragischen Bilde, welches sich uns täglich darbietet, Blinde mit dem Stocke tastend und um Almosen bittend, ein Ende zu machen. Unser Wunsch ist es, alle Fürsorgebedürftigen ausschliesslich von unserer Institution aus zu erhalten. Um alle diese Ziele zu verwirklichen, sind ansehnliche Geldmittel notwendig. Wir dürfen wohl anmehmen, dass unser Hilferuf an die jüdische Geffenitlichkeit nicht vergebens war und dass sich genug!hochherzige Menschen finden werden, den Unglücklichsten aller Unglücklichen zu helfen.!Wir bitten, sioh als unterstützende Mitglieder in der Vereinskanzlei, IX., Berggasse 7, anzumelden. Spenden!, mögen sie noch so klein sein, sind auf unser Postspar* kassenkonto 1331313 eimzuzablen. Wir bitten, sich unserer blinden Sprachlehrer und Klavierstimmer zu bedienen, deren Adressen in der Vereinskanzlbi zu erfragen sind. Für das Blindenmädchenheim, II., Darwingasise 5, bitten ׳wir um Beschäftigung in Form von weiblichen Handarbeiten. ,Spenden von abgelegten Kleidern für unsere bedürftigen Mitglieder werden dankend angenommen. An die Jugend richten wir die Bitte, sioh als Vorleser freiwillig zu melden. Kalendarium. Tag Siwan Juni Eiruwin Sonntag 13. 15. 61. Montag 14. 16. 62. Dienstag li. 17. 63. Mittwoch 16. 18. 64. Donnerstag 17. 19. 65. Freitag 18. 20. 66. Samstag 19. 21. 67. Adas Jisroel (Schiffschul). Gebetstunden in der Zeit vom 11. bis 18. Siwan 6684. Freitag, den 11. Siwan 7.30;קבלת שבת נשא 'D שבת Morgengebet: 6.15 und 8.30, Minchah : 12.15. Um 3.30 Vortrag von פרקי אבות anschliessend Minchah מוצאי 8.50 ,ש״ק. An Wochentagen, Morgengebet: 6.15 und 6.00, Minchah: 7.30, Freitag den 18. Siwan 30•7 :קבלת שבת Uhr. Ztirej Agudfcs Jisroel Samstag, den 12. Siwan, 5 Uhr nachmittags, findet im Lokale XX., Bäuerlegasse 20, ein V 0 r t r a g Sr. Ehrw. Herrn Rabbiners Dr. Bondy-Mainz statt ft iMTtni» Rvmerol d«*1 feinsten fttmunfett Kuaeroi ד Spezial esies srreichbares PFtat\2-enfel t. BacKet Bratet Kochet erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S, B. Ehrenfeld• Hattendorf 000 Konkurse. 000 Bei der hiesigen Synagogengemeinde ist die Stelle eines שרב מומחה וירא שטים לרבים gegen hohes Gehalt sofort zu besetzen. Bewerber, welche קבלות von גלולי הדור besitzen, mögen Abschriften sowie Angaben über Familienverhältnisse sofort einsenden. Vorstand der Synagogengemeinde Köln, Roonstrasse 50. ln X 0 11 a (i. Komärno) ist die Stelle eines שוחט ובורק ובעל קורא ובעל תפלהzu besetzen. Der שריב mus* auch unbedingt ״ מנקרein und gute כתבים TOn anerkannten orth. Rabbinern besitzen. Offerte mit Ad gäbe des Familienstandes und Gehaltsansprüchen sind an den Vorstand zu richten. Adresse: Julius Feigenbaum, Kolta, i. Komämo. 00000000 TSCHECHO-SLOWAKEI. 00000000 Die orthodoxe Expositur für Karpathorussland. Bei ׳der vorige Woohe in Ungvar stattgefun'denen Tagung der orthodoxen Repräsentanz für Karpathorustsland wunde Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Josef Körnitz er in Sevljus (Nagyszöllös) zum Leiter der Expositur gewählt. Im ganzen Lande wind diese Wahl mit grosser Freude begrüsst. שבעות-Nacht in Bratislava. Die erste Nacht von שבעות ,wurde in Bratislava — wie üblich — von der Aguda-Jugendgruppe gemeinsam beim Lernen durchwacht. Zahlreiche angesehene Baalebatim nahmen daran teil. Herr Oberrabbiner Hirschler, Dr. Ehren treu u. a. hielten zündende Reden. Für Erfrischungen h׳at die Generosität der Herren Feigenfbaum, Pappenheim, Rosenbaum, Kaufmann u. a. reichlich gesorgt. ״Jüdische Partei״ in Nltra. Die Einberufung einer Tagung der ״Jüdischen Partei“ durch den ״Volksverband“, der sich ohne jede Ermäditi- •gung zur ״Exekutive“ oder zum ״Zentralwahlkamitee“ der ״Jüdischen Partei“ deklariert, hat auch bei uns eine gewisse Erregung hervorgerufen. Die verschiedenen jüdischen Parteien gingen während der Kommunal- und Ga-u!wahl solidarisch vor und es schien, dass es gelingen werde, sowohl die Orthodoxen als auch die Zionisten für die Dauer •zu einem gemeinsamen Auftreten zu vereinen zumindest in den Fragen, in denen es zwischen, den hiesigen Orthodoxen und Zionisten wesentliche prinzipielle Differenzen nicht gibt. Es muss auch anerkannt werden, dass besonders der gemeinsame Listenführer Doktor B e r 6 n y i, für seine Person ein organisierter Zionist, diese Hoffnung dadurch genährt hat, dass er vor der Wahl das von der orthodoxen Kanzlei aufgestellte Programm sioh zu eigen machte und sioh darauf verpflichtete. Die Einberufung des Delegiertentages nach Poprod überraschte uns umsomehr, als wir erfuhren, dass der orthodoxe Teil der Partei an der Einberufung nioht heteiligt ist und davon nichteinmal in Kenntnis gesetzt wurde. Ausserdem deuteten die heftigen und gehässigen Angriffe der zionistischen Zeitungen gegen die Orthodoxie, die in jüngster Zeit Jedes bisherige Mass überstiegen, darauf hin, dass von den Zionisten wieder einmal ein Feldzug gegen die Thorat t e u e n in Vorbereitung ist und somit der Zeitpunkt zu einer harmonischen, politischen׳ Arbeit dieser beiden einander entgegengesetzten Riehtungen am wenigsten geeignet erscheint. Es war uns sofort Mar, dass mit der Tagung in Poprad nicht die gemeinsame ״Jüdische Parte l“, dessen offizielles Programm — wie es vor den Wahlen bekamitgegeben wurde — mehr den allgemein jüdischen, als den speziellen zionistischen und nationalistischen Wünschen entspricht, sondern den zionistischen die Orthodoxie stets bekämpfenden ״VoUcsverband“ zu stärken berufen ist. Wir haben deswegen den Versuch gemacht, die beiden Faktoren- und Günder der ״Jüdischen Partei“ noch in letzter Stunde zu einigen und nagten soweit die Zionismen, als auch die orth. Landeskanzlei brieflich an, auf welcher Grundlage eine wirksame gemeinsame Arbeit der ״Jüdisehen Partei“ möglich wäre. Am 5. d. M. fand nun eine Sitzung der hiesiger.• Exekutive der ״Jüdischen Partei“ zur Entgegennahme der inzwischen angelangten Antworten und zur weiteren Beratung über die Beschickung der Poprader Tagung statt. Den Vorsitz führte Dr. Berönyi und als Sekretär fungierte der Sekretär der zionistischen Ortsgruppe Dr. Roth. Bei der Verlesung der beiden Antwortschreiben durch diesen Dr. Roth zeigte sich die ״ehrliche“ Taktik de!r Zionisten ln ihrer vollen Deutlichkeit. Der Herr Sekretär sohluckte nämlich den Brief der orth. Landeskanzlei wie eine bittere Pille hinunter; man musste sehr schade Obren haben, um überhaupt zu erfahren, was in dem Briefe darinen steht. Der drei Seiten׳ langen, von Beschimpfungen und unrichtigen Behauptungen gegen die Orthodoxie strotzenden Brief der Zionisten hingegen verlas er feierlich, mit lauter Stimme, jeden zionistisch-tendenziösen Satz fein pointierend. Die Quintessenz der ganzen, aus den zionistischen Zeitungen längst bekannten Litanei war, dass der orth. Kanzlei als jüdische Vertretung jede Bedeutung abgesprochen wird und dass einzig und allein der Volksverband eine legale Vertretung des Gesamtjudentums in der Slowakei bilde, wie es die Wahlen in PodkarpatskoiRuss betwiesen haben, wo sioh die streng orthodoxen Massen angeblich als Anhänger des Z i 0 n i smus bekannt haben sollen usw. Herr Simon Her!zl legte sodann in wenigen Worten im Namen der konservativen Fraktion schärfste Verwahrung gegen die Taktik der Zionisten ein und erklärte die Einberufung der Poprader Tagung durch den ״Volksverband“ als illegal. Selbstverständlich kaum er auch nicht als Tagung der beiden Fraktionen der ״Jüdischen Partei“ anerkannt und beschickt werden. Die Zionisten bemühen sich, den Redner duroh Zwischenrufe zu stören und das Gewicht seines Protestes abzuschwächen, was ihnen nur bei denen gelang, die ohnehin nicht gewöhnt sind, von dem Vorhamdensedm der Orthodoxie Notiz zu nehmen. Eine harte Nuss zu knacken gab ihnen sodann einer der ihrigen, der Misrachist Herr David K 0 h n, mit der Frage, wie es komme, dass die auf nichtnationalistisoher, vielmehr ausschliesslich auf wirtschaftlicher Basis gegründete ״Jüdische Partei“ naoh so kurzem Bestände schon vor dem Zusammenbruche steht. Er konstatiert, dass in dem Briefe des Volkswerbandes aut Anrempelungen der Orthodoxie, keineswegs aber eine Antwort auf diese zumeist interessierende Frage enthalten; ist. Der Vorsitzende Herr Dr. B er 611 yd versucht den Interpellanten mit einigen Veriegenhed-tsausreden zu beruhigen, gibt aber selbst zu, dass die Antwort des Volksverbandes unrichtig ist. Demgegenüber weist Herr Lippmann Kohm gerade aus der Antwort de» (Volksverbandes die Gründe für den drohende«! 2h1sam!men!bruch der ״Jüdischen Partei“ nach. Der Brief!erwänhit nämlich von den drei Punkten des Programme«, die die Basis des Zusammenwirkens der Orthodoxie mit den Zionisten bei den Kommunalwablen bildeten, nur ׳zwei. Der dritte Punkt des programmatischen Uebereinkommens jedoch, wonach die ״Jüdische Partei“ nur auf wirtschaftlicher Grundlage unter Ausschluss jeder nationalistischer Politik, also unter ׳absoluter Ausschaltung jeder zloni stischea T e ם d 1e n z zu arbeiten hat, wird verleugn et. Jedermann weiss, dass ein orthodoxer Jude, wenn er weis# was er tut, unmöglich die zionistischen Tendenzen unterstützen könne. Dieser Punkt war also der wesentlichste in dem Pakt mit der orthodoxen Landeskanzlei. Wenn die Zionisten jetzt bestrebt sind, diesen Punkt aus der Welt zu schaffen und die ״Jüdische Partei“ in ihr Umgekehrtes m verwandeln, so könne man sich nicht wundern, wen» die Orthodoxie sich zur Wehr setzt. Dieses Bestreben des Volksverbandes miniert die ״Jüdische Partei“. Das geht aus dem Briefe des Volksverbandes selbst als Antwort auf die Frage des Herrn David Kohn hervor. Herr L. Kohn gibt hierauf nochmals den Protest der konservative* Mitglieder der ״Jüdischen Partei“ gegen die illegale Tagung in Poprod zu Protokoll und lehnt die Beteiligung an ihr ab. Nach einigen Zwiereden ernennen die Zionisten, ohne die Proteste der Konservativen zu beachten, ihren Gesinnungsgenossen Herrn Schick zum׳ Dlegierten. —■ Vor der nächsten Wahl werden die Zionisten 1« Nitra wieder anders reden. Die Orthodoxen aber werden diesmal ein besseres Gedächtnis haben. Vortrag. Am zweiten! Tag ירם hielt Her Rabb. Herzl i» Bratislava in der Jugendgruppe einen beifällig aufgenommenen Vortrag über קבל תהחורה. Bickur Cholim-Vereln Kosice, Am 11. Mai fand die Generalversammlung unsere» Vereines statt. Dem Tätigkeitsberichte war edn gedeihhoher Fortschritt in der Tätigkeit des Vereines zu entnehmen. Auch die finanzielle Lage bat sich während de» Berichtsjahres gebessert, wenn auch Immer noch konstatiert werden musste, dass die Pravinzgemeinden nur in äusserst geringem Masse zur Erhaltung des Vereines beitragen^ während mehr als 90 Prozent der vom Verein 1« den Spitälern mit Koschesr-Kost versehenen Kranken aus der Provinz stammen.!Der Bericht wurde zustimmend rar Kenntnis genommen. Hierauf wurden die Herren Ernö Weisz (Obmann), Viktor Stern (Ohm^Stellv.), David Burger (Leiter), Mor Gatt manu (Kassler) und Jakob F e h 6 r (Kontrollor), in das Präsidium gewählt.