Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Entweder man stellt das Interesse des Volkes an die oberste Spitze — oder man behütet so lange Parteiprestige und Parteikram, bis man jedwedes Interesse beim Volke selbst vollständig verloren hat. Dies für die Gegner der selbständigen Orthodoxie. II. Die Kenessio Gedaulo war seit Jahrtausenden einer der gewaltigsten Demonstrationen jüdischer Gesetzes-, Glaubens- und Geasfestreue. Dies kann nicht genügend oft wiederholt werden. Besonders für alle jenen, die der Meinung s!:nd, mit der usuellen Abgabe an Geld, üire Pflicht erfüllt zu haben. So gross die Kenessio Gedaulo war, so gross ist die Pflicht aller derjenigen, düe sich Mitglieder dieser grandiosen Bewegung nennen; sie ׳zu erfüllen, heisst Opfer jeder Art — Geld, persönliche Energien, Nervenkraft — opfern. Wer im schweren Lebenskampf keine Kraft für das heilrge Werk der Verteidigung der Thora, den Blüten der Thora'lehre, dem Aufbau des heiligen Landes aufbringen kann, der muss Zurückbleiben. Es gilt einen schweren Kampf mit den täglichen, kleinen, aber verderblichen Hindernissen. Die Kenessio Gedaulo hat ihre Veranstalter durch ihre Dimensionen überrascht. Wer aber diesen Schritt mitgemach't hat, muss weitergehen mit der Anspannung aller Kräfte, «mit der Zähigkeit potfehtierfester Energien. Entweder mitgehen — oder Zurückbleiben. Das Marschtempo durch Kräftemangel verlangsamen, bedeutet einen grossen Schaden. Entweder — oder .... Dies für alle, im Lager der zum selbständigen Leben erwachten jüdischen Orthodoxie. III. An anderer Stelle,׳ im Brief aus Jerusalem, sind die erlösenden Worte zu lesen: ״. . . . Unsere einzige Hoffnung ist ein neuer Strom orthodoxer Ein- Wanderer, der die Zahl der Unreligiösen übersteigt und ihre Taten majorisieren wird. So blickt das Judentum in Erez Jisroel mH grösster Spannung auf die Arbeit der religiösen Elemente . . . .“ Sind sich alle diejenigen, die diese Worte lesen, der Bedeutung dieser Forderung bewusst? Was die anderen in 50 Jahren getan, muss jetzt in 10, vielleicht nur in 5 Jahren geschehen. Wenn Pie alten jüdischen jSfiejjtis im Burgenland. Durch die Anbiederung des Burgenlandes an Oesterreich hat auch das jüdische Leben in Oesterreich Bereicherung erfahren. Die historischen •v, ״Sieben Gemeinden“ führten an der Peripherie Altuflgarns ein bescheidenes, von der grossen jüdisehen ׳Oefientlichikeit kaum bemerktes Dasetn. Durch die Angliederung an Oesterreich sind sie r stärker in den Blickpunkt des Interesses gerückt und ׳bilden heute durch die historischen!Schätze autd durch •die keritjüdischen InstWutionen, dfe Sie beherbergen, viel des Reizvollen und Beachten«־ wirten;fäT all jene, die für das ׳altjüdische Leben Sinn und •Verständnis haben. Herr ׳Leo Schallt, der Korrespondent eines der grössten amerikanisch- ׳jüdischen Blätter, des New Y0rket ״Morn 1 mg Journal“, hat!jüngst einige der ״Sieben Gemeinden“ besucht und über seine Eindrücke ׳ einen fesselndem, mit vielen photographisefieri׳ Aufnahmen geschmückten Bericht seiner Zeitung ge- Sättdf, dem wir die nachstehenden Stellen ent*■ nehmen: Der hauptsächlichste Zweck meiner Reise war, die jüdischen ÖömeindeVi im Bürgtehläftd 5kleinen zu lernen, die zu .(jen ältesten in' Europa zählet. Dv6 interessantesten dieser Gemeinden befinden sich ift Eisensto׳<ft und JVjattersdotf» die ich zuerst aufsuÖhto. Ich hatte beabsichtigt, auch Kitse, Kijtöferädöfrf, Ladkenbach, Deutschkreuz und Frauenkirchen zü hesuchen, doch ist die Bahnverbindung nach diesen Ortschaften ׳so schlecht, dass ich meinen Plan leider aufgeben musste• Aber was ich in ETsefistädt und Mattersdorf sehen durfte, hat meinen Wissensdrang vollauf befriedigt. Ich konnte mich anlässlich des ׳■&■*>*׳-« «יי־ ״ *־■» ־- ׳- -— :■־- ״י•*• - <■■■■■ Von Oer Bumlesregterung feefciUigto Zur Mhjahrstalson empfiehlt die Firma Weldler & Fürst Wien, II., HollancUtrasse 16 (Ecke KleiiS S^erlgane)!•ווו•!• Harraitfcardaroban nach Mau aui ihren eigenen feinsten und au■ mitgeforachten Stoffen. es längerer Zeit bedarf, wird der Kampf um die Heilighaltung des Landes״ verloren sein! So tönt auoh aus den Worten des Jerusalemer Briefsdireibers die Forderung nach Entscheidung hervor. Entweder — oder .... Die heilige Kawanah aller Gesetzestreuen zur Thora und zum Land lässt für keinen Augenblick Zweifel darüber entstehen, wie die Entscheidung ausfallen wird. Brief aus Jerusalem. Von unserem Korrespondenten. Die grosse Mühe und Arbeit, die das orthodoxe Judentum in Erez Jisroel im Kampfe gegen den öffentliehen Chilul Schabbos geleistet hat, die Proteste gegen die schändlichen Taten derjenigen, die das nationale jüdische Heim aufzubauen behaupten — hat leider nicht die gewünschten Resultate gebracht. Und leider verbreitet sich diese Chilul Schabbos-Epidemie im ganzen Lande. Wir bringen im nachfolgenden einige Tatsachen der Sabbatentweihung durch eine Reihe von Institutionen, diel שייטעלן פעריקען Ml« fln«mOrlfV 11. Tramformaflonen in feinster u. modernster Ausführung 1 DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERQNDULATjON nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Ais besondere Spezialität: SCHfelTBLtl AUF HAUT golrheliKh!Änzllch u«1kenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen Werden übermodern frisiert noTämen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste* Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektion Christian Kret^zmaier, Friseur Wien, 2. 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Das hebräische Seminar, das die Lehrer des künftigen Geschlechtes erzieht, macht einen Ausflug nach Ajin Gadi und der Sabbat wird wieder entweiht. Der Chilul Schabbos hat solche Dimensionen angenommen, dass den verschiedenen Kindergruppen, wie Scout boys usw., auch Zöglinge der vielen Talmud Thoras angehören, die ebenso wie die anderen alle den Chilul Schabbos begehen. t So sieht der Skandal der Sabbatentweihung in Jeru־ salem aus, und die Orthodoxie begnügt sich mit blossen Seufzern ... ו . Unsere einzige Hoffnung beruht auf dem starken Zustrom orthodoxer Einwanderer, deren Zahl die Anzahl der areligiösen übersteigen und deren Taten majorisieren soll. Deshalb blickt die Orthodoxie des heiligen Landes mit grösster Spannung auf die Jischuvarbeit der religiösen Elemente. Der Strikower Rebbe, der seit einigen Wochen im Lande weilt, besuchte zuletzt Tiberias, wo er zirka drei Wochen zu verbleiben gedenkt. Der Strikower leitet jetzt eine grössere Bodenkaufsaktion. Es werden 2000 Dunam Boden bei Tiberias angekauft Die Verhandlungen stehen vor dem Abschluss. Eine Gruppe von 50 Personen aus der Anhängerschaft des Strikower werden in den nächsten Tagen erwartet und werden sich auf dem gekauften Boden festsetzen. Ferner wurden durch den Strikower Rabben 120 Talmude Chachonim mit Geldmitteln pnterstützt. Während des Aufenthaltes des Baron Rothschild in Kairo sprach unter anderem auch eine Delegation palästinensischer Kolonisten vor. Nach der Begrüssung seitens der Delegation richtete Baron Rothschild eine kurze Ansprache an die Delegation, in deren Verlauf Baron Rothschild sein Bedauern ausdrückte, dass das religiöse Gefühl bei den jüdischen Kolonisten abgestumpft ist. Nur das religiöse Gefühl ist imstande, das ganze Volk zu vereinigen und viel am Aufbau des heiligen Landes mitzuhelfen. Als Antwort auf den Besuch Rabbi Sonnenfelds und Rab. Jakob Meirs beim König Hussein besuchte eine Delegation die erwähnten Herren und sprach im Namen des Königs den Dank für den Besuch atis. Wie wir bereits mitgeteilt haben, haben die Ausgrabungsarbeiten der ״jüdischen archeologischen Gesellschaft“ beim Grabe Sauls einen Entrüstüngssturm unter! den orthodoxen Juden hervorgerufen. Dank der Jntervention Oberrabiners Sonnenfekis bei Sir Herbert Samuel wurde angeordnet, dass bei den Gräbern eine Wache aufgestellt wurde, so dass die Gräber von den Ausgrabungsarbeiten nicht berührt werden. Jeruschalmi. Besncftes *(fieser Gemeihdert überzeugen, dass der altjüdische Geist überall rein und ungetrübt erhalten bleiben kann und däsi die Grundstützen der jüdischen Gemeinschaft überall festbleiben können. In Eisenstädt und Mattersdorf, die ,man von Wien aus in zwei bis drei Bahnstunden erreichen kann, befinden sich düssergewöhnlich interessante jüdische Sehenswürdigkeiten. Die jüdische Bevölkerung des Burgenlandes ftt ja sehr alt Schon im 17. Jahrhundert Haben die dortigen Juden vöm ungarisehen Grafen Esterhazy spezielle Privilegien ,erhalten, doch reichen die Anfänge der jüdischen Besiedlung noch viel weiter zurück, indem viele Juden, die aus Oesterreich vertrieben Wurden, sich in dem heutigen Öurgeriland festSetzteh. Die neuen Ankömmlihge haben hier Heimatsrecht und' Baugründe erhaften, auf denen sie ' ihre Wohnungen errichten konnten. ׳So entständen sieben Gemeinden, die im Laufe der Zelt!durch gemeinsames Schicksal eng miteinander verknüpft wurden• Die Gemeinden erhielten aiieh eine pöütisbhe Autonomie, deren Reste heute noch in Eisenstadt vorhanden sind. Eisenstadt macht tiefen’ Eindruck durch die zahlreichen historischen Denkmäler, die in der Judenstadt enthalten sind. Wenn maii im Ghetto, das 300 Jahre alt ist, spaziert, hat man das Gefühl, durchs Traumland zu wandern, und es befiel ׳mich ein gar seltsames Gefühl 'sinfter Melancholie, als ich die alten jüdischen ftähser betrachtete! Die Häuser sind nett und sauber, und trotz aller Klagen, die man zu hören bekömmt, hat man den Eindruck, dass die heutigen Sohne des Ghettos besser leben als ihre Vorfahren. Der interessanteste Teil des Ghettos ist die ״passe“. Am Rüst- . 1■ '*-ftr.i־ I111־ t. I ר |'i 11־ I I יו.— Üä’'£hiitwaiiefc, Lthmidcheu and Aiteljterlnaen 1ן• Nr. 7 Tal ephoa Nr. tage des Sabbats wird die ״Gasse“ abgechlossen, um die Störung der Sabbatruhe zu vermeiden, u׳nd so bleibt es bis zum Ausgange des Sabbats. An dem einen Ende der ״Gasse“ geschieht dies durch eine schwere Kette, auf der anderen durch ein festes Tor. In diesem Stadtteil, in dem die Juden in der Majorität sind, haben sie auoh die Verwaltung der Stadt inne. In!Eisenstädt hat einst der berühmte Samson Wertheimer geiebt, der nicht nur Hoffäktor des Kaisers Leopold •I., sondern auch ein berühmter Gelehrter war• Sein Haus und seine Synagoge sind noch heute unversehrt erhalten. Wertheimer war es auch, der nach Eisenstadt den berühmten Rabbiner Meier Eisenstadt brachte. Viele :berühmte Gelehrte, unter ihnen auch Rabbi Akiba Eger, der in Eisenstädt das Licht der Welt erblickte, sichern dieser Stadt eMen Ehrenplatz in •der jüdischen Geschichte. Die Syhagöge, die im Jahre 1912 erbaut worden ist, ist reich an historischen Schätzen. Ihr gegenüber liegen einige Stiftüngshäüser, in denen die jüdische Schule untergebracht Ist. Tn dem rückwärtifefeh Tei} eiiii&Ör dieser alten Ghettobauten erheben sich aber• modfetne Fabriken, so die Lederfabrik des jüdischen Bürgermeisters und derzeitigen Gehreindebtä si den ten Emil Spitzer. Eine der grössten Sehenswürdigkeiten in Eisenstädt ist d׳a!s Museum im Hause des grossen jüdichen WeinhähcUers Sandor Wolf, der für die Er- Haltung des historischen Charakters der Judenstadt auch sonst viel geleistet hat. Seine Samniüngen beTgen historische Wette ersten Ranges. Sandör Wolf, der feinen künstlerischen Geschmack mit literarischen Neigungen verbindet, ist es zu danken, dass der Bibliothekar der Wiener Kultusgemeinde» Dr. Wach- . ..... :-u-i-1 ■ ■ a--Ui_ {yesanittrefter lod Millionen Krone» Üajipttrefffer 1*0, 60, $5, *o und xo Millionen Kronen and tausend ao^ere Treffer Ule 1. a. Buk•■ 1h Tranken erhält llohl Wiedarverkiaför geauoWt