Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Seite 121 JÜDISCHE PRESSE ©1 NACHRICHTEN. |®| Onttmicb. Fünf Jahre Jugendgruppe der Agudaa Jisroel. Am ersten Tage Chol Hamoed jährte sich zum fünften Male der Tag, an dem in Beth Hamidrasch Thora Ez chajim nach einer stürmischen Versammlung die orthodoxe Jugendgruppe gegründet wurde. Fünf Jahre sind keine lange Zeit. Für das Leben der jüdischen Orthodoxie aber bedeuten diese Jahre Vieles und Grosses. Denn nicht nur das orthodoxe Leben, sondern auch das gesamte jüdische Leben unserer Stadt hat den frischen Pulsschlag verspürt, der von dieser ׳mächtig aufstrebenden Bewegung ausging, und wie uns bedünkt, nioht zum Schaden der gesamten jüdischen Sache. Es war nach dem Kriege. Die um ihr bestes Alter beraubte Jugend strömte von blutigen Schlachtfeldem heim, um sich ihrer Friedensarbeit zu widmen. und sich in das gesellschaftliche Leiben neu eineufügen. Was den anderen fast unmöglich war, hatte die orthodoxe Jugend bald gefunden. Sie hatte sich ein Ziel gesteckt und Mittel gefunden, es zu rreichen. Jude sein im alten Sinne, war das Ziel, Thora lernen und Mizwoth üben, waren die heiligen Mittel. Alle, alle, die diesem Ziele, unbewusst oder bewusst, zustrebten, stiessen zur Jugendgruppe, die alsbald das geistige und in der Folge auch ■räumliche Zentrum der orthodoxen jüdischen Jugendbewegung Wiens wurde. Gönner und Führer, die der Jugendgruppe in unermüdlicher Hingabe zur Seite standen, vereint mit einer zielbewussten Leitung, brachten die Jugendgruppe auf jenes geistige und materielle Niveau, das ihr die Achtung aller am Aufblühen des jüdischen Lebens in Wien interessierten Kreise sicherte. Viele Widerwärtigkeiten sind auf diesem Wege der Jugendgruppe bereitet worden, aber alle wurden durch den eisernen Willen und durch das ernste Streben einer für Thoraideale begeisterten Jugend mit Leichtigkeit überwunden. Jeder Neuhmzukommende wurde selbständiger Träger der Idee. Viele sind auch abgefallen. Wenn dies mit Bedauern konstatiert wird, so ist dagegen mit Freude festzustellen, dass die Lücke immer ausgefüllt־ wurde. Die Jugendgruppe der Agudas Jisroel ist nicht nur numerisch, sondern auch moralisch gewachsen und auch heute im Wachsen begriffen. Die Jugendgruppe repräsentiert nicht nur den absolut grössten Teil der gesetzestreuen jüdischen Jugend Wiens, sie repräsentiert —und das ist unbestritten — auch den besten und zu schönsten Hoffnungen be* rechtsten Teil der jüdischen Jugend in Wien. w!1mmwmtw!mm1ft!»mwm1ww»mw»nmmw1mfwwrg Hftbaokt Voxxlmmer, •ohAn© Kfioben (praktiiche Patent-AbwMchtische), (idlfgflB• leb!afsimmer, reisend• Hddohonsimmor usw., einzelne Küchengeräte a$ler Art Möbelspezialfabfii ״KOCHENFEE“ RABL KL1KBBBOEB ft Oo. Wien, XX. Bei., Engelepl&tx Nr. 6 Nur eigene Erzeugnisse, garantiert solide Bauart. Höchste Auszeichnung (Goldene Medaille 1918). F11iaI an: I., Spiegelgasse 15 VIII, JoefslitHeitr. 30 >11., Landstr. Hauptetr. 65 XVIII., Wihringerttraue 115 IV., Margaretenstraese 2 VI., Stunpergasst 51 XXL, Hauptstrasse 28 XXI f Kagran,Wagranerstr.HS und die Armen eine eifrige Fürsorgerin, die ihre bedrängte Lage stets zu lindern trachtete. Die Verklärte war mit den! herrlichsten Eigenschaften, mit den schönsten weiblichen! Zierden ausgestattet. Sie führte allzeit ein ihrer Ahneif würdiges, frommes Leben, ein Wandel in G-tt, vorbildlieh nicht nur für ihre Hausgenossen, Sondern für alle auch, die sie kannten. צדיק אבד לחדן אבד der Fromme stirbt seinem Zeitalter. Sie war ein Muster milden Herzens, denn manche Träne hat sie getrocknet, manches Leid hat sie gemildert. Bei ihr hiess es: כל דכפין ייתי ויכל, ihr ganzes Leben war ausschliesslich den Werken der Frömmigkeit und der Menschenliebe gewidmet. Mit besonderer, unermüdlicher Liebe und mit echt jüdischem! Zartsinn widmete sie sich den in ihrem Hause — ihr Gatte ist seit vielen Jahren Kassier des תומך אביונים Vereines —* verkehrenden Armen. Sie war eine אשת תיל in des Wortes edelster Bedeutung, gleich lobenswert als Mensch, Gattin und Mutter. Die ausserordentlich zahl■♦ reiche Beteiligung bei der לויח sowohl!vom Hause, wie auf dem Friedhof, an der sich ausser dem grössten Teile der Schiffschulgemeinde auch der Oberrabbiner Fürst, ferner die Rabbiner Baumgarten, Fleischmann, Schenk und viele andere, beteiligten, legt entsprechendes Zeugnis!ab, welch hohe Achtung die Verblichene genoss und wie sie es verstanden hat, sich die כתר שם טוב zu erringen; Leider war es — weil im Nissan — den offiziellen Vertretern der Gemeinde nicht möglich, ihre Verdienste am offenen Grabe in Nachrufen zu würdigen, und so unterzog sich ihr aus Eisenstadt herbeigeeilter Neffe, Herr J. Hirschler, der traurigen Pflicht seiner verewigten Tante מקצת שבתת nachzurufen. Was die Verewigte war, wird unvergesslich im Herzen aller fortleben, die sie kannten und weit über den. engen Kreis der ihrigen hinaus wird ihr Andenken ium e'Wigeifroihnfd׳ und ,anregenden Beispiel fortwirken. תנצבח Wien. Am & ניסן ist Frau Ester Braun, Gattin des allgemein verehrten Mitgliedes der Schiffschulgemeinde Herrn Gesa Braun, durch den Tod von den unsägliehen Leiden und Schmerzen, die sie ein ganzes Jähi! lang an ihr Lager fesselten, befreit worden. Die Verblichene war die Tochter des berühmten Rabbiners zu D. Szerdahele הגאון מ״ח שמיא אסאד זצ״ל und eine Enkelin des weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus bekannten Gaon R. Jehuda Aszad זצ״ל, deren Traditionen sie in ihrer eigenen Familie fortsetzte. Der schmerzerfüllte Gatte verliert in ihr eine treue, liebevolle Gefährtin, die! Kinder eine aufopfernde Mutter, die Witwen und Waisen stein, über den Eisenstädter Friedhof ein sehr beachtenswertes Werk herausgefoen konnte. Herr Wolf, der für Palästina warmes Interesse hegt, ist erst kürz- Sich von einer ■Reise in Palästina heimgekehrt. Von Eisenstadt bin ich nach Ma.ttersdorf gefahren. Diese Stadt ist ein wichtiges Zentrum des altjüdischen Lebens im Burgenlande. Dais Ghetto in Mattersdorf zeigt ganz anderen Charakter als das in Eisenstadt. In Mattersdorf war ich Zeuge eines Leichenbegängnistses, das nach dem uralten jüdischen Ritus, der in diesen Gemeinden üblich ist, vor sich ging. Viel Interessantes zeigte auch der Friedhof, dessen Steine einer wissenschaftlichen Durchforschung noch entbehren. Mattersdorf erhält eine grosse Jeschiwa, an welcher man heute noch so Talmud lernt wie in den guten alten Zeiten. Der Rabbiner ist das Oberhaupt der Jeschiwa, und als ich das Beth Hamidirasch betrat, hielt er gerade vor seinen Schülern einen Lehrvortrag, und es war interessant, zu beobachten, wie Schüler und Meister sich im scharfen Pilpul ereiferten. Die Jesohiwa in Mattensdorf wird in Anbetracht ihrer Wichtigkeit nicht nur von den Ortsansässigen, sondern auch von den Wiener Juden unterstützt. Die Wiener Aguda schickt Kinder hin, um d0Tt an der Jeschiwa das zu erhallten, was ihnen die Grosistadt nicht bieten kann: altjüdische Gelehrsamkeit und altjüdische Lebensweise. Trotz dieser Unterstützung befindet sich die Jeschiwa in gedrückter ökonomischer Situation. Die Baoburim erhallten wohl an der Mensa ihre Mahlzeiten, aber auch die ökonomische Grundlage dieser wichtigen Institutian ist bereits ins Wanken geraten. Generalversammlung des Vereines ״Marphe Lanefesch", Am 7. April fand׳ ■unter besonders starker Beteiligang dite Generalversammlung!• statt. Es erschienen lim Namen1 der Adass Jisroel H. J. Stern:, im Namen der Agudas Jisroel H. iW. Papp en he im, namens dies Vereines ״Tafferes Bachurim‘* fi. Da wild IBreuer. Nach Eröffnung der Generaflversaaftirihmg diurch den1 Präsidenten IH. Fleischmann, gedachte Du. Reiniger der Verdienste der verstorbenen (Mitglieder und besonders des H. iLgn a'z IRo׳sner s. A. Nach Erstattung des• Rechenschaftsberichtes ent-!wickelte sieh eine!lebhafte (Debatte, in der eine ganze Reihe von Neuerungen besprochen: und beschlossen wurden, wonach der Bericht zur Kenntnis genommen ,wurde. Foligende Herren wurden per Akklamation in den neuen Vorstand gewählt: F. Fleischmann, L. Ulilmann, IM. Augapfel, M. iGans'l, (Dr. I. Reiniger, M. iWarkany, M. Leitner, iW. Pappenheim, P. Grünhut, G.!Wesel, N. Kisdhitz, J. Gelles, L. Roseniberg, I. Brody, M. Schräge, F. Gottfried, 1M. Schäfferdiim. XII. Generalversammlung des Vereines ״Einheit'*. Montag, den 24. März d. J. fand die XII. Genera!- Versammlung des Vereines ״Einheit“ statt. Den Vorsitz führte in Vertretung des erkrankten Präsidenten׳ H. Bernhard Hofbauer der erste Vizepräsident H.!Moritz Felseniburg. Er begrüsste nach Eröffnung der Versammlung folgende Gäste: Für!den Vorstand der israeltischen Kultusgemeinde Herrn Kommerzialrat Sigmund Bondi, für die Aigudatih Jisroel und die Adass Jisroel' Herrn (Wolf P a p p e n h 0 i in, für die Chewra Kadischa der!innneren ßtadit ■Herrn Franz Den es, für die Talmud Thora, Wien, if., Herrn Hirsch, für den Tempelverein Achdus Jisroel Herrn Obmann Josef Winter, für den Bethausverein Machsike Thora, Wien, IV., Obmann und Kassier, für die ״iWoÖa“ Herrn Oberxevidenten Blume, ferner (Herrn Bezfirksrat Hermann Plaschkes, ■Herrn Meditzinalrat Dr. Bela Rosenthal, Professor Moritz Amtscherl und Chefredakteur Ludwig H i r s c h f e 1 d. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokofles der elften ordentlichen Generalversammlung erläuterte ■der Schriftführer, Direktor Dr. Krenberger, den! kurzen, gedruckten Jahresbericht für 1923. Im Namen der Revisoren! erstattete Herr Jakob Stern den Bericht uind beantragte unter lobendster Erwähnung des harten Existenzkampfes der ״Einheit“ Dank, Anerkennung Wie Genehmigung der Rechenschaftsberichte, was unter Beifall einhellig erfolgte. In der Debatte ergriffen das Wort die Herren: Prä&ident W. Pappenhehn, Beiztrksrat H. Plaschkes, Professor Moritz, Antscherl und׳ Hof rat Dr. Schlag, die dem Vereine weitere Unterstützung namens Ihrer Institution׳ zu sagten.!Die ausschekienden Vorstandsmitglieder. Bernhard (Hofbauer, Dr. Isidor Reiniger, Architekt!ganz Reiser und Frau Henny Schreiber wurden wiederge wühlt. Herrn Alexander Elger, der Sn früheren Jahren verdienstvollist für ■die ״Einheit* gewirkt 'hatte, der aber jetzt von weiterer Tätigkeit abgehalten wird, wurde der Dank für seine humanitäre (Arbeit in der ״Einheit“ ausgedrückt, seine Vorstandsstelle aber nicht besetzt. Die Herren Emil Kritzler, Jakob Stern und Jakob Fuchs wurden für!ihre ÖahreJIange ersprießliche Mitwirkung bedankt und per. acclamation als Revisoren wiedergewählt.!Um 9 U.hr schloss der Vorsitzende die XII. ordentliehe Generalversammlung mit besten Wünschen für die Gesundung des allverehrten Herrn Präsidenten Bernhard!Höfbauer und mit Dank an den Herrn Obermedizinalrait Dr. S. Krüger für die Ueberiassung des Saales im El'isabethheiiin. Veränderung in der Redaktion des ״Zelt". Wie wir erfahren, ist Prof. Dr. Max Eisler nach! dem Erscheinen der zweiten Nummer der Kunstzeitschrift des ״Zelt“ aus der Redaktion der Zeitschrift ausgetreten. Dtatscbland. Die Palästinazentrale in Deutschland erwirbt ein Landgut. Frankfurt. (A. J. P. B.) Der Palästinazentrale gelang es, ein grösseres Lehrgut zur Ausbildung von Aulim mach Erez Jisroel zu erwerben. Bundestag des ״Bundes Jüdischer Akademiker". Berlin.. (A. J. P. B.) Als Tagungsort des nächste» Bundestages ist Hamburg und als Zeitpunkt der Tagung die erste Jumihälfte dieses Jahres in Aussicht genommen. Der Bundestag soll einen vorwiegend ׳wissenschaftlichen Charakter tragen. Pokn. Der ״Blaszower Raw“ gestorben. Warschau. (J. P. Z.) Grossrabbiner Hersch Meilech Schapiro, allgemein bekannt unter dem Namen ״Blaszower Raw“, ist im Alter von 82 Jahren am Mittwoch den 5. Nissa (9. April) in Rzeszow (Galizien) verschieden. Grossrabbiner Schapiro hatte mehrere Tausend Anhänger in Mittelgalizien als Nachfolger seines Vaters, des Grossrabbiners David Schapiro in Dynow, der der Sohn des Grossrabbiners Hersch Meilech Schapiro in D£now, Verfasser des grösseren ethisch-kabbalistischen Werkes ״Bne Jesosschor“ war. Eine neue Revision im Prozess Schapira beschlossen. Warschau. (J. T. A.) Noch zu Beginn des Oktober v. J., gleich nachdem das militärische Kreisgericht in Plock das Todesurteil gegen den hingerichteten Rabbi Schapira nachträglich bestätigt hatte, hat der Rechtsvertreter der Familie Schapira, Deputierter Hartglas, beim Obersten Militärgericht elinen eingehend motivierten Protest gegen den Beschluss des Kreisgericbtes eHnigereicht und auf eine Reiiihe rechtswidriger Tatsachen im Verlauf der Verbandluiig h'ingewiesen. Nunmehr hat der Präsident des Obersten Militärgerichts, General Pick, beschlossen, das Urteil des militärischen Kreisgerichtes nicht zu bestätigen und anzu• ordnen, dass der Prozess neuerdings vor einem zweiten Revisionstribunal verhandelt wird.!Die wegen Spionage erfolgte Verurteilung und sofortige Hinrichtung des Rabbi Schapira in Plock durch ein polnisches Feldgericht zur Zeit des russisch-polnischen Krieges hat diie polnische Judenheit seinerzeit in Erregung versetzt, umsomehr als alle Umstände des Prozesses darauf hiniwiesen, dass die Beschuldigung gegen den erschossenen Rabbi nicht nur haltlos, sondern auch lädier־: lieh waren. Die im Herbst vorigen Jahres erfolgte Bestätigung des Feldgerichtsurteils durch ein militärisches Kreisgericlht in Plock hat ■umsomehr Aufsehen erregt, als durch die neuerlichen Verhandlungen erst recht die voll• kommene Schuldlosigkeit Sahapiras hervorging. Citatten. Ablehnung der staatlichen Rabbinergehälter in Litauen. Kowno. (J. T. A.) :Der litauische Sejm verhandelte in seiner letzten Sitzung den ׳Etat des Religionsdepartements. Der Budgetteil für die Gehälter der katholischen Geistliehen sowie auch der evangelischen und pravoslawen Geistlichen wurde angenommen. ■Einzig die für die jüdisehen Rabbiner vorgesehenen ׳Staatisgehälter wurden abgelehnt. Demnach werden die jüdischen Rabbiner die bisher ihnen zugeflossenen staatlichen׳ Zuschüsse von jetzt ab nicht mehr erhalten. Im Zusammenhang mit diesem Beschluss des Sejm erfährt der J. T. A.-Vertreter folgendes: Anfangs war für die jüdischen Rabbiner 7J5 Prozent des Gesamtetats der Geistlichengehälter ausgesetzt gewesen. Später ging man von diesem System ab und setzte fest, dass jeder Rabbiner monatlich 30 Lit (3 Dollar) erhalten soll. Meinungsverschiedenhett herrschte noch in bezug auf die Zahl der staatlich zu entlohnenden Rabbiner. Das Jüdiscbe!Ministesteriium hat der Regierung eine Liste von 170׳ Rabbinern übermittelt, die Regierung bestätigte aber bloss für Perücken aus dauergewelltem Naturliaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, KXrntnerstrasse 8 (nächst dem StefenapUti, am die Ecke)