Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHE Pt UniversitatsbiMiotfae 1•. Franzensring!■«!«* ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, 1(״ Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freilag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 300 Lei, Jugoslawien 100 Dinar« Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Postspar kau senamt Wien, Konto 21* *ir?,01en: postsparkassenamt Warschau, Konto י J?rJJn.ßan,! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; rar Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Ko״)® Nr. 53.086; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40^17; f.Rumflnten: Banca Marmarosch Blanc 81 Co für Florenz 8t Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mr. 18 Wien-Bratislava, 2. Mai 1924 .10 | ביה ויענודפרעספבורג כ״ח ניק תיפ׳ד. Jahrg. Welt und Wort. Wenn die Welt zuweilen unter dem Eindruck mächtiger Ereignisse irgend ein Wort prägt, mit dem stürmischen Eifer der Jugend, welche keine Forderungen für unerfüllbar hält, wenn es dann ferner keine Menschen gibt, die den Mut haben der Welt zu sagen, dass man sich an Worten nicht berauschen darf und dass auf dem Weg von Wort zur Tat die Erfahrung des bedächtig prüfenden Alters und der bedächtig prüfenden Gewissenhaftigkeit nicht zu entbehren ist, dann wird sehr leicht aus dem Wort der Welt eine Welt der Worte, der leeren inhaltslosen Worte, an denen man sich berauscht und von welchem getragen man am liebsten diejenigen steinige» möchte, die nach dem Inhalt des Wortes fragen und das Wort auf alle Konsequenzen hin prüfen. Man verzeihe uns dieses Spiel mit Worten, aber in diesem Spiel ist ein Spiegel der Erfahrung der jüngsten zwei Jahrzehnte gegeben. Es liegt uns natürlich himmelsferne, in irgend etwas, was jüdische Menschen denken und unternehmen das Gift der Mutlosigkeit träufeln zu wollen. Wir schreiben diese Zeilen! auch! nicht für unsere Gegner, die ja unsere Grundanschauung als solche bekämpfen, mit denen es also ein Verstehen kaum geben kann. An unsere Freunde wenden wir uns, an diejenigen, die mit uns das Heil Judas und wohl auch das Heil der Welt in der Erfüllung der Thora nach Pflicht und Verheissung erblicken. Wir haben an dieselben nur eine schlichte Bitte: Die jüngsten zwei Jahrzehnte haben in das jüdische Wollen eine Fülle von Schlagworten hineingetragen, von Worten, die verwirrend gewirkt und die Reinheit des Thoraideals getrübt haben, von solchen Worten sogar, welche für die ganze Welt die sogenannte Judenfrage auf ein ganz anderes Gebiet verschoben haben, von Worten, die■ hinsichtlich notwendiger Entwicklung wenig Vorahnung und Verständnis bewiesen haben. Da war es etwas schönes um Mut der Agudas Jisroel in der Blüte!ihrer Jugend, dass sie stets auf dem Plan war, um den Schlagworten die Wahrheit, um den Träumen die Wirklichkeit entgegenzuhalten. Wir glaubeh, es ist der höchste Gipfel von Gewissenhaftigkeit, wenn führende und folgende Menschen den Mut der Minorität haben und ihn bewähren. Wir finden jedoch, dass auch wir nicht alle vor der Gefahr gefeit sind, in der Welt der Worte uns zu verlieren. Und doch gibt es ein so einfaches Mittel; man sollte all diese Worte darauf hin prüfen, ob sie vereinbar sind mit Laut und Geist der Thora, mit den Empfindungen der Verantwortlichkeit für das, was an jedem Einzelnen und an der Gesamtheit der Juden geschieht. Dann würde man es lernen, alles weit von sich zu weisen, was lediglich aus unbewusster Nachahmung geschieht, was nur irgend wie aus der für Durchschnittsmenschen allerdings verzeihliehen Sehnsucht quillt, zu sein, wie die Völker um uns, zu leben und zu sterben wie sie. Den Segulocharakter der Judenheit preiszugeben für ein Wort, und sei es noch so •geschickt geformt, und wohne •ihm noch so verführerische Kraft inne, das ist •der wahre, das ist der einzige Volksverrat, Wir möchten diese Er- Wägungen geneigtest zur Prüfung• unterbreiten denen (auch nur denen unter uns), welche beispielsweise es nicht erfassen, welch gewaltige Garantie für den Bestand der jüdischen Gesamtheit darin liegt, dass man ihren Zusammenhalt, ijire Zusammengehörigkeit lediglich aus dem Judentuift ableitet, deshalb von einer ״Konfessionsgemeinso|iaft“ spricht, die wahrlieh bis zur Prägung des Entgegengesetzten Schlag- Wortes, die Einzigartigkeit* fcwd die Einheit der Judem auch nach aussen stets zum' wirklichen Sieg geführt hat. Auf den Namen •kommt es nicht an, aber begreifen müssten alle diejenigen Juden als Konfessionsgemeinschaft, die etwa wissen, •dass nur auf V-ergehen gegen das Bekenntnis und seine Aeusserungen die Ausrottung, d. h. die vollkommene Lösung vom jüdischen Volke durch den Allmächtigen an dem Verbrecher erfolgt. Dem Wort der Welt ist das Wort der Wahrheit entgegengesetzt. Nur so werden die Lebenden u׳nd die Sterbenden zu ihrem Volke ״eingesammelt“. ב״ה. Wien, im Nissan 568( Einladung *Ul ordentlichen Generalversammlung der Agudas Jisroel-Orts gruppe, welche אי״דזא. דר״וץ איור deo 4. Mai um 10 Uhr vormittags Im Lokal• der Jagendgrnppe, II., Flossgasse 1, stattfioden wird. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht. Keren Hatora. Soziale Fürsorge. Kassabericht. Erez Jisroel. Jugendarbeit. Neuwahlen. Hochachtungsvoll Wolf Pappenheim m. p., Obmann. Anträge müssen drei Taste vor der Generalversammlung dem Vorstande vorgelegt werden. Generalversammlung der Agudas Jisroel. Sonntag אייר m א׳ den 4. Mai, 10 Uhr vormittags findet die Generalversammlung der Agudas Jisroel (Wien) im Vortragss׳aale der Jugendgruppe, II., Flossgasse 1, statt. Der Vorstand hat über eine Periode fruehtbringender Tätigkeit zu berichten, die der Aguda im jüdischen •Leben Wiens eine hervorragende Stellung erworben hat. •Ehe Leistungen auf dem Gebiete der Organisatio-n, für Pflege des Thora Wissens und -Lernsens, der Palästina- Arbeit, der sozialen Hilfe, die Gründung einer grossen gediegenen Jugendgmppe sind ׳achtunggebietend. Aber es ist kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Die gewaltigen Aufgaben der Aguda bedürfen der intensivsten Mitarbeit aller Jereim. Hoffentlich wird die Generalversammlung den Ausgangspunkt allgemeiner Tätigkeit für die Agudah bilden und dazu helfen, die Beschlüsse der Kenessioh Gedau 1 0, die den Glanzpunkt der Agudahtätigkeit in Wien bildet, in die Tat umzusetzen. w p Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Eine Stunde später. Leah hatte das •Haus verlassen und Frau Esther begab sich in das Studierzimmer ihres Gatten, der bei ihrem Eintritt sofort die Feder aus der Hand legte. ״Du siehst, mein Kind, dass ich mitten im Satze meine Arbeit unterbreche, um deine Mitteilungen zu hören. Sag’, was bedrückt dich?“ ״Weisst du, wie alt Leah in drei Tagen sein wird?“ Lächelnd erwiderte ihr Gatte: ״Ich weiss es genau. Sie wird unter dem Schutze des Allmächtigen in drei Tagen die Wiederkehr ihres achtzehnten Geburtstages feiern und ich kenne daher genau das hohe Alter, das unsere Tochter gottlob — nicht drückt, wohl aber, wie es scheint, dich, meine Liebe.“ ״Scherze nicht! Ich weiss, unser Kind steht in der blühendsten Jugend, strahlt in Schönheit und Anmut, aber .! .3 י i t;!$■;■ ■L. : ״Sprich lieber davon, dass sie mit den edelsten Vorzügen des Geistes und des Herzens geschmückt ist, die köstlicher und bleibender sind als der vergängliche Reiz der Schönheit.“ ״Gewiss, gewiss .... du darfst aber der Mutter die eitle Schwäche nicht verübeln, dass sie bei unserer Leah, die doch die ganze Stadt nur unter dem Namen ״die schöne Leah“ kennt, unwillkürlich auch zuerst von ihrer Schönheit spricht. Dass Leah auch alle Tugenden besitzt, die an einem echten jüdischen Mädchen gepriesen werden, wer weiss das besser als ich, die Mutter! Aber gerade darum musst du meinen Kummer begreifen und ... ich sage es gerade heraus . . . auch teilen. Ja, das solltest du. Denn noch immer sehe ich nicht den Mann, der sie als Gattin heimführen wird.“ ״Ach, die alte Sorge, obwohl Leah erst 18 Jahre jung ist. Aber ich erinnere mich genau, dass du bereits vor einem Jahre in ähnlicher Weise schmerzlichen Muttergefühlen Ausdruck gabst. Und da war sie erst 17 Jahre alt!“ ״Ach, ich bitte dich, lache nicht über mich! Du weisst ganz genau, dass Leahs Freundinnen und Altersgenossinnen fast alle schon glückliche Frauen und Mütter sind, während unsere Tochter . . .“ Lächelnd unterbrach der Rabbi die im Eifer der Rede jugendlich errötende Gattin: ״Natürlich begreife ich den Kummer der Mutter, die neidvoll sehen muss, wie die Töchter anderer von Freiem bedrängt, begehrt werden, während niemand da ist, der sich um ihr armes Kind bewerben würde.“ ״Der Himmel bewahre mich vor der hässlichen Sünde des Neides, den du mir, ich weiss, nur in scherzhafter Ironie zumutest,“ rief Esther lebhaft. ״Zum Neid hätte ich auch beim bösesten Willen keinen Anlass! Ach, wie vielen Bewerbern um Leahs Hand mussten wir schon schweren Herzens ein krankendes Nein sagen. Und •was für ausgezeichnete Männer waren darunter!“ ״Nun, da du zum Neid wirklich keinen Grund hast, was willst du dann?“ ״Was ich will? Dass wir, oder richtiger, dass Leah zur Abwechslung •einmal schon Ja sagen wollte.“ ״Wir können unser Kind nicht zu einer Heirat zwingen,“ sagte ernst der Rabbi. ״Das brächten wir nicht übers Herz, auch wenn es nicht sündhaft wäre.“ ״Wer denkt daran! Aber wenn ich glaube, dass sie ihr Glück von sich* stösst . . ״Nein, meine Teuere, das sollst und darfst du nicht glauben. Das Wort unserer Weisen, dass bei der Geburt eines Menschen im Himmel verkündet wird, wen er heiraten werde, bürgt dir dafür, dass Leah die Gattin des Mannes werden wird, der ihr bestimmt •ist. Wir können uns beruhigt sagen, alles, was geschieht, geschieht nach Gottes Willen, zu unserem Besten.“ ״Gewiss ... nie ist der Gedanke noch je aus meinem Herzen gewichen. Aber verzeih’ ... unwillkürlich denkt man doch immer wieder auch daran, dass die Eltern die Pflicht haben, mit ihrem Rate ihrem Kinde zur Seite zu stehen, •wenn man es auch vermeiden muss, ihn dem Kinde gewaltsam aufzuzwingen. Das ging mir wieder durch den Kopf, als vorgestern die Gattin des Vorstehers bei ihrem Besuche wieder von ihrem Sohne Jose sprach und Anspielungen auf seine unüberwindlichen Herzens-, wünsche machte.“ (Fortsetzung folgt.) Ottmar Schill — - Wltn ז.=—— Kirntntmna Ihr. t (8'ttiittr 4«■ not»! bmioi), Cti. ׳ ׳•- Pi« grösste international« KmunwltstSttt für- ־ Perücken, Scheitel und Cransformationen €n flios — cn getan / Billigste flttRanTsqueric / Pie BefSteltwng m garawt. daiuTgweme« natarhaaf Liefert seit mebr als aadertbalb jabrxebatca des voraebastea orthodoxe« Daata aller CSader Perflcttea. Spexislirt la Braat*fcbelttla. 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